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Meerapfel Tobacco Group: Exzellente Deckblätter aus Kamerun

„Gibt es einen Tabak auf der Welt, der es mit diesem aufnehmen kann?“ Jeremiah Meerapfel hält mir mit leuchtenden Augen ein Bündel Kamerun-Deckblätter unter die Nase. Welch ein Bouquet an Aromen! Er schwenkt es wie ein Magier.

„Fühlen Sie selbst. Diese Wrapper sind fein wie Seide, strahlen etwas Feminines aus. Für mich sind sie einmalig mit ihren leicht süßlichen Geschmacksnoten und dieser Farbe – wie die beste Schokolade. Das passt zur Provenienz Zentralafrika. Wir kultivieren dort Tabak unter Bedingungen, die nach hiesigen Maßstäben undenkbar sind. Ja, das höllische Klima am Äquator, die Stammesfehden und das ständige Ringen um Planungssicherheit. Aber kann man die erwarten in einem Land, wo Spiritualisten und Regenmacher das Sagen haben? Ich hatte in Kamerun Einsätze, die mich fast das Leben gekostet hätten.“

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Photo: Jo Lüders

Das kann ich zuerst kaum glauben, als mir Jeremiah Meerapfel im eleganten Geschäftsanzug gegenüber sitzt und ganz nebenbei von einem schicken Event erzählt, zu dem er später im Herzen der prosperierenden EU-Hauptstadt erwartet wird. Der 35-jährige Co-Chairman von M. Meerapfel & Söhne Belgium S.A. blickt auf die Ahnengalerie des 137 Jahre alten Familienunternehmens.

Die deutschstämmige jüdische Familie war an allen wichtigen Schauplätzen des Tabakgeschäfts präsent, in Indonesien, Mittelamerika, den USA sowie in Kuba. Genüsslich zieht Jeremiah an seiner Arturo Fuente Don Carlos No. 2. Natürlich ist sie von einem Deckblatt aus Kamerun umhüllt. „Für diese Linie stammen viele Deckblätter aus dem Jahr 1984; das sind wohl die ältesten Deckblätter, die jemals für eine kontinuierlich produzierte Zigarrenserie weltweit verwendet wurden. Wir sind absolute Exoten in der Branche. Mit unseren Kamerun-Tabaken haben wir im Premiumsektor einen Marktanteil von etwa drei Prozent.“

Rick Meerapfel – Afrika-Pionier der Familie

Es ist früh am Abend und Jeremiah freut sich, als doch noch sein Bruder und Co-Chairman Joshua von Miami eintrifft – die beiden teilen sich gleichermaßen die Veranwortung innerhalb des Unternehmens. Joshua konzentriert sich derzeit auf administrative Aufgaben, kennt aber auch das Tabakgeschäft in Kamerun wie seine eigene Westentasche. Bereits im Alter von 15 Jahren reiste Joshua in das zentralafrikanische Land und später war er es, der dort die monatlichen Inspektionen durchführte.

Der 33-Jährige, ein Kosmopolit wie sein älterer Bruder, trägt stets ein smartes Lächeln im Gesicht und ist auf mehreren Kontinenten im Business-Takt unterwegs. Aber was macht wirklich das Charisma der Gebrüder Meerapfel aus, den Nachfolgern einer stolzen Dynastie von Tabakpionieren? Ja, aus Joshuas wie Jeremiahs Augen blitzt ein geradezu unwiderstehliches „Abenteuer-Gen“. Kein Wunder, mit ihrer so unglaublichen wie spannenden „Mission Possible“ im tiefsten Inneren Afrikas. Nach dem Tod ihres Vaters Rick, dem Pionier des Familienunternehmens in Afrika, machten sie aus dessen Vermächtnis allen Widerständen zum Trotz weiter eine Erfolgsstory.

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Photo: Jo Lüders

Richard Meerapfel (1951–2003), ein legendärer „Wundermacher“ in der Zigarrenwelt, avancierte zum weltweiten Hauptanbieter der raren Kamerun-Deckblätter. Nur eine Handvoll der renommiertesten Produzenten kleiden damit ihre Premiumzigarren ein, wie Arturo Fuente seine exquisite Serie Don Carlos sowie die Ashton Heritage Puro Sol, die Partágas-Linie von General Cigar, aber auch eine Serie von Aurora, der ältesten Zigarrenfabrik der Dominikanischen Republik.

Der Name Meerapfel ist in der Tabakwelt ein tradierter Qualitätsbegriff. Dahinter stehen heute drei Unternehmen. So hat sich die Maier, Meerapfel Söhne Belgium S.A. (MMS) auf die exklusive Distribution von Premiumzigarren spezialisiert: Padrón aus Nicaragua sowie Arturo Fuente aus der Dominikanischen Republik. „In unseren Händen liegt die Verantwortung für die Vermarktung der Starmarke Arturo Fuente in allen Ländern ausgenommen den USA“, informiert Jeremiah, der Wirtschaft in London studiert hat. „Da spielen natürlich die engen freundschaftlichen Beziehungen mit hinein, die unsere Familie mit der von Carlos Fuente verbinden. Als mein Vater Rick in Miami im Tabakhandel tätig war, traf er Carlos Junior.

Es war mein Vater, der gemeinsam mit ihm den ersten Blend seiner außergewöhnlichen Serie Arturo Fuente Don Carlos machte. Mein Vater wie auch Carlos Fuente wollten stets die beste Qualität erreichen, aber strebten nicht danach, die quantitativ Größten der Branche zu werden. So teilten beide eine Philosophie und wurden Freunde fürs Leben. Sie lernten sich zu der Zeit kennen, als Carlos Junior die Tabacalera A. Fuente in der Dominikanischen Republik etablierte. Ich machte dort während der Schulferien meine ersten Praktika.“

Joshua erzählt daraufhin begeistert, wie er auf den Tabakfeldern und in den Fabriken von Padrón in Nicaragua bei einem längeren Aufenthalt einen weiteren entscheidenden Zugang zum „braunen Gold“ fand. „Unsere Familien sind eng befreundet.“ Überaus optimistisch blickt er auf den europäischen Markt: „Wir arbeiten sehr erfolgreich mit all unseren Vertriebshändlern zusammen und konnten für die Arturo-Fuente- und Padrón-Serien sogar die Preise senken.“

Mission hinter Tabakbusiness: „Hilfe zur Selbsthilfe für Afrika“

Die Meerapfel Tobacco Trading Company ist im Interview kein Thema. Wir konzentrieren uns auf das weltweit einmalige Engagement der Gebrüder Meerapfel rund um die Cameroon Wrapper Growing Companies. Die sind mit rund 3000 Farmerfamilien auf etwa 3000 Feldern (eine Familie besteht im Schnitt aus zehn Personen). In den Zentren sind 3000 Menschen das ganze Jahr über beschäftigt. Dies macht die Comapnies zu einem wichtigen Arbeitgeber des zentralafrikanischen Landes. Die Gehälter sind für die Region überdurchschnittlich hoch. Angesichts großer Familienverbände profitieren so im armen Osten von Kamerun mehr als 100.000 Menschen vom Geldfluss aus Europa: „Genauso der Kleinbauer wie der lokale Bürgermeister“, unterstreicht Joshua.

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Photo: Jo Lüders

Deutsche Kolonialherren brachten den ersten Tabak nach Kamerun. Es war der recht milde und dennoch würzige Sumatra. Später, unter französischem Mandat, sei die Tabakanbaukultur vernachlässigt worden. „Heller, mein Großvater, reiste 1963 erstmals nach Afrika. Aber mein Vater Rick war es, der die Kamerun-Deckblätter Anfang der 1990er-Jahre vor ihrem Aussterben bewahrte. Er hatte auch eine soziale Mission, die wir bis heute fortführen: Den Afrikanern Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, das war sein Motto.“

Joshua Meerapfel fliegt heute meist einmal im Monat von Brüssel aus nach Kamerun. „Dort fahre ich elf Stunden mit dem Jeep über gefährliche Pisten und muss Flüsse abenteuerlich überqueren. Ein Helikopterflug über den Regenwald, den zweitgrößten der Welt, ist ausgeschlossen. Von den Pflanzerfamilien trennt mich dann noch ein längerer Fußmarsch durch den Dschungel. Die Natur ist umwerfend mit den vielen vulkanischen Bergkegeln am Horizont. Wir haben etwa 3000 Parzellen mit Tabakanbau in der sehr armen Region Batouri, Provinz Kadéi sowie in Berberati. Das ist in der benachbarten Zentralafrikanischen Republik.“

Riesige Deckblätter von Kleinbauern in Batouri

Wenn Joshua an die Deckblätter von Batouri denkt, fangen seine Augen wieder an zu leuchten: „Unsere Kleinbauern haben riesige Tabakpflanzen, meist auf kleinen Parzellen von höchstens einem halben Hektar. Die Blätter sind so groß, dass sie als Wrapper für die allergrößten Premiumzigarrenformate hergenommen werden können. Es ist ein extrem feiner Tabak. Wir selektionieren jedes Jahr die Samen der widerstandsfähigsten Pflanzen. So kommen wir in einem natürlichen Ausleseverfahren zu immer noch besseren Ernten.“

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Photo: Jo Lüders

Doch von einer funktionierenden Infrastruktur könne man in Batouri nicht reden: „Elektrizität gibt es meist nicht und das Öl, von dem wir abhängen, ist so teuer wie in Europa. Bewässerungssysteme sind zudem ein frommer Wunsch; in langen Trockenzeiten haben wir das Nachsehen. Ja, und auf künstlichen Dünger verzichten wir ganz. Wir nutzen das gleiche Land nie zweimal, unsere Kleinbauern wandern mit den Erntezyklen weiter.“ Der Tabak ist Sun Grown, denn der über dem Äquator meist mit Wolken verhangene Himmel ist quasi ein natürlicher Sonnenschutzfilter: „Wir brauchen keine Tapados wie in anderen Tabakprovenienzen.“

Ein Dauerproblem sind ständig schwelende Konflikte der allein 40 verschiedenen Volksgruppen in den Tabakanbaugebieten: „Sie können sich untereinander nicht einigen, auch nicht bei der Landnutzung. Deswegen haben wir nur kleine Parzellen. Zudem ist der Arbeitsmarkt seit drei Jahren schwierig. Sobald der Lockruf von der Entdeckung einer neuen Goldader oder Diamantenmine ertönt, ziehen viele Arbeiter einfach weiter. Verstehen Sie jetzt, warum unsere Deckblätter so rar wie teuer sind“, sagt Jeremiah.

„In manchen Jahren verdienen wir sehr viel Geld, das wir dann in anderen Jahren wieder verlieren. Aber was bleibt, ist unsere Passion für Afrikas Tabak. Der bestimmt den Geschmack einiger der exquisitesten Zigarren der Welt wesentlich mit – für mich beeinflussen Deckblätter das Endaroma zu 60 bis 70 Prozent“, unterstreicht Joshua Meerapfel. „Da denke ich auch an die Hemingway-Serie von Arturo Fuente und an meinen Großvater.“

Heller Meerapfel brachte Hemingways Manuskripte von Kuba in die USA

Jeremiah zeigt auf ein historisches Foto, auf dem Heller Meerapfel (1921–2011) an der Seite des kubanischen Revolutionärs Che Guevara zu sehen ist: „Er traf ihn 1959 in Havanna, als er Industrieminister war. Seinen besten Verbindungen zu Che ist es zu verdanken, dass die Manuskripte Hemingways (1899–1961), der jahrelang auf Kuba lebte, später an die Universität Princeton/New Jersey kamen. Seine Frau Margaux Hemingway bat ihn persönlich, das in die Wege zu leiten, und Heller schaffte es.“

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Photo: Jo Lüders

Dann holt Jeremiah weiter aus und erzählt noch mehr aus der Firmenhistorie: „Da schauen Sie, unsere Ahnenreihe mit den alten Fotos. Mit Maier Meerapfel (1847–1927), dem Gentleman mit dem langen weißen Bart im Stil von Karl Marx, da fing die Geschichte unseres Unternehmens an, anno 1876 in Untergrombach bei Karlsruhe, wo meine Familie ihre Wurzeln hat. Wir haben dort in Süddeutschland bis heute ein Büro.“

Maier Meerapfel versorgte deutsche Minenarbeiter mit Kautabak, denn Rauchen unter Tage war strikt verboten. Anno 1900 startete er das Überseegeschäft im Dienste boomender Zigarrenfabriken. Die Firma Maier Meerapfel & Söhne brachte es bis 1933 zum wichtigsten Importeur in Deutschland für Deckblätter aus Java und Sumatra. In der Nazi-Zeit wurde ihr Besitz konfisziert. Die Familie wanderte über Amsterdam in die USA aus. Ernest Meerapfel (1885–1964) baute dann von New York aus ein Tabakbusiness auf, das später in Miami weitergeführt wurde – auch mit der Kultivierung von Deckblättern in Florida. „Aufgrund dieser alten US-Beziehungen lernte ich schon als Jugendlicher die Plantagen von General Cigar in Connecticut kennen“, sagt Jeremiah.

Export-Champion

Dann erzählt der dynamische junge Chef von Maier, Meerapfel & Söhne von einem unglaublichen Coup seines Großvaters, den der gleich nach dem Sieg der kubanischen Revolution einfädelte: „Heller kaufte sagenhafte 160.000 Ballen mit besten Tabakblättern ein. Die exportierte er nach Europa und auch so lange in die USA, bis ihm das Embargo 1962 einen Strich durch die Rechnung machte. Er ging als Export-Champion von Havannatabak in die Geschichte ein.“

Mit Blick auf ein historisches Ölgemälde von Alt-Havanna, Kuba, schmunzelt Joshua Meerapfel und erzählt eine weitere spannende Anekdote aus der Familiensaga: „Mein Vater Rick verbrachte aufgrund Hellers exzellenter Beziehungen 1981 fast ein Jahr in Pinar del Rio, um seine Kenntnisse zu erweitern. Nach drei Wochen dort flog er stets für einen Besuch zu seiner Familie nach Miami. Dafür bekam er eine spezielle Transporterlaubnis. Rick war der erste Amerikaner, der nach der Revolution im Tabakparadies Vuelta Abajo Einzug hielt. Zwischen 1982 und 1985 kaufte er dort das ‚braune Gold‘ und exportierte es nach Europa. Ich habe immer noch einen Satz von ihm im Ohr: ‚Niemand weiß besser mit Tabak umzugehen als die Kubaner.‘ Sein Kompliment kam später an uns zurück. So erzählte mir ein Bekannter, dass ein berühmter Veguero bei San Luis über unsere Familie gesagt habe: ,Den Meerapfels eilt ganz zu recht der Ruf voraus, stets die besten Deckblätter auszuwählen und dafür auch einen entsprechend hohen Preis zu bezahlen.‘ Diese Worte haben mich zutiefst berührt und auch mit motiviert, weiter in das höllische ,Deckblatt-Paradies‘ von Afrika zu fliegen …“

Information:

M. Meerapfel Söhne Belgium S.A.
www.mms.be

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Sommer-Ausgabe 2013 veröffentlicht. Mehr

Gabriela Greess

Since 2005, Gabriela Greess has been traveling the world to report on top cigar destinations for Cigar Journal’s Travel Corner. She also writes our business features, often interviewing top tobacco industry representatives. Her Tobacco & Arts articles highlight cigar-loving artists and artisans.


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