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Barbados Beach

Where to Smoke: Barbados-Guide für Zigarrenliebhaber

Herrliche Strände, warmes, türkisfarbenes Wasser und vereinzelt ein Stück tropischer Regenwald. So sieht das allgemein bekannte Bild einer Karibikinsel aus, und Barbados stellt keine Ausnahme dar. Es misst nur knapp 40 x 30 km in der Luftlinie, was bedeutet, dass Palmen und eine Abkühlung im Meer nie weit entfernt sind und man die ganze Insel in zwei oder drei Tagen gesehen hat, wenn man ein Auto mietet. Sie werden vermutlich öfter an den selben Orten vorbeikommen, was einen sich schnell heimisch fühlen lässt. Sollten Sie sich einmal verfahren, dann werden Ihnen die freundlichen „Bajans“, wie sich die Inselbewohner selbst nennen, gerne helfen, auf den richtigen Weg zurückzufinden.

Und Sie werden sich verfahren! Denn die spärlichen Beschilderungen, Straßen auf der Landkarte, deren Maßstab verwirrenderweise nicht der Realität entspricht, und Weggabelungen, die weder auf herkömmlichen Karten noch Navis aufscheinen, machen die Orientierung auf Barbados – gelinde gesagt – zu einer Herausforderung. Aber keine Angst! Sie werden den Weg zurück bald wieder finden. Denn, wie gesagt, befindet sich hier alles in unmittelbarer Nähe, besonders eine Erfrischung im Ozean, und das ist am Ende des Tages wahrscheinlich alles, was man braucht – plus eine gute Zigarre!

Zigarren werden auf Barbados immer beliebter. Zumindest laut Angelika Marshall, Besitzerin der Caribbean Cigar Company, dem einzigen Hersteller lokaler Premiumzigarren auf der Insel. „Die Einheimischen haben früher nicht so viel geraucht wie Touristen, aber das begann sich in den letzten fünf bis sieben Jahren zu ändern“, erzählt sie.

Photo: Simon Lundh

Ihre Fabrik produziert zwei Linien – Royal Barbados und Sam Lord – und liegt günstig nahe der Anlegestelle der großen Kreuzfahrtschiffe.

Als sie das Unternehmen 1993 mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann übernahm, lag der Fokus vor allem auf Touristen, und daran hat sich nichts geändert. Sie kommen wegen der Gratistour und um ein oder zwei exotische, hier produzierte Zigarren zu kaufen. „Wir rollen sie auf die kubanische Art mit Geräten, die ursprünglich von dort stammen, und verwenden Tabak aus Ecuador, Kamerun und Kuba. Unsere Zigarren sind ein wenig milder als die kubanischen, aber haben einen guten Geschmack und ein angenehmes, nussartiges Aroma, ohne dabei bitter zu sein.“

Einer der Gründe, weshalb Bajans begonnen haben, mehr Zigarren zu rauchen, ist vermutlich die 20 Minuten nördlich der Hauptstadt Bridgetown gelegene Casa del Habano in Holetown, die im Dezember 2011 eröffnet wurde und die einzige wirkliche Cigar Lounge auf der Insel darstellt. „Wir haben unseren Sitz hier, weil es sich um ein Touristengebiet handelt, aber tatsächlich ist es schwierig, diese herzulocken“, erklärt Manager Armando Leefmans. „Wir waren allerdings überrascht, wie sehr Barbadier Zigarren genießen, und so kommen viele Einheimische zu uns, denen wir die Habanos-Kultur nähergebracht haben. Zuvor wussten sie nicht wirklich, was sie rauchten. Sie liebten es einfach, zu rauchen.“

Einer der besser informierten Barbadier ist Julian Alleyne, der die Casa mehrmals die Woche besucht. „Ich habe gelegentlich Duty-free-Zigarren geraucht, die ich im Zuge meiner Reisen gekauft habe, aber hier gibt es eine Auswahl, die wir nie zuvor gesehen hatten“, sagt er. „Somit lernt man dazu und mag an einem Tag lieber eine Pártagas No. 4 oder eine Montecristo Petit Edmundo rauchen und am anderen eine Cohiba Siglo VI. Ich habe früher Cohibas bevorzugt, aber nun sind Pártagas und Montecristo meine Favoriten.“

Laut Angelika Marshall ist auch Pop-Kultur für das zunehmende Interesse verantwortlich. „Die Barbadier sind erfahrene Zigarrenraucher geworden, und ich glaube, dass Musikvideos zu diesem Wandel beigetragen haben“, meint sie lachend. „Es liegt an der Art und Weise, wie Leute, die Zigarre rauchen, in den Videos dargestellt werden.“

Die Casa del Habano beliefert auch einige Restaurants, einen Golfclub und sogar einen Herrenfriseur und organisiert mittwochs Zigarrenabende im Hilton. „Wir bringen Zigarren mit und informieren die Gäste über die Zigarrenkultur“, erklärt Leefmans. „Außerdem gibt es Pläne, dort einen Humidor einzurichten.“

Abgesehen davon verkaufen noch ein paar andere Geschäfte Zigarren, aber man sollte sich, wie immer, vor Fälschungen in Acht nehmen. Und wer auf der Suche nach dominikanischen oder nicaraguanischen Zigarren ist, wird vermutlich enttäuscht sein, weil hier nur kubanische oder lokal produzierte erhältlich sind. „Unsere Besucher kommen vorwiegend aus Amerika und haben kein Interesse an Zigarren, die sie auch in ihrem eigenen Land kaufen können“, sagt Marshall.

Photo: Simon Lundh

Barbados ist zudem für seine reiche Rum-Kultur bekannt. Es gibt fünf oder sechs Produzenten, deren Brennereien über die ganze Insel verteilt sind. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, kann man die meisten davon an einem Tag schaffen. Die berühmteste – Mount Gay – befindet sich in der Nähe der Caribbean Cigar Company. Während der Tour können Sie die verschiedenen Rumsorten verkosten, mehr über die Geschichte des Unternehmens erfahren und den Abfüllbetrieb des ältesten kommerziellen Rumherstellers der Welt sehen.

In der Bar haben Sie die Möglichkeit, Ihren Rum mit einer Zigarre aus der Casa del Habano zu genießen. „Die Produktion begann 1703 und der Rum wird nach wie vor auf die gleiche Weise von Barbadiern hergestellt“, informiert der Reiseführer. „Anfangs war er nicht sehr gut und die Leute nannten ihn deshalb ,Kill Devil‘, aber die Qualität wurde besser. Zu einem gewissen Zeitpunkt erwies sich das Rumgeschäft als so lukrativ, dass die Brennereiinhaber reicher als Mitglieder des britischen Königshauses waren.“

Heute gibt es mehr als 1800 sogenannte Rumgeschäfte auf Barbados, wo die verschiedenen Rumsorten der Insel verkauft werden. „Wenn Sie Probleme haben sollten, eines zu finden, dann halten Sie einfach Ausschau nach der Kirche. Es gibt immer einen Laden in unmittelbarer Nähe“, meint der Reiseführer. Wir sind hier an jenem Ort, wo der Rum abgefüllt wird und die Besichtigungstouren statt finden. Die eigentliche Brennerei befindet sich in St. Lucy im Norden der Insel. Wenn Sie vorbeikommen, anklopfen und Glück haben, dann können Sie auch einen Eindruck des dortigen Betriebs gewinnen.

In Four Roads im südöstlichen Teil der Insel können Sie die Foursquare-Brennerei besuchen. Auch hier werden Touren angeboten, aber man kann auch alleine durch die Fabrik ziehen. Als wir an einem Samstag auftauchen ist sie leer, aber noch offen. Hier handelt es sich um eine Weltkulturerbestätte, und so gibt es neben der Brennerei zahlreiche Attraktionen wie ein Zuckermuseum, ein Heimatmuseum, Abfüllbetriebe und ein Glasschmelzerei-Studio. Foursquare produziert unter anderem R.L. Seale’s, Rum Sixty Six, Old Brigand und Doorly’s XO. Zudem lieferte es auch den ersten Satz Rum für die neueste Brennerei auf der Insel – St. Nicholas Abbey.

„Früher befand sich hier eine Zuckerrohrplantage“, erzählt unser Reiseführer. „Als der derzeitige Eigentümer 2006 das Anwesen kaufte, brachte er Rum von Foursquare mit, womit wir nun einen zehn- und 15-jährigen Rum haben, der nicht vor Ort gebrannt wurde.“

In einem jakobinischen Herrenhaus aus den 1650er-Jahren, umgeben von tropischem Regenwald, wo man hin und wieder eine Westliche Grünmeerkatze sehen kann, produziert St. Nicholas Abbey seit 2009 auch seinen eigenen Rum unter Einsatz einer anderen Methode als die Konkurrenz. „Wir machen unseren fünfjährigen und weißen Rum mit Zuckerrohrsirup statt mit Melasse, wodurch er süßer als die anderen barbadischen Rums ist. Von Januar bis April mahlen wir auch Zuckerrohr hier, dann kann man den gesamten Prozess von Anfang bis Ende verfolgen.“

Es sind also nicht nur Strände, die auf Barbados stets nahe liegen, sondern auch Rum und Zigarren. Wenn das keine unschlagbare Kombination ist!

 

Fabrik

1 Carribean Cigar Company
#3 Pelican Industrial Park
Bridgetown
+1246 437 8519
www.royalbarbados.com

Geschäfte

2 Rincon del Tabaco
Colonnade (Da Costas) Mall,
Broad Street
St. Michael, Bridgetown
+1246 436 9310

3 The House of Cuban Cigars
1 Cavans Lane
Bridgetown
+1246 436 8834

4 Havana Hut Cigars
Chattel Village
St. James, Holetown
+1246 432 7925

Lounge

5 La Casa del Habano
Limegrove Lifestyle Center
1st Floor
Holetown, St. James
+1246 621 0621
www.casadelhabanobbds.com

Restaurants

6 Daphne’s
Hwy 1, Paynes Bay Beach
+1246 432 2731
www.daphnesbarbados.com

7 The Cliff Restaurant and Beach Club
Highway 1, Durants
+1246 432 1922
www.thecliffbarbados.com

Golf Club

8 Apes Hill Club
Apes Hill, St. James
+1246 432 4500
http://apeshillclub.com

Herrenfriseur

9 Fame The 
Grooming Club
The Beach House Complex
Sunset Crest, Holetown
+1246 623 3263

Rum-Fabriken

10 Mount Gay
Spring Garden Highway
St. Michael, Bridgetown
+1246 425 8757
www.mountgayrum.com/

11 St. Nicholas Abbey
On Cherry Tree Hill
St. Peter
+1246 422 8725
www.stnicholasabbey.com

12 Foursquare Rum Factory and Heritage Park
Near Six Cross Roads, HWY 6
Four Roads, St. Philip
+1246 420 1977

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Sommer-Ausgabe 2016 veröffentlicht. Mehr

Simon Lundh

Nachdem Simon Lundh 2005 sein Ingenieursdiplom in Vermessungstechnik erwarb, entschied er sich für eine journalistische Laufbahn. Er entdeckte die Welt der Zigarren während er für eine nichtstaatliche Organisation in Estelí, Nicaragua, arbeitete und verdient seinen Lebensunterhalt nun größtenteils mit Artikeln über Zigarren, Metal Music und Tattoos sowie Reiseberichten.


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