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Blending Tisch

Meisterblender: Hinter den Kulissen

Rolando Reyes

Photo: Colin C. Ganley | Rolando Reyes beim Testen von Tabaken in Danli, Honduras

Hendrik Kelner (Davidoff), José Orlando Padrón und die beiden Fuentes (Carlos und Carlito): sie alle haben Zigarren kreiert, die ihren Unternehmen den Stempel aufdrücken. Sie sind wahre Masterblender. Hinter jeder Zigarre auf dem Markt steht zumindest ein Fachmann, der für die Komposition und vor allem die Beibehaltung ihres typischen Geschmacks/Blends verantwortlich zeichnet. Beim „Blending“ gibt es ebenso viele Philosophien wie es Masterblender gibt. Und trotzdem ist der Vorgang der Kreation und der Aufrechterhaltung einer Tabakmischung überall recht ähnlich. Die Zusammensetzung der Tabake ist es, warum Zigarren unterschiedlich schmecken. Und die Aufgabe des Blenders ist es, verarbeitete (fermentierte und gereifte) Tabakblätter verschiedener Blattreihen der Pflanze und unterschiedlicher Herkunft zusammenzustellen. Diese werden in den markenspezifischen Proportionen so kombiniert, dass am Schluss der einzigartige Geschmack einer Davidoff, einer Padrón, einer Habanos oder einer Fuente herauskommt. „Blending ist ein Prozess“, sagt Carlos Oliva von Oliva Cigars. Er fängt schon mit dem Anbau in den Feldern an. Letztendlich entscheidet die Qualität des zur Verfügung stehenden Tabaks über die Güte der Mischung. Alle Masterblender sind sich in diesem Punkt einig. Und weil das Blending im Feld beginnt, rollen wir
das Thema von diesem Punkt auf. 

AUF DEM FELD 

Tabakblätter

Photo: Colin C. Ganley 

Jeder für den Blend verantwortliche Fachmann erkundigt sich bei den Tabakbauern während der gesamten Wachstumsperiode über den jeweiligen Zustand des Tabaks. Schlechtes Wetter kann den Geschmack eines wichtigen Tabakblattes drastisch im Vergleich zum Vorjahr verändern. Darum überwachen die Blender den Tabak schon von Beginn an. So genannte vertikal gegliederte Firmen produzieren Tabak auf eigenen Feldern. Gute Kenntnisse über Bodenbeschaffenheit, Sonne, Dünger und Bewässerung sind unabdingbar für beständige Tabakmischungen, darin sind sich die Fachleute mit eigener Produktion einig. Laut Carlos Oliva ist diese Kontrolle auch deshalb so wichtig, damit man vorausblickend erahnen kann, was von der Ernte zu erwarten ist. So hält er die Geschmacksrichtungen der gängigen Serien G, O und Special S aufrecht. Er fügt hinzu: „Wir ziehen und verarbeitenTabak genau nach unseren Erfordernissen.“ Eben darum sind die Blends so konsistent.

Hersteller, die keine eigenen Felder besitzen, kaufen den Tabak am Markt. Bereits verarbeiteten, also getrockneten und fermentierten Tabak zu kaufen, hat Vor- und Nachteile. Selbst Hersteller mit eigenen Feldern kaufen oft von anderen Farmern Tabak zu (oft Deckblätter), um den gewünschten Geschmack zu erreichen. Der Vorteil ist, dass man nur zu kaufen braucht, was man benötigt. Manchmal ist es aber schwierig, Jahr für Jahr die gleiche Qualität aufzutreiben, wenn man nicht selbst Tabak anbaut. Auch Don „Pepin“ Garcia, der seine Felder in Nikaragua seit 2007 bewirtschaftet, erläutert, dass das Blending ein ständiger Prozess ist. Es gibt zwei verschiedene Aspekte beim Mischen: Der erste ist die Kreation eines Blends. Hier ist das Ziel, die perfekte Zigarre zu erschaffen, genau nach Wunsch des Masterblenders. Der zweite Aspekt ist die Beibehaltung eines Blends. Dabei ist das Zusammenspiel aller Mitarbeiter vonnöten, vom Meisterblender bis zum sorgsam ausgewählten Zigarrenroller. 

DIE KREATION EINES NEUEN BLENDS 

Als das Marketing-Team von Habanos S.A. sich dafür entschied, eine neue Cohiba-Serie zu lancieren, unterbreitete es diese Idee dem kubanischen Tabakinstitut. Die Marketing-Gruppe fragte aufgrund von Marktforschungsergebissen und wegen der Nachfrage seitens der Distributeure um besonders vollmundige Zigarren an. Arnaldo Ovalles Brinones, Produktionsdirektor der Laguito-Fabrik in Havanna, erklärt, wie die Cohiba Maduro 5 ausgeklügelt wurde. Das Institut legte zunächst sechs Blends vor, erst danach wurde die Fabrik zur Schaltstelle für die Tabakmischung. Raul Valladares und Juan José López leiteten zu diesem Zeitpunkt das Team der Blender. 

Blending Tisch

Photo: Colin C. Ganley | Ein Blending-Tisch. Auf dem Tisch sind mehrere Mischungen zu sehen, die geraucht und getes- tet werden. Jede ist nummeriert und von jeder werden Notizen gemacht, um herauszufinden, was funktioniert und was nicht

Ein Zigarrenroller hatte die Aufgabe, während der sechsmonatigen Testphase die Zigarren zu fertigen. Dieser Roller war ein zuverlässiger Mitarbeiter und außerdem während des gesamten Prozesses ins Tasting involviert. Jeden Tag wurde die neue Mischung verbessert, etwa zehn Leute probierten die jeweilige Tagesversion der Zigarre. Sechs Mitarbeiter der Fabrik wurden von zwei Mitarbeitern des Tabakinstituts und einem von der Habanos-Zentrale in Kuba unterstützt. Nach Ablauf des sechsmonatigen Prozesses waren insgesamt fast 50 Tester an der Vervollkommnung der Maduro 5 beteiligt. Der Prozess endete, als die Entscheidungsträger der Habanos S.A. bestimmten, dass die Zigarre nun genau ihren Vorstellungen entsprach. Alle Mitglieder des Teams waren sich einig, dass der Blend den Standards der Marke Cohiba entspreche. 

„MISCHEN IST MAGIE“ – MAYA SELVA (INHABER/ MASTERBLENDER VON CUMPAY UND FLOR DE SELVA) 

Don Pepin Garcia

Photo: Colin C. Ganley | Don „Pepin“ Garcia und Ernesto Padilla in Miami, Florida, bei der El Rey de los Habanos-Fabrik

Ungeachtet des Unternehmens achten alle Masterblender bei der Kreation einer neuen Mischung auf fünf Eigenschaften bei der Performance einer Zigarre. Die fünf Kriterien sind: Geschmack, Aroma, Stärke, Abbrand und Zug. Die Grundlage für die richtige Balance sind Kenntnisse um die verschiedenen Tabaksorten. So entwerfen sie besonders vielversprechende Kombinationen. Dann beginnen sie, die Mischungen zu testen und zu verändern, bis der erwünschte Geschmack erreicht ist. Die Balance zwischen diesen fünf Eigenschaften macht eine wahre Premiumzigarre aus. Im Gegensatz zu Habanos haben nicht alle Mischer vorrangig den Konsumenten im Visier. Für Pete Johnson, den Schöpfer von Tatuaje- und Cabaiguan-Zigarren, sind persönliche Vorlieben der Leitfaden beim Mischen: „Ich mache die für mich“, scherzt er, „wenn ich sie nicht verkaufen kann, dann kann ich sie wenigstens selbst rauchen.“ 

DAS AUFRECHTERHALTEN EINER EINGEFÜHRTEN LINIE 

Weil keine Ernte wie die andere ist, liegt es am Masterblender, den einmal festgelegten Geschmack dauerhaft zu gewährleisten. Bei Padrón übernimmt diese Aufgabe José Orlando Padrón. Er lässt seine Mischungen nie aus den Augen und holt Ratschläge nur von seiner Familie und Fabrikmanager Gabriel Fernandez ein. Andere Fabriken wie etwa Oliva und Plasencia stützen sich auf die Expertise von erfahrenen Testern in verschiedenen Abteilungen (beim Sortieren, Reifen und Rollen). Alle Hersteller haben mit der Beibehaltung eines beständigen Geschmacks einer etablierten Linie zu kämpfen. Eine schlechte Deckblatt-Ernte oder Wetterkapriolen können einen Hersteller um unentbehrliche Komponenten seiner Mischung bringen. In solch einem Fall bleibt nichts anderes übrig, als den Geschmack zu ändern oder die Produktion der Linie einzustellen. Michael Chiusano von Cusano Cigars hat sich damit angefreundet, limitierte Editionen und spezielle Serien rund um begrenzte und seltene Tabake zu fertigen. Carlos Toraño war weniger erfreut, als er gezwungen war, mit seiner Nicaraguan-Selection Schluss zu machen. „Eine der besten jemals hergestellten Zigarren“, wie er bedauert. 

DER STATUS DES TABAKMISCHENS 

José Orlando

Photo: Colin C. Ganley | José Orlando Padrón, Gabriel Fernandez und José’s Grandson diskutieren die Mischung

Wir befinden uns im Zeitalter der Superstar-Masterblender. Während die Mischer von Habanos weniger bekannt sind als in anderen Ländern, zeigen Zigarren wie Cohiba Maduro 5, Hoyo de Monterrey Regalos und die Romeo y Julieta Short Churchill, dass die Kunst des Tabakmischens in Kuba lebendig und wohlauf ist. Produzenten in der Dominikanischen Republik, wie Henke Kelner und die Fuentes, halten ebenfalls hohe Standards aufrecht und produzieren mit großem Erfolg neue Blends. Nikaragua ist der angesagteste, am schnellsten wachsende Zigarrenexporteur der Welt. Dies ist nicht zuletzt dem Erfolg des Meisterblenders Don „Pepin“ Garcia zuzuschreiben. Er verdoppelt gerade seine Kapazität in Estelí, Nikaragua, um sowohl die große Nachfrage nach seinen eigenen Linien zu befriedigen, als auch jene für Ernesto Padilla, Pete Johnson und Ashton (San Cristóbal). Die Stars unter den Masterblendern bringen großartige, stimmige Kompositionen auf den ständig wachsenden Weltmarkt für Premiumzigarren. Um die Kunst des Blendens ist es gut bestellt – und weil es ausreichend Nachwuchs gibt, der von der älteren Generation viel lernt, können wir auch weiterhin hochqualitative Mischungen erwarten und werden auch in kommenden Jahren gut ausbalancierte Zigarren finden. 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Frühjahrs-Ausgabe 2008 veröffentlicht. Mehr 

Colin C. Ganley

Colin Ganley worked for Cigar Journal from 2007 to 2015 and now makes his home in Nicaragua where he heads up Cigar Tourism and Twin Engine Coffee. He ist he author of Le Snob: Cigars (2011). He also writes for cigar publications around the world, including Cigar Snob magazine, and runs the website cigarresearch.com, which is devoted to his research and writing on cigars. He developed a system for rating and reviewing cigars called the Independent Cigar Rating System (ICRS), which has been adopted by several independent reviewers and websites.


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