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Wien, Die Insel der Seligen

blankDer erste Eindruck, den Wien-Besucher oft wiedergeben, ist: „Hier ist die Zeit stehen geblieben“ Angesichts der umfassenden historischen Bausubstanz und des etwas gemütlicheren Tempos hier in Österreich mag das stimmen. Aber in einer Sache, die uns Zigarrenraucher angeht, ist es – dem Himmel sei Dank – auch richtig: In Österreich darf weiterhin auch indoor unter Einhaltung bestimmter Auflagen geraucht werden. Wer etwa eine Lokalität besitzt, die unter 50 m2 misst, darf entscheiden, ob er Raucher- bzw. Nichtraucherlokal sein will. Diese Gesetzeslage erlaubt es weiterhin, dass Zigarrenkultur fester Bestandteil der Barszene bleiben kann. „Sie gehören zur Bar wie der Old Fashioned und Manhattan – sie sind essenzieller Teil der Genusskultur des Barfly’s!“ Mit klaren Worten bringt es die charmante Chefin des legendären Barfly’s Club in Wien, Melanie Castillo, auf den Punkt. „Für mich ist es kaum vorstellbar, Zigarren aus unserem Angebot zu nehmen“, unterstreicht sie im Gespräch mit dem Cigar Journal. Seit ihr verstorbener Mann Mario die Bar 1989 eröffnete und damit den Grundstein für einen unglaublichen Wiener Barboom legte, waren exklusive Zigarren wesentlicher Bestandteil seines Konzepts. Denn zusätzlich zu den ausgesuchten Spirituosen und ausgezeichneten Cocktails waren es ausgefallene Zigarrenmarken, die Mario damals gleichzeitig mit hierzulande unbekannten Rumsorten im Zuge seiner Besuche karibischer Inseln nach Wien importierte.

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Melanie Castillo, Barfly’s Bar

Eine einzigartige Besonderheit – die angenehme Synthese von feinen Spiritousen und Zigarren –, die bis heute für viele Stammgäste als Entscheidungsgrundlage für ihre Besuche dient. Gerade vor kurzer Zeit hat sich Melanie Castillo dafür entschieden, einen neuen Humidor mit schöner Zigarren-Auswahl anzuschaffen. Somit können Nachtschwärmer kaum widerstehen, zu einem Boulevadier (Bourbon, Vermuth, Campari) eine würzige Macanudo Inspirado Petit Piramides zu genießen. Es sind unbestreitbare Fakten, dass seit Jahrhunderten eine blendende Liaison zwischen dem hochprozentigen, global tradierten Kulturgut American Bar und der vielfältigen Geschmackswelt der Zigarren existiert. Beispiele rund um den Erdball beweisen die Synthese. Wir fokussieren uns hier einmal auf die österreichische Hauptstadt. Ein kulinarischer Rundgang durch angesagte Wiener Bars beweist, wie ideal sich diesbezüglich Traditionen mit zeitgenössischen Genusskonzepten kombinieren lassen. Der Humidor der D-Bar im Ritz Carlton spielt alle „Stückerl“ – eine Eigenanfertigung, um die individuellen Wünsche der internationalen Klientel erfüllen zu können. Ein Angebot, das bereitwillig angenommen wird. Auch deswegen, weil sich unter Barmanager Lukas Hochmuth eine unvergleichliche Cocktailkultur etabliert hat – mit perfekt ausbalancierten, teilweise spielerischen Signature-Drinks. Dies- mal entscheiden wir uns jedoch für eine Eigenabfüllung des Hauses: Der 9-jährige Rum Agricole aus Guadeloupe von Alexander Huprichs Cask Collection passt hervorragend zu der Hoyo de Monterrey Epicure Nr. 2.

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Philipp Ernst & Andrea Hörzer, Josef Bar

Weiter geht es in den Wiener Untergrund: Im Speakeasy Clandestino des Barmagiers Daniel Schober liegt der Schwerpunkt auf Drinks mit Tequila, Mezcal und anderen Spirituosen (etwa Pisco) aus Mittel- und Südamerika. „Wenn ich Cocktails mit diesen Spirituosen kreiere, achte ich im Hinterkopf darauf, welche Zigarren dazu passen könnten“, erzählt Dani aus seiner gelebten Praxis. Daher steht ein wohl sortierter Humidor im Clandestino. Zahlreiche Gäste machen es sich in den schicken Vintage-Sitzmöbeln bequem und genießen etwa zu Danis Oaxaca Massaka (Mezcal, Avocado, Salz et al.) eine cemig-karamellige Monte Pascoal Corona. Von Danis Speakeasy wandeln wir zu einer der exklusivsten Bar-Neueröffnungen des vergangenen Jahres: der Josef Cocktail Bar. Mitbesitzer Philipp Ernst (gemeinsam mit Andrea Hörzer), ausgewiesener Master of Mixology, ist persönlich ein dezidierter Zigarrenliebhaber. Diese Leidenschaft manifestiert sich nicht nur im Angebot der Bar, sondern auch darin, dass er einige seiner Stammgäste für den Genuss von Zigarren begeistern konnte. „Eine jüngere Generation entdeckt immer öfter, dass sich das geruhsame Genießen von Zigarren mit unserem Zugang der Kreation von Cocktails hervorragend kombinieren lässt“, erzählt Philipp Ernst. Daher hat das überaus gastfreundliche Team vom Josef nicht nur die After-Work-Linie „Coffee, Cocktails & Cigars“ (empfohlen: der Courvoisier-Coffee) ins Leben gerufen, sondern Barmann Andreas Portz empfiehlt auch gerne zu seinem hervorragenden Harvard Cocktail eine Montecristo Edmundo.

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Christof Habres lebt und arbeitet als freier Journalist, Autor und Kunsthändler in Wien. Neben seiner Tätigkeit für das Cigar Journal schreibt Habres auch für die Wiener Zeitung, das Wiener Journal, Weltkunst Magazin und Skylines Magazin. Im Cigar Journal widmet er sich der zigarrenaffinen Barkultur der Weltmetropolen.


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