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Gemeinsam testen: Davidoff Winston Churchill

    Es gibt nur wenige Zigarren, die zu absoluten Klassikern geworden sind. Zigarren, die wortwörtlich in aller Munde sind. Wenn sich also eine Zigarre aus ehrwürdigem Hause mit dem Namen des wohl berühmtesten Zigarrenrauchers der Geschichte vermählt, dann ist es nicht verwunderlich, wenn diese zum Kassenschlager wird.

    Im konkreten Beispiel sollte man noch erwähnen, dass auch die Zigarre selbst ein Meisterwerk ist und zu Recht Weltruhm erlangt hat. Die Rede ist von der Davidoff Winston Churchill. Die Linie wurde von Davidoff das erste Mal 2008 auf den Markt gebracht und nach mäßigem Erfolg schließlich 2014 wiederveröffentlicht. Seit diesem Zeitpunkt ist die Winston Churchill ein Verkaufsschlager allererster Güte. Diesmal möchte ich mit Ihnen gemeinsam eine Robusto dieser Li- nie genießen. Lassen Sie uns dem Mythos auf den Grund gehen und herausfinden, was diese Zigarre zu einem unvergleichlichen Genuss werden lässt. Was hebt sie in den Olymp des gerollten Tabaks und welche Überraschungen hält dieser Klassiker noch für uns bereit?

    Machen Sie es sich gemütlich, schenken Sie sich ein kleines Gläschen ein, greifen Sie zu Ihrem Smartphone, scannen Sie den QR-Code und rauchen wir gemeinsam eine Davidoff Winston Churchill The Statesman Robusto. Es ist eine Robusto in Reinform (133 x 20,6 | 5 1⁄4 x 52). Der Preis rangiert durchschnittlich zwischen EUR 19,00 und 22,00. Finden wir gemeinsam heraus, ob Sir Winston seine Freude an dieser klassischen Zigarre gehabt hätte und ob der Blend auch heute noch – viele Jahre nach dem Launch – begeistern kann. Meine Zigarre liegt schon bereit, sie muss nur noch entflammt werden. Ich warte auf Sie, und es freut mich, wenn Sie zu mir stoßen …

    Es gibt wohl keinen berühmteren Zigarrenraucher der Geschichte als Sir Winston Churchill. Zuletzt wurde diese Ikone der Zigarre kongenial von Gary Oldman im Film Darkest Hour verkörpert. Der Zigarrenrauch wurde so realitätsnah in Szene gesetzt, dass der Hauptdarsteller während der Dreharbeiten das Krankenhaus mit einer Nikotinvergiftung aufsuchen musste. Wenn also eine Zigarre den Namen Winston Churchills trägt, dann hat sie zwangsläufig hohe Erwartungen zu erfüllen.

    Ich freue mich, dass Sie heute wieder den Weg in unseren gemeinsamen Rauchsalon gefunden haben und wir gemeinsam eine Ikone der Tabakwelt hochleben lassen dürfen. Dieses Mal wollen wir die Davidoff Winston Churchill The Statesman Robusto rauchen. Machen Sie es sich bequem, und begleiten Sie mich durch die Nebelschwaden des Genusses auf einer Reise durch die Welt kluger, rauchender Köpfe. Als Getränk empfehle ich im Übrigen – vollkommen britisch – eine schöne Tasse Schwarztee (vorzugsweise Assam oder Darjeeling) mit ein wenig Milch. Greifen Sie zu Ihrem favorisierten Schneidwerkzeug sowie einer Zündquelle, und lehnen Sie sich zurück.

    Nach dem Entflammen wird man direkt bei den ersten zwei Zügen überrascht. Denn entgegen den meisten Beschreibungen der Davidoff Winston Churchill-Serie wird der geneigte Passionado von einer herrlich dezenten Süße empfangen. Die für Davidoff typische Cremigkeit ist lediglich merklich dezent zu erahnen. Rauchen Sie langsam und nicht zu gierig, auch wenn das herrliche Aroma leicht dazu verleitet, schneller zu ziehen. Nippen Sie an der Zigarre, und lassen Sie den Rauch sanft durch Ihre Mundhöhle rollen. Vor allem am Beginn des ersten Drittels empfiehlt es sich, retronasal zu rauchen. Diese Robusto ist sicherlich mittelkräftig, jedoch sehr fein und bekömmlich geblendet. Es lauert also kein unangenehmes Kratzen in der Nase.

    Nach ein paar Zügen kann man diese perfekt verarbeitete Zigarre bereits ruhig in den Aschenbecher legen. Es gibt wohl keine andere Zigarrenmarke, die so berühmt ist für die exzellente Verarbeitung und die exorbitant hohen Ansprüche an Qualität und Zugverhalten. Gönnen Sie sich einen Schluck Schwarztee mit Milch. Diese würzige Cremigkeit ergänzt sich herrlich mit dieser gelungenen Zigarre. Besonders interessant ist das Mundgefühl, das die Winston Churchill The Statesman Robusto am Gaumen hinterlässt. Die Würze ist bereits zu erahnen, auch findet sich etwas Holz auf der Zungenspitze wieder. Man bekommt definitiv Lust auf mehr.

    Greifen Sie wieder zur Zigarre. Keine Sorge, der kurze Moment im Aschenbecher hat ihr gut getan. Der Rauch ist nun deutlich kühler, und in der Mitte des ersten Drittels setzt sich die Süße zwar fort, jedoch gesellt sich die angesprochene Würze dazu. In der Nase kitzeln nun ein Hauch von Lebkuchen und eine Spur von Kardamom. Der Rauch wirkt besonders dicht und beinahe fett und buttrig. Genießen Sie diesen Moment, denn er ist, gelinde gesagt, einfach göttlich!

    Das seidige H2000-Deckblatt aus Ecuador liegt herrlich zwischen den Fingern und verleiht der Zigarre ihre dezente Cremigkeit; die Würze und Süße ist wohl dem Negro San Andrés-Umblatt aus Mexiko zu verdanken. Die Einlage aus dominikanischen und nicaraguanischen Tabaken bildet eine perfekt balancierte Basis für diesen herrlich bekömmlichen Blend.

    Am Beginn des zweiten Drittels sollten Sie nochmals eine kleine Pause einlegen. Sehen Sie dem Rauch zu, wie er emporsteigt und wunderschön tänzelnde Fahnen bildet, die nichts anderes sind als das Banner, unter dem sich die Genießer dieser Welt vereinen. So scheint auch in diesen flüchtigen Momenten der Geist von Sir Winston durch den Raum zu schweben. Nehmen Sie noch einen Schluck Tee und benetzen Sie Ihren Mund. Den was nun folgt, ist ein wahrlich fulminanter Hauptakt.

    Das zweite Drittel der Zigarre ist der Auftritt für den nächsten großen Akteur: Leder! Diese Anklänge von gegerbten Leder sind aber keineswegs so dominant, dass sie den Gesamteindruck stören könnten. Sowohl die Süße – die nun weit deutlicher in den Hintergrund tritt – als auch die Würze bleiben bestehen. Der Rauch ist weiterhin dicht und der Zugwiderstand schon beinahe unheimlich perfekt. Keines der vielschichtigen Aromen drängt sich zu deutlich in den Vordergrund. Es scheint fast so, als würden sie einen eng umschlungenen Tanz vollführen, der unsere Sinne verzaubern soll. Und das gelingt. Nippen Sie nochmals an der Zigarre, bevor Sie diese wieder beiseite legen.

    Tatsächlich könnte es gut sein, dass diese Zigarre Sir Winston zugesagt und gemundet hätte, während er eines Nachmittags leicht gebückt durch die engen Gänge der War Rooms im Herzen Londons getrottet ist, gänzlich mit der Last der freien Welt auf seinen Schultern, entscheidungsschwanger und entmutigt, doch voller Tatendrang.

    Greifen Sie wieder zur Zigarre, und genießen Sie die zweite Hälfte dieser Köstlichkeit. Die Aromen von Gewürzen nehmen nun ab und es bleibt eine Komposition von Leder, Schokolade und einem Hauch von frisch geröstetem Kaffee, während sich ganz weit hinten die seit Beginn anwesende Süße allmählich verabschiedet. Die Gewürze tragen nun auch etwas Pfeffer in sich, der den Speichelfluss anregt. Retronasal spürt man eine unglaubliche Wucht an Kaffee, Schokolade und Leder, umhüllt von Holznoten, die erstaunlich deutlich an Eiche erinnern. In jedem zarten Zug steckt nun eine unglaubliche Geschmacksvielfalt. Besonders bemerkenswert ist, dass die Zigarre dabei niemals kräftig oder zu stark anmutet. Es ist lediglich das Aroma, das uns einen kräftigen Eindruck vermittelt.

    Vor dem letzten Drittel – dem großen Finale – nehmen Sie sich ein Herz, und legen Sie die Zigarre nochmals in den Aschenbecher. Gönnen Sie sich erneut einen kurzen Moment der Kontemplation, und genießen Sie auch das herrliche Raumaroma dieser gelungenen Kreation. Lassen Sie die gesamten Eindrücke der Zigarre nochmals Revue passieren: den sanft süßlichen Beginn, die Würzigkeit im Übergang und die Ledrigkeit des Mittelteils.

    Nehmen Sie die Zigarre wieder auf, und widmen Sie sich den letzten Zügen. Was mit einer herrlichen Schokoladigkeit begann, wird nun ein Hauch von zart bitterem Kakao. Und zu dieser Bitterkeit des Abschieds gesellt sich nun wieder die Süße, von der wir dachten, dass sie uns bereits gänzlich verlassen hätte. Es ist, als würde sie uns mit einem weinenden und einem lachenden Auge zum Abschied winken. Wenn der letzte Anklang von süßem Kakao verklungen ist, legen Sie die Zigarre ab. Denn nun gibt es nichts mehr zu entdecken außer Bitterkeit und Abschiedsschmerz.

    Also hat diese Zigarre nun ihren Stellenwert im Portfolio des Traditionshauses Davidoff verdient? Definitiv! Es sind Kreationen wie diese, die dem Hause alle Ehre zuteilwerden lassen. Und Churchill hätte damit sicherlich seine helle Freude gehabt. Egal ob in Zeiten des Krieges oder friedlich hinter seiner Staffelei gänzlich in Gedanken versunken.

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    Klaus Hruby learned his trade as a journalist at a young age and published articles in various media such as Die Zeit, Der Falter, as well as in renowned literature competitions in German-speaking countries. His love for cigars was ignited during his apprenticeship; his great-grandfather still owned a tobacco field. Klaus Hruby has been writing Austria’s biggest cigar blog, www.derblauedunst.com, since 2014.


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