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Xikar Xi Cutter

Eine Zigarre richtig öffnen: Schneiden, Bohren, Beissen, Reissen

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass viele Leute, die in Zigarrenfabriken arbeiten, ihre Puros anbeißen oder mit dem Fingernagel aufreißen? Im Prinzip ist dagegen gar nichts einzuwenden.

 

Es gibt viele Möglichkeiten eine Zigarre zu öffnen; einige sind elegant, andere eher rustikal. Alle verfolgen das eine Ziel: die Zigarre für den Genuss vorzubereiten. Abgesehen von der persönlichen Vorliebe für eine bestimmte Technik bestimmt die Form der Zigarre über das richtige Werkzeug mit. Es fällt schwer, eine Pyramid zu bohren oder mit einem V-Schnitt zu öffnen; das gleiche gilt für Zigarren mit Zopfende [pigtail].

Routinierte Zigarrenraucher verfügen deshalb über eine Palette von Accessoires, und so mancher wählt die geeignete Klinge ebenso sorgfältig aus wie die Zigarre selbst. Das Angebot ist schier unüberschaubar, auch wenn wir eigentlich nur drei verschiedene Schnitte anwenden: den Flachschnitt, den V-Schnitt und den Rundschnitt.

Thorsten Wolfertz aus Solingen (Deutschland) fertigt Zigarrenabschneider in dritter Generation und kennt die Eigenschaften von Stahl in allen Facetten. Er sagt: „Man erkennt guten Stahl erst dann, wenn man mit ihm arbeitet. Es ist wie bei der Zigarre, die auch erst ihre Geheimnisse offenbart, wenn sie brennt.“

Als Fachmann für scharfe Klingen vertreibt Wolfertz nicht nur seine eigenen Produkte, sondern auch jene von Xikar. Das US-amerikanische Unternehmen hat mit dem „Xi-Cutter ein Doppelklingen-Instrument entwickelt, das nicht nur mit den Fingerspitzen, sondern mit der Kraft und Sicherheit des gesamten Handballens bedient werden kann. Damit sind wir bei den Werkzeugen, mit denen wir die Zigarre flach anschneiden, genauer gesagt bei den Guillotinen mit Doppelklinge.

Thorsten Wolfertz weiß: „Eine gute Klinge zeichnet sich durch Härte und Verarbeitungsgüte aus. Die Härte muss mindestens 55 HR [Anm: Härte nach Rockwell, Maßeinheit] betragen. Achten Sie auf eine polierte Schneide und darauf, dass die Klingen absolut plan laufen.“ Eine gute Führungsschiene drückt die Klingen während des Schneidevorganges aufeinander. Sie sollten sehr eng aneinander liegen und auch im geöffneten Zustand nicht wackeln. Hochwertige Guillotinen haben gestanzte Klingen, die diagonal angeschliffen sind.

Es gibt mitunter auch hochwertige Abschneider mit nur einer Klinge. Deren Handhabung erfordert allerdings etwas Fingerspitzengefühl. Die meisten derartigen Modelle zielen darauf ab, möglichst klein, flach und leicht zu sein, womit natürlich Abstriche an die Ergonomie verbunden sind. Und dann kennen wir noch die preiswerten Cutter mit nur einer Klinge aus Bandstahl. Wegen seiner geringen Dicke wird Bandstahl beidseitig geschliffen, bleibt aber nicht sehr lange scharf.

Das wahrscheinlich überlegene Werkzeug zum Anschneiden der Zigarre ist die Schere. Ihr großer Vorteil ist, dass man aufgrund der Hebelwirkung einen sehr langsamen Schnitt ausführen kann. Entscheidend ist, dass die Schnittflächen die Zigarre umschließen und „dass die Schere eine gute Balance hat“, weiß der Experte. Er hat einen weiteren Tipp parat: „Scheren muss man nachstellen, damit sie ihren präzisen Schnitt behalten. Dies ist nur möglich, wenn die Schraube einen Schlitz aufweist.“ Beim Kauf sollte man auch erfragen, ob der Hersteller das Nachschärfen des Produkts anbietet.

Zigarrenbohrer (auch: Puncher) sind sehr beliebt, weil meist einfach zu handhaben und weil die kleine Öffnung verhindert, dass Tabakbrösel in den Mund gelangen. Aber: Bei keiner anderen Schnittart gibt es größere Unterschiede hinsichtlich Qualität der Klingen. Wolfertz: „Die Klinge sollte von innen angeschliffen sein. Andernfalls verändert sich der Durchmesser der Klingenröhre und das Deckblatt kann Risse bekommen. Beidseitig geschliffene Klingen werden rasch stumpf “, informiert Thorsten Wolfertz. Ein Zigarrenbohrer braucht eigentlich nicht mehr als zwei Klingen: eine mit acht bis neun Millimeter Durchmesser und eine zweite mit elf bis zwölf Millimetern. Zwei Tipps: Bequem ist es, wenn der Tabakrest automatisch ausgeworfen wird und man nicht erst einen Gegenstand finden muss, um ihn aus der Röhre zu drücken. Ebenso wichtig ist, dass ausfahrbare Klingen mit 11⁄2 Umdrehungen ihre volle Länge zeigen.

Eine gewisse Renaissance erfährt derzeit der V-Schnitt. Neu entwickelte Kerbschneider verfügen über eine inversive Klinge, was das Schneideergebnis gegenüber einer spitz zulaufenden Klinge verbessert. Wie bei allen Instrumenten gibt es auch hier Tisch- und Taschenformate. Kerbschneider verleihen der Zigarre eine Öffnung, die einem Katzenauge gleicht, weshalb man auch oft den Ausdruck „cat-eye-cut“ hört. Vor allem bei eher trockenen Zigarren besteht die Gefahr, dass das Deckblatt beim Schneiden reißt. Wählen Sie aus. Im Notfall: einfach Anbeißen.

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Herbst-Ausgabe 2013 veröffentlicht. Mehr

Reinhold C. Widmayer

His journalistic career began in 1979 as a freelancer for German-language newspapers in the US, and later for Austrian media including Die Wochenpresse and Das Wirtschaftsblatt. For ten years he also produced programs for over 60 radio stations around the world. In 1994, Reinhold C. Widmayer devoted himself to all things cigar, publishing technical articles in cigar magazines. He began working for Cigar Journal in 2001 and became editor-in-chief in 2005; under his auspices the journal has established itself as the world’s leading cigar magazine.


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