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xikar travel humidor

Travel & Humidor: Reisehumidore im Test

Sie werden mit Füßen getreten, von Autos überfahren, über Bord oder vom 20. Stock und … sogar ins Feuer geworfen, nur um anschließend (oft unter dem Gejohle der Schaulustigen) auf das Ausmaß der Zerstörung hin inspiziert zu werden.

 

Die Rede ist von den bekannten Reisehumidoren im Military-Look. Bei den „Zerstörungs-Partys“, denen ich bisher beiwohnen durfte, waren die Zigarren im Inneren intakt geblieben. Mit einer Ausnahme: bei einem Biker-Treffen rund ums Lagerfeuer landete ein kleiner Humidor mit fünf ausgesprochen teuren Zigarren so unerreichbar im Flammenmeer, dass alle nur noch tatenlos zusehen konnten, wie das Ding zerrann. Anmerken möchte ich, dass es sich bei dieser Aktion weniger um einen Stresstest für das Gehäuse als um einen Akt der Böswilligkeit „unter Freunden“ gehandelt hat. Feuersicher sind die Reisehumidore also nicht wirklich, wenngleich jene aus ABS-Plastik (Acrylnitril-Butadien-Styrol) eine zeitlang durchhalten.

ABS beginnt in einem Temperaturbereich von 220–250°C zu schmelzen, macht aber bei einer Dauertemperatur von 85 bis 100 °C keine Zicken. Wie allerdings die Zigarren im Inneren auf eine derartige Hitzebelastung reagieren, das ist natürlich ein anderes Kapitel … So viel zu den Schwächen der Military-Reisehumidore. Aber nun zu ihren Vorzügen. Das Resultat vorweg: Wenn es darum geht, Zigarren unbeschädigt von A nach B zu transportieren, so sind sie in diesen Cases perfekt aufgehoben.

Ich habe tausende Zigarren zu unzähligen Tasting-Sessions in viele Länder gekarrt und weiß daher, wovon ich spreche. In Zeiten vor der „Erfindung“ dieser Wundergehäuse betteten wir Zigarren in Zeitungsschnitzel, rollten sie in Luftpolster-Folien oder schlichteten sie wieder und wieder in anderen Formationen in leere Kisten, um den Platz optimal zu nutzen und zu verhindern, dass die Zigarren hin und her fallen.

xikar travel humidor closed

Photo: Xikar

Auch unser Fotograf kann ein Lied davon singen. Während wir früher etliche Samples mehrmals ins Fotostudio schicken mussten, weil Zigarren mit aufgeplatztem Brandende [foot] nicht so toll aussehen, senden wir die Fotoexemplare heutzutage ohne Bedenken durch die Gegend – in unseren Xikar Travel Humidors. Wie sich die Zeiten ändern.

Noch ein Wort zu den Materialen: ABS-Plastik ist absolut geruchsneutral. Die Zigarren werden also in keiner Weise beeinträchtigt. Achtung: Es gibt auch Reisehumidore aus minderwertigen Plastiksorten, die relativ stark riechen (wie wir wissen, nehmen Zigarren jeden Fremdgeruch an). ABS-Plastik kann auch problemlos eingeschmolzen und wiederverwendet werden; es ist also ein durchaus umweltfreundlicher Stoff. Auch der Schaumstoffeinsatz in den Humidoren, der den Zigarren mit wohlgeformten Liegebetten den eigentlichen Halt gibt, ist frei von Fremdgerüchen. Er wird aus Polyurethan gefertigt – ein dauerelastischer Weichschaum, wie er auch für Haushaltsschwämme verwendet wird.

Beim Kauf eines derartigen Produkts sollten Sie darauf achten, dass es luftdicht schließt. Eine umlaufende Nut am Behälter und ein Dichtungsring im Deckel sorgen für größtmögliche Dichtheit. Ein bekanntes Phänomen, das daraus resultiert, ist die Schwierigkeit, den Behälter nach einem Flug wieder zu öffnen.

Scott Almsberger von Xikar hat die Lösung dafür parat: „Unsere größeren Modelle für 18 Zigarren und mehr verfügen über ein Druckausgleichsventil [pressure relief valve]. Nach dem Flug dreht man es auf und kann den Behälter problemlos öffnen. Mein Tipp für die kleinen Modelle: Legen Sie einfach das Ende der Zellophanhülse einer Zigarre über den Deckelrand, sodass es aus dem verschlossenen Behälter herausragt. Nach dem Flug gibt es dann kein Problem beim Öffnen.“

Zigarrenfreunde, die ihre Freizeit gern am Wasser verbringen, sind von dieser Art Reisehumidor begeistert. Die Gehäuse schützen die Zigarren vor zu hoher Feuchte am Meer, sind wasserdicht und treiben im Fall des Falles auf der Wasseroberfläche. Das sind Vorzüge, die zusammen mit dem geringen Gewicht und der Widerstandsfähigkeit des Materials klar für diese Produktkategorie sprechen.

Ein Bedenken möchte ich dennoch nicht verschweigen, und zwar betrifft es das Mini-Befeuchtungssystem in den Behältern. Persönlich halte ich es für überflüssig und untauglich. Erstens ist die Gefahr groß, dass man den Schwamm überfeuchtet und Wasser auf die darunter liegenden Zigarren tropft. Und zweitens will und kann ich nicht glauben, dass sich die Feuchte des Schwamms gleichmäßig über das Volumen des Behälters verteilen kann. Ich fürchte vielmehr, dass die Feuchte in unmittelbarer Umgebung des Schwamms viel zu hoch ist. Sicherer scheint es mir, in jede Etage Zigarren ein Befeuchtungspäckchen von Bóveda zu legen.

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Sommer-Ausgabe 2014 veröffentlicht. Mehr

Reinhold C. Widmayer

His journalistic career began in 1979 as a freelancer for German-language newspapers in the US, and later for Austrian media including Die Wochenpresse and Das Wirtschaftsblatt. For ten years he also produced programs for over 60 radio stations around the world. In 1994, Reinhold C. Widmayer devoted himself to all things cigar, publishing technical articles in cigar magazines. He began working for Cigar Journal in 2001 and became editor-in-chief in 2005; under his auspices the journal has established itself as the world’s leading cigar magazine.


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