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Beruf und Berufung

Rum wird seit über 150 Jahren auf Kuba hergestellt und die Tradition der Maestros del Ron cubano besteht fast ebenso lange. Bisher haben nur Männer in der Welt dieser Spirituose gearbeitet, sich darum gekümmert und die Geheimnisse rund um das Destillat weitergegeben. Mit Salomé Alemán Carriazo beginnt eine neue Ära. Sie ist die erster Frau, die zur Maestra del Ron cubano berufen wurde, und damit die achte im Bunde der Rum-Lehrmeister. Cigar Journal traf die studierte Chemieingeneurin und leidenschaftliche Zigarrenraucherin in Havanna.

Wie kam es dazu, dass Sie sich mit Rum beschäftigten?
SALOMÉ ALEMÁN CARRIAZO: Nach meinem Studium begann ich als Chemieingenieurin in der Rum-Destillerie von Santa Cruz zu arbeiten. Je mehr ich über das Verfahren der Rum-Gewinnung lernte, umso mehr verliebte ich mich in diesen Gesamtprozess. Mein Zugang war zuerst rein technisch, aber nach und nach war ich auch in andere Bereiche, abseits der technischen Seite der Produktion, involviert.

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Beim diesjährigen Treffen des WiCC (Womens international Cigar Club) erläuterte Salomé Alemán (Mitte) die Besonderheiten der kubanischen Rumherstellung

Wie sahen die einzelnen Stufen aus, die Sie innerhalb Ihrer Ausbildung bis zur Maestra del Ron cubano gegangen sind?
Es gibt einen Schulungsprozess, bei dem man als Aspirantin für den Titel Maestra del Ron cubano ausgewählt wird. Im Zuge dieser Auswahl werden Faktoren der bisherigen professionellen Ausbildung berücksichtigt, wie etwa ob man Erfahrung im Prozess der Rumproduktion hat. Zudem spielen persönliche Charaktereigenschaften, darunter Disziplin, Engagement und Bescheidenheit, eine Rolle. Der Vorbereitungsprozess dauert lange und nicht jeder, der diesen durchläuft, wird ein Maestro. Dieses Ziel erreicht man, wenn man – nach der Demonstration einer Reihe von Fähigkeiten, die die technische Ausbildung ergänzen – die Zulassungskriterien der anderen Meister erfüllt. Dazu zählt die sensorische Bewertung. Ich bin Teil des Teams in der Fabrik, das dafür verantwortlich zeichnet. Hier lernen wir, vorausgesetzt, dass wir das Talent dazu haben, Rum zu beurteilen, und zwar basierend auf der Suche nach Defekten anhand eines sensorischen Musters, das sich in unser Gedächtnis eingeprägt hat, als wir uns mit dem Produkt vertraut gemacht haben. Dies ermöglicht in jeder Phase eine bessere Kontrolle der Qualität und Stabilität der Produkte, die wir herstellen.

Was tut man dann als Maestra del Ron cubano?
Man engagiert sich für die Geschichte, die Tradition und die Kultur des kubanischen Rums. Der Maestro muss auf diese Werte achten, sie pflegen und sie gemeinsam mit dem technischen Wissen an die nächste Generation weitergeben. Diese Hingabe muss man haben und zwar kompromisslos.

Was ist Ihr persönlicher Anspruch bezüglich Ihrer Arbeit?
Ich möchte die Tradition und die Kultur rund um den kubanischen Rum stärken und darauf achten, dass diese Werte nachhaltig weiterleben. Außerdem möchte ich die Reifekeller gut versorgen, denn sie sind unser Schatz für alle künftigen Rumprodukte.

Sie sind die erste Frau, die Maestra del Ron cubano wurde. Glauben Sie, das war ein Durchbruch und andere Frauen werden folgen?
Ja, ganz sicher wird es weitere Maestras geben. Momentan gibt es vier Aspirantinnen, die verschieden weit vorangeschritten sind.

Als Maestra del Ron cubano stehen Sie hierarchisch vor Männern. Ist das ein Problem?
Vor meiner Arbeit im technischen Bereich der Fabrik war ich im Management tätig und hatte hierarchisch einige Männer unter mir. Das war nie ein Problem. Wenn du durch deine Kompetenz zeigst, was du kannst, dann wirst du auch in deiner Position anerkannt – auf ganz natürliche Art.

Hat eine Frau einen anderen Zugang zu Geschmack als ein Mann?
Ich glaube nicht. Vielleicht haben wir leicht unterschiedliche Ausprägungen im Geschmacks- empfinden – rein biologisch, und vielleicht sind wir Frauen sensibler. Aber generell gibt es keine signifikanten Unterschiede.

Sie sind auch Zigarrenraucherin. Seit wann rauchen Sie Zigarre?
Ich rauche seit vier Jahren Zigarren und gehöre dem „Amigas del Habano“-Klub an, ein Zigarrenklub für Frauen. Während eines Kurses bin ich zum Zigarrenrauchen gekommen. Ich war als Rum-Expertin zu einem Pairing eingeladen, und das war der Beginn.

Bitte geben Sie unseren Lesern Ihr persönliches Lieblingspairing bekannt: Welche Zigarre mit welchem Rum?
Bis jetzt ist mein Favorit Havana Club Selección de Maestros kombiniert mit einer Partagás Serie P No. 2. Beide Produkte sind wunderbar aromatisch!

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She learned her journalistic skills from scratch at a regional daily newspaper, for which she wrote articles for many years. Through working for the magazine Der Spiegel in Rome she had the opportunity to increase her professional knowledge in the field of media. Katja studied art history and Romance studies in Heidelberg, Palermo and Rome and, during the course of her studies, spent many years in Italy. The country was her teacher in things related to pleasure and lifestyle. She has been working for Cigar Journal since 2004. In 2010 she became editor-in-chief.


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