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Jeff Borysiewiczs Projekt zum erstmaligen Tabakanbau in Florida seit 1977

In den guten alten Zeiten war Florida – nach Connecticut – das zweitwichtigste Tabakanbaugebiet in den USA. Dies änderte sich aufgrund verschiedener Ereignisse, und die letzte Ernte wurde 1977 eingebracht. Bis Jeff Borysiewicz, Inhaber der Corona Cigar Company, beschloss, eine längst verloren geglaubte Tradition wieder aufleben zu lassen. „Die zunehmende Beliebtheit der Zigarette und das Kuba-Embargo waren zwei wichtige Faktoren für den Rückgang des Zigarrenkonsums im 20. Jahrhundert“, erklärt Borysiewicz.

„Viele kubanische Farmer gingen nach Zentralamerika, um dort ihren Tabak anzubauen, und die Amerikaner konnten nicht mithalten. Die Kosten variierten deutlich.“ Vergleicht man Nicaragua und Honduras mit den USA, sind die Unterschiede der Produktionskosten auch heute noch enorm. Nichtsdestotrotz wollte Borysiewicz seinen eigenen Tabak ziehen.

Photo: Simon Lundh

Photo: Corona Cigar Art Department

„Zigarren sind meine große Leidenschaft und ich habe eine Affinität zur Landwirtschaft. Also packte ich die Gelegenheit beim Schopf. Ich mache das nicht aus finanziellen Gründen. Ich wollte sehen, ob es mir gelingt und ob ich ein einzigartiges Produkt schaffen kann. Das ist die Herausforderung.“ Die ersten Pflanzen wurden 2013 auf seiner Farm in Tampa Bay gezogen. „Es war ein Test, um herauszufinden, auf welche Probleme man stoßen kann, wie etwa Krankheiten oder Insekten. Ein System funktioniert in Nicaragua, ein anderes in Connecticut, aber das heißt nicht, dass es auch hier funktioniert.“ Borysiewicz begann mit zwei kubanischen Samen – Corojo und Criollo –, um festzustellen, wie sie gedeihen. „Die beiden schnitten gleich gut ab, doch im Ende bevorzugte ich Corojo. Nach der ersten Ernte versuchten wir, Probleme, auf die wir gestoßen waren, zu beseitigen. Außerdem wollten wir sehen, wie der Tabak brennt. Denn wenn es da Schwierigkeiten gibt, kann man auch gleich wieder aufgeben.“

Letzten Herbst machte er einen weiteren Test mit Sumatra Sun Grown. Insgesamt hat er vier Ernten eingebracht. Der Sumatra-Tabak befindet sich derzeit bei Davidoff in der Dominikanischen Republik zur Fermentierung und Reifung, die Corojo-Blätter bei Drew Estate in Nicaragua. „Zum 20. Jubiläum von Corona Cigars werden wir den Tabak bei Davidoff verwenden, um mit ihnen einen exklusive Zigarre zu schaffen. Sie kommt 2016 heraus. (Anm.: Davidoff Exclusive 20th Corona Cigar Co.) Was mit dem anderen Tabak geschieht, wird erst entschieden. Die Marken können noch nicht verraten werden.“ (Siehe auch: Drew Estate Florida Sun Grown)

„Jeder Zigarrenhersteller arbeitet mit den gleichen Ressourcen. Die Idee ist es, mit dem Tabak, der auch von anderen verwendet wird, ein einzigartiges Geschmacksprofil zu schaffen. Jede Region produziert einen anderen Geschmack. Wenn Sie zum Beispiel zehn Leute zu Wein oder Whiskey befragen, werden Sie zehn verschiedene Antworten bekommen. Für mich hat unser Tabak ein sehr ledriges, wildlederähnliches, erdiges Aroma. Zudem weist er eine leichte Würze auf. In einem Zigarrenblend tendiert er, zu dominieren. Wenn Sie eine Zigarre mit einem sonnengereiften Tabakblatt aus Florida haben, dann können Sie dieses erkennen. Welchen Sinn hätte es, wenn es genauso wie Corojo Nicaragua oder Corojo Honduras schmeckt?“

Photo: Simon Lundh

Photo: Corona Cigar Art Department

Laut Borysiewicz sind auch die Ähnlichkeiten mit kubanischem Tabak – obwohl das Klima mehr oder weniger gleich ist und es sich um die nächstgelegene Plantage zu Kuba handelt – beschränkt. „Ich finde unseren Tabak nicht so stark. Farbe und Textur sind ähnlich, aber er ist definitiv nicht so würzig wie kubanischer Corojo. Außerdem brennt er besser. Wir haben einen sandigeren Boden, eher wie in Connecticut, und so erzeugen wir dünnere Blätter mit mehr Elastizität. Unsere mineralische Substanz ist auch ein wenig anders.“

Derzeit produziert er 5000 Pfund (2267 Kilo) pro Jahr und das reicht ihm. „Das ist eine überschaubare Größe. Wir haben keine riesige Arbeiterschaft, und wenn wir 5000 bis 6000 Pfund in der Scheune lagern, dann ist sie voll.“ Er erwartet sich auch keine Wiederbelebung des Tabakanbaus in Florida. „Das war nicht Teil des Plans. Wir haben solche Nachteile, was die Kosten betrifft, ich glaube, das wäre gar nicht möglich. Sie kämpfen heute in Connecticut, weil sie mit im Schatten gezogenem Tabak aus Ecuador, der genauso aussieht wie ihrer, konkurrieren müssen.“

Die einzige Tabakplantage im Bundesstaat zu führen, hat aber auch Vorteile und etwas Einzigartiges. „Das Schöne daran ist, dass die Zigarren, die man produziert wahrlich eine limitierte Auflage sind“, meint Borysiewicz. „Wenn Marken solche herausbringen, dann entscheiden sie einfach, wie viele Zigarren sie rollen. Aber das hier ist wirklich limitiert und nicht für Marketingzwecke. Wir haben nur acht Hektar. Es handelt sich also echt um ein Unikat.“

 

Photo: Simon Lundh

Photo: Corona Cigar Art Department

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Frühjahres-Ausgabe 2016 veröffentlicht.

Simon Lundh

Nachdem Simon Lundh 2005 sein Ingenieursdiplom in Vermessungstechnik erwarb, entschied er sich für eine journalistische Laufbahn. Er entdeckte die Welt der Zigarren während er für eine nichtstaatliche Organisation in Estelí, Nicaragua, arbeitete und verdient seinen Lebensunterhalt nun größtenteils mit Artikeln über Zigarren, Metal Music und Tattoos sowie Reiseberichten.


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