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Zigarrentasting: Eine Dekade Ediciónes Limitadas unter der Lupe

Wir kennen sie und sehen sie in jedem Smokeshop. Die Ediciónes Limitadas feiern ihr Zehn-Jahre-Jubiläum – nehmen wir die Dekade mit einem Tasting unter die Lupe.

 

Jeden Nachmittag prasselt in Havanna der Regen nieder und die Menschen suchen Zuflucht unter den Markisen. Vom 7. Stock aus scheint es, als ob sie vor Tränengas davonliefen. Ich recherchiere hier seit Tagen die Ediciónes Limitadas und lamentiere, dass die 2012er-Ausgaben erst in einigen Monaten erscheinen werden.

Doch als es an der Tür klopft und sich mir ein freundliches Gesicht und ein Stapel von Montecristo Maravillas der 2012er-Edition offenbart, stelle ich keine Fragen. Ich nehme eine aus dem Bündel, inspiziere die frisch gerollte Zigarre und zünde sie an.

Sie hat die klassische Süße und Geschmeidigkeit, die ich von einer guten Edición Limitada erwarte, unterlegt von Montecristo-Holzaromen. Weil frisch gerollt und aufgrund des Wetters ist sie ein wenig feucht, doch bei einem Ringmaß von 55 zieht sie gut. Aber lassen Sie uns einmal in die Vergangenheit reisen.

Die Anfänge

Die Hersteller kubanischer Marken haben immer schon spezielle Produktionen für Jubiläen, für bestimmte Händler und selbst für besondere Kunden gemacht. Das änderte sich, als Kubas revolutionäre Regierung die Kontrolle der Industrie übernahm. Die Hersteller mussten plötzlich um Erlaubnis bitten, bevor sie eine neue Zigarre produzieren durften. Von den 1960er- bis zu den 1990er-Jahren kam nur selten eine limitierte Zigarre auf den Markt. Doch dann, nach einer Welle von Neuerscheinungen in den späten 1990er-Jahren (zum 30. Jubiläum von Cohiba, zum 150. Jubiläum von H. Upmann, Habanos 1994 usw.), wurde eine neue Zigarrenkategorie vorgestellt – die Edición Limitada (EL). Die auf zehn Portfolios basieren, aber eine andere Vitola und ein anderes Deckblatt haben sollten. Die erste wurde im Jahr 2000 lanciert. Anders als bei allen nachfolgenden Limitadas fehlte damals noch der zweite, goldschwarze Ring mit der Jahreszahl, der seit 2001 auf allen Limitadas angebracht ist.

Autsch!

Die zweite Ausgabe von EL-Zigarren hätte eigentlich 2001 verkauft werden sollen. Doch wegen Verzögerungen in Kuba waren die Zigarren erst spät im Jahr 2002 fertig. Dadurch stand Habanos vor einer schwierigen Entscheidung und beschloss schließlich, das Jahr 2002 auszulassen. 2003 war man wieder bereit, den Markt mit EL-Zigarren zu versorgen, und seither werden sie jährlich lanciert. Allerdings erscheint die Serie Jahr für Jahr später, und es ist nicht zu erwarten, dass wir die Edition 2012 vor dem Weihnachtsgeschäft in den Regalen vorfinden werden.

Deckblatt

Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass es 1999 keine Havannas mit Maduro- oder Oscuro-Deckblättern gab; nicht einmal dünklere Colorados waren häufig. Dunkle Deckblätter werden normalerweise von den obersten Blattreihen der Tabakpflanze geerntet. Sie sind dick und halten einer längeren Fermentierung stand. Ihr Aroma offenbart oft eine süße Note, und sie sind viel geschmeidiger als ihre „Brüder“ in der Einlage, die kürzer fermentiert werden. Mit der Verwendung dieser zwei Jahre gereiften Deckblätter war das Edición Limitada-Konzept geboren. Das machte den grundlegenden Unterschied der EL-Zigarren aus – bis zum Jahr 2007, als das Konzept geändert wurde. Ab dann wurde der gesamte Tabak von Limitadas (Deckblatt, Umblatt und Einlage) mindestens zwei Jahre lang gelagert. Das Resultat fiel nicht sonderlich auf. Vergleicht man aber ältere und neuere Limitadas, so merkt man, dass die jüngeren vom ersten Zug weg feiner im Geschmack sind.

Über die Jahre

Zur Jahrtausendwende musste Kuba sein Image auffrischen, denn in den zwei, drei Jahren zuvor hatte man international furchtbare Zigarren verkauft. Die Ediciónes Limitadas waren der erste Schritt auf einem langen Weg zur Wiederherstellung von Kubas Ruf. Im Lauf der Zeit brachte das EL-Programm eine Handvoll außergewöhnlicher Zigarren hervor. Da deren Produktion limitiert ist (für Informationen zur Auflage siehe Infokasten weiter unten) mag es schwierig sein, Exemplare früherer Jahre zu finden. Deshalb müssen Sammler die Zigarren verkosten, sobald sie lanciert werden, und rasch entscheiden, wie viele Kisten sie erwerben möchten, denn im Jahr darauf wird sich bereits der nächste Jahrgang in den Regalen befinden. Einige der heute besten Zigarren aus dem EL-Programm waren in ihren jungen Jahren gar nicht so besonders. Das kompliziert natürlich die Kaufentscheidung. Doch ein guter Händler bzw. wir als Cigar Journal können Ihnen sicher helfen, Zigarren zur Reifelagerung auszuwählen.

Klassiker

Die allerbesten Zigarren des EL-Programms sind schnell genannt. An dieser Stelle ein paar Namen und Notizen zu den Zigarren.

2000 Romeo Y Julieta Exhibición No. 2

Diese Zigarre war schon in der Vergangenheit gut, aber mit heute 12 Jahren ist sie schlichtweg spektakulär! Sie ist komplex, entwickelt viel Rauch und eine reichhaltige Aromatik. Sie präsentiert sich in voller Würze wie eine reife Partagás, mit der Schärfe von rotem Pfeffer, unterlegt mit Süße und Noten von Gerste und anderen Cerealien. Sie hat ihren Geschmack behalten während all die Rauheit ihrer Jugend verschwunden ist.

2004 Cohiba Sublime

Sie ist es wirklich – sublim. Diese Cohiba hat den Ruf als eine der besten EL-Zigarren aller Zeiten verdient. Im fortgeschrittenen Alter ist sie sehr sanft am Gaumen, entfaltet jedoch ein unglaublich komplexes Geschmacks- und Aromenspektrum rund um die klassischen Cohiba-Tabaknoten. Zu Kaffee und Mesquite gesellen sich Säure und zartbittere Schokolade. Ein echter Klassiker, der mit dem Alter noch besser geworden ist.

2004 Partagás Serie D No. 1

Von einer unausgereiften Jugendlichen hat sich diese Zigarre in einen Schmetterling verwandelt. Sie ist bildschön, cremig, schokoladig und besticht mit einem Hauch der klassischen Partagás-Würze. Ein wenig Salz und Säure runden die Geschmacks- und Aromenpalette ab und machen sie zu einer extrem ausgewogenen Zigarre, die zu einem Klassiker im Humidor geworden ist.

 

Sammlerstück

Im Jahr 2011 wurde eine Ramón Allones mit dem Namen Allones Extra lanciert. Was sie von anderen Limitadas unterscheidet ist, dass sie dem goldschwarzen EL-Ring einen historischen Zigarrenring der Marke trägt. Die Zigarre selbst ist sehr gut, aber vielleicht nicht unbedingt ein Klassiker. Doch Sammler haben große Mengen der Allones Extra wegen ihrer sauber gestochenen grünweißen Banderole gekauft.

Schlusspunkt

Während ich die letzten Züge meiner Montecristo nehme und der Regen sich zu einem Tröpfeln verwandelt, wird es Zeit, zum Schlusspunkt der Geschichte zu kommen. Limitadas sind eindeutig ein Erfolg für Habanos und haben etwas mehr Vielfalt in die kubanische Auswahl gebracht. Natürlich gab es auch viele langweilige und selbst ein paar missglückte Exemplare. Aber es sind oft genug herausragende Zigarren darunter gewesen, was mich veranlasst, jede neue Ausgabe zu rauchen und sie als Kandidaten für Reifelagerung in Erwägung zu ziehen.

Ich schätze die Cohiba Sublime und Partagás D1 sehr, und allein deshalb schon liebe ich EL-Zigarren.

Happy smoking!

Information:

Edición Limitada-Zigarren von Habanos sind die am wenigsten limitierten Spezialauflagen, die das Unternehmen verkauft. Sie sind nicht auf eine bestimmte Produktionszahl beschränkt, sondern auf die Menge an Kisten, die von internationalen Vertriebshändlern bestellt werden. Man weiß nicht genau, wie viele Limitadas pro Jahr hergestellt werden, aber: nachdem jeder Habanos-Distributeur der Welt so viele Kisten ordern kann wie er will, handelt es sich hier um eine ziemlich große Produktionscharge.

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Herbst-Ausgabe 2012 veröffentlicht. Mehr

Colin C. Ganley

Colin Ganley worked for Cigar Journal from 2007 to 2015 and now makes his home in Nicaragua where he heads up Cigar Tourism and Twin Engine Coffee. He ist he author of Le Snob: Cigars (2011). He also writes for cigar publications around the world, including Cigar Snob magazine, and runs the website cigarresearch.com, which is devoted to his research and writing on cigars. He developed a system for rating and reviewing cigars called the Independent Cigar Rating System (ICRS), which has been adopted by several independent reviewers and websites.


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