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Davidoff: Die Geschichte einer Legende

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Die legendäre Davidoff Château Mouton Rothschild, produziert 1983

Viele Zigarrenliebhaber und -sammler sind stets auf der Suche nach seltenen, aus der Produktion genommenen Zigarren, mit denen sie ihre Sammlungen und Vorräte anreichern können. Eine Marke, deren Zigarren überaus begehrt sind, ist Davidoff, und hier speziell die Havannazigarren aus der Periode der kubanischen Produktion.
Zino Davidoff erblickte im Jahre 1906 in einer kleinen Stadt in der Ukraine das Licht der Welt. Seine Familie entschloss sich im Jahr 1911 dazu, in die Schweiz, genauer nach Genf, auszuwandern. Dort eröffnete sein Vater, der schon seit einigen Jahren im Tabakbusiness tätig war, ein kleines Geschäft für den Verkauf von Zigaretten und Pfeifen. Als Zino Davidoff volljährig wurde, entschloss er sich dazu, nach Südamerika zu gehen, um mehr über die ihn magisch anziehende Welt des Tabaks zu erfahren. Nachdem er in kleinen Manufakturen in Argentinien und Brasilien gearbeitet hatte, zog er weiter nach Kuba. Dort befasste er sich intensiv mit der Kultivierung von Tabak und der Herstellung von Zigarren. 1930 kehrte Zino nach Genf zurück, wo er schnell bemerkte, dass das Klima, in dem Zigarren auf Kuba hergestellt und gelagert wurden, sich grundlegend von jenem in Europa unterschied. Deswegen baute er nach einigen Jahren in seinem modernisierten Geschäft in Genf in der Rue de la Confédération einen Humidor ein, der ihm nun eine möglichst schonende und aromaerhaltende Lagerung der Zigarren ermöglichte. Es war der erste Humidor überhaupt, und Zino Davidoff war damit der Erfinder dieses wichtigen Utensils für den Passionado. Einige Monate nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 bekam Zino Davidoff ein interessantes Angebot von Seita, dem französischen Tabakmonopol. In Anbetracht der prekären Sicherheitslage in Frankreich bot man ihm zwei Millionen Havannazigarren zum Kauf an. Zino ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen, auch wenn er dafür die finanzielle Unterstützung einer Bank erbeten musste. Sein Geschäft, nun in der Rue de Marché, war somit eines der wenigen in ganz Europa, in welchem man während des Zweiten Weltkriegs kubanische Zigarren kaufen konnte. Nach Kriegsende, im Jahr 1946, arrangierte Davidoff ein Meeting mit einer kubanischen Delegation, um in Erfahrung zu bringen, ob es möglich wäre, eine Exklusivproduktion für ihn und seine Kunden zu starten. So begann die Herstellung der Serie Château mit der Marke Hoyo de Monterrey, auch Premier Cru Classé genannt. Die Zigarren wurden jedoch nicht mehr in den damals üblichen schönen bunten Schachteln verkauft, sondern in Kisten aus unbehandeltem Holz.

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Die Davidoff-Tubos im Format der Laguito No.2. Sie wurden in Tubos auf den Markt gebracht – eigens von Zino erfunden, um die Zigarren fachgerecht zu lagern

Insgesamt besteht die Serie aus fünf verschiedenen Vitolas, und zwar Château-Haut-Brion (Perlas* 102 x 15,9 | 4 x 40), Châteaux Lafite (Franciscanos 116 x 15,9 | 4 5⁄8 x 40), Château Margaux (Marevas 129 x 16,7 | 5 1⁄8 x 42), Château Latour (Coronas 142 x 16,7 | 5 5⁄8 x 42), Château Yquem (152 x 16,7 | 6 x 42). Die Vitola de Galera dieser letzten Zigarre wurde nie offiziell deklariert und ist bis heute unbekannt. Zino Davidoffs Einfall, seinen Zigarren die Namen von großen französischen Weinen zu geben, erwies sich als eine wichtige Innovation für den Zigarrenmarkt. Alle Zigarren der Serie Château wurden in einer Kiste mit Schiebedeckel (SLB) mit 25 oder 50 Zigarren ohne Ring verkauft. Im Jahr 1969, einige Jahre nach dem Treffen zwischen den Verantwortlichen von Cubatabaco und Davidoff, wurden die ersten drei vorgeschlagenen Vitolas der Marke Davidoff präsentiert: die No.1 (Laguito No.1: 192 x 15,1 | 7 1⁄2 x 38), die No.2 (Laguito No.2: 152 x 15,1 | 6 x 38), und die Ambassadrice (Laguito No.3:115×10,3|41⁄2×26). Sie alle wurden in der Fabrik El Laguito hergestellt. Die produzierten Zigarren wurden mit einem weißen Ring verziert, auf der die Marke in Goldbuchstaben in der Mitte prangt. Auf der Seite befinden sich die Schriftzüge „Habana“ und „Cuba“. 1970 führt Davidoff mit Mille eine neue Serie mit fünf Formaten ein: die 1000 (Panetelas 117 x 13,5 | 4 5⁄8 x 34), die 2000 (Marevas 129 x 16,7 | 51⁄8 x 42),die 3000 (Ninfas 178 x 13,1 | 7 x 33), die 4000 (Coronas Grandes 155 x 16,7 | 6 1⁄8 x 42) und schließlich die 5000 (Coronas Gordas 153 x 18,3 | 6 x 46). Im Jahr 1977 schrieb eine bestimmte Zigarre Geschichte, sowohl wegen der vorgeschlagenen Maße als auch wegen ihres Namens: die Dom Perignon. Die Zigarre ist eine Julieta No.2 mit den Maßen 178 x 18,7 | 7 x 47. Sie wurde in Semi Boîte Nature (SBN) von 10 bis 25 Stücken und in Petaca mit jeweils vier Zigarren präsentiert. Auch bei dieser Gelegenheit taufte Zino Davidoff seine Zigarre mit dem Namen französischer Exzellenz, diesmal inspiriert von einem der besten Champagner der Welt. Zino Davidoff führte außerdem eine innovative Verpackung ein, die an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben soll: No.2 wurde auch als Davidoff Tubos vermarktet, da die SBN 20 Tubos aus Aluminium enthält. Die Besonderheit liegt darin, dass dank eines Schlitzes in den Tubos und durch das Drehen dieser besonderen Verpackung eine spezielle Luftzirkulation ermöglicht und die Zigarren im Inneren so optimal belüftet werden.  1982 wurde die Serie Château Yquem eingestellt und kurz danach, im Jahr 1983, eine andere Zigarre für die Serie Château vorgestellt: die Mouton Rothschild (Corona Grandes 155 x 16,7 | 61⁄8 x 42). Mitte der 1980er-Jahre wurde auch der Name einer anderen Zigarre geändert: die Châteaux Lafite wurde zur Château Lafite-Rothschild. Es wurde auch gemunkelt, dass die Namensänderung dieser beiden Zigarren auf einen Rechtsstreit über die Verwendung der Namen zurückzuführen ist. Die gesamte Serie Château wird weiterhin in der Fabrik La Corona produziert. Im Jahr 1986, zu Feierlichkeiten des 80. Geburtstages Zino Davidoffs, wurde eine majestätische Zigarre präsentiert: die 80 Aniversario (220 x 19,1 | 8 5⁄8 x 48). Auch diese Vitola de Galera wurde nie deklariert und ist heute noch unbekannt. 

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Sehr gesucht unter Zigarrensammlern: die Davidoff Dom Pérignon – eine echte Rarität

Für diese im wahrsten Sinne des Wortes limitierte Edition sind verschiedene Verpackungen vorgesehen. Die erste Schatulle zeichnet sich durch eine elegante Öffnung wie ein Buch aus und enthält zehn Zigarren, von denen sich zwei in Zederntubos befinden. Die zweite Schatulle, eine Kiste mit Schiebedeckel, enthält ebenfalls zehn Zigarren, aber jene sind alle in Zedernetuis konserviert und aufgereiht in zwei Reihen zu je fünf Stück. Schließlich gibt es die Version mit zwanzig Zigarren, ebenfalls mit einer Öffnung wie ein Buch, und auch hier befinden sich zwei Zigarren in Zederntubos, während die anderen in einer einzigen Reihe aufgereiht sind. Davidoff-Zigarren wurden immer beliebter und die Nachfrage steigerte sich dementsprechend. Dennoch war Zino Davidoff nach einigen Jahren zunehmend mit seinen Zigarren unzufrieden, denn es gab Probleme mit dem Luftzug und der Verbrennung, die nicht ideal verlief. Die hohe Qualität, die bis dahin die Manufaktur von Davidoff ausgezeichnet hatte, erlitt somit Einbußen. Im Jahr 1989 steckte Zino Davidoff zusammen mit Vertretern von Cubatabaco und Schweizer Zollbeamten ungefähr 130.000 Havannazigarren in Brand. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit Cubatabaco wurde die Produktion von Davidoff-Zigarren in Kuba im Jahre 1991 eingestellt und die Parteien unterzeichneten eine Vereinbarung darüber, den verbleibenden Vorrat bis Ende des Jahres 1992 zu verkaufen. Daraufhin verlegte man die Produktion in die Dominikanische Republik – aber das ist eine andere Geschichte. Bis heute sind Davidoffs Havannazigarren unter Sammlern aus aller Welt sehr begehrt und erzielen bei Zigarrenversteigerungen äußerst hohe Preise. Noch heute sind wir Zino Davidoff, der 1994 von uns gegangen ist, dankbar für sein Lebenswerk, das uns den Genuss von einzigartigen, hochqualitativen Zigarren ermöglicht. Und zur Ehre dieses großen Mannes, der sein Leben der Welt des Tabaks gewidmet hat, können wir hoffentlich auch in Zukunft noch die eine oder andere Davidoff-Havannazigarre anzünden.

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Nicola Di Nunzio ist seit den Nullerjahren ein großer Liebhaber sowie leidenschaftlicher Sammler kubanischer Zigarren und Memorabilien. Er schreibt sowohl für das Cigar Journal als auch für das italienische SIGARI!. Nicola ist Mitglied des Puromotivo Torino Cigar Club, für den er auch als Sekretär und Schatzmeister aktiv ist. Seit 2011 ist er zudem Vorstandssekretär der Cigar Club Association in Italien. Er ist der Hauptverantwortliche des Panels der CCA, koordiniert die Redaktion des Magazins SIGARI! und ist zudem Panelist für Cigar Sense. Zurzeit arbeitet er für Cigar Must Lugano und für die Zeitschrift LiveIn.


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