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Westansicht der Elbphilharmonie Maxim Schulz

City Guide Hamburg: Rauchen bei Wind und Wetter

Humidor Horst Gottfried Hamburg

Die seit mehr als zehn Jahren bestehende Casa bietet neben der umfangreichen Habanos-Auswahl auch eine Lounge | Photo: Horst Gottfried

Auf unserer Liste stehen ganz oben die Namen einiger großer Hotels, die ersten Anlaufstellen für viele reisende Passionados, und so machen wir uns auf ins Steigenberger. Dort angekommen, verweist man uns jedoch nicht etwa in die Bar des Hauses, sondern ins Untergeschoss, wo wir eine vereinsamte Lounge betreten; das einzige Fenster lässt auf Beton blicken. Der Kellner bringt mit dem Kaffee auch gleich die Rechnung. Sicherlich, eine Zigarre kann man hier in Ruhe genießen, so ganz unseren Vorstellungen entsprechen will die Lounge jedoch nicht …

Im nahegelegenen Park Hyatt verbringen wir separiert vom Barbetrieb etwa 15 Minuten seliger Einsamkeit beim Flackern von Kaminfeuer, bis uns langsam dämmert, dass wir uns lediglich in einer hübsch eingerichteten Raucherkammer befinden und Servicepersonal sich hier nicht blicken lassen würde. Also Aufbruch ins Vier Jahreszeiten! In der schmucken kleinen Jahreszeiten-Bar lässt es sich aushalten, jedoch müssen wir bald erfahren, dass das Rauchen von Zigarren – aus Rücksicht auf die Gäste! – erst ab zehn Uhr abends erlaubt ist. Fast macht sich Ernüchterung breit, doch ein weiteres Hotel steht auf unserer Liste, und an dieses hatten wir die größten Erwartungen. Im Hotel Atlantic, Teil der Kempinski-Gruppe, führt uns eine Doppelflügeltür zur Raucherlounge im hintersten Teil der Bar. Wir betreten ein großes Zimmer mit Chesterfield-Möblierung und blicken auf das lichtdurchflutete Atrium im Innenhof. Hier lässt es sich aushalten, bei besserem Wetter wäre uns die Terrasse jedoch fast lieber gewesen.

Im nahegelegenen Szenenviertel St. Georg geht es zum Flagshipstore der Niemeyer-Gruppe, der zwar nicht ausschließlich auf Premiumtabake spezialisiert ist, dafür aber eine Gilbert-Lounge bietet. Vom Geschäftsführer hören wir, dass Hotelbars von den Einheimischen nur selten frequentiert werden und die Hotellerie beginne, Abstand von der Zigarre zu nehmen. Ein Eindruck, der sich auch uns aufgedrängt hatte. Überhaupt kristallisiert sich nach und nach heraus, dass viele uns empfohlene Lokalitäten mittlerweile rauchfrei sind oder entgegen unseres Erwartens nur in Außenbereichen bereit sind, den Zigarrenaschenbecher zu reichen – so etwa die wunderschöne Bank Bar, die zwar über einen kleinen Humidor verfügt, das Rauchen jedoch nur auf der Terrasse erlaubt.

Tabacalera Hanseatica Hamburg

Die im Zentrum gelegene Tabacalera Hanseatica wird vom Zigarrenimporteur Kohlhase & Kopp betrieben | Photo: Irene Rittler

Trotz der kargen Auswahlmöglichkeiten, hübschen Rauchmöglichkeiten ohne Wind und Wetter ausgesetzt zu sein, verfügt die Stadt über einige besuchenswerte Fachgeschäfte. So etwa Pfeifen Tesch, ein in vierter Generation geführtes Geschäft alten Flairs, das in zwei separaten begehbaren Humidoren eines der größten Sortimente nichtkubanischer Zigarren führt. Nur wenige Gehminuten entfernt, im Herzen der Hansestadt, im Passagenviertel in den Großen Bleichen hat die Tabacalera Hanseatica ihre Zelte aufgeschlagen. Direkt am Eingang zur Passage gelegen, finden wir auch Duske & Duske, einen kleinen Laden, der wohl leicht zu übersehen wäre, wären da nicht die vor der Tür sitzenden Gäste, die bei jeder Wetterlage gemütlich bei Barista-Kaffee, Port und Madeira an der Zigarre ziehend den Fluss der Passanten betrachten. Bereits früh morgens öffnet Christian Duske seinen Laden für seine Kunden auf dem Weg zur Arbeit – den stoischen Hanseaten selbst trifft man nur selten ohne Zigarre an. Das nur wenige Quadratmeter messende Geschäft führt ausschließlich kubanische Zigarren und gilt als Institution in Hamburg. 

Ein weiteres Unikat der Stadt finden wir etwas abgelegen in Hamburg-Altona. Der Zigarrenmacher nennt sich der kleine Laden, in dem Stefan Appel, dem Namen treu, regelmäßig selbst zur Chaveta greift. Es ist gar nicht so leicht, mit dem in sich gekehrten Hamburger ins Gespräch zu kommen, da beinahe im Minutentakt Kunden das Geschäft betreten und seine Aufmerksamkeit beanspruchen. Wir setzen uns in der Zwischenzeit in die am Ende des Ladens gelegene Mini-Lounge ab und stoßen zu einer Gruppe gemütlich beisammensitzender Zigarrenraucher hinzu. Hier ist es, wo wir zum ersten Mal seit unserer Ankunft in der Hansestadt in den Genuss jener ruhig-sozialen Wohnzimmeratmosphäre kommen, die den Genuss von Zigarren so bereichert. Nahe der Speicherstadt am Hafen, wo neben Waren aus aller Welt auch lange Tabak seinen Weg nach Europa fand, betreten wir schließlich die La Casa del Habano. Hier bietet der Wahlhamburger Christoph Wolters neben einem umfassenden Habanos-Angebot, Wein und Spirituosen auch Raum zum Zigarrengenuss. Abends habe er oft Mühe, alle Gäste zum Ladenschluss zur Tür hinaus zu bekommen, schmunzelt er. Wir wundern uns kaum über diese Bemerkung, immerhin scheint die Stadt es seinen Bewohnern und Besuchern mit den Rauchgelegenheiten nach Ladenöffnungszeiten nicht leicht zu machen. 

Duske & Duske Hamburg

Bei Duske & Duske werden von frühmorgens bis abends Havannas vor der Tür genossen | Photo: Irene Rittler

Wir treffen Gerhard Heimsath, den Betreiber der deutschen Zigarrenplattform Art of Smoke, im Old Commercial Room, einem Hamburger Restaurant mit Kultstatus, und befragen ihn zur lokalen Zigarrenszene. Er merkt an, dass zwar die Zahl der Lokale, in denen Zigarrenraucher willkommen sind, vermeintlich überschaubar sei, es aber eine Vielzahl an Örtlichkeiten gäbe, die für einen Zigarrenabend auch gerne einmal die Türen schließen würden. In einem dieser Insiderlokale befinden wir uns aktuell – Heimsath hatte den legendären Red Room des Lokals extra für uns aufschließen lassen. Im allgemeinen würde der gemeine Hamburger zuhause rauchen, meint er, doch es gäbe einige lose arrangierte Gruppen, deren Organisatoren regelmäßige Treffen an teils immer wieder neu entdeckten Lokalitäten möglich machen würden. Er selbst organisiert Treffen in wahrlich hanseatischer Manier an Bord eines alten Frachtsegelschiffs, das eigentlich als Museum fungiert. Am Abend stoßen wir zu einer Veranstaltung des Food & Gourmet Clubs hinzu, der seit kurzem in Hamburg aktiv ist. Geboren wurde er aus der Idee heraus, gehobene Küche wieder mit Zigarrenrauch zu verbinden.

Im sympathischen Hunters Bar & Grill, das eigens für den Abend geschlossen hat, sitzen wir zwei alteingesessenen Hanseaten gegenüber, die selbst nach immer neuen Gelegenheiten suchen, ihr Genusshobby zu leben. Für den Organisator Sascha Hoselmann hatten sie nichts als lobende Worte übrig und pflichten bei, dass es in der Stadt nur selten die Möglichkeit gibt, trotz Essens auch zu rauchen, ohne den Elementen ausgesetzt zu sein. Wo sie beiden selbst rauchen würden? Draußen, bei Herrn Duske, meint einer, und der andere: überall wo es nicht verboten sei. 

Shops & Lounges in Hamburg

Die Zigarrenmacher
Alte Königstraße 5, 22767 Hamburg
www.der-zigarrenmacher.de

Duske & Duske
Große Bleichen 36, 20354 Hamburg
www.duskeundduske.de

Hamburger Cigarren Contor
Müggenburger Straße 11, 20539 Hamburg
www.hacico.de

La Casa del Habano Hamburg
Burchardstraße 15, 20095 Hamburg
www.havanazigarren.de

M.Niemeyer Cigarren
Lange Reihe 102, 20099 Hamburg
www.niemeyer-cigarren.de

Pfeifen Tesch
Colonnaden 10, 20354 Hamburg
pfeifen-tesch@online.de

Tabacalera Hanseatica
Große Bleichen 36, 20354 Hamburg
www.tabacalera-hanseatica.de

Wolsdroff Tobacco
Spitalstraße 16, 20095 Hamburg
www.wolsdroff-tobacco.info

Hotel Atlantic Kempinski
An der Alster 72-79, 20095 Hamburg
www.kempinski.com/hamburg

Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten
Neuer Jungfernstieg 9-14, 20354 Hamburg
www.hcj.de

Park Hyatt
Bugenhagenstraße 8, 20095 Hamburg
hamburg.park.hyatt.com

Steigenberger Hotel
Heiligengeistbrücke 4, 20459 Hamburg
www.steigenberger.com

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Winter-Ausgabe 2017 veröffentlicht.  Mehr


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