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el panteon la corona factory

El Panteón: die ehemalige Manufaktur La Corona

Die Manufaktur La Corona wurde im Jahr 1904 fertiggestellt und befindet sich auf der Calle Zulueta (oder auch Agramonete) No.106. Sie steht in direkter Nachbarschaft des ehemaligen Präsidentenpalastes, in dem sich heute das Museo de la Revolución befindet. Dieses sollte man als Kuba-Tourist übrigens unbedingt einmal besucht haben. Die ehemalige Manufaktur ist auch vom Capitol oder von der Altstadt nicht weit entfernt und zu Fuß bequem in wenigen Minuten zu erreichen.

Die Säulen wurden schon vor Jahren provisorisch gestützt

Das Gebäude ist in seinen Ausmaßen gigantisch, es umfasst einen gesamten Block. Ehemals verlief an dieser Stelle die gewaltige Stadtmauer Havannas, undurchdringlich in diesem Abschnitt; die nächsten Stadttore waren ein ganzes Stück entfernt. Als Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts die Stadtmauer geschleift wurde, war Bauland recht großzügig vorhanden. In diesem Zusammenhang wird einem die Bedeutung der Zigarrenindustrie in dieser Zeit deutlich bewusst : man errichtete den Präsidentenpalast und das Capitol. Der Palast, ein ungemein beeindruckendes und reich verziertes Gebäude; das Capitol, eine originalgetreue Kopie des Weißen Hauses in Washington. Und direkt daneben eine Zigarrenmanufaktur, auch Eisenpalast genannt. Eine Zigarrenmanufaktur, auf Augenhöhe mit dem Parlament und dem Präsidenten, in ihrer Präsenz diesen anderen Bauten nur wenig nachstehend!

Die Marke La Corona

Die von der American Tobacco Company errichtete Manufaktur erhielt den Namen La Corona, benannt nach der gleichnamigen Marke. Und das kam nicht von ungefähr. Die Marke La Corona gehörte einstmals zu den bedeutendsten Habanos-Marken überhaupt. Im Jahre 1845 wurde sie von José de Cabargas offiziell registriert. Um 1880 übergab José Cabargas die Marke an Antonio Cabargas. Dieser aber konnte das Geschäft nicht erfolgreich weiterführen.

el panteon la corona factory columns

Photo: Claudia Puszkar

Sicher spielten auch die schwierigen Umstände während des damals tobenden Unabhängigkeitskrieges eine Rolle. Antonio Cabargas jedenfalls verkaufte zunächst an Manuel Lopez, eine schillernde Persönlichkeit im Zigarrengeschäft. Schon kurze Zeit später aber kaufte Segundo Alvarez die Marke. Der wiederum war gemeinsam mit Gustav Bock der Mann in Havanna, wenn es um Investitionen in der Zigarrenindustrie ging. Segundo Alvarez ging außerdem eine Partnerschaft mit Perfecto Lopez Fernandez ein.

1889 übernahmen offiziell britische Investoren die Eigentümerschaft, allerdings unter Leitung von Segundo Alvarez. In den späten 1890er-Jahren ging der Besitz dann in die Hand der American Tobacco Company über. Diese hatte neben La Corona eine ganze Reihe weiterer Marken aufgekauft. Die American Tobacco Company ließ dann Anfang des 20. Jahrhunderts eben jenen (wegen seiner Stahlkonstruktion als Eisenpalast bekannten) Bau errichten. Dieses Gebäude war die erste Stahlkonstruktion auf der Insel überhaupt.

Viele verschiedene Marken wurden hier gefertigt. In einem Verzeichnis von 1940 führt die American Tobacco Company, dann unter dem Namen Tabacalera Cubana, insgesamt 91 Marken. Neben La Corona zählten dazu Villar y Villar, Bock & Co, Don Quijote de la Mancha, Hija de Cabañas y Carbajal, La Africana, La Flor de Cuba, La Vencedora und Pedro Murias, um nur einige zu nennen.

Das Ende der Tabacalera Cubana

Schon lange vor der Revolution veränderte sich das Engagement der Amerikaner in Kuba. 1932 verlegten sie die Produktion einiger Marken nach Trenton, New Jersey. Sie hatten dort eigens eine Manufaktur errichten lassen, die in ihrer Ausstattung dem Palacio Aldama glich, der zweiten La Corona-Manufaktur in Havanna. Es war vor allem die Höhe der Einfuhrzölle, die dieses Vorgehen vorantrieb: es war weitaus günstiger, kubanischen Tabak in die USA einzuführen, als die fertig gerollten Zigarren.

1960, nach dem Sieg der Revolution und dem Einmarsch der Truppen in Havanna, übernahm der kubanische Staat die Führung in der Zigarrenindustrie. Alle Fabriken wurden verstaatlicht. Die Marken, die in dieser Manufaktur hergestellt wurden, darunter auch La Corona, verloren in Kuba schnell ihre Bedeutung. Denn der Absatzmarkt USA brach spätestens 1962 mit dem Embargo komplett weg. Zigarren der Marke La Corona wurden wohl in ganz geringer Stückzahl noch bis in die 1970er-Jahre gefertigt, dann stellte man die Produktion ganz ein.

Der Eisenpalast heute

Im Jahr 2005, also etwa 100 Jahre nach der Erbauung, schlossen sich die Pforten der La Corona-Manufaktur im berühmten Eisenpalast. Heute ist das Gebäude, das in seinen Ausmaßen gigantisch ist, vollständig entkernt. Ein blickdichter Bauzaun umschließt das Erdgeschoss. Von unten schaut man ohne Mühe durch die Fenster der oberen Etagen. Die Öffnungen ermöglichen den Blick auf kahle Decken und Wände, die teilweise noch intakt sind, teilweise aber auch schon wieder Spuren des Verfalls aufweisen.

Dieser Zustand hält sich nun schon einige Jahre. Immer wieder gehen Gerüchte über die Zukunft des Gebäudes um. Ein Hotel, wieder eine Manufaktur, gar ein Tabakmuseum waren im Gespräch. Doch es bleibt abzuwarten, denn die nötigen Investitionen in dieses Gebäude wären sicher immens.

Information:

NAME DER MANUFAKTUR
Manufaktur La Corona, Palacio de Hierro

ERBAUER & GRÜNDER
American Tobacco Company

JAHR DER ERÖFFNUNG
1904

ADRESSE
Calle Agramonte No. 106 (früher No. 10)

LAGE
Vom Capitol etwa 5 Min. zu Fuß entfernt

MARKEN
La Corona und 90 weitere Marken

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Herbst-Ausgabe 2013 veröffentlicht. Mehr

Claudia Puszkar

Claudia Puszkar, von Hause aus Diplom-Soziologin, schreibt schon seit Jahren über kubanische Zigarren und deren Geschichte. In Havanna ist sie regelmäßig auf den Spuren alter und neuer Zigarrenmanufakturen unterwegs, aber auch immer auf der Suche nach neuen Impressionen, die die Stadt und die Menschen vor Ort zu bieten haben.


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