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Luxemburg: Willkommen im Schlaraffenland

„Du musst, sobald du wieder in Europa bist, unbedingt nach Luxemburg kommen. Ich zeige dir die Zigarrenszene
vor Ort. Sie bietet wirklich viel“,lud mich Jean Diederich, passionierter Zigarrenraucher und langjähriger Präsident des Cigar Club Luxembourg in seine Heimat ein. Der Club besteht seit 22 Jahren und trifft sich zehn Mal im Jahr. Er ist der aktivste, traditionsreichste und älteste Zigarrenclub des Landes. Die über 40 Mitglieder richten nicht nur Events mit Herstellern aus, sondern auch das alljährliche Sommerfest und beleben damit die Zigarrenszene des kleinen Landes erheblich. Im November war es soweit, der Lokalaugenschein im Großherzogtum erfolgte. Bei Schneeregen und Graupelschauer fahre ich vom Flughafen ins Stadtzentrum. Auf dem Weg liegt das Kirchberg-Plateau. Es beherbergt nicht nur viele wichtige Institutionen, wie etwa den Europäischen Gerichts- und Rechnungshof, sondern auch Banken und Konzerne wie die RTL Group und Amazon. Die Philharmonie, ein architektonischer Hingucker aus 2.500 Tonnen verbautem Stahl und einer verglasten Oberfläche von 5.000 Quadratmetern, rundet das Bild ab: Hier sitzt und fließt viel Geld. Weiter Richtung Stadtzentrum wird’s jedoch charmant und pittoresk.

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Zigarren-, Rum- und Champagnerspezialist Emmanuel Sarrazin (l.) und Luxemburg-Insider Jean Diederich

Der Stadtkern erstreckt sich über das Petruss-Tal und gliedert sich in Ober- und Unterstadt, viele Bereiche sind autofrei. Schöne Gebäude aus dem Mittelalter bis hin zum Jugendstil prägen das Stadtbild. Jean und ich treffen uns gleich bei einer legendären Institution für Zigarrenraucher, vor der Casa del Habano in der Avenue de la Porte-Neuve. Inhaber Jean-Claude Reichling ist aber beschäftigt, zwei Kunden aus den USA bestaunen seine Raritäten im Humidor. „Jean-Claude ist weit über Luxemburg hinaus bekannt für seine Spezialitäten aus dem Habanos-Sortiment, die es dann oft nur noch bei ihm gibt“, bestätigt mein Reiseführer. Es stimmt – hier stapeln sich die Cohiba Edición Limitada Robustos Supremos EL 2014, und mir dämmert, dass mein Luxemburger Freund richtig lag, als er sein Land als Schlaraffenland bezeichnete. Preislich liegen die Zigarren aus Kuba ungefähr bei dem, was man in Deutschland für eine Habanos zahlen muss: eine Partagás Serie D No.4 kostet EUR 12,20, eine Montecristo Double Edmundo EUR 14,40. Jean-Claude hat nun Zeit für uns, und wir rauchen zusammen eine Diplomáticos El Diputado Exclusivo Belux – ein ziemlich genialer Einstieg, um Luxemburgs Zigarrenszene zu begutachten. Die Zigarre ist zart pfeffrig, gleichzeitig aber cremig, und ein tolles Aromenspiel findet im Hintergrund statt.

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In der Casa del Habano geht internationales Publikum ein und aus und spiegelt wider, wie sich Luxemburgs Bevölkerung zusammensetzt. Der Ausländeranteil von Luxemburg Stadt beträgt 70 Prozent, jener des gesamten Landes 50 Prozent. Man ist tolerant hier und das gefällt uns, weil es bedeutet, dass Individualität respektiert wird und daher auch die Passionados ihre Rückzugsorte behalten dürfen.
„Es gibt in dem winzigen Land Luxemburg 63 Fumoirs“, eröffnet mir Jean stolz. „Das bedeutet, auf 10.000 Einwohner kommt ein Fumoir.“ Würde man diese Rechnung auf andere Länder Europas anwenden – wahrscheinlich würde keines derart herausragend abschneiden. Unseren nächsten Stopp legen wir quasi um die Ecke ein, bei El Puro. Emmanuel Sarrazin betreibt seinen Laden seit über vier Jahren und bemerkt, dass der Verkauf von New World-Zigarren stabil ansteigt. „Momentan liegt er bei 60 (New World) zu 40 (Habanos) Prozent“, erzählt er. Er ist außerdem auf Champagner-, Rum- und Weinverkauf spezialisiert. Seine Privatlounge im ersten Stock bietet Platz für 16 Leute; wer möchte kann einen Locker mieten. Der Walk-in-Humidor ist geräumig, insgesamt verteilen sich Shop, Humidor und Lounge auf 150 Quadratmeter. Bei Emmanuel kostet – als Anhaltspunkt – die Davidoff Millennium Robusto EUR 20,70.

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La Casa del Habano

Es wird Zeit für einen Aperitif, und wir schlendern ins Hotel Le Royal. Dort gibt es eine große Lounge direkt neben der Bar und einen gut sortierten Humidor. Bei besagter Davidoff Millennium und Gin Tonic stellen wir fest, dass es bald Zeit fürs Abendessen ist. Mein ortskundiger Begleiter schlägt das Restaurant Dogado vor. Neben dem ausgezeichneten italienischen Essen gibt es für seine Empfehlung noch einen Grund. Das Lokal wartet mit einer Zigarrenlounge und einem Humidor auf. Herrlich. Nach dem Essen rauchen wir die Jubiläumszigarre des Cigar Club Luxembourg, die speziell für diesen Anlass von E.P. Carrillo hergestellt wurde. Ein großartiges Ende eines wunderbaren Tages.
Ganz früh am nächsten Tag besuche ich Zito Gomes in seinem Shop Liberté 56. Auch er ist – wie El Puro – Habanos Specialist, hat aber zudem eine schöne Auswahl an New World-Zigarren. Speziell aus Didier Houvenaghels Sortiment bietet er viel an, La Furia sogar exklusiv in Luxemburg. Eine Davidoff 702 Series Grand Cru Robusto kostet bei Zito EUR 19,00. Gomes veranstaltet regelmäßig Events mit Zigarrenherstellern, die sofort ausgebucht sind. Außerdem beliefert er die Hotels in Luxemburg mit seinen Zigarren. Ich verplaudere mich schnell mit Zito, der in Angola geboren, auf einer Kaffeeplantage aufgewachsen und dann als Fünfjähriger nach Portugal gekommen ist. Er hat viel zu erzählen – über die Welt und über Zigarren.

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Zito Gomes, Besitzer vom Shop Liberté 56 vertreibt exklusiv La Furia für Luxemburg, und ist selbst leidenschaftlicher Passionado

Von Jean werde ich danach in eine ganz andere, eigene Szene eingeführt: die der englischen Clubkultur. Denn dort gibt es natürlich auch ein Fumoir. Zuerst dürfen wir das House 17 besuchen. Die Lokalität bietet ein Restaurant, eine Bar, einen gemütlichen Dachstuhl, Meetingräume, eine Bibliothek, Billardtische und eben eine Zigarrenlounge – alle Zimmer sind sehr trendig und hip im Schwarz-Weiß-Stil eingerichtet. Als Gegenstück dazu zeigt mir Jean den alteingesessenen Club Cercle Munster: Er ist traditionell im britischen Stil gehalten; hier herrscht Krawatten- und Sakkopflicht. Auf einer Fläche von 1.500 Quadratmetern verwöhnen 40 Mitarbeiter die Clubmitglieder: in zwei Restaurants, der Bar, den Meetingräumen, der Bibliothek oder eben im Fumoir. Beim exquisiten Mittagessen stöbere ich in der Weinkarte, die meinen Puls beschleunigt. Clubdirektor Maximilian von Hochberg lässt mich einen Blick in den Weinkeller werfen. Hier lagern 50.000 Flaschen. Das ist für das internationale Publikum natürlich ein Lockvogel – und für den Club ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Es ist spät geworden – ich muss zurück zum Flughafen, aber zwei Zigarren-Hotspots kann ich auf dem Weg noch mitnehmen: Die Lounge des Sofitels – sie ist riesig und trotzdem gemütlich, also ist das Haus eine gute Adresse für Passionados, um in Luxemburg zu nächtigen. Danach besuche ich noch Jacques Rasic, der seit drei Jahren den Shop Cigar Humidor im Einkaufszentrum Auchan betreibt. Der junge Luxemburger ist selbst Zigarrenraucher und mit Leib und Seele bei der Sache. Er berät gerne und gut, sein Walk-in-Humidor hat noch den Schwerpunkt auf Kuba, aber New World-Zigarren erobern mehr und mehr Regalmeter. Mein Tipp für das Zigarrenparadies Luxemburg: Plant mehr als nur zwei Tage ein, denn die Stadt bietet viel – Kultur, Shoppen und natürlich Smoke-Erlebnisse. Mein Begleiter Jean hat die wichtigsten Adressen genannt, die ich nicht alle besuchen konnte, aber hier teile.
Nur eines war besser bei meinem ersten Treffen mit Jean, damals vor einem Jahr in der Dominikanischen Republik: das Wetter. Aber abgesehen davon, ist Luxemburg tatsächlich ein Schlaraffenland für Passionados.

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She learned her journalistic skills from scratch at a regional daily newspaper, for which she wrote articles for many years. Through working for the magazine Der Spiegel in Rome she had the opportunity to increase her professional knowledge in the field of media. Katja studied art history and Romance studies in Heidelberg, Palermo and Rome and, during the course of her studies, spent many years in Italy. The country was her teacher in things related to pleasure and lifestyle. She has been working for Cigar Journal since 2004. In 2010 she became editor-in-chief.


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