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Es perfecto!: Die García-Familie

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Vater und Tochter im Büro in Miami. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Sie lebten alle zusammen, sowohl in Kuba als auch in Miami. Heute wohnen sie nur einen Block voneinander entfernt, und im Haus in Nicaragua ist für alle Platz. Die Garcías leben wirklich gemeinsam für ihre Zigarren. „Ich teile sogar die Terrasse im Hinterhof mit meinen Eltern. Es gibt keinen Zaun oder dergleichen“, sagt Janny García lachend. Sie ist Betriebsleiterin und die Erste der Familie, die durch ein staatliches Visaprogramm in die USA kam. Mit nur 18 Jahren zog sie nach Miami, um ein besseres Leben für sich und ihre Familie zu schaffen. Die Idee war, dass diese nachkommt. Jannys Bruder Jaime versuchte mehrmals, sich seiner Schwester anzuschließen, aber es funktionierte nie. Erst als ihr Vater José „Don Pepín“ García ein Jobangebot in Nicaragua erhielt, konnten sie sich schließlich auf den Weg nach Florida machen und zogen zusammen. „Wir sind nicht gerne getrennt und hier, weil Janny hier herkam“, meint Pepín. „Das war der Anfang von My Father.“ Es kommt nicht oft vor, dass die Geschichte eines Zigarrenunternehmens mit der 18-jährigen Tochter beginnt. Janny ging es damals aber nicht um Tabak, sondern ums Überleben. „Ich war ganz allein und planlos. Ich wusste nur, dass ich einen Job brauche und hatte letztlich drei gleichzeitig. Ich stand mehr oder weniger jeden Tag um 5 Uhr früh auf und ging um Mitternacht ins Bett“, erinnert sie sich. Das änderte sich, als ihre Familie eintraf, und 2003 gründeten die vier – Pepín, Janny, Jaime und ihre Mutter María – gemeinsam My Father.

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Sie waren gute Schüler und wissen nun so ziemlich alles, was ich weiß. Ohne sie hätte ich das nie geschafft. PEPÍN GARCÍA

Janny ist im Grunde mit Tabak aufgewachsen. „Als ich in der Schule war, musste man einen Monat im Jahr auf dem Feld arbeiten. In Villa Clara, wo wir herkommen, wurde vorwiegend Tabak angebaut. Dadurch lernt man alles darüber. Ich erinnere mich, dass ich mit meiner Mutter in die Fabrik gegangen bin, um Papa zu besuchen. Ich habe mich hinter her immer beschwert, dass ich vom Tabakgeruch Allergien bekomme.“ Nach dem Zigarren-Boom war es für die Garcías als Newcomer auf dem Markt hart, doch sie kämpften sich durch. Dabei stand die Familie stets an erster Stelle. „Wir waren entschlossen, es zu schaffen. Wir haben Fehler gemacht, aber wir sind immer füreinander dagewesen“, sagt Janny. So war sie diejenige, die Geschäfte auf Englisch abwickelte. „Ich konnte die Sprache damals kaum, doch besser als die anderen“, erinnert sie sich lachend. Jaime fügt hinzu, dass sie ausreichend Wissen in Sachen Tabakverarbeitung und Zigarrenrollen hatten. Ihre einzige Sorge sei der US-Markt gewesen, den sie nicht kannten. „Aber da lernt man Tag für Tag dazu. Ich hatte keine Zweifel, dass wir es schaffen würden. Wir wollten als Familie wachsen, und das ist der Schlüssel zu unserem Erfolg.“ Heute ist er offiziell der Präsident des Unternehmens – und mehr. „In Nicaragua bin ich der Manager, Third-Base-Coach, Catcher und Pitcher“, meint er grinsend. „Ich mache alles, aber mit Hilfe eines großartigen Teams.“ Dazu zählt auch der Blend, den er entweder mit oder ohne seinen Vater kreiert. In jedem Fall müssen sie sich darüber einig sein und probieren ihn gemeinsam. „Mein Vater ist mein Mentor“, sagt Jaime, der Agrarwissenschafter ist und sich in dem Bereich auskennt. Doch alles andere hat er von Pepín gelernt. Der meint : „Jaime ist ein Mensch mit viel Wissen. Er kann in die Zukunft blicken. Gott hat ihm eine besondere Gabe gegeben.“

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Ich hatte keine Zweifel, dass wir es schaffen würden. JAMIE GARCÍA

Es ist offensichtlich, dass Pepín jede Minute, die er Seite an Seite mit seinen Kindern arbeitet, genießt. „Es perfecto“, sagt er. „Ich habe ein gutes Verhältnis zu ihnen. Wir sind uns meist einig und reden miteinander.“ Jaime fügt hinzu, dass es niemanden in der Familie gäbe, der das letzte Wort haben müsse. Als Eigentümer des Unternehmens würden sie wissen, welche Verantwortung sie tragen. „Es gibt nie Streits. Der Tag, an dem ich ein Problem mit meiner Familie habe, ist der Tag, an dem ich kündige.“ Janny stimmt ihm nach kurzem Überlegen zu: „Jeder von uns hat seine eigenen Pflichten. Ich würde mich nie bei der Herstellung eines Blends einmischen, denn das ist nicht meine Aufgabe. Mein Bruder kann mir seine Meinung in Sachen Verkaufspersonal sagen, aber ich bin diejenige, die hier die Entscheidungen trifft.“
Zusammen oder zumindest nahe beieinander zu wohnen spielt immer noch eine große Rolle in ihrem Leben. Viele Leute fragen sie, warum sie das tun. Die Antwort sei, so Jaime, einfach: „Wir genießen es. Aber die Familie ist so sehr gewachsen, dass wir umziehen mussten. Es war hart, denn ich war es gewohnt, meine Mutter jeden Morgen zu sehen. Jetzt ist sie nicht mehr da, um mir einen Kaffee zu bringen.“ Vielleicht ist es also gut, dass sie zumindest in Nicaragua im selben Haus wohnen. Man will ja nicht alles von heute auf morgen aufgeben. „Als wir das Haus bauten, haben wir darauf geachtet, dass es Zimmer für alle gibt – sogar für die Enkelkinder“, erzählt Janny.
Neben Jaime und Janny sind Cousins, Neffen und Tanten beteiligt, und bald wird es eine weitere Generation geben, denn Pepín und María haben sieben Enkelkinder. Das Wichtigste sei, so Janny, das Erbe ihres Vaters zu bewahren. „Seine Integrität, Ehrlichkeit, Liebe und Hingabe für das, was er tut, bedeutet alles“, sagt sie und schildert, wie hart er in Kuba arbeitete: „Er stand um 4 Uhr früh auf, um in die Fabrik zu gehen und Zigarren zu rollen. Als er nach Hause kam, arbeitete er auf den Feldern, wo er Reis und Bohnen anbaute, damit wir etwas zu essen hatten. Er ging nicht vor Mitternacht ins Bett. Das gibt Ihnen einen Eindruck, wie sehr er sich für seinen Job einsetzt. Genauso sind mein Bruder und ich aufgewachsen. Wir gehen jeden Tag zur Arbeit, selbst wenn wir krank sind. Mein Bruder ist um 7 Uhr in der Fabrik und begrüßt jeden Mitarbeiter. Das ist das Vermächtnis unseres Vaters. So werden wir uns an ihn erinnern, wenn es ihn nicht mehr gibt.“ Man dürfe nie vergessen, woher man kommt, meint Pepín. Sie täten das, weil sie das Unternehmen gemeinsam aufgezogen hätten, und er könne seinen Kindern nicht mehr viel beibringen. „Sie waren gute Schüler und wissen nun so ziemlich alles, was ich weiß. Ohne sie hätte ich das nie geschafft. Ich hätte wohl ein Geschäft gegründet, aber ein kleines, und ich hätte nie die Fabrik in Estelí gebaut. Mir reichte die Fabrik in Little Havana. Ich habe das für die Kinder getan.“ „Und wir wissen es zu schätzen“, versichert Janny. „Das alles wurde durch die Familie ermöglicht und ist somit für die Familie“, sagt Pepín abschließend. „Ich lasse es in guten Händen.“

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Nachdem Simon Lundh 2005 sein Ingenieursdiplom in Vermessungstechnik erwarb, entschied er sich für eine journalistische Laufbahn. Er entdeckte die Welt der Zigarren während er für eine nichtstaatliche Organisation in Estelí, Nicaragua, arbeitete und verdient seinen Lebensunterhalt nun größtenteils mit Artikeln über Zigarren, Metal Music und Tattoos sowie Reiseberichten.


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