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Don Alejandro Robaina

Don Alejandro Robaina: Stolz darauf, Veguero zu sein

Gleich bei der Einfahrt in die Stadt Pinar del Rio bieten sich Studenten der Agrarwissenschaften als Führer an. Selbst sie tun sich in diesem Labyrinth an Wegen und Straßen nicht leicht, Pancho Cubas Finca zu finden. Zufällig kommt Señora Cuba samt Enkel des Wegs und geleitet uns zu einer schönen Stiege, die von der Landstraße hinauf zu einem schmucken, mit Blumen umwachsenen Häuschen führt. Dahinter liegt der eigentliche Hof. Hühner laufen aufgeregt umher, Gänse schnattern.

Pancho Cuba empfängt uns freundlich, aber nicht überschwänglich. Ein kleingewachsener, schlanker Mann in seinen besten Jahren, das Gesicht von Wetter und Sonne gegerbt. Auf dem Kopf sein Markenzeichen: ein Sonnenhut aus Stoff, dessen Seiten mit einem Band rechts und links in die Höhe gehalten werden. Er trägt ein einfaches Arbeitsgewand und Arbeitsstiefel. Er ist gerade dabei, Eiswasser für seine Arbeiter aufs Feld zu bringen. Wir begleiten ihn ein paar Schritte hinters Haus. Dort lockert ein Trupp Arbeiter bei praller Sonne mit Harken den grauen, sandigen Boden zwischen den noch kleinen Tabakpflanzen. Bewässerungsgräben werden gezogen, Unkraut entfernt. Die Arbeiter genießen die willkommene Abkühlung. 

Auf nur drei Hektar kultiviert Pancho Cuba 100.000 Pflanzen. Jede Pflanze hat 17 bis 18 Blätter – so kommt er auf beachtliche 1,8 Millionen Blätter, die meisten edle Deckblätter für die feinsten Havannas. 

Laut Taufschein hieße Pancho Cuba eigentlich Francisco Emilian, aber bereits sein Großvater hat in einer patriotischen Aufwallung den Namen Cuba angenommen. Das war 1896. Die Provinz Pinar del Rio kämpfte schon zwei Jahre vor der offiziellen Unabhängigkeit Kubas von Spanien um die Freiheit. Pancho Cubas Leben ist eng mit dem Tabak verbunden.

Sogar sein Geburtstag am 20. September fällt mit dem Tag zusammen, an dem die kleinen Setzlinge ins offene Feld gepflanzt werden. Mit zirka 15 Personen betreibt er ökologischen Anbau. Die Löhne sind für unsere Begriffe gering. Samstag ist immer Zahltag. Pancho Cuba ist ein gerechter Landwirt, der auch an sich hohe Anforderungen stellt. Sein ganzer Stolz gilt der Qualität seiner Deckblätter. „Ich bin stolz, Veguero zu sein!“ Stolz ist er auch auf seinen bestens gepflegten Truck aus dem Jahr 1953. Im Fruchtwechsel werden Soja oder Bohnen angebaut.

Don Alejandro Robaina

Photo: Sebastian Zimmel | Pancho Cuba – ganz stolzer Veguero

Drei Kühe und vier Ochsen – zum Pflügen – nennt die Farm ihr eigen. Der Veguero ist das ganze Jahr über im Einsatz – vom Feld bis in die Trockenscheune; die Zeit Oktober bis März ist besonders intensiv. Gefeiert wird dennoch; zum Beispiel zu Weihnachten steht eine gebratene Gans auf dem Tisch. Für Pancho Cuba ist Alejandro Robaina ein väterlicher Freund. Einmal durfte er nach Deutschland reisen. Altadis hat ihn für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Am liebsten ist er allerdings bei seinen Feldern. Als ich mein kleines abgegriffenes Büchlein „Instructivo técnico para el Cultivo del Tabaco“ zücke, lächelt er zum ersten Mal. Mit seiner Erfahrung von mehreren Jahrzehnten braucht er es wohl nicht mehr … 

Von Los Jazmines aus blicken wir noch einmal über das Vinjales-Tal. Eine Cohiba Esplendido beschließt diesen schönen Tag. Ihr makelloses Deckblatt stammt möglicherweise von einem unermüdlichen, hartnäckigen Tabakpflanzer – von Pancho Cuba. 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Herbst-Ausgabe 2008 veröffentlicht. Mehr 


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