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Das Perdomo-Erlebnis: Vom Samen bis zur Zigarre

Nick Perdomo hat es in 20 Jahren weit gebracht. Er ist überzeugt, dass Nicaraguas hervorragender Grundwasserspiegel und Estelís vulkanische Böden ideale Voraussetzungen für den Tabakanbau schaffen. Um die Wertschätzung für Zigarren und deren Herstellungsprozess zu steigern, werden seit vier Jahren Touren angeboten, bei denen auch der Inhaber des Unternehmens seine geschätzten Kunden persönlich durch die Tabacalera führt.

 

Mächtiger Lärm kommt auf, als die 18 Besucher die Tabacalera Perdomo betreten. Zigarrenroller lassen ihre Chavetas auf die Tische knallen, um die Menschen, die ihre Handarbeit schätzen, willkommen zu heißen. Es handelt sich um keine herkömmliche Zigarren-Tour. Zwei Tage lang tauchen die Besucher voll in Nick Perdomos vertikal integrierten Produktionsprozess ein.

nick perdomo tour tobacco growing lesson robi leon

Photo: Samuel Spurr

„Vom Samen bis zur Zigarre“ lautet ein beliebter Slogan, und genau das bietet diese Tour, die jeden einzelnen Teil der Manufaktur in Estelí präsentiert: von den Gewächshäusern über Tabakplantagen, von den Trockenscheunen zur Kistenfabrik bis hin zu den Einrichtungen zum Sortieren, Rollen und Reifelagern.

Kein Geringerer als der Inhaber des Unternehmens selbst, Nick Perdomo Jr., übernahm für uns die Rolle des Tour Guides. Andere Touren werden von seinem Führungsteam geleitet, darunter sein Bruder Billy und Vizepräsident Arthur Kemper. Was diese Touren so authentisch macht und gleichzeitig das Personal vor den Vorhang bringt, ist die Tatsache, dass die Abteilungsleiter die jeweiligen Arbeitsschritte erklären.

Seit vier Jahren bietet Nick diese Touren Einzelhändlern an, um deren Wertschätzung für Zigarren zu steigern. Bald stellte sich heraus, dass Konsumenten ebenso großes Interesse daran hatten. „Seit drei Jahren beziehe ich auch Konsumenten mit ein, und ich genieße es“, meint Nick. „Bei anderen Touren verbringen die Besucher ihre Zeit damit, bei der Zigarrenproduktion zuzusehen und das war’s dann auch schon wieder. Auf unserer Tour bekommen die Leute mehr für ihr Geld.“

Ein absolutes Muss für jeden Zigarrenfreak.

Einer der Gründe, weshalb Nick diese Führungen anbietet ist, dass er seine Kunden zutiefst schätzt, seien es nun Einzelhändler oder Konsumenten. „Meine Kunden haben die Marke geschaffen“, erklärt Nick.

„Ohne sie wären wir heute nicht da, wo wir sind. Konsumenten und Einzelhändler haben an unsere Zigarren geglaubt und mein Geschäft aufgebaut.“ Das Perdomo-Erlebnis bietet den Besuchern fast drei ganze Tage in Nicaragua. Von Jänner bis Mitte März gibt es zwei Touren pro Woche, und weil daran bis zu 20 Personen teilnehmen, konnten Nick und sein Team in den Jahren schon viele Zigarrenliebhaber aus aller Welt begrüßen. Die Touren finden in den ersten drei Monaten des Jahres statt, damit die Besucher üppige Tabakplantagen sehen und die gesamte „Samen bis Zigarre“-Erfahrung erleben können, bevor in der Region die Regenzeit beginnt.

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Photo: Samuel Spurr

Tagsüber erleben die Zigarren-Touristen den Stolz, die Leidenschaft und die Zielstrebigkeit, mit der Nick und sein Team in der Tabacalera arbeiten. Die Abende verbringen sie dann in geselliger Runde bei Domino samt der Familie Perdomo und den Führungskräften. So lernen sie bald den familiären Charakter des Unternehmens kennen und schätzen. „Es war erstaunlich zu sehen, mit wieviel Sorgfalt und Liebe zum Detail ein Produkt geschaffen wird“, erklärt Deborah Rulli, Inhaberin von Main Street Cigars in Medford, New Jersey. „Das mit eigenen Augen zu sehen, war überwältigend. Zigarrenhändler und -liebhaber sollten diesen Ausflug unbedingt zumindest einmal im Leben machen. Es ist ein absolutes Muss für jeden Zigarrenfreak. Nick Perdomo verfügt über mehr Wissen als jeder andere, den ich kenne.“

Deborahs Mann John fügt hinzu: „Dieser Ausflug wird uns helfen, unsere Kunden besser darüber zu informieren, wieviel Aufwand in die Herstellung jeder Zigarre gesteckt wird. In meinen Augen ist Perdomo seiner Konkurrenz haushoch überlegen. Der Keimprozess der Setzlinge war wirklich erstaunlich.“

cigar tourists nick perdomo factory 2012

Photo: Samuel Spurr

Auch Charles Hukriede, ein Passionado aus Florida, genoss die Zeit mit Nick und den Einblick in die Produktion.

„Die Aufmerksamkeit zum Detail ist ebenso phänomenal wie die vielen Hände, die benötigt werden, um eine Zigarre zu kreieren. Nachdem ich all das miterlebt habe, ist es schwer vorstellbar, dass sie eine Zigarre zu dem Preis erzeugen können.“ Für einige war es aufschlussreich, einfach mehr über Tabak zu lernen. Anthony „A. J.“ Jennings, ein in Australien lebender Neuseeländer, meinte: „Die Zeit in den Plantagen war höchst interessant. Es ist faszinierend, wieso sie bestimmte Tabakblätter pflücken und andere nicht.“

Ree Hannaford, ebenfalls aus Australien, erzählt: „Ich genoss es, die Familie Perdomo kennenzulernen, von Onkel Tony mehr über Zigarren zu erfahren und nach Anleitung von Sarah Gonzalez meine eigenen Zigarren zu rollen!“

Der amerikanische Traum

Nick Perdomos Lebensgeschichte hat das Zeug zum amerikanischen Traum. Als Sohn eines Exilkubaners, der sein Zigarrengeschäft in einer Garage startete, musste er laut eigenen Worten „Knochenarbeit leisten“, um nunmehr eines der größten Zigarrenunternehmen der Welt zu führen – ein Unternehmen, dessen Produkte auf nahezu jedem internationalen Markt erhältlich sind.

aristides garcia portrait cuban tobacco grower perdomo

Photo: Samuel Spurr

Sein Erfolg ist zum großen Teil der Unterstützung seiner Familie zu verdanken sowie seinem Kernteam von Mitarbeitern. Viele von ihnen waren lange Zeit in Kubas Tabakindustrie tätig.

Produktionsleiterin Sarah Gonzalez war vormals Managerin in der Fabrik H. Upmann und kannte Nicks verstorbenen Vater Nicholas sowie Großvater Silvio in Kuba.

Nick und Sarah lernten einander zufällig in Miami kennen, nachdem Sarah auf Nicks Zigarren aufmerksam geworden war. Als sie diese in der Hand hielt, merkte Nick sofort, dass sich Sarah mit Zigarren auskannte.

Aristides Garcia, ein legendärer Tabakbauer aus der Region Vuelta Abajo, schloss sich Nick vor 12 Jahren in Estelí an. Fitter als die Ochsen, die die Felder pflügen, hat er Nick tiefe Einblicke in alle Facetten des Tabakanbaus und Trocknens gegeben.

Eine Zigarre zum 20-Jahr-Jubiläum

Nach 20 erfolgreichen Jahren bringt Perdomo 2012 eine Jubiläumszigarre mit einem mittelkräftigen Blend aus Condega und Ometepe auf den Markt. „Wir hatten geplant, diese Zigarren 2011 zu lancieren, doch die Druckerei unserer Zigarrenringe in Holland kämpft noch damit, diese fertig zu stellen, da mehrere Arten von Gold involviert sind“, informiert Nick. „Die Zigarren werden phänomenal sein – sie wurden aus lange gereiftem Tabak gerollt und waren bereits vor zwei Jahren fertig.“

Nick, bekanntermaßen ein Perfektionist, behauptet, dass die Zigarre zum 20-Jahr-Jubiläum sein bisher schwierigstes Projekt war. Sein Unternehmen arbeitete mit äußerster Sorgfalt daran, einen Meilenstein zu schaffen.

Das nächste Jahrzehnt

Aus kleinen Anfängen hat sich Nicks Unternehmen inzwischen über Nordamerika bis nach Europa und Asien ausgebreitet. Er freut sich auf noch größeres Wachstum in der Europäischen Union und Australien sowie den Markteintritt in Ländern wie Argentinien und Brasilien.

nick perdomo portrait cigars inventory aging room

Photo: Samuel Spurr

„Unser europäischer Markt ist enorm gewachsen. Die Geschäfte in Russland laufen wie geschmiert. Unser Zolllager in Frankfurt ist für europäische Vertriebspartner wie Don Stefano zuständig, und wir hoffen, unseren Markt in Australien auch weiterhin auszubauen. Wir sind wirklich stolz auf Jason Nelson (Geschäftsführer Perdomo Cigars Australia), der fantastische Arbeit leistet.“

Beweis für die zunehmende Beliebtheit der Marke in Europa sind zwei Geschäftsabschlüsse in der Höhe von elf Millionen US-Dollar für maschinengefertigte Zigarillos.

Nick freut sich auch aus einem anderen Grund auf die nächsten zehn Jahre: der Eintritt seines Sohns Nick Perdomo III, der zur Zeit sein Universitätsstudium abschließt, in den Familienbetrieb steht bevor. „Ich kann es kaum erwarten, dass mein Sohn an Bord kommt“, sagt Nick mit der tiefen Aufrichtigkeit eines stolzen Vaters. „Er wird eine Bereicherung sein.“

Die Welt von Perdomo

Nicks stetes Streben nach Perfektion wird in seiner Einstellung zur Arbeit offensichtlich. „Eine der wichtigsten Lektionen, die ich gelernt habe ist, dass es zehn Jahre dauert, einen Kunden zu gewinnen und drei Sekunden, ihn zu verlieren“, betont Nick. „Wir streben danach, in allem was wir tun die Besten zu sein.“ Jene, die in der glücklichen Lage sind, an einer Perdomo-Zigarrentour teilzunehmen, bekommen einen Geschmack davon, was es heißt, der Beste zu sein.

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Sommer-Ausgabe 2012 veröffentlicht. Mehr

Samuel Spurr

Samuel Spurr has been Cigar Journal’s Asia-Pacific contributor since his first feature on the Australian cigar scene in 2006. Regularly writing, Tweeting, and Instagramming about cigars, he’s recognized in Australia as a cigar authority and frequently hosts cigar master classes.


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