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punch serie d oro no 2 limited edition 2013 box

Ediciónes Limitadas – Not macht erfinderisch

Ediciónes Limitadas waren die ersten limitierten Zigarrenserien, die Habanos S.A. zu Beginn des 21. Jahrhunderts auflegte. Angefangen hat alles im Jahr 2000, einem schwierigen Jahr für die kubanische Zigarrenindustrie.

Nach dem Druck des Marktes, immer mehr Zigarren zu produzieren, um die Nachfrage des Booms der 1990er-Jahre zu befriedigen, gingen die Tabakvorräte zurück. Deckblätter zur Herstellung von großen Formaten waren besonders knapp – so rar, dass die Fabriken Probleme hatten, die vorgegebenen Produktionsziele zu erreichen.

cohiba 1966 limited edition 3 cigars on box

Photo: Habanos S.A.

Es gab jedoch Orte in Kuba, wo große Deckblätter reichlich vorhanden waren, und zwar in den Lagerhäusern, in denen man Blätter für die Inlandsproduktion aufbewahrte. Diese Deckblätter unterschieden sich von jenen, die für Habanos-klassifizierte Zigarren zum Einsatz kamen, da sie von den oberen Teilen der im Schatten gezogenen Tabakpflanzen geerntet wurden. Sie waren nicht nur dunkler, sondern auch dicker, was den Torcedores die Arbeit erschwerte.

Über die Jahre hatte es sich etabliert, nur Deckblätter aus dem mittleren Teil der Pflanzen für Habanos zu verwenden. Mangels Alternativen überlegte man jedoch ernsthaft, die Lager für die Inlandsproduktion anzuzapfen, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Ich erfuhr bei einem Besuch in Havanna im Juni 2000 von dem Problem.

In der Industrie fand eine heftige Debatte darüber statt, ob die Verwendung von dunklen Deckblättern denn nicht das weltweit geschätzte Image von Habanos schwächen würde. Als man mir ein paar Exemplare zeigte, war mein einziger Kommentar, dass es viele Enthusiasten in Großbritannien gibt, die ihren rechten Arm für Habanos mit dunklen, öligen Deckblättern opfern würden.

Ich war der Ansicht, dass das Projekt viel Potenzial hatte.

Kurz: Ich war der Ansicht, dass das Projekt viel Potenzial hatte. Wer weiß, ob meine Meinung ins Gewicht fiel, aber kurz danach gab es grünes Licht für das Projekt. Dunkle Deckblätter konnten unter der Vorausetzung verwendet werden, dass sie sich auf Zigarren befanden, die eindeutig gesondert von Standardproduktionen ausgewiesen wurden. Ende November 2000 erhielten wir in London die erste Lieferung mit vier verschiedenen Vitolas – die Montecristo Robusto, die Romeo y Julieta Exhibición No. 2, die Partagás Pirámide und die Hoyo de Monterrey Particular – alle unter dem Banner „Ediciónes Limitadas“. Seither wurden jährlich gewöhnlich drei, aber manchmal sogar bis zu fünf lanciert – mit Ausnahme des Jahres 2002, wobei die Zigarren aus 2001 erst Mitte 2002 ausgeliefert wurden. Insgesamt sind bis heuer 48 limitierte Serien erschienen.

Die Hauptmerkmale der Ediciónes Limitadas sind:

  • Sie werden nur von Havannas bekanntesten Marken gemacht.
  • Sie werden in einer Produktionsperiode erzeugt.
  • Die Formate sind selten.
  • Sie weisen dunklere Deckblätter auf.
  • Sie werden aus besonders alten Tabaken hergestellt.

 

In den ersten fünf Jahren gab es Ediciónes Limitadas nur von fünf Marken: Cohiba, Montecristo, Romeo y Julieta, Partagás und Hoyo de Monterrey. Seit 2005 haben sich auch H. Upmann, Trinidad, Cuaba, Bolívar, Ramón Allones und Punch dieser Elitegruppe angeschlossen und die Zahl somit auf elf erhöht.

Die Produktion der Zigarren findet innerhalb eines begrenzten Zeitraums statt, üblicherweise in dem Jahr, das auf dem Zigarrenring aufscheint. Die genaue Quantität der einzelnen Auflagen wird nicht angegeben, weil die kubanische Industrie nicht weiß, wie viele Zigarren einer Vitola sie herstellen kann, bis die Ballen speziell gereifter Deckblätter geöffnet und nach Qualität und Farbe sortiert werden.

romeo y julieta duke 10 limited edition 2009 open box

Photo: Hunters & Frankau

Limitierte Auflagen haben seltene Formate, nachdem sie sich von den Vitolas, die normalerweise von der jeweiligen Marke hergestellt werden, unterscheiden müssen.

Manchmal handelt es sich um komplett neue Größen, die nie zuvor in Havanna produziert wurden, wie etwa Sublime (164 mm, Ringmaß 54) für Cohibas limitierte 2004er-Edition bzw. Duke (140 mm, Ringmaß 54) für Romeo y Julietas 2009er-Auflage.

Zudem gibt es auch Vitolas, die seit vielen Jahren nicht mehr gemacht wurden, darunter die 2004er Partagás Serie D No. 1 (170 mm, Ringmaß 50) und die letztjährige (2013) Punch Serie D’Oro No. 2 (140 mm, Ringmaß 52), die beide seit den 1950er-Jahren nicht mehr zu finden waren.

Die dunkleren, von den oberen Teilen der Tabakpflanzen geernteten Deckblätter sind jünger, dicker und enthalten mehr natürliche Öle und Zucker. Infolgedessen benötigen sie eine längere Fermentationsund Reifungszeit als herkömmliche Deckblätter: bis zu neun Monate statt einem Monat für die Fermentation und über ein Jahr statt sechs Monaten für die Reifung.

Alle Deckblätter von limitierten Auflagen sind mehr als zwei Jahre alt, bevor sie Zigarren „einkleiden“. Bei den Farben gibt es leichte Variationen: Colorado (dunkelbraun), Colorado Maduro (sehr dunkles Braun, zuweilen leicht gesprenkelt) oder Maduro (fast schwarz). Im Gegensatz zur allgemeinen Ansicht sind zwar die meisten, aber nicht alle Maduro (fast schwarz).

Insgesamt sind 48 limitierte Serien bis zum Jahr 2014 erschienen.

Bis zum Jahr 2006 wurden die Einlage- und Umblätter von limitierten Auflagen in derselben Art und Weise wie jene für die Standardproduktionen der Marken fermentiert und gereift. Seit 2007 unterzieht man sie jedoch einem zusätzlichen Reifungsprozess, sodass die Blätter vor der Herstellung der Zigarren nun mindestens zwei Jahre alt sind. Diese längere Reifung resultiert in einem ausgewogeneren, milderen Geschmack und der höhere Zuckergehalt des dunklen Deckblatts trägt einen Hauch von Süße bei. Der ausgeprägte Geschmack von limitierten Auflagen hat sich nicht immer als beliebt erwiesen. Anfangs schmeckten sie ein wenig nach Medizin mit einer Spur von Eukalyptus – vermutlich bedingt durch die Dicke der Deckblätter.

trinidad short robustos limited edition 2010 in a box

Photo: Hunters & Frankau

Besonders in jungen Jahren wiesen die Zigarren aller Marken und Formate einen ähnlichen Geschmack auf. Ich kann mich erinnern, dass ich im Jahr 2000 gerade aus diesem Grund empfahl, die Zigarren ein paar Jahre aufzuheben. Und das funktionierte, denn heute – vierzehn Jahre später – ist zum Beispiel die Partagás Pirámide ein herrlicher Rauchgenuss und verströmt ausschließlich das Aroma von gutem, gereiftem kubanischen Tabak.

Um einige meiner persönlichen Favoriten zu nennen: Die 2003er Partagás Serie D No. 2, ein Kraftbündel mit idealem Reifepotenzial; die 2004er Cohiba Sublime, mittlerweile ein teures Sammlerstück; die 2009er Romeo y Julieta Duke, die uns mit einem Ringmaß von 54 bei einem relativ kurzen Smoke vertraut machte; die 2010er Trinidad Short Robusto T, eine kleine Vitola, die trotz ihres vergleichsweise hohen Preises die Herzen der Franzosen eroberte, und die 2011er Cohiba 1966, eine Zigarre, die so schmeckt als wären die Tabake länger als für das Minimum von zwei Jahren gereift worden.

Die diesjährigen Ausgaben waren zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels noch nicht ausgeliefert, aber die Zigarre, auf die alle warten, ist die Cohiba Robusto Supremo, die erste Zigarre in der Geschichte Kubas mit einem Ringmaß von 58.

Man könnte wohl sagen, dass Not erfinderisch machte und zu Kubas limitierten Auflagen führte. Nichtsdestotrotz kann Habanos S.A. mit Stolz auf ein Projekt zurückblicken, das einige komplett andersgeartete, erstklassige Zigarren hervorbrachte.

Information:

overview ediciones limitadas 2000-2014

Überblick: Ediciónes Limitadas aus den Jahren 2000-2014 (aus: Cigar Journal 4/2014: „The Long View: Not macht erfinderisch“ von Simon Chase, S. 144-147).

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Winter-Ausgabe 2014 veröffentlicht. Mehr

Simon Chase †

Simon Chase, der von der New York Times als „britischer Zigarren-Weiser“ bezeichnet wurde, arbeitete von 1977 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2009 für das in London ansässige Unternehmen Hunters & Frankau – Habanos-Vertriebshändler für das Vereinigte Königreich. In dieser Zeit erwarb er umfassende Kenntnisse über die Zigarrenindustrie der Vergangenheit und Gegenwart, besonders jene in Kuba. Heute leitet er seine eigene Beratungsfirma Simon Chase Limited, die sich auf Zigarren-Marketing und Tabakgesetzgebung spezialisiert. Zudem ist er nach wie vor nicht-exekutives Mitglied im Vorstand von Hunters & Frankau. Im Jahr 1998 erhielt er von Habanos S.A. die Auszeichnung Hombre Habano del Año (Habanos-Mann des Jahres) in der Kategorie Kommunikation. Seither ist er bestens als Auktionator beim Gala-Dinner zum Abschluss des jährlichen Habano-Festivals bekannt.


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