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Die Zellophanhülle: Plastik, das eigentlich keines ist

Für den Zigarrenraucher ist die Zellophanhülle ein ständiger Begleiter. Abgesehen von kubanischen Zigarren, die seit 1992 nicht mehr in Zellglas verpackt werden, wird der größte Teil der heute produzierten Zigarren in den durchsichtigen Hüllen verkauft. Aber was ist Zellophan, und warum ist es so populär?

 

Da Zellophan nicht aus fossilen Rohstoffen, sondern aus Zellulose hergestellt wird, handelt es sich dabei nicht um Plastik im eigentlichen Sinn. Zellglas, korrekterweise Cellulosehydrat, wird in einer Reihe chemischer Arbeitsschritte aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz oder Hanf gewonnen und ist, sofern es nicht weiter bearbeitet wird, biologisch abbaubar und kompostierbar. Tatsächlich nimmt der Markenname Zellophan („durchsichtige Cellulose“) Bezug auf die besonderen Eigenschaften des Stoffes.

In den 1910er-Jahren vom Schweizer Chemiker Jaques Brandenberger entwickelt, wurde der Pionierkunststoff aufgrund seiner Lebensmittelechtheit und Transparenz rasch zum Erfolgshit für die Verpackung von Süßwaren und Tabakprodukten. 1927 wurden in der US-amerikanischen Zigarrenstadt Tampa erstmals Zigarren in Zellophan verpackt, und die neue Praxis erreichte schnell andere Herstellungsländer, darunter auch Kuba im Jahr 1934, wo bis in die 90er-Jahre der größte Teil handgerollter Zigarren in dem Material verpackt wurden. Während Zellophan heute aufgrund seiner hohen Produktionskosten und der Entwicklung mineralölbasierter Kunststoffe an Bedeutung für die Verpackung vieler Produkte verloren hat, ist es dank seiner mikroklimatischen Eigenschaften für Zigarren nach wie vor die erste und einzige Wahl.

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Photo: Wolfgang Hametner

Zellglas in unbehandelter Form ist zwar wasserdicht, erlaubt jedoch die Durchlässigkeit von Wasserdampf. Damit schaffen die Hüllen ein Mikroklima für die einzelnen Zigarren, das es ihnen gestattet, zu atmen und zu reifen – eine Eigenschaft, die mineralölbasierte Kunststoffe nicht aufweisen. Der Reifeprozess geht dabei jedoch langsamer vonstatten als bei offen liegenden Zigarren. Besonders alte Zigarren (> 15-20 Jahre), die in Zellophan aufbewahrt wurden, erzielen üblicherweise bessere geschmackliche Ergebnisse als jene ohne Verpackung. Je nach Ansicht des Zigarrenrauchers ist daher zu entscheiden, ob Zigarren zur Aufbewahrung und/oder zum Reifen im Humidor aus den Hüllen genommen werden sollen oder nicht.

Prinzipiell schützt das Zellophan Zigarren vor größeren klimatischen Schwankungen. Zwar rehydrieren ausgetrocknete Zigarren wesentlich langsamer, wenn sie im Zellophan verbleiben, sie trocknen jedoch auch nicht so rasch aus, wenn sie ungeschützt im Raum oder in einem zu trockenen Humidor liegen.

Das Hauptargument für die Verpackung von Zigarren in die Hüllen ist jedoch nicht der klimatische, sondern der physische Schutz. Bei der Mitnahme ohne schützende Etuis oder Tubos und auch direkt beim Einzelverkauf in Tabakfachgeschäften können so die Beschädigung von Deckblättern verhindert und hygienische Standards eingehalten werden. Anders als bei der in den USA und auf Kuba vor dem Durchbruch der Zellophanverpackung oftmals verwendeten Aluminiumfolie, können Käufer Deckblatt und Konstruktion der Zigarren trotz Verpackung genau betrachtet und prüfen, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen.

Die Einzelverpackung erleichtert Fachhändlern durch das Anbringen von Barcodes und Beschriftungen auch die administrative Handhabung der Produkte, so César Gadea von Padrón Cigars. Wie viele andere Hersteller von Premiumzigarren, stellt die Firma die Zellophanhüllen selbst aus vorbereitet gekauften Folien her. In die von einer Maschine vor Ort in jeweils in zur Vitola passender Länge und Durchmesser vorproduzierten Hüllen werden die Zigarren von Fabrikarbeitern sorgfältig von Hand verpackt, bevor sie schlussendlich in Kisten gepackt werden. Bei maschinengefertigten Zigarren erfolgt das Einzellophanieren üblicherweise vollautomatisch.

Die vielfältig positiven Eigenschaften von Zellglas machen es zu einem mittlerweile kaum mehr wegzudenkenden Begleiter des Premiumzigarrengenusses. Mit der Nutzung dieser Verpackungsart tragen Zigarrenhersteller nicht nur Sorge dafür, dass Zigarren, für viele Eventualitäten ausgerüstet, unbeschädigt und in frischem Zustand zu den Konsumenten gelangen, sondern bieten Ihnen auch die Option, sie für einen längeren Reifungsprozess ausgerüstet, noch viele Jahre später genießen zu können. Nicht schlecht für eine so unscheinbare „Plastik“-Hülle.

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Winter-Ausgabe 2015 veröffentlicht. Mehr


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