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MADE IN ITALY

Ein kalter Morgen, Milano Linate. Massimo de Munari holt mich am Gate ab, wir steigen in sein Auto und fahren zackig ins Zentrum von Mailand, um die örtliche Casa del Habano zu inspizieren. Massimo ist kein Fremdenführer, sondern gemeinsam mit seinem Bruder Eigentümer einer Kunsttischlerei. Sein Betrieb DeArt richtet weltweit kunstvoll Räume ein, die ihresgleichen suchen. Unser Interesse gilt DeArt, das sich im Großraum Mailands angesiedelt hat, weil sich die Besitzer Massimo und Alberto de Munari auf den Bau von Humidoren spezialisiert haben. Unter anderem hat DeArt die Casa del Habano in Mailand gestaltet. Die Objekte firmieren unter dem Namen Cigars Time. Auch wer ein Fan von Yachten ist, findet in den beiden Brüdern die Experten für die Inneneinrichtung eines Schiffs. Sie zeichnen für die Kajüten diverser Luxus-Yachten verantwortlich. Um die Neugier noch etwas anzuheizen: Die Bandbreite der Auftraggeber des italienischen Familienbetriebs bewegt sich von Privatiers über Restaurant- und Shopbesitzer bis hin zu Staatsoberhäuptern, die Arbeiten finden sich von London über Saudi Arabien bis nach Singapur und China.

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Ein kleines Gesamtkunstwerk der Humidorbauer aus Italien: der Walk-in-Humidor im The Wellesley in London

VON LOUIS-SEIZE ZUM WALK-IN-HUMIDOR
Albertos und Massimos Vater, Giovanni de Munari, gründete 1962 das Unternehmen in Calvenzano, nahe von Mailand. „Zu dieser Zeit siedelten sich dort viele Handwerksbetriebe an und noch heute gibt es hier zahlreiche Meisterbetriebe“, erklärt mir Massimo. Vor allem Kunsttischler und Intarsienkünstler fanden hier ihre Wirkungsstätte. Giovanni de Munari suchte sich ähnlich wie die Söhne heute ein Spezialgebiet. Er baute Barometer und fokussierte sich dann auf die Konstruktion von Stand-, Pendel- und Wohnraumuhren. Weiters spezialisierte sich DeArt auf den Bau von Stilmöbeln. Kunstvolle Objekte können nach wie vor angefertigt werden. Louis-seize, Klassizismus, Art-Deco – alles ist möglich. Keine Formensprache ist den de Munaris fremd. Die Leidenschaft für Zigarren und deren Aufbewahrungsmöglichkeiten entfachte Giancarlo Savinelli in den späten 1980er- Jahren. „Er bat uns, Humidore zu fertigen; wir lieferten daraufhin Boxen mit verschiedenen Intarisenmotiven. Auf der RTDA, heute IPCPR, waren sie der Renner“, erinnert sich Massimo de Munari. Mittlerweile ist ein Expertenteam innerhalb der Firma ausschließlich auf den Bau und die Technik für Humidore spezialisiert. Aus den Boxen wurden Vitrinen, dann Schränke und mittlerweile Walk-in-Humidore. Als die Söhne den Betrieb übernahmen, investierten sie in Hightech-Geräte, DeArt ist technisch auf dem neuesten Stand. Vor Ort, in der Fabrik, kann ich jeden Schritt mitverfolgen und beobachte, wie ein Cigarstime-Humidor konstruiert wird. Wir beginnen unseren Rundgang bei der Lagerstätte des Zedernholzes. Alle Humidore, egal welcher Größe, sind mit unbearbeiteter spanischer Zeder ausgekleidet. DeArts Lager gleicht einer Schatzkammer. Mit diesem Bestand können nicht nur zahlreiche Humidore bestückt werden, sondern es ist garantiert, dass die Farbgebung der jeweiligen Objekte stimmig ist. Ein gutes Beispiel dafür ist der Auftrag für den Humidor zum 225-Jahr-Jubiläum von Hunters & Frankau. DeArt fertigte 225 Stücke, und Auftraggeberin Jemma Freeman war begeistert, wie konsistent die Farbe des Zedernholzes bei den Kabinettschränkchen war. „Ich bin von den Arbeiten, die ich in London gesehen habe, wo DeArt viele Humidore errichtet hat, ungeheuer beeindruckt. Ihre Standards und Liebe zum Detail sind vorbildlich. Zum Beispiel wählte Massimo bei unserem Projekt persönlich all das spanische Zedernholz aus, das verwendet wurde. Wir ließen es unbearbeitet, denn somit verleiht es den Kabinettschränken einen rauen, verstaubten, natürlichen Effekt, was unserer Meinung nach zeitlos ist“, so die britische Zigarrenexpertin. Unser Rundgang geht weiter zu den Schneidemaschinen. Die Maschinen, fast Roboter, „lesen“ die Zeichnungen der Designer und liefern, was sich die Gestalter in Absprache mit den Auftraggebern ausgedacht haben.

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Massimo de Munari führt gemeinsam mit seinem Bruder Alberto die Kunsttischlerei bei Mailand

Muss irgendwann ein Einzelteil ersetzt werden, kann problemlos nachgeliefert werden, alles ist gespeichert. Hier wurden auch die Einzelteile eines riesigen barockenTheaters gefertigt, auch solche Großprojekte kann DeArt verwirklichen. Wir begeben uns zur Lackiererei, sie ist der nächste große Arbeitsschritt in der Produktionskette. Hier bekommen die Einzelteile ihre Lasur, Farbe oder Lack. Danach werden die „Puzzleteile“ zusammengesetzt. Noch vor einigen Tagen stand in der Fabrikhalle ein edler Walk-in-Humidor mit integriertem Klimabereich für Wein originalgetreu aufgebaut. Nun wartet er verpackt darauf, zum Auftraggeber nach China geschickt zu werden. Alles, was DeArt konstruiert, wird vor dem Transport zum Besteller einmal in der Fabrikhalle aufgebaut und getestet. Eine amüsante Vorstellung: In Calvenzano standen also schon komplette Zigarrenshops, Lounges und Klimaräume, die nun unter anderem das Corinthia Hotel, Harry’s Bar, das Bulgari Hotel oder The Wellesley in London verschönern. „Eddie und Edward Sahakian haben DeArt bereits 2012 beauftragt, unsere drei Humidor-Doppelschränke für den Edward Sahakian Cigar Shop im Londoner Bulgari Hotel zu gestalten, zu bauen und zu installieren. Wir zählten zu den ersten in London, die mit Massimo und DeArt zusammengearbeitet haben, und freuen uns sehr, dass ihre Werke jetzt in vielen neuen Locations zu sehen sind und zwar nicht nur in London, sondern weltweit,“ begeistert sich Sahakians Shopmanager Mike Choi.

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DeArt gestaltete im Londoner The Arts Club in Mayfair die Vitrinenfront zur perfekten Lagerung der Zigarren

PERFEKTES RAUMKLIMA
Auch über das von Massimo entwickelte Klimasystem ist Choi glücklich: „Die Geräte sind jetzt schon fast fünf Jahre in Betrieb und ich kann ganz ehrlich sagen, dass ich noch nie ein Problem mit den Humidoren oder dem Befeuchtungssystem hatte – das sind wirkliche Arbeitspferde!“ Lange haben die de Munaris am Befeuchtungssystem für ihre Humidore getüftelt. Während wir im Büro eine Zigarre rauchen, erklärt mir Massimo de Munari die Systeme und zeigt mir das neueste Testmodell für die Walk-in-Humdiore. Ein Monoblock, genannt „Total clima Evo“, garantiert perfekte Temperatur und passende Feuchtigkeit. „Alle Zonen des Humidors bekommen durch eine integrierte Umwälz-, Be- und Entfeuchtungsanlage das perfekte Klima“, erklärt mir Massimo. Falls Evo einmal defekt sein sollte, kann der ganze Block mit wenigen Griffen ausgebaut und schnell repariert werden. Die Werte können von einer App aus vom Smartphone nicht nur beobachtet, sondern sogar gesteuert werden. Alle von DeArt konstruierten Klimaschränke und –räume verfügen über „Sandwich-Wände“. Außen ist das vom Kunden gewählte Holz sichtbar, dahinter verbirgt sich ein solider Holzkern und eine Isolationsschicht. Diese wiederum ist nach innen, in den Humidor mit spanischer Zeder verkleidet. Alle verbauten Gläser sind aus Thermalsicherheitsglas. Rundherum wird mit Silikon abgedichtet und jede Tür verfügt über ein Dreifachschloss. Gastronom Dario Nembrini, der sich von den de Munaris einen Walkin-Humidor bauen ließ, hebt hervor: „Die Professionalität von DeArt steht außer Zweifel. Was bemerkenswert ist, ist die hohe Qualität aller verwendeter Materialien in der Manufaktur und die kontinuierliche Forschung, die betrieben wird, um für die Zigarren das beste Klima zu garantieren.“ Aktuell baut DeArt im Trinity Hotel in London eine Lounge und den Humidor, die Casa del Habano in Kuweit und in Florenz im Hotel Vierjahreszeiten Vitrinen und Zigarrenlockers. Selbstverständlich immer nach dem Credo der de Munaris: „Außen sind wir maximal flexibel und erfüllen alle Wünsche der Kunden. Innen hat das Wohl der Zigarren Vorrang, Technik und Auskleidung orientieren sich allein daran,“ so Massimo.

Infos über abgeschlossene und aktuelle Projekte und Humidorschränke unter: deart.it oder cigarstime.co.uk.

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She learned her journalistic skills from scratch at a regional daily newspaper, for which she wrote articles for many years. Through working for the magazine Der Spiegel in Rome she had the opportunity to increase her professional knowledge in the field of media. Katja studied art history and Romance studies in Heidelberg, Palermo and Rome and, during the course of her studies, spent many years in Italy. The country was her teacher in things related to pleasure and lifestyle. She has been working for Cigar Journal since 2004. In 2010 she became editor-in-chief.


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