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Oliva Generation

Eine Marke auf dem Weg rund um den Globus: Oliva Cigars Co.

Oliva Generation

Photo: Oliva Cigar Co. | Die vierte Generation im Tabakbusiness etabliert den Familiennamen schließlich als globale Marke: Gilberto, Carlos, José und Jeannie Oliva (v. l.)

Das reizende niederländische Städtchen Den Bosch, rund 50 Kilometer nördlich von Eindhoven, war die ideale Bühne für das erste „International Sales Meeting“ von Oliva Cigars im Februar 2010. Unweit von hier, etwa auf dem halben Weg Richtung Rotterdam, hat Sasja van Horssen kürzlich ein Logistikzentrum für Oliva auf die Beine gestellt; einmal pro Monat trifft dort eine Sendung aus Nicaragua ein. Von dem gut dimensionierten, modernen Lager aus kann van Horssen quasi auf Knopfdruck und kurzfristig die Nachfrage aus allen EU-Ländern (und darüber hinaus) zufrieden stellen. „Das beschleunigt die Lieferkette vom Hersteller zu den Distributoren ungemein“, ist der niederländische Zigarrenhändler sichtlich zufrieden mit dem Projekt.

Die Bewährungsprobe wird nicht lange auf sich warten lassen – unter den 15 Großhändlern, die den Weg an die Nordsee auf sich genommen haben, sind etliche, die die Marke Oliva erstmalig in ihr Portfolio aufnehmen, der große Schwung an Bestellungen steht also erst bevor. Natalja Sokolova aus Tallinn in Estland ist eine von ihnen: „Es ist an der Zeit, Oliva auch in den baltischen Ländern einzuführen.“

Auch Dimosthenis Kazaglis aus Griechenland und Mario Lubinsky aus Italien stocken ihr Zigarrensortiment entsprechend auf, genauso wie Großhändler in Spanien, Schweden und Russland. In anderen Märkten liegen Olivas bereits seit geraumer Zeit in den Fachgeschäften, etwa in der Schweiz, in Holland, Deutschland, Großbritannien, Australien, China usw. Der Plan ist also aufgegangen. Oliva ist nicht länger eine rein US-amerikanische Größe, wo die Marke praktisch in jedem vernünftigen Geschäft zu finden ist, sondern wird künftig weltweit im Zigarrenbusiness mitmischen. 

José R. Oliva

Photo: Oliva Cigars Co. | „Es wäre geradezu enttäuschend, wenn wir in zehn Jahren nicht eine absolut führende Rolle in der Zigarrenindustrie inne hätten.“ – José R. Oliva

„Dieses erste internationale Treffen mit unseren Vertriebspartnern in Europa ist ein Meilenstein in unserer Geschichte“, bestätigt José R. Oliva, mit 37 Jahren zwar der Jüngste im Familienunternehmen, gleichzeitig aber auch Mastermind für Vertrieb und Marketing. „Die treibende Kraft unserer internationalen Anstrengungen war und ist Brian Shapiro“, streut José dem Hauptverantwortlichen für die globale Expansion Blumen. Shapiros Familie ist im Zigarrenfachhandel tätig und betreibt in Connecticut das größte Oliva-Fachgeschäft der Welt.

Auf den unermüdlichen und Energie geladenen International Sales Manager warten aber noch große Herausforderungen, wie sein Boss andeutet: „In China haben wir noch viel Arbeit vor uns.“ Und um die Zukunftspläne gleich abzurunden ergänzt er: „Es wäre geradezu enttäuschend, wenn wir in zehn Jahren nicht eine absolut führende Rolle in der Zigarrenindustrie inne hätten.“ 

DIE ERSTEN OLIVA—ZIGARREN 

Die Familie stammt ursprünglich aus Pinar del Rio in Kuba, wo Melanio Oliva 1886 mit dem Tabakanbau begann und die ertragreichen Farmen später an seinen Sohn Hipolito weitergab. „Die Felder lagen in San Juan, direkt neben denen von Hoyo de Monterrey“, verweist José auf die Historie seiner Vorfahren. Die Revolution vor 50 Jahren brachte das abrupte Aus für die eigenen Tabakplantagen und trieb die dritte Generation ins Exil. Aber nicht ohne Umwege: die relativ kurze Reise nach Estelí in Nicaragua, wo die Olivas heute zu den größten Tabakfarmern zählen, führte schließlich um die halbe Welt. Der Aufstand der Sandinisten im Jahr 1979 spülte Gilberto Oliva Sen., den heute 78-jährigen Vater des Führungsquartetts, nach Panama, Mexiko, Honduras und sogar auf die Philippinen, bevor er später endlich wieder in Nicaragua Fuß fassen konnte.

Er war der Erste in der Familiengeschichte, der Anfang der 1980er-Jahre in Panama eine Zigarrenmanufaktur aufbaute. Die erste Puro unter der Bezeichnung Oliva erschien allerdings erst 1994. Zu dieser Zeit stieg die vierte Generation der Olivas voll ins Familienbusiness ein. Neben José sind das Gilberto Jun. (49), er leitet den Tabakanbau, Carlos (45) die Produktion in Estelí bzw. Danlí und Jeannie führt das Hauptquartier in Miami Lakes. Während der Verkaufspreis ihrer Zigarren die Produktionskosten damals kaum deckte – zur Erinnerung: in Zeiten des so genannten Zigarrenfiebers wurde Amerika geradezu überschwemmt mit Zigarren – war die Qualität der Marke doch dermaßen gut, dass sie auch nach dem Boom ihre treue Anhängerschaft halten konnte. 

BAHNBRECHENDE KONZEPT-ZIGARREN 

Corona Cigar Company

Photo: Reinhold C. Widmayer | Jeff Borysiewicz, President Corona Cigar Company, mit José Oliva und Brian Shapiro bei einem Cigar Rights of America-Event in New York City

Erst vor fünf Jahren begann die wahre „Oliva Renaissance“, wie José den Beginn des internationalen Durchbruchs bezeichnet. Sämtliche Finanzreserven der Familie wurden reinvestiert, um der Marke mit neuem Design und einer neuen Ausrichtung zu einem wahren Höhenflug zu verhelfen. Der Markt reagierte prompt positiv. Nach hervorragenden Ratings „regnete“ es internationale Auszeichnungen, und die Produktion wuchs rasch von sechs auf heute 13 Millionen Stück Zigarren.

Ihr Innovationspotenzial stellte die Familie seit 2005 gleich mehrmals unter Beweis. Mit den Kreationen von Nub und Cain setzte sie neue Maßstäbe in der Zigarrenindustrie. José Oliva: „Die beiden Marken entstammen nicht dem Traditionsgeist, sondern unserem Streben nach Neuem. Für uns ist nämlich beides gleichermaßen wichtig – einerseits die Familientradition hoch zu halten und andererseits die Vorreiterrolle in der Branche zu übernehmen.“ Sam Leccia, der die „Konzept-Zigarren“ Nub und Cain maßgeblich mitentwickelt hat, hat diesen Innovationsgeist in den beiden neuen Marken umgesetzt. „Nub ist wahrscheinlich die bedeutendste Innovation in der gesamten Branche seit die Fuente-Familie die OpusX entwickelt hat“, ist José stolz darauf, dass die Kreation „aus unserem Stall kommt“. Die Idee hinter Nub ist es, eine Zigarre auf die geschmackvollsten Teile der Tabakblätter zu reduzieren, ein Einfall, der seither viele Nachahmer gefunden hat.

Die Cain wiederum entspringt der steigenden Nachfrage nach ultrakräftigen Zigarren. José: „Mit der Cain haben wir bewiesen, dass man eine Zigarre sehr wohl aus Ligeroblättern machen kann, ohne auf Aromen und Geschmack zu verzichten. Es sind 82 Prozent Ligero darin, denn um eine Zigarre rauchbar zu machen, braucht man ein Mindestmaß an anderen Tabaken.“ 

DIREKTER WETTBEWERB
AUF INTERNATIONALEM NIVEAU 

„Wir verwenden fast ausschließlich Tabake aus eigener Produktion“, stellt José Oliva klar. „Und zwar inklusive aller nicaraguanischen Habano-Deckblätter für die Serie V, Serie O, die Nub Habano und Cain Habano.“ Übrigens: außerhalb der USA heißen alle Habano-Versionen aus markenrechtlichen Gründen Sun Grown. „Nur Deckblätter aus Ecuador, Connecticut, Brasilien, Indonesien und Kamerun kaufen wir natürlich zu.“ Von der Qualität der Tabake und Blends ist er dermaßen überzeugt, dass er den direkten Vergleich mit den besten der Welt nicht nur nicht scheut, sondern sucht. „Uns reicht es nicht, unter die Top nicht-kubanischen Marken gereiht zu werden. Wir wollen uns in allen Märkten Kopf an Kopf mit allen messen … außerhalb der USA logischerweise auch mit kubanischen Zigarren.“

Der vom Erneuerungswillen motivierte Zigarrenunternehmer glaubt an weitere Innovationsschübe in der Zigarrenindustrie: „Nur eines sollte auch in 100 Jahren nicht zur Disposition stehen: die Tatsache, dass Premiumzigarren rein von Hand hergestellt werden. Aber Formen, Größen, die Fermentation … all das will überdacht werden. Es liegt an uns, diese Aspekte weiter zu entwickeln und dem Konsumenten das Beste zur Verfügung zu stellen, wozu wir fähig sind.“ 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Frühjahrs-Ausgabe 2010 veröffentlicht. Mehr

Reinhold C. Widmayer

His journalistic career began in 1979 as a freelancer for German-language newspapers in the US, and later for Austrian media including Die Wochenpresse and Das Wirtschaftsblatt. For ten years he also produced programs for over 60 radio stations around the world. In 1994, Reinhold C. Widmayer devoted himself to all things cigar, publishing technical articles in cigar magazines. He began working for Cigar Journal in 2001 and became editor-in-chief in 2005; under his auspices the journal has established itself as the world’s leading cigar magazine.


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