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Heinrich Villiger: Mit Motorrad und Zigarre in Afrika

Eine Zigarrenrunde stellt sich auf die Probe. Mit 110 PS unter dem Hintern und üppigem Zigarrenvorrat tourten Heinrich Villiger (81) und Freunde von Windhoek nach Kapstadt.

 

Was zieht einen Zigarrenraucher nach Afrika? Dort werden doch keine Zigarren fabriziert und auch keine berühmten Zigarrentabake angebaut, so die allgemeine Meinung des Zigarrenliebhabers. Die erste Aussage ist richtig, die zweite ist falsch. Die Deckblätter aus Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik gehören qualitativ zur Spitzenklasse. Leider ist die Produktion in den letzten Jahren stark zurückgegangen, so dass diese Tabake auf dem Weltmarkt kaum noch eine größere Bedeutung haben.

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Photo: Werner Roux

In Malawi wird ein exzellenter Dark Fired-Tabak aus Kentucky-Samen produziert, der für die Herstellung eines hochwertigen Halfzwaare- oder Zwaare-Feinschnitts zum Drehen oder Stopfen von Zigaretten unerlässlich ist. Die großen und unbeschädigten Blätter werden aber auch von der Zigarrenindustrie als Deckblatt für „schwarze“ Zigarren verarbeitet, kleinere Blätter und Abschnitte gehen in die Einlage.

Ich habe in den Jahrzehnten meiner Tätigkeit in der Zigarrenbranche sehr große Mengen an Tabak in Afrika eingekauft, nicht nur Provenienzen aus den vorstehend genannten Ländern, sondern auch wohlschmeckende Einlagetabake aus der Volksrepublik Kongo (Kongo Brazzaville) und aus Angola.

Vor Jahrzehnten wurden in Afrika aber auch Cigarillos produziert. So hatte z. B. damals das heute nicht mehr existierende schweizerische Unternehmen Rinsoz & Ormond (Vevey) eine Tochtergesellschaft in Bouaké (Elfenbeinküste) und die SEITA, das ehemalige französische Tabakmonopol, produzierte Deckblatt-Zuschnitte und Cigarillos in Bangui in der Zentralafrikanischen Republik.

Es waren viele Geschäftsreisen, die mich in diese Länder führten, vor zwei Jahren erstmals auch in die Tabakanbaugebiete der Südafrikanischen Republik, wo Tabake für die nationale Rauchtabak-, Schnupf- und Kautabak-Produktion angebaut werden. Auch hier hat die WHO das Kriegsbeil gegen den Tabakgenuss ausgegraben, trotzdem gehört Tabak auch in diesen ärmsten Ländern der Welt zu den täglichen kleinen Freuden einer Bevölkerung, die an den Wohltaten unserer Zivilisation nicht beteiligt ist und andere Probleme als Rauchverbote hat.

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Photo: Werner Roux

Die Standardfahrzeuge für meine Reisen in die Tabakanbaugebiete waren in aller Regel Landrover, und mehr als einmal träumte ich davon, mit dem Motorrad durch diese stets abwechselnden wunderschönen Landschaften flitzen zu dürfen. Diese Gelegenheit bot sich mir im November 2011 an, und dies mit einer Gruppe von Unternehmern, die schon seit einigen Jahrzehnten dem Motorradsport frönen, übrigens alles Zigarrenraucher.

Die Gruppe setzte sich aus acht Motorradfahrern zusammen: die sechs erwähnten Unternehmer einschließlich meiner Person, einem amerikanischen Gast und dem Tourguide Jurgen, der solche Reisen im südlichen Afrika professionell durchführt. Mit Ausnahme des amerikanischen Gastes, der wegen seiner geringeren Körpergröße eine kleinere BMW benutzen musste, fuhren wir alle die BMW 1200 GS, eine so genannte Straßen-Enduro. Der Gruppe folgte schließlich noch ein geländegängiges Begleitfahrzeug für das Gepäck – mit einem Anhänger für alle Fälle, etwa zum Verladen eines allfälligen Havaristen.

Die Teilnehmer trafen alle am Vorabend des Reisebeginns in Windhoek, der Hauptstadt von Namibia, zusammen. Mir wurde erstmals etwas mulmig zumute, als mich Tourguide Jurgen Muess etwas kritisch musterte und beiläufig erwähnte, einen über 80-Jährigen habe er auf seinen Reisen noch nie dabei gehabt. Was er damit meinte, wurde mir schon nach dem Start am nächsten Morgen klar. Für die erste Etappe bis Swakopmund am Atlantischen Ozean standen uns 400 Kilometer bevor. Jurgen bretterte mit einer kleinen Spitzengruppe los, und schon nach zehn Minuten war niemand mehr zu sehen … trotz der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.

Ich folgte mit dem Rest der Gruppe ohne Probleme, denn der entgegenkommende schwache Verkehr warnte uns mit dem Blinken der Scheinwerfer vor den wenigen Radarfallen. Mit leeren Tanks trafen wir wieder alle an der Stadtgrenze von Swakopmund zusammen. Das war also der Auftakt zu dem, was noch kommen sollte.

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Photo: Werner Roux

Solange wir auf geteerten Straßen fuhren, hatte ich keine Probleme, Jurgen zu folgen, wenn auch mit einigem Abstand. Der Teufel begann aber am nächsten Tag. Von Swakopmund ging es weiter stets südlich Richtung Kapstadt, und zwar in Tagesetappen zwischen 360 und 400 Kilometern – insgesamt rund 3000 Kilometer vom Start bis zum Ziel. Schon bald war es mit den geteerten Straßen vorbei, und es folgten die Schotterpisten bis zur Staatsgrenze Namibia/Südafrika.

Ich bin kein so genannter Offroad-Fahrer, gewöhnte mich jedoch schnell an das Fahren auf Schotter und Pisten, ebenso wie die anderen Freunde. Schwieriger wurde es, wenn die vielen zu dieser Jahreszeit trockenen Furten durchfahren werden mussten, wo sich das Geröll angesammelt hatte. Da gibt es nur ein Rezept: Augen zu und mit Vollgas durch, wobei man die Augen natürlich offen lassen sollte.

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Photo: Werner Roux

Noch bockiger wurde die Sache, wenn einzelne Streckenabschnitte mit lockerem Flugsand zugeweht waren. Da konnte es schon vorkommen, dass ich die Kraft nicht mehr aufbrachte, um mein Gefährt durch die Wehen zu steuern. Dann luden wir es eben für die kritischen Passagen auf den Anhänger, eine Konzession an meine 81½ Jahre.

Entschädigt wurden wir für diese Anstrengungen durch die wundervollen und grandiosen Landschaften, vor allem in Namibia, die kaum beschreibbar sind. Da fuhren wir oft stundenlang durch menschenleere Gegenden – kein Haus, kein Mensch, kein Acker, nur die endlos in die Weite führende Straße, jedes Motorrad eine lange Staubfahne hinter sich herziehend. Aber da konnte auch einmal ein Rudel Antilopen oder Zebras oder auch eine Straußenmutter mit ihren Jungen wie eine Hühnerschar über die Piste hinwegziehen. Höhepunkte der Fahrt waren der Namib-Naukluft-Park mit seiner weltberühmten Dünenlandschaft und der Fishriver Canyon, der zweitlängste Canyon der Welt nach dem Grand Canyon in den Vereinigten Staaten. Etwa zur Halbzeit der Reise überschritten wir die Grenze zu Südafrika in Vioolsdrif, in einem Tal mit einer Temperatur von 46,5° Celsius, da kamen wir in unseren Motorradanzügen schnell ins Schwitzen. Langsam wechselt die Landschaft zu mehr Grün und Farmland.

Je näher wir zum Kap gelangten, desto europäischer wurde die Landschaft. Wir fuhren durch die weiträumigen Weinberge und zum Abschluss noch eine Strecke dem Atlantischen Ozean entlang von Hermanus bis zum Kap der Guten Hoffnung, bevor wir in Kapstadt unsere Motorräder wieder abgaben.

Die Fahrt war strapaziös und erforderte viel Konzentration, die Unterkünfte in Lodges und einfachen Familien-Hotels der Strecke entlang waren einwandfrei und die Verpflegung untadelig und abwechslungsreich. Und das Schöne dabei: wir genossen jeden Abend mit einem guten Glas Wein und einer hervorragenden Premiumzigarre unter einem grandiosen Sternenhimmel!

Streckenführung

Gesamt ca. 3000 Kilometer,
9 Fahrtage,
Motorräder: BMW 1200 GS;

Tag 1: Windhoek – Swakopmund
Tag 2: Swakopmund – Sossusvlei
Tag 3: Ausflug in die Namibwüste
Tag 4: Sossusvlei – Aus
Tag 5: Aus – Fishriver Canyon
Tag 6: Fishriver Canyon – Springbok
Tag 7: Springbok – Nieuwoudtville
Tag 8: Nieuwoudtville – Tulbagh
Tag 9: Tulbagh – Kapstadt

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Sommer-Ausgabe 2012 veröffentlicht. Mehr


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