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cabinet humidor empty side view

So baut man seinen eigenen begehbaren Humidor – Teil eins

Der Weg vom Tischhumidor zum Humidorschrank ist jedem Zigarrenfreak vorgezeichnet. Und weil es ein ungeschriebenes Gesetz ist, dass jeder Humidor früher oder später zu klein wird, ist der Gedanke an einen begehbaren Humidor gar nicht so abwegig.

 

Ein begehbarer Humidor ist einfacher geplant und konstruiert als man glaubt. Gleich zu Beginn ein wichtiger Hinweis für alle Projekte, bei denen ein Teil der Außenwand des Hauses auch Teil des Humidors ist: Sind Außenwände nicht isoliert, so kann es im Winter bei niedrigen Außentemperaturen zu einem Abkühlen der Wände im Humidor kommen. Aufgrund der hohen Luftfeuchte im Humidor besteht die Gefahr der Kondenswasserbildung an der Wand und damit Schimmelgefahr.

Je weniger Temperaturschwankung, desto besser.

Ist eine Außenwand Teil des Humidors, so müssen die Regale möglichst luftig gebaut sein – ohne geschlossene Rückwand. Vor dem Einbau sollte bei niedrigen Außentemperaturen unbedingt die Innenwandtemperatur gemessen werden.

Liegt diese (bei 70 Prozent relativer Feuchte) im Bereich des Taupunktes, so wird die Sache gefährlich. Besser ist es, wenn alle Wände des Humidors Innenwände sind.

humidor cabinet illustration 1

Photo: Marc André

Je höher ein begehbarer Humidor ist, desto größer die Schwankungen der relativen Luftfeuchte. Da warme Luft nach oben steigt, wird die Temperatur an der Raumdecke höher sein als am Boden – warme Luft speichert mehr Wasser als kalte. Man könnte natürlich den Feuchtesensor ganz oben im Raum positionieren. Dann würde dort der eingestellte Zielwert der relativen Luftfeuchte zwar erreicht werden, aber im kühleren Bodenbereich des Raumes würde es zu einer Überfeuchtung kommen. Daher sollte der Feuchtesensor immer auf halber Raumhöhe installiert werden; die Luftzirkulation muss das Temperaturgefälle ausgleichen. Dies kann man mit Ventilatoren recht gut erreichen. Klar ist aber: Je weniger Temperaturschwankung, desto besser.

Als Alternative zu Humidorschrank oder -raum bietet sich eventuell ein begehbares Regal an (Illustration 1). Dabei werden in beliebigem Abstand zueinander zwei Wände parallel im Trockenbauverfahren errichtet und eine Türe dazwischen eingesetzt. Das Befeuchtungssystem steht auf dem Boden. Der erste Regalboden sollte zumindest 30 Zentimeter darüber liegen. Sofern das Befeuchtungssystem nicht schräg ausblasen kann, sollte ein Prallblech eingesetzt werden, damit die Luft nicht direkt die Zigarren anbläst. Eine optisch reizvolle und gleichzeitig platzsparende Lösung bietet der fünfeckige Walk-in-Humidor in einer Raumecke (Illustration 2).

humidor cabinet illustration 2

Photo: Marc André

Das Befeuchtungssystem steht entweder unter einer der Stellagen oder wird in die Raumecke gestellt. Der Sensor zur Feuchtemessung wird auf mittlerer Raumhöhe an einer der hochgezogenen Wände (immer gegenüber vom Befeuchter) angebracht. Nachteilig an dieser Lösung ist der schlecht nutzbare Totraum in der Ecke (rot gekennzeichnet). Ein Humidorraum als Rechteck (3) hat den Vorteil langer Stellflächen und bietet eine gute Durchlüftung des Raumes.

Auf der Langseite sind die Regalplätze angebracht, auf einer Schmalseite steht das Befeuchtungssystem. Der entstehende Totraum im Eck kann zur Installation eines Dauerumluftsystems perfekt genutzt werden. Dabei wird die Luft im unteren Sockelbereich angesaugt und oben im Raum wieder eingeblasen. Somit entstehen auch dann keine Feuchtenester und Trockenzonen, wenn der Befeuchter nicht aktiv ist. Ein derartiges Prinzip habe ich beispielsweise in der Heinrich Villiger Lounge La Cantinetta bei Waldshut-Tiengen aufgebaut.

humidor cabinet illustration 3

Photo: Marc André

Für maximale Lagerkapazität bietet sich ein rechteckiger Grundriss an – mit einer Doppelreihe von Regalen an den Langseiten und dem Befeuchter an der Schmalseite. Bei einer Stellagentiefe von 35 Zentimetern ist hierzu aber eine minimale Raumbreite von 180 cm erforderlich.

Mit dem geringsten Aufwand lässt sich natürlich ein begehbarer Humidor realisieren, wenn ein Abstellraum, der Bereich unter einem Treppenaufgang oder eine Besenkammer, also ein bereits bestehender Raum, komplett als Humidor genutzt werden kann. Das Befeuchtungssystem sollte die Luft immer über die Langseite des Raumes ausblasen.

So viel zur Bauplanung. In der Ausgabe 2015/3 des Cigar Journals befasst sich Marc André mit den zu verwendenden Materialien, der Befeuchtungstechnik und der Luftzirkulation.

Information:

Richten Sie Ihre Fragen gerne direkt an den Autor:
info@humidorbau.de

Der Humidor
www.humidorbau.de

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Sommer-Ausgabe 2015 veröffentlicht. Mehr

Marc André

Marc André ist leidenschaftlicher Zigarrenraucher und Humidorbauer. Er hat verschiedene Befeuchtungselektroniken für Humidore entwickelt, ist beratend und ausführend im Bereich Humidor-Sonderserien und Individualanfertigungen tätig. Neben seiner Vortragstätigkeit zum Thema Zigarrenlagerung und Humidorbau betreibt er die Website www.humidorbau.de und bietet dort mit seinen zu 100% in Deutschland gefertigten Humidoren der Century-Serie vom kleinen Tischhumidor bis zum Agingschrank Lösungen zur professionellen Zigarrenlagerung an.


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