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passionada lightning a cigar

IWCS-Meinungsumfrage: Passionadas prägen die Zigarrenszene

Frauen in der Zigarrenszene sind längst nicht mehr nur ein Anhängsel der Passionados. Vielmehr prägen Passionadas die Zigarrenszene. Sie kommen „freiwillig“, nicht als Begleitung, sondern in Begleitung zu Clubabenden, Zigarrenevents, Tastings und Messen. Sie wissen ziemlich genau, was sie rauchen wollen, und kennen sich sehr gut aus.

 

Der über die vergangenen Jahre kontinuierlich gewachsene Frauenanteil in unserem Tastingpanel ist uns lieb und teuer. Die feine Sensorik und das klare Urteilsvermögen unserer weiblichen Panelmitglieder wollen wir nicht missen. Längst sind Frauen für die Zigarrenhersteller eine eigene Zielgruppe geworden.

Maya Selva, erste und bisher einzige Frau, die eine eigene Marke ins Leben rief und weltweit etablierte, weiß: „Selbstverständlich stellen Frauen eine wichtige Zielgruppe dar. Wir sind fest davon überzeugt, dass jeder Mensch seinen eigenen Geschmack hat und wollen ausgewogene, elegante und strukturierte Blends anbieten. Frauen sind in der Regel äußert sensibel, was diese Aspekte betrifft.“

passionadas at davidoff ladies masterclass

Photo: Pierre Olivier Tulkens/Oettinger Davidoff

2009 wurde in den USA eine Drehscheibe speziell für die Damen in der Branche gegründet – die International Women’s Cigar Society (IWCS). Die Plattform IWCS vereinigt nicht nur die Händler-, Hersteller- und Zulieferseite, auch Zigarrenraucherinnen und Lady-Zigarrenclubs finden bei IWCS Ansprechpartner.

Cigar Journal berichtete ausführlicher über die Vereinigung und deren Aktivitäten im Artikel IWCS. Mehr als reines Netzwerk.

Im vergangenen Jahr führte IWCS eine Meinungsumfrage in drei Teilen durch – mit dem Anspruch, die Vorlieben, Tendenzen und Einstellungen der Zielgruppe Zigarrenraucherin zu erforschen.

Die Ergebnisse von Teil eins und zwei stehen bereits zur Verfügung, Teil drei erscheint mit Veröffentlichung des Winter-Ausgabe 2015. An der Umfrage nahmen 500 Frauen teil, davon 50 Prozent Europäerinnen und 50 Prozent US-Amerikanerinnen.

 

Werfen wir hier einen Blick auf einige Ergebnisse – und fassen uns gleich
bei einer der ersten Fragen an die eigene Nase.

Neun von zehn fühlen sich in folgenden Feldern der Branche nicht ausreichend wieder: in Publikationen und bei Accessoires wie Feuerzeugen, Zigarrenetuis, Humidoren oder Bekleidung. Überwältigende 92 Prozent der Damen befanden, dass Dinge, die bei Zigarrenevents oder -tastings offeriert werden, auf männliche Raucher ausgerichtet sind. Das bedeutet, dass ein großes und steigendes Marktpotenzial bei Accessoires und Events liegt – und womöglich auch bei der Akquise weiblicher Leserinnen von Zigarrenpublikationen.

Autorinnen in der Zigarrenszene stellen jedoch einen erfreulichen Anteil dar – inzwischen gibt es sogar eine weibliche Bloggerin, Emma Viktorsson ist auf Cigar Fantasia äußerst aktiv mit spannenden Beiträgen rund um die Zigarre. Davidoff hat sich schon vor einigen Jahren auf die wachsende Zielgruppe Frauen eingestellt und die Ladies Masterclasses aus der Taufe gehoben – eine abendliche Schulung speziell für Damen, was Zigarrerauchen anbelangt. „Frauen sind für uns in zweierlei Hinsicht eine wichtige Zielgruppe“, bestätigt Paloma Szathmary, Kommunikationschefin bei der Oettinger Davidoff AG.

„Wir schätzen, dass die Frauen gut 10% unserer Kundschaft ausmachen – Tendenz steigend. Frauen haben den Zigarrengenuss entdeckt, sei es in Gesellschaft mit ihrem Partner, Freunden oder anderen Frauen. Die Anzahl der Zigarrenclubs für Passionadas steigt“, führt die Expertin weiter aus. Und: „Frauen üben zudem bei der Auswahl der Accessoires, vor allem bei den Humidoren, einen nicht zu unterschätzenden Einfluss aus. Humidore sind gleichzeitig auch Dekorationsartikel und sollen in Einklang stehen mit der Einrichtung des Heimes.“

passionada smoking cigar

Photo: Global Image

Nicht zuletzt deshalb lässt das Schweizer Unternehmen neuerdings vorwiegend Künstlerinnen die aktuellen Davidoff Accessoires und das Kistchendesign der Art Edition gestalten. Lassen wir an dieser Stelle einen Mann zu Wort kommen. Kurt Van Keppel, Präsident der Accessoire-Marke Xikar: „Wir betrachten Frauen als eine wichtige Konsumentengruppe und planen, unsere Unterstützung fortzusetzen – durch unser umfassendes Veranstaltungsprogramm, durch Verbraucheraufklärungskampagnen und selbstverständlich durch die Herstellung von Qualitätsprodukten, die Zigarrenconnaisseurs unabhängig vom Geschlecht ansprechen. Zigarren-Accessoires gelten traditionell als ,Männer-Accessoires‘, doch wir haben verschiedenste Produkte entwickelt, die Frauen ansprechen, darunter unser jüngstes Allume Single.“ Übrigens: Laut Umfrage besitzen Passionadas mindestens drei Feuerzeuge und kaufen Zigarren-Accessoires nicht unbedingt, weil sie diese benötigen, sondern weil sie ihnen gefallen.

Neben der Tatsache, dass bei Damen ein großes Verkaufspotenzial liegt (88 Prozent wissen nicht, wie viel Geld sie wirklich rund um die Zigarre ausgeben), zeigen die Ergebnisse der Umfrage auch, dass sich Zigarrenraucherinnen nicht wirklich ernst genommen fühlen.

Nur ein Beispiel: 75 Prozent gaben an, von männlichen Kunden in Tabakgeschäften diskriminierende Kommentare gehört zu haben. Dabei wollen Frauen – sieht man von den Wünschen nach speziellen Accessoires ab – wiederum keine Sonderbehandlung, wenn es um die zentrale Sache geht: 78 Prozent wollen keine Zigarre, die speziell für Frauen kreiert wurde. Annemarie Schuster vom deutschen Traditionsunternehmen Schuster bezieht hier klar Position: „Wir sind nicht der Meinung, dass Frauen gesonderte Produktlinien erwarten, sondern als gleichberechtigte Raucherinnen behandelt werden wollen. In unserem breiten Sortiment ist für jeden Geschmack etwas dabei. Alle unsere Produkte richten sich auch an Frauen. Das Vorurteil, dass Frauen nur leichte Zigarren rauchen, kann ich selber nicht bestätigen.“

78 Prozent wollen keine Zigarre, die speziell für Frauen kreiert wurde.

Auch Steven Kron von Dunhill Cigars ist überzeugt, dass Situation, Vorliebe und Zeit für die Wahl zur passenden Zigarre entscheidend sind, nicht das Geschlecht des Rauchers: „Unsere Produktpalette umfasst milde bis stärkere Zigarren und Formate von Demi Tasse bis Gigante. Somit kann jeder Raucher/jede Raucherin eine Zigarre wählen, die zu einem bestimmten Anlass passt, je nach Herkunftsland, Zigarrenstärke und -größe sowie der Zeit, die für den Rauchgenuss zur Verfügung steht.“ Mit Spannung erwarten wir Teil drei der Umfrage – und halten es inzwischen wie Marilyn Monroe: „Mir macht es nichts aus, in einer Männerwelt zu leben, so lange ich darin eine Frau sein kann.“

Die wichtigsten Umfrageergebnisse:

67%
aller befragten Frauen bevorzugen es, Robustos oder noch größere Formate zu rauchen. Offeriert bekommen sie jedoch meist Coronas oder Petit Coronas.

79%
der befragten Zigarrenraucherinnen kaufen zu 90% ihre Zigarren bei ihrem lokalen oder einem anderen Tabakhändler statt übers Internet.

79% der Befragten sagten, dass sie zumindest ein Mal mit missbilligendem Blick gemustert wurden, weil sie Zigarren rauchen.

90%
sind der Ansicht, dass Frauen in Zigarrenpublikationen und bei bestimmten Produktangeboten, wie Feuerzeugen, Zigarrenkisten, Humidore, Bekleidung und dergleichen, nicht ausreichend repräsentiert werden.

78%
erklärten, dass sie keine eigens für Frauen gemachten Zigarren wollen. Es ist ihnen nicht wichtig, gesondert von männlichen Rauchern behandelt zu werden. Ebendiese Frauen meinten, dass sie mehr Zigarrenveranstaltungen besuchen würden, wenn diese Frauen mehr zu bieten hätten.

75%
nannten Gründe/Fälle von Diskriminierung durch männliche Kunden in Tabakgeschäften.

90%
fühlen sich NICHT unwohl, wenn sie Zigarren in einem vorwiegend männlichen Umfeld rauchen.

87%
besitzen ihren eigenen Humidor.

48%
rauchen acht und mehr Zigarren pro Monat.

Information:

International Women’s Cigar Society
www.internationalwomenscigarsociety.com

Cigar Fantasia by Emma Viktorsson
www.cigarfantasia.com

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Frühjahrs-Ausgabe 2015 veröffentlicht. Mehr

Katja Gnann

Bei einer regionalen Tageszeitung erlernte sie das journalistische Handwerk von der Pieke auf und erstellte dort langjährig redaktionelle Beiträge. Durch die Mitarbeit bei der Zeitschrift „Der Spiegel“ in Rom bekam sie die Chance, ihre Kenntnisse im Medienbereich zu professionalisieren. Katja Gnann studierte Kunstgeschichte und Romanistik in Heidelberg, Palermo und Rom und verbrachte im Zuge des Studiums viele Jahre in Italien. Das Land war ihr Lehrmeister in Sachen Genuss und Lebensstil. Seit 2004 arbeitet sie für das Cigar Journal, seit 2010 als Chefredakteurin.


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