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Pasencia Zigarre Alma Fuerte

Plasencia-Brüder im Interview

Plasencia Brüder mit Vater

Auch wenn die fünfte Generation der Plasencias bereit sit, das Steuer zu übernehmen – Nestor Senior ist der „Big Boss“ und seine Söhne sind froh, auf seine Erfahrungen zurückgreifen zu können | Photo: Katja Gnann

Nach der frühen Montagsbesprechung mit dem Vater stehen die Plasencia-Brüder dem Cigar Journal Rede und Antwort. Alle haben ihren Platz im Unternehmen gefunden: Gustavo kümmert sich um die Buchhaltung, um die neue Distributionsfirma Plasencia 1865 und um Customer Relations. Nestor, leidenschaftlicher Agronom, arbeitet einerseits auf den Feldern, aber vor allem ist er für die Zigarrenproduktion verantwortlich. Der jüngste, José Luis, ist seit eineinhalb Jahren dabei. Künftig wird er die Finanzen des Unternehmens unter seinen Fittichen haben. 

Cigar Journal: Was habt ihr im Vorjahr empfunden, als die Cigar Trophys verliehen wurden und nahezu jeder Gewinner zuerst der Familie Plasencia dankte? 

NESTOR: Wir fühlten wiederum enorme Dankbarkeit. Von den Legenden aus der Tabakbranche diese Worte zu hören, bedeutete sehr viel für uns. 

GUSTAVO: Es war ein unglaubliches Kompliment.

NESTOR: Ja, ein Kompliment, aber es war auch großartig, das Vertrauen zu spüren, das sie in uns legen. Und das Gesicht unseres Vaters zu sehen, seine Freude, das war sehr schön. 

Könnt ihr euch vorstellen, zwei Mal wieder von vorne zu beginnen, wie es euer Vater musste? 

GUSTAVO: Ja, auch drei Mal oder vier Mal. So haben wir es von unseren Eltern gelernt. Niemals aufgeben! Wir haben immer hart gearbeitet. Ferien gab es nicht. Wir waren mit auf den Feldern. 

NESTOR: Wir hätten es natürlich auch immer wieder versucht neu zu beginnen. Ob wir so erfolgreich und gut gewesen wären, ich weiß es nicht. 

Was braucht man dazu für Eigenschaften? 

NESTOR: Ausdauer! Und den Glauben daran, es zu schaffen. 

Verändern solche Erfahrungen den Charakter? 

NESTOR: Ganz sicher. Und wir sagen immer wieder zu uns: Wir wären nicht da, wo wir heute sind, ohne diese harten Zeiten. Es hat unsere Familie gestärkt. Der Glaube an uns, das Selbstvertrauen. Mein Vater wollte niemals irgendwen enttäuschen, weder die Banken, von denen er Geld bekam und die ihm vertrauten, noch unsere Arbeiter, die nie auf ihr Geld warten mussten. Das hatte Priorität. 

JOSÉ LUIS: In der Zeit, wo wir wirklich wenig Geld hatten, war ich noch gar nicht geboren, aber viele Leute, die damals für uns arbeiteten, sind immer noch bei uns tätig, seit 30 Jahren. Sie erzählen mir immer wieder davon. Sie sind so loyal. 

Wie lange arbeiten die Leute durchschnittlich für euch?

NESTOR: Die meisten seit 1979, da haben wir hier wieder neu begonnen. Mein Großvater hat immer gesagt: Sie können dir alle materiellen Dinge nehmen, aber niemals dein Wissen und deine Reputation. Wir können sehr stolz sein auf unseren Großvater und Vater. Aber gleichzeitig wissen wir: Wenn wir nicht andauernd hart arbeiten, dann bleibt der Erfolg irgendwann aus, wir ruhen uns nicht darauf aus. 

Ist das ein Geschenk oder Druck? 

NESTOR: Es ist beides. Wir werden unsere eigenen Herausforderungen haben, aber wir werden unser Bestes geben. Wir sind bereit. 

Kurz zur Idee der Reserva Organica (jetzt Reserva Original), der „Bio“-Zigarre. Ist das nur die Zigarre oder lebt ihr „bio“? 

NESTOR: Nicht wirklich 100 Prozent „bio“; ich bin offen und sehe das sehr locker. Aber wir versuchen, die Dinge nachhaltig zu tun und zu leben, auf viele Arten und in vielen Gebieten: auf dem Feld, mit unseren Mitarbeitern, im Privatleben. 

Ihr verbringt viel Zeit auf euren Feldern, oder?

JOSÉ LUIS: Ja, momentan vor allem ich. Um die Zahlen einschätzen zu können, musst du alle Vorgänge kennen und verstehen. Ich liebe die Arbeit draußen. Nachmittags bin ich dann im Büro und kümmere mich um die Finanzen. Auch da lerne ich momentan noch alles. Ich bin auch für unser neues Bewässerungs- und Düngesystem verantwortlich. Mit dem neuen System haben wir den Wasserverbrauch um 50 Prozent gesenkt. Außerdem ist der Ernteertrag höher. 

Wer fällt bei euch die Entscheidungen?

NESTOR: Mein Vater und wir drei. Unser Vater ist der Big Boss und wir sind froh darüber. Er ist ein guter Mentor und hat die Energie eines 25-Jährigen. Wir lernen immer noch von ihm, manchmal diskutieren wir auch, aber das ist gut. 

GUSTAVO: Wir bringen neue Ideen ein, die Welt ändert sich und er weiß das. Aber wenn wir eine Idee an ihn herantragen, müssen wir top informiert sein. Er nimmt uns ins Kreuzverhör. 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Sommer-Ausgabe 2017 veröffentlicht. Mehr

Katja Gnann

Bei einer regionalen Tageszeitung erlernte sie das journalistische Handwerk von der Pieke auf und erstellte dort langjährig redaktionelle Beiträge. Durch die Mitarbeit bei der Zeitschrift „Der Spiegel“ in Rom bekam sie die Chance, ihre Kenntnisse im Medienbereich zu professionalisieren. Katja Gnann studierte Kunstgeschichte und Romanistik in Heidelberg, Palermo und Rom und verbrachte im Zuge des Studiums viele Jahre in Italien. Das Land war ihr Lehrmeister in Sachen Genuss und Lebensstil. Seit 2004 arbeitet sie für das Cigar Journal, seit 2010 als Chefredakteurin.


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