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Essentiell und doch selten beachtet: Der Zigarrenkleber

So mancher Zigarrenraucher wird wohl erst angesichts eines Rollers bei der Arbeit auf diese Substanz aufmerksam, über die man sich sonst eher selten Gedanken macht.

 

In kleinen Tiegeln auf dem Rollertisch findet sich eine milchige, viskose Masse, in welche der Torcedor regelmäßig seine Finger taucht. Es handelt sich um den Zigarrenkleber, eine organische Substanz, ohne die die Herstellung von Zigarren in dieser Form kaum vorstellbar wäre.

Wenn man vom Zigarrenkleber spricht, ist im Grunde Lebensmittelklebstoff gemeint – ein Mittel, das auch bei Briefmarken oder Briefumschlägen Verwendung findet. Diese klebenden Stoffe werden aus Pflanzenextrakten hergestellt und bestehen aus Stärke- oder Dextrinverbindungen, die zum Beispiel aus Maniok (Yuca) und ähnlichen stärkereichen Pflanzenwurzeln bzw. Mais, Weizen oder Reis gewonnen werden.

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Photo: Simon Lundh

Ihr wichtigstes Anwendungsgebiet findet die klebrige Substanz beim Anbringen von Deckblatt und Kappe. Ohne Kleber wäre es schwierig, das Deckblatt auf der Zigarre zu halten. Beim Rollen wird daher eine kleine Menge des Klebers auf den äußeren Rand des Deckblattes aufgebracht, bevor es um den Zigarrenwickel gerollt wird. Als einer der letzten Schritte wird dann, ebenfalls mithilfe des Klebers, die Kappe am Kopfende der Zigarre angebracht. Da die Masse aus rein pflanzlichen Inhaltsstoffen besteht, ist sie essbar und lebensmittelecht. Und weil sie darüber hinaus sowohl geruch- als auch geschmacklos ist, beeinflusst sie nicht den Geschmack der Zigarre.

In vielen Zigarrenfabriken findet der Kleber auch beim Anbringen der Zigarrenringe Verwendung. Die Verfügbarkeit vor Ort, seine vielfältig anwendbaren Eigenschaften und die Lebensmittelechtheit sind schlagende Argumente hierfür. Manchmal werden jedoch auch andere Kleber für die Ringe verwendet, etwa auf Mehlstärkebasis. Da die Produktion des Lebensmittelklebers vor Ort zu aufwendig wäre, wird dieser üblicherweise in Pulverform gekauft und direkt vor Gebrauch angemischt. Durch das Auflösen in abgekochtem warmem Wasser gelangt der Kleber zu seiner gewünschten viskosen Konsistenz und entfaltet seine adhäsiven Eigenschaften. In der Tabacalera Perdomo zum Beispiel verwendet man Kleber auf Yuca-Basis. Bei einer jährlichen Produktion von zwölf Millionen Zigarren liegt der Bedarf bei etwa 880 Kilogramm des Pulvers.

Da das Gemisch eigentlich ein Lebensmittel ist und aus pflanzlichen Stoffen besteht, ist der Kleber nur beschränkt haltbar, sobald das Pulver mit Wasser vermischt ist. Daher wird jeweils nur jene Menge vorbereitet, die voraussichtlich gebraucht werden wird. Was am Ende des Tages nicht verwendet wurde, wird gekühlt gelagert und innerhalb von ein bis zwei Tagen aufgebraucht. Neben ihren vielen Vorteilen ist die Verwendung der stärkebasierten Substanz darüber hinaus auch noch beeindruckend preiswert. Für das Rollen und Beringen einer einzelnen Zigarre macht die Verwendung des Klebers im Durchschnitt weniger als das Viertel eines US-Dollar-Cents an Kosten aus.

Bei den oftmals in Tabakfachgeschäften erhältlichen Lösungen, die etwa zur Behebung von Deckblattschäden von Zigarrenrauchern zu Hause verwendet werden, handelt es sich übrigens nicht um die gleiche Substanz wie jener, die von den Rollern in Zigarrenfabriken verwendet wird. Diese Notfallkleber enthalten üblicherweise Pektin oder Gummi arabicum, sind leicht auch selbst herstellbar und lange haltbar.

Information:

Weitere Zigarren-Trivia finden Sie auf:
www.artofsmoke.de

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Frühjahrs-Ausgabe 2015 veröffentlicht. Mehr


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