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Tabakfabrik Mexiko

Tabak Provenienz: Mexiko süß und pfeffrig

Schon vor mehr als 2000 Jahren kultivierten die Mayas und ihre Vorgänger Tabak unter der heißen mexikanischen Sonne. Tabak spielt eine wichtige Rolle in der Mythologie und Heilkunst verschiedener indianischer Völker und Kulturen. Der oft abgebildete Jaguar-Gott gönnt sich ebenso eine gute Zigarre wie der Maya-Herrscher im Kreuz-Tempel von Palenque. In der Maya-Mythologie hielt man die Wolken für den Rauch, den die Götter über die Erde blasen, und Sternschnuppen am nächtlichen Himmel war Glut, die von den göttlichen Tabakrollen fiel.

Kolumbus registrierte zwar mit Erstaunen in der Neuen Welt den seltsamen Brauch des Tabaktrinkens, es war aber der grausame Conquistador und Eroberer Mexikos, Hernan Cortes, der die wohlriechenden Blätter Anfang des 16. Jahrhunderts an den spanischen Königshof brachte. Tabak wurde bald als gute Einnahmequelle für die spanische Krone entdeckt, und im 18. Jahrhundert gab es auch in Mexiko zahlreiche spanische Lagerhäuser und Tabak-Einlöse-Ämter. In dieser Zeit wurde das Tal von San Andrés in der Provinz Veracruz am Golf von Mexiko berühmt.

Schon beim Flug nach Mexico City kann man die ganze Vielfalt mexikanischer Landschaften erahnen über weite trockene Wüsten zu dampfenden Regenwäldern, von üppig überwucherten Feuchtgebieten zu fernen, schneebedeckten Bergen. Von der brodelnden Kapitale ging es gleich 350 km weiter nach Osten in Mexikos größte Hafenstadt Vesracruz im Golf von Mexiko. Ich komme im weißen Blazer“, hatte es im E-Mail geheißen. „Ganz schön elegant, die Mexikaner“, dachte ich und überlegte, ob ich bei dieser Hitze eine Krawatte umbinden sollte. Dabei empfing mich Alejandro Turrent, Tabakpflanzer und Zigarrenfabrikant in fünfter Generation, breit lachend im offenen Hemd. Wir fuhren mit einem weilßen Chevrolet Blazer die Küste entlang nach Südosten. Eine herrliche Fahrt – türkisblaues Meer, einsame Buchten, schneeweiße Strände und mächtige Agaven säumen den Weg.

IM TAL VON SAN ANDRÉS

Puros Irene varnished box

Photos: Turent, San Andres, Puros Santa Clara, Puros Irene

Es liegt wie viele gute Tabakanbaugebiete in den Bergen, wo mehr Regen anfallt. Wie Wächter flankieren die massigen Vulkankegel San Martin und Santa Marta das breite, fruchtbare Tal, das sich in verschwenderischer Pracht dem Besucher öffnet – ein Garten Eden, zurecht als die ,,Schweiz Mexikos“ gerühmt. Das Klima ist milder als im heißen Umland. Kaffee, Mais, Bohnen, Zuckerrohr gedeihen prächtig. Natürlich auch Tabak – am besten in rund 1200 Meter Seehöhe.

Drei Arten von Böden gibt es hier“, erläutert mein Führer: Den dunklen, sandigen, ursprünglich vulkanischen; hellere, tonige und drittens einen Mischtyp. Mit einem ph-Wert von S,5 ist der Boden nahezu neutral. Die Humusschicht ist fast zwei Meter dicht und reich an Pottasche. 4000 Hektar-nur ein Teil wird genützt –  haben das Potenzial für beste Tabake. Diese sind der originale Negro San Andrés-er wird mit dem ganzen Stamm geerntet und nach der Fermentation sehr dunkel; beigefarbener Sumatra, Habano Criollo San Andrés und Connecticut Seed.

Die würzigen, erdigen Tabake geben vielen Zigarren, die auch außerhalb Mexikos gefertigt werden, in der Einlage oder als Umblatt Charakter und Kraft. Bei Maduros sind die dunklen, süßen mexikanischen Deckblätter sehr gefragt. An den Tabakarten sieht man gut, welchen Einflüssen der Tabakanbau auch in jüngerer Zeit hier ausgesetzt war: Holländer, die nach der Unabhängigkeit Indonesiens das Land verließen, kreuzten Sumatra erfolgreich für edle Deckblätter ein; viele Exilkubaner fanden in San Andrés eine neue Heimat und brachten Havanna-Variationen mit. Schließlich ist man mit Kuba auf der gleichen geographischen Breite.

SAN ANDRÉS PUROS

Unter dem Qualitätssiegel „San Andrés Puros“ bündelt die „Mexican Association of Cigar Manufacturers“ ihre Marketingaktivitäten. Zu „Qualität, Prestige und Tradition“ verpflichten sich unter anderen die Hersteller Tabacos La Victoria, Puros Santa Clara, Tabacalera Alberto Turrent und Puros Irene. Nach dem US-Markt, wo sich Zigarren aus Mexiko schon sehr gut etabliert haben, hat man verstärkt Europa im Visier. Tabak ist für Mexiko ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor: Allein für Zigarren sind rund 250 Pflanzer mit über 5000 Mitarbeitern in den Farmen tätig ;die Fabriken geben 1100 Menschen Arbeit.

Zum Lunch stößt einer der Doyens der zu. Jorge Ortiz von Puros Santa Clara meint nicht ohne Stolaz: „Wir glauben, Zigarren aus Mexiko sind so gut wie andere auch – wenn nicht besser“ Alejandro Turrent: „Zigarren aus Mexiko sind eine ganze Zigarrenlänge angenehm im Aroma, leicht im Zug und gleich maßig im Brandverhalten, haben ein breites Geschmacksspektrum und eine Tabaktradition seit über 2000 Jahren. Zur hochwertigen, immer gleich bleibenden Machart und permanenten Verfüigbarkeit kommt ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.“

„Der Tabak aus dem San Andres-Tal ist bei den großen Herstellern in der ganzen Welt bekannt für seine hohe Qualität“, ergänzt Jorge Ortiz „Zum Beispiel gelten unsere Maduro-Deckblätter als die besten der Welt. Manchmal glauben wir, gegen Giganten zu kämpfen. Aber wir halten zusammen und sind davon überzeugt, dass wir sehr gute Zigarren haben.“

PUROS SANTA CLARA S.A.

Zum Beweis zeigt er gleich seine eigenen Zigarren, bekannte Marken wie Santa Clara 1830-alle in schönen „varnished“ Kistchen, Santa Clara Special Edition, Gran Reserva oder Aromas de San Andres. Er lacht: „Nach fünf Generationen im Tabakgeschäft verstehen wir etwas von Zigarren. Wir machen unsere Zigarren mit Stolz und mit der Hand.“

Bekannt wurden Puros Santa Clara mit der 14 Zoll langen Emperador, die fast drei Jahrzehnte lang im Guinness-Buch der Rekorde als die größte marktfähige Zigarre genannt wurde. Als ein Herausforderer dies übertrumpfen wollte, konterte man mit der 19 Zoll (sagenhafte 48,3 cm) langen Magnum, die in einem Zedernholzschieber einzeln verpackt ist. Präsident Jorge Ortiz und seine Mitarbeiter amüsieren sich, wenn Besucher in der Fabrik voller Staunen dem Torcedor zusehen, wie er eine Magnum rollt. Eine weitere Kuriosität ist die Santa Clara 1830 Bolero, von Jorge Oriz liebevoll Zebra“ genannt. Über das Sumatra-Deckblatt wird ein Streifen Maduro-Deckblatt gelegt, ein optischer Gag, der geschmacklich nicht viel bringt, sich aber besonders in den USA gut verkauft.

Besonders stolz ist man auf die Santa Clara Special-Edition: Connecticut Seed-Deckblätter werden nur von den besten und erfahrensten Tabaqueros gerollt. Wahre Meister sind da am Werk: Alle Tabake – das Umblatt ist Morrón Limpio, der Filler Piloto Cubano und Morrón Limpio – entsprechen dem Ligero in Kuba, sind mindestens vier Jahre gelagert. Die Zigarren selbst werden noch zwei bis drei Jahre gelagert. Das Ergebnis ist eine leichte Zigarre mit würzigem, vollem Charakter, gleichmäßig und leicht im Zug bis zum Schluss. Handwerklich perfekt hergestellte Schatullen aus massivem Zedernholz geben den edlen Puros würdige Rahmen.

Father and Son Jorge Ortiz and Puros Santa Clara

Photos: Turent, San Andres, Puros Santa Clara, Puros Irene

CIGAR TROPHYS FOR MEXIKO

Als Alejandro Turrent, Besitzer des größten mexikanischen Herstellers, Nueva Matacapan Tabacos, vor einigen Jahren im Wiener Palais Schwarzenberg für seine Te-Amo Aniversario stolz die Cigar Trophy, die bedeutendste Auszeichnung der Branche, erhielt, strahlte er in Richtung Jury „Thank you for your good taste“. Die Erfolgsserie der Mexikaner hielt an. 2005 wurde Santa Clara mit einer Cigar Trophy für die beste Zigarrenmarke des Landes bedacht, die Te-Amo Tradición Milenaria wurde zur besten Zigarre aus Mexiko gekürt, und Puros Irene heimste die Trophy für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis ein.

Die gemeinsame Qualitäts- und Marketingoffensive für das Mexikanische Gold“ macht sich offenbar bezahlt. Die wachsende Beliebtheit mexikanischer Zigarren unter Kennern in Europa hat verschiedene Gründe. Im Gegensatz zu vielen anderen Zigarren verlieren sie während der ganzen Zigarrenlänge nichts von ihrem angenehmen zedrig-erdigen Aroma. Die Raucherinnen schätzen vor allem die Leichtigkeit im Zug, das angenehme Kräuseln auf den Lippen und das einzigartige Brandverhalten.

Dies hat mit der Tatsache zu tun, dass die Mexikaner auf Grund ihrer über 2000-jahrigen Tabaktradition neben den Kubanern mit Einschränkungen auch Nikaragua und Brasilien – die einzigen Zigarrenhersteller der Welt sind, die mit den unterschiedlichen Blättern einer Tabakpflanze eine komplette Zigarre herstellen können. Kommt dazu, dass der legendäre Havanna-Tabak nach Ansicht vieler Experten heute in Mexiko ebenso gut gedeiht wie in Kuba. Für die Te-Amo Aniversario ver wendet man deshalb nur Tabake aus dem eigenen Anbau im San Andrés-Tal.

Daran muss ich denken, als mir tags darauf Alejandro im Feld weitere Besonderheiten mexikanischen Tabaks erläutert: Sechs Lagen der Tabakpflanze werden unterschieden, die auch bei der Sortierung eine Rolle spielen-zuoberst Capa (Deckblatt), Banda (auch Capote: Umblatt), Morrón (für Umblatt und Einlage) und Cuarta, Quinta und Sexta für die Einlage. Sumatra wiederum hat eigene Sortierungsgrade nach Farbe und Länge, wobei die Farbe Rosado hell und sauber am begehrtesten ist.

Der Erfolg dieser Mühen lässt sich sehen: Te-Amo mit dem charakteristischen Stierkampf-Logo ist heute in den USA bereits eine der größten Zigarrenmarken. Es gibt die Te-Amo Clásico mild bis stark, mit sehr typischem Herkunftscharakter, Te-Amo Cabinet Selection mild, leicht süßlich mit viel Charakter, oder die Te-Amo Aniversario – kreiert zum 120-Jahr Jubiläum mit einem Mexican grown Habana-Deckblatt, und Negro aus San Andrés als Umblat und teilweise im Filler (siehe auch www.aturrent.com). Auch die anderen Hersteller wie Puros Irene (das Motto ihres Präsidenten Rodolfo Vasquez Andrade lautet: Excellence and Balance“) oder Tabacos La Victoria verdienen eine würdigen Platz im Humidor.

Auch der Revolutionär Emiliano Zapata schätzte Puros aus San Andrés, sein Capitan Fortino Samano wollte sich nicht einmal in seiner letzten Stunde von ihr trennen. So steht es im Buch ,,Chilam Balam der Mayas von Chumayel“ geschrieben: „Mein Sohn, bring mir den Feuerbrand für die Nacht. Sein Duft soll wehen nach Norden und Westen.“


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