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Arnold Andre Bünde

Zu Gast bei Arnold André

Am 30. Januar 1817 gründete Johann Friedrich Christian André in Osnabrück ein Unternehmen, das Rauchtabak fabrizierte. Aus diesem Anlass folgten wir fast auf den Tag genau 200 Jahre später der Einladung des Traditionsunternehmens Arnold André.

Mittlerweile befindet sich der Firmenstammsitz in der Zigarrenhochburg Bünde. In unserem Handgepäck: Die Fragen, was Begriffe wie „Tradition“ und „Familie“ dem nun in siebenter Generation geführten Betrieb bedeuten. Außerdem wollen wir herausfinden, in welche Richtung das global agierende, 850 Mitarbeiter zählende Unternehmen steuert.

Bereits von Außen beeindruckt die Backsteinfassade des 1905 entstandenen Gebäudes. Marketingleiter Jens Schrader erklärt: „Schon damals agierte Arnold André der Zeit voraus und sehr weitblickend: Die Fabrik wurde arbeitsorganisatorisch durchdacht gebaut, außerdem mit Nordlichtausrichtung, um die Tabakfarben besser beurteilen zu können.“ Der vordere Trakt wirkt ehrwürdig und strahlt Ruhe aus. Historische Dokumente zieren die Wände, die Einrichtung in manchem Konferenzraum blieb unangetastet. Hinter dieser Fassade arbeiten ein Direktorenteam und nahezu 200 Mitarbeiter unter Geschäftsführer Rainer Göhner.

Wer den Namen Arnold André hört, dem fallen außer den Starmarken Handelsgold und Clubmaster die Worte Tradition und Familienunternehmen ein. „Wir sind wirklich ein Familienunternehmen. Die Familie stand immer dahinter, steht weiter dahinter und wird auch in Zukunft dahinter stehen“, bestätigt Rainer Göhner.

Unternehmenseigentümer Axel-Georg André ist tatsächlich im Unternehmen präsent und gibt Impulse und Ideen. Die neueste Eigenmarke Beast ist zum Beispiel „sein Kind“. „Durch den ständigen Kontakt zum Unternehmensinhaber ist spürbar, dass wir ein Familienunternehmen sind. Das geben wir an unsere Mitarbeiter weiter. Hierarchie funktioniert hier familiär. Die Unternehmenskultur ist sehr freundschaftlich und kooperativ“, gibt Vertriebsdirektor Thomas Strick-rock seine Beobachtung nach einem halben Jahr im Amt wider. Und: wie es bei einer echten Familie sein sollte, speist das Direktorenteam täglich mittags zusammen und tauscht sich aus.

Zwar sind selten alle da, da die 2011 entstandene unternehmenseigene Fabrik in der Dominikanischen Republik ein reges Hin- und Her von Rohtabakspezialist Stefan Gerkens erfordert. Er ist im Herstellungs- und Blendingprozess die zentrale Figur. Zusammen mit Masterblender Carlos Jimenez komponiert er die neuesten Zigarren. Was die beiden dort aushecken, geht dann nach Bünde und wird von einem hausinternen Panel getestet, dem auch Axel-Georg André angehört. Sukzessive verlegte Arnold André die Produktion der Bobinen und auch die Herstellung aller Longfiller-Eigenmarken in die eigene Fabrik.

Doch nicht nur in der Karibik herrscht bei den Mitarbeitern Aufbruchsstimmung und der Drang nach Neuem. In Bünde werden Konzepte entwickelt, die dann – je nachdem, ob Long- oder Shortfiller – im Werk in Königslutter oder eben in Santiago de los Caballeros gefertigt werden. Soviel sei verraten: Carlos André und Buena Vista werden mit neuen Linien und limitierten Editionen ausgeweitet.

Zum Jubiläum wird es eine Sonderedition von Clubmaster geben. „Eine Zigarillo, die mit der Zahl 1817 spielt und im April lanciert wird“, verrät uns Jens Schrader. Mit einer gewissen Ruhe und Gelassenheit – und das kommt sicher nicht zuletzt von 200 Jahre Tradition im Rücken – blickt man in die Zukunft. Auch wenn von Außen immer wieder Hürden gestellt werden – Arnold André hat alle Tools, um einige weitere Generationen lang ein erfolgreiches Tabakunternehmen zu sein: Erfahrung, Kompetenz, Familiensinn, Innovationswille und äußerst loyale Mitarbeiter. Ein „Arnold Andréler“ bleibt im Schnitt 18 Jahre!

Zahlen und Fakten

1817 Unternehmensgründung

1851 Fabrikbau in Bünde

1866/67 Eintrag der Firma Arnold André ins Handelsregister

1905 Fabrikneubau in Bünde, heutiger Stammsitz Factory

1946 Lancierung der Marke Handelsgold

1958 Maschinenverbot wird aufgehoben, die Firma setzt sehr schnell umfassende technische Rationalisierungsmaßnahmen um

1959 Mit 6000 Mitarbeitern hat A. A. historischen Höchststand an Beschäftigten

1962 Werk in Königslutter wird gebaut, seit 1993 liegt die gesamte deutsche Produktion dort

1973 Markteinführung von Clubmaster Market

1996 Longfillervertrieb startet

1998 Markteinführung von Independence Market

2005 Lancierung von Vasco da Gama Oporto

2009 Einführung der Longfiller-Eigenmarke Carlos André

2011 Gründung des Bobinierbetriebes Arnold André in der Dom. Rep.

2013 Eigenmarke Buena Vista kommt auf den Markt

2015 Alle Longfiller-Eigenmarken werden in der Arnold André-Fabrik in Santiago de los Caballeros hergestellt

2016 Einführung der Eigenmarke Beast


Portfolio

Eigenmarken: Carlos André, Buena Vista, Beast, Chazz, Clubmaster, Handelsgold, Independence, Tropenschatz, Vasco da Gama

Importmarken: Aurora, León Jimenes, Brick House, El Batón, Neos Country, Toscano, Joya de Nicaragua

Importmarken Pfeifentabak: Mac Baren, 7 Seas, Peterson of Dublin

Feinschnitt: Mac Baren Choice, Raw

Katja Gnann

Bei einer regionalen Tageszeitung erlernte sie das journalistische Handwerk von der Pieke auf und erstellte dort langjährig redaktionelle Beiträge. Durch die Mitarbeit bei der Zeitschrift „Der Spiegel“ in Rom bekam sie die Chance, ihre Kenntnisse im Medienbereich zu professionalisieren. Katja Gnann studierte Kunstgeschichte und Romanistik in Heidelberg, Palermo und Rom und verbrachte im Zuge des Studiums viele Jahre in Italien. Das Land war ihr Lehrmeister in Sachen Genuss und Lebensstil. Seit 2004 arbeitet sie für das Cigar Journal, seit 2010 als Chefredakteurin.


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