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Wollen Sie Zigarren kaufen? Kubanische Straßenhändler.

Die offiziellen Preise für Cohibas und Montecristos scheinen vielen Touristen zu hoch zu sein, und so suchen sie nach anderen Wegen, um Zigarren zu kaufen.

 

In Trinidads Zentrum spricht uns ein Typ an – eine prima Gelegenheit, denn wir wollen herausfinden, wie man auf inoffizielle Weise Zigarren kaufen kann. Er weist uns in Richtung der Marktgassen. „Ich arbeite in einem Geschäft am Markt, wo es alle möglichen Zigarren gibt“, behauptet er. „Ist es ein offizielles Habano-Geschäft?“ frage ich ihn. „Ja, natürlich. Es ist ein offizieller Markt“, lautet seine recht dubiose Antwort. „Wieviel kosten sie?“ „Wenn Sie mit einem Führer gehen, ist es teurer, weil der eine Provision verlangt. Aber wenn wir direkt mit den Touristen reden, ist es billiger.“ Wir folgen ihm die Stufen hinunter zum Markt.

„Hier entlang“, meint unser neu gewonnener Tabak-Führer und deutet auf eine enge Kopfsteinpflastergasse, die mit Marktständen gesäumt ist. Dort wird alles Mögliche angeboten, von Trödel bis hin zu Musikinstrumenten, Schmuck und Outdoor-Bekleidung. Wir betreten ein Wohnzimmer, wo ein Mann fernsieht und uns kaum beachtet.

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Photo: Simon Lundh

Ich nehme an, wir sind nicht die ersten Besucher, die durch sein Wohnzimmer spazieren. Mein Verdacht wird sogleich bestätigt. Im angrenzenden Schlafzimmer wird gerade ein Geschäft abgewickelt. Als wir eintreten, erblicken wir ein Doppelbett voller Zigarrenkisten und zwei junge Europäerinnen, die gerade dabei sind, zu bezahlen. Danach werden sie hinausgeführt und die Aufmerksamkeit gilt allein uns.

„Welche Art von Zigarren möchten Sie denn kaufen?“ „Sind das offizielle, handgefertigte Zigarren?“ erkundige ich mich. „Ja, natürlich.“ „Aus Havanna?“ „Nein, größtenteils aus einer Fabrik in Cabaiguán, in Sancti Spíritus, etwa 150 Kilometer von hier.“ „Ich weiß sehr wohl, dass manche Leute hier Zigarren illegal in ihrem Zuhause herstellen …“. „Ja, das stimmt, aber das ist nicht machbar“, meint er ausweichend. Er will damit vermutlich sagen, dass es illegal ist, gefälschte Zigarren zu verkaufen. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre und es scheint auch niemanden zu stören, dass ich Fotos mache. „Wieviel kosten diese hier?“ frage ich und zeige auf eine x-beliebige Kiste Cohiba. „Die gehören zu den teureren. Im Geschäft würden sie etwa 300 Dollar kosten. Ich verkaufe sie für 90.“

Heute findet ein Zigarrenfestival statt. Wollen Sie Zigarren kaufen?

„Wie ist es möglich, dass sie hier so viel billiger sind?“ „Weil ich früher in der Fabrik als Qualitätsprüfer gearbeitet habe. Ich hab dort noch Kontakte und kann die Kisten so viel günstiger kaufen.“ „So gut wie kein Tourist kauft Zigarren in Geschäften“, wirft der Kamerad des Besitzers ein. „Sie bekommen hier vier Kisten für den Preis, die eine im Geschäft kostet.“ „Sie sind sogar besser hier, frischer“, fügt der Besitzer hinzu. „Frischer?“ „Ja“, setzt der Kamerad fort. „Nachdem niemand die Zigarren in den Geschäften kauft, liegen sie dort lange und werden alt. Selbst die Touristen sagen das.“ „Rauchen Sie?“ fragt mich der Besitzer und überreicht mir eine Montecristo No. 2. Ich zünde sie an und sie schmeckt tatsächlich gut. „Das rauchen Millionäre“, schlussfolgert sein Kamerad. Wir entscheiden uns für eine Kiste mit 25 Stück Cohiba Siglo IV für 50 Dollar und verabschieden uns.

Wir kehren nach Havanna zurück. Im Parque Central im Herzen der Hauptstadt kann man kaum einen Schritt machen, ohne dass man von jemandem angesprochen wird, der etwas anbietet, sei es eine Taxifahrt, Unterkunft, oder – natürlich – Zigarren.

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Photo: Simon Lundh

„Heute findet ein Zigarrenfestival statt. Wollen Sie Zigarren kaufen? „Was für ein Festival?“ frage ich den hinkenden Mann, der uns angesprochen hat. „Es ist ein festival de cooperativas de cigarros.“ „Ich weiß nicht …“ „Es ist zwei Häuserblöcke in diese Richtung, schauen Sie doch hin, wenn Sie etwas kaufen wollen. Nur heute.“ „Ja, o.k.“

Wir machen uns auf den Weg. Als wir stoppen, um nach etwas Ausschau zu halten, das einem Event zumindest ähneln könnte, taucht der hinkende Mann wie durch ein Wunder hinter uns auf. „Hier entlang“, sagt er und überquert die Straße. „Sind diese Zigarren aus einer offiziellen Fabrik?“ frage ich ihn. „Ja, ja. Einmal pro Monat können die Angestellten der Fabriken Zigarren durch Kooperativen verkaufen. Mögen Sie Salsa?“ Nachdem mir auffällt, dass er das Thema wechseln will, versuche ich, mich nicht ablenken zu lassen. „Nein, ich kann nicht tanzen. Wie kommt es, dass Sie die Zigarren einfach so außerhalb der Fabrik und Geschäfte verkaufen können?“ „Nein, es ist nicht außerhalb. Nur die Arbeiter der Fabrik haben die Möglichkeit, Zigarren ohne Rechnung zu kaufen und ohne dass sie den Zoll passieren müssen.“

Obwohl ich mit dieser Erklärung wenig anfangen kann, gehen wir weiter und einen dunklen Treppenaufgang hinauf. Oben begrüßt uns ein Mann in den Dreißigern, der demonstrativ ein Abzeichen um den Hals trägt, als wolle er damit seine Verbindung mit der vermeintlichen Kooperative beweisen. „Hallo. Woher kommen Sie?“ „Schweden.“ „Willkommen bei der Kooperative der Fabrikarbeiter! Hier durch“, meint er und führt uns einen Gang entlang.

Sie bekommen hier vier Kisten für den Preis, die eine im Geschäft kostet.

„Hallo. Rauchen Sie?“, fragt mich der Kollege des Vertreters, ein jüngerer Mann. „Alle Kisten sind offen, damit Sie die Qualität prüfen können. Wenn Sie sich für eine entschieden haben, versiegeln wir sie, damit Sie keine Probleme mit dem Zoll haben.“ „Erzählt Ihnen über diesen Tag,“ meint unser Führer. „Raúl Castros neue Regierung gibt jedem Arbeiter die Möglichkeit, einmal im Monat zwei Kisten zum halben Preis zu verkaufen“, informiert der Vertreter.

Um uns von der hohen Qualität und Authentizität der Zigarren zu überzeugen, führen die zwei Mitglieder der Kooperative eine Reihe von Tests durch. „Was bedeutet es für Sie, Zigarren auf diese Weise zu verkaufen?“ erkundige ich mich. „Es bedeutet Mahlzeiten für uns, wir bekommen Essenscoupons“, sagt der Vertreter.

Es scheint mir zwar ein bisschen unlogisch, dass sich das Geld, das ich ihnen für die Kisten zahle, die sie aus der Fabrik mitnehmen dürfen, in Essenscoupons verwandelt, aber wer bin ich denn, das kubanische System anzuzweifeln? Und so lasse ich das Verkaufsgespräch beginnen. „Diese hier hat Che Guevara geraucht, und diese Winston Churchill. Wenn Sie mehr Kisten möchten, kommt das billiger. Wie wär’s mit dieser 25er-Kiste Cohibas für 150 Dollar? Im Geschäft kosten die 350 Dollar.“

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Photo: Simon Lundh

„Ist es möglich, nur ein oder zwei Stück zu kaufen?“ Diese Frage kommt bei dem Vertreter nicht gut an. „Wollen Sie nur hier in Kuba rauchen?“ fragt er ein wenig verärgert. Ja.“ „Wir haben eine Kiste mit zehn Zigarren“, meint der Kollege. „Zehn Montecristos, gute Qualität, für 80 Dollar.“ „Tut mir leid“, erwidere ich. „Das ist gewiss ein guter Preis, aber ich mag im Moment einfach nicht so viel Geldaus geben.“ „Wie viel wollen Sie denn ausgeben? Wie wär’s mit 50 Dollar für 25 Stück“, wirft der Vertreter ein. „Nein, tut mir leid.“ „Schauen Sie, wir bekommen diese Kisten, damit wir sie zum halben Preis verkaufen können.“ „Ich weiß“, antworte ich, „aber ich hab einfach nicht das Geld dafür.“

An dieser Stelle wird die Situation etwas unangenehm, und Verzweiflung beginnt sich abzuzeichnen. Während der Vertreter immer verärgerter wird und unser Führer wohl spürt, dass ihm seine Provision durch die Lappen geht, wirkt sein jüngerer Kollege weitaus gefasster. „Wie viel wollen Sie denn zahlen?“ fragt er mich. „Nicht mehr als zehn.“

„Wir haben hier eine Kiste mit drei Cohiba Robustos“, fährt er fort. „Die können Sie für 25 haben.“ Als wir uns dazu bewegen, zu gehen, wechseln die drei Männer schnell ein paar Worte und der Kollege wendet sich daraufhin wieder an uns. „Zwölf?“ fragt er. „Nein.“ „Okay, zehn. Bitte schön!“

Im Raum herrscht eine angespannte Atmosphäre und wir versuchen, so schnell wie möglich zu verschwinden. Doch der Führer stoppt uns.

„Nachdem Sie so gut wie nichts gekauft haben, habe ich meine Provision nicht bekommen. Können Sie mir zumindest mit einem Dollar aushelfen?“

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Sommer-Ausgabe 2014 veröffentlicht. Mehr

Simon Lundh

Nachdem Simon Lundh 2005 sein Ingenieursdiplom in Vermessungstechnik erwarb, entschied er sich für eine journalistische Laufbahn. Er entdeckte die Welt der Zigarren während er für eine nichtstaatliche Organisation in Estelí, Nicaragua, arbeitete und verdient seinen Lebensunterhalt nun größtenteils mit Artikeln über Zigarren, Metal Music und Tattoos sowie Reiseberichten.


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