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Humidores Habana: Ein besonderes Stück Kuba

Am Festival del Habano werden seine Humidore für hunderttausende Euro versteigert. José Ernesto Aguileras Unternehmen Humidores Habana ist eine kubanische Erfolgsstory.

 

Als Aguilera vor 14 Jahren seinen ersten Humidor baute, hätte er davon nicht zu träumen gewagt. Auch über Zigarren wusste er damals nur wenig: „Ich wusste damals nicht, dass Zigarren echte Kunstwerke sind, und wie wichtig der Humidor für den Zigarrenraucher ist. Mir war nicht bewusst, wie leidenschaftlich unsere Kunden sind, die tausende von Kilometern Anreise auf sich nehmen, um Kuba zu sehen und kubanische Zigarren zu kaufen.“

Nach dem Schulabschluss arbeitete Aguilera als Bauarbeiter, entdeckte aber früh seine künstlerische Begabung. Er arbeitete viel mit Metallen und legte 1994 eine Prüfung vor der Vereinigung „Los Artesanos de Cuba“ ab. In den Folgejahren schlug er sich als Metallarbeiter durch. Die Verbindung von Metallen und Holz wurde zu seinem Markenzeichen. In einem Keller neben dem heutigen Produktionsgebäude baute er dann seinen ersten Humidor.

humidores habana jose ernesto aguilera factory entrance front view

Photo: Manuel Fröhlich

Was dem heute 41-Jährigen zu Beginn an Wissen fehlte, machte er mit künstlerischem Geschick wett. Habanos SA wurde auf ihn Aufmerksam und erteilte ihm den Zuschlag für die Fertigung der Replica-Antigua-Humidore. Ein Glücksfall und zugleich eine riesige Herausforderung: „Wir waren für eine Produktion in größerem Stil nicht vorbereitet und mussten in kurzer Zeit viel lernen.“

Die Humidor-Bauer aus Havanna hatten etliche Probleme zu lösen. Das Angebot an Holz des staatlichen Lieferanten war limitiert, ein Import nicht möglich. Eine weitere Herausforderung war das feuchte Klima. Holz lebt, reagiert auf Schwankungen der Luftfeuchtigkeit und kann sich verziehen. „Unsere Lösung“, erzählt José Ernesto Aguilera, „ist das Verarbeiten von altem Holz. Material, das schon ein halbes Jahrhundert und mehr an einem Ort verbracht hat, unterschiedlicher Feuchtigkeit und Temperaturen ausgesetzt war, jeder Art von Bewegung … es verliert mit der Zeit an Widerstandskraft.“

Ein besonderes Stück Holz ist wie ein Diamant. Man muss es richtig schneiden, um seine Schönheit zu sehen.

Das Staatsmonopol ist inzwischen gefallen und der Holzimport seit Anfang des Jahres möglich. Trotzdem ist die Situation in Kuba nicht mit dem Ausland vergleichbar. Aguilera erzählt von einem Erlebnis in San Francisco, wo er vor einigen Jahren eine Möbelfabrik besuchte: „Im Lager sahen wir Holz aus allen Ecken der Welt, das Lager war größer als unser gesamter Betrieb. Und du konntest dich frei bedienen und jedes Holz wählen, das du wolltest. Das haben wir hier nicht. Was wir haben, ist aber sehr authentisch.“ Verarbeitet werden bei Humidores Habana alte Möbel, Abbruchholz, am liebsten Dachstöcke, die jahrelang in der karibischen Sonne trockneten.

„Boom, ich bin Cohiba!“

Im Jahr 2005 fertigte Humidores Habana zum ersten Mal einen Humidor für die Versteigerung am Festival del Habano. Für sein Konzept ließ sich José Ernesto Aguilera von der Marke inspirieren: „Die englische Figur Punch ist den Kubanern sehr ähnlich, ein Lebenskünstler, der sich durchschlägt. Wir haben Punch auf ein Möbel gesetzt, sodass es aussah, als würde er eine Zigarren stibitzen wollen.“ Auf den Punch-Humidor folgten viele weitere. Insgesamt brachten die Humidore von Humidores Habana bei den Auktionen bisher mehr als drei Millionen Dollar zugunsten des kubanischen Gesundheitswesens ein.

„Jede Marke hat eine reiche Geschichte, die man auf vielfältige Art interpretieren kann. Und das haben wir gemacht; die Marken aus neuen Perspektiven interpretiert“, erklärt Aguilera. Und er gibt ein weiteres Beispiel: „Warst du schon in El Laguito? Steht dort irgendwo: Hier werden die besten Zigarren der Welt gerollt? Nein, El Laguito ist ein geheimnisvoller Ort. Erst im Inneren entdeckt man die Zigarrenrollerinnen. Auf der Straße sieht man davon nichts. Diesen Aspekt haben wir 2012 für den Cohiba-Humidor aufgenommen. Er ist in der Form der Manufaktur gestaltet. Darin eingebaut ist ein Einsatz für die Zigarrenlagerung. Per Fernbedienung erhebt sich dieser, gibt das Geheimnis frei und sagt: boom, ich bin Cohiba!“

humidores habana terminator humidor

Photo: Manuel Fröhlich

Die spektakulären Humidore, die am Festival versteigert werden, sind beste Werbung für das Unternehmen. Neben uns im Besprechungszimmer steht ein Terminator-Humidor für Arnold Schwarzenegger.

„Ein Freund des Schauspielers hat einen Humidor bestellt in Form eines Maschinengewehrs. Wir probierten zwei Monate an einer Umsetzung herum, kamen aber zu keinem guten Ergebnis. Dann begannen wir eine andere Idee zu verfolgen, welche die Geschichte des Terminators besser verkörperte. Die Idee war, ein modernes Möbel mit der futuristischen Figur des Terminators zu verbinden. Unser Kunde gab uns alle Freiheiten. Und Gott sei Dank ist es gut heraus gekommen. Es ist für uns eine Ehre, ein solches Stück herzustellen, unsere Fantasie fliegen zu lassen, ohne Grenzen.“

Seine Ideen entwickelt José Ernesto Aguilera in seinem Atelier, das noch immer im Keller untergebracht ist, wo alles begann. Hierhin zieht sich der Künstler gerne zurück und brütet in den Morgenstunden in Ruhe über neue Ideen. „Über viele Jahre hatte Kuba Mangel an fast allem. Das gab vielen Leuten eine Entschuldigung dafür, Träume nicht zu realisieren. Wir haben gelernt: doch, man kann.“ Humidores Habana ist ein Beispiel für das neue kubanische Unternehmertum.

Der Betrieb hat einen Geschäftsführer eingestellt, der im Ausland Ökonomie studiert hat, gereist ist und mehrere Sprachen spricht. Dieses Jahr sind ein Industrie-Designer und ein Ingenieur zum Team gestoßen. Aguilera ist dankbar und glücklich: „Über Habanos SA gelangen unsere Humidore in die ganze Welt, in mehr als 70 Länder. Das macht mich sehr stolz.“

Humidores Habana fertigt drei Produktlinien: Die Línea Comercial im Preissegment 25 bis 200 Dollar, die Línea Executiva mit Stückpreisen bis zu 3000 Dollar und schließlich die Línea Lujo mit sehr aufwendigen Einzelstücken, die preislich nach oben offen sind. Dazu kommen Auftragsarbeiten. Zuletzt produzierte Humidores Habana etwa 50 Humidore für die Bolívar Presidentes Edición Suiza 2013. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt.

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Photo: Manuel Fröhlich

So kann José Ernesto Aguilera heute etwas wählerischer sein und sich jenen Projekten widmen, für welche sein Herz schlägt. Zum Beispiel für ein Einzelstück, das die Szenerie eines „Remendóns“ zeigt. „Es ist ein Kubaner, der sein Plätzchen hat, wie wir hier sagen“, erklärt José Ernesto Aguilera. „Er repariert Dinge für andere Leute, und manchmal repariert er sein eigenes Leben. Er ist glücklich mit seiner Arbeit. Es gibt hier viele Menschen, die nicht viel haben und einer Arbeit nachgehen, wie man es sonst nirgendwo kennt. Die Welt um uns herum ist eine Konsumwelt. In Kuba, wo es nicht viele Dinge gibt, sind Personen, die etwas reparieren können, sehr wichtig. Es ist ein kubanisches Phänomen, dem man heute Lizenzen ausstellt.“

Den Bauch der Figur hat José Ernesto Aguilera aus einer Billard-Kugel geschnitten. Improvisation als Sachzwang und künstlerische Aussage zugleich. „Wir haben entdeckt, dass wir mit einem Humidor Geschichten erzählen können“, sagt José Ernesto Aguilera. „Und weißt du, wie viele Geschichten wir hier haben? Mit jedem Humidor erhalten unsere Kunden ein Stück Kuba.“

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Sommer-Ausgabe 2014 veröffentlicht. Mehr

Manuel Fröhlich

Manuel Fröhlich aus der Schweiz gründete mit 18 Jahren einen Online-Handelsgeschäft für Zigarren. Während seines Studiums an der Universität St. Gallen baute er das Geschäft aus und eröffnete schliesslich 2014 in Zürich das Manuel’s, ein karibisches Genussmittelgeschäft für Zigarren, Kaffee und Rum. Für Cigar Journal berichtet Manuel Fröhlich aus Kuba und anderen Anbauländern, wo er regelmässig unterwegs ist, und recherchiert Hintergrund-Themen rund um den Zigarrengenuss.


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