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Alejandro Turrent

The Tobacco Man

Alejandro Turrent ist stets mit einer Zigarre im Toro-Format zwischen seinen perlweißen Zähnen und einem Grinsen anzutreffen. Er zählt zu jenen Zigarrenmachern, die einem mit einem Augenzwinkern begegnen – “quick with a joke or to light up your smoke”, wie es in Billy Joels großartigem Song Piano Man heißt.

Doch ich sehe auch, wie er sich ernsthaft dem Tabak widmet, im tiefsten, dunkelsten Zigarrenland Mexikos, wenn er in seinem Element ist: umgeben von Blättern, die er sortiert und an denen er riecht, mit an Fledermausflügel erinnernden Wrappern in seinen Händen, die er aus ihrem Schlummer in den Dachvorsprüngen alter Trockenscheunen erweckt. Denn er hat sich mit Leib und Seele dem Zigarrentabak verschrieben, und ein paar Tage mit ihm in San Andrés zu verbringen, ist ein seltenes Privileg.

„Die Leute haben eine falsche Vorstellung von mexikanischem Tabak“, erzählt er mir eines Morgens bei einem tintenfischschwarzen Kaffee in einem sonnendurchfluteten Café am Straßenrand, wo wir auf dem langen Weg zu den Plantagen zum Frühstück angehalten haben. Natürlich gibt es Gallo Pinto – Reis und Bohnen, die Hauptnahrung aller Zigarrenpilger in mehreren spanischsprachigen Ländern – und gar nicht schlechte Huevos Rancheros („Eier nach Farmer-Art“), die uns für einen langen Tag in der glühenden Hitze und Feuchtigkeit der leicht zitternden Blätter rüsten.

„Ich habe Leute über die mangelnde Komplexität des mexikanischen Tabaks reden hören; er sei zu erdig, zu grasig.“ Er schlägt entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen. „Glauben Sie mir, die haben nicht den richtigen Tabak probiert“, knurrt er. Dann bricht die Sonne durch die Wolken, und sein Augenzwinkern und Lächeln kehren zurück. „Sie werden gleich sehen, was ich meine!“

Und das tue ich. Casa Turrent wurde von Alejandros Vorfahren zu einem beeindruckenden multinationalen Tabakhändler ausgebaut. Es handelt sich um eine der ältesten Tabak-Familiendynastien der Welt, die bis in das Jahr 1880 zurückgeht. Sein Vater, Alberto Turrent IV., ist ein ebenso raffinierter Geschäftsmann wie freundlicher Gastgeber. In seinem schönen Zuhause genießen wir unter dem Sternenhimmel dieser lauen Nacht gereifte mexikanische Zigarren mit gutem Tequila und reden über gute Zeiten, alte Zeiten und was als nächstes kommt.

Ich finde, dass der mexikanische San Andrés Maduro-Wrapper, den ich während meiner „Safari“ verkoste, zu den besten seiner Art zählt. Dieses Deckblatt wird weltweit gekauft und verkauft und in vielen Master Blends verwendet, aber die Turrents haben erst in den letzten Jahren begonnen, sich selbst zu loben.

„Das Problem ist, dass eventuell ein Teil des Tabaks, den Leute gekostet haben und von dem sie wissen, dass er aus Mexiko stammt, nicht von höchster Qualität war“, meint Alejandro. „Vielleicht haben sie nur eine Art von Blättern geraucht – etwa Seco oder Volado im gleichen Stadium der Fermentation – und es fehlte ihnen an Ausgewogenheit, an Komplexität. Unser Tabak, Negro San Andrés und Criollo San Andrés, hat organoleptische Eigenschaften, die – selbst wenn nur eine Sorte in der Zigarre verwendet wird – für eine erstaunliche Komplexität sorgen. Dazu kommt, dass wir beim Blend unterschiedliches Saatgut und verschiedene Blätter von mehreren Farmen sowie diverse Fermentierungsgrade verwenden können, um den reichen, vollen und komplexen Geschmack zu erzielen, der unseren Tabak besser repräsentiert.“

Stellen Sie sich bei einigen der feinsten Casa Turrent-Zigarren tiefe, dunkle Aromen vor, einen Geschmack von salzigem Kakao und verkohltem Holz, und Sie werden sehen, warum jene, die den richtigen Riecher haben, das Familienunternehmen nicht nur für seine tollen Blend-Zutaten für erstklassige handgerollte Zigarren ausweisen, sondern diese auch als Puros bezeichnen. Casa Turrents sind in über 50 Ländern weltweit erhältlich und das Unternehmen verkauft Blätter – für zahlreiche Anwendungen – an viele weitere.

Da sich Farmen, Felder, Fabriken, Kistenherstellung und mehr sozusagen „unter einem Dach“ befinden, ist das Unternehmen durchaus in einer vorteilhaften Position, um die vertikale Integration in weiteren Profit und eine größere Markenbekanntheit umzuwandeln.

„Ich bin sehr stolz auf das Erbe und die jahrhundertelange Erfahrung meiner Familie und möchte, dass mehr Leute davon erfahren“, sagt Alejandro, nun wieder mit einer Toro zwischen und einem Lächeln auf den Lippen. „Es ist eine aufregende Zeit für uns. Wir wollen natürlich, dass mehr Menschen unseren Tabak probieren und sehen, dass er sich behaupten kann. Wir glauben, dass er so gut ist wie jeder andere auf der Welt und besser als viele andere.

Zum Abschluss erlaube ich mir, eine weitere Zeile aus Billy Joels Song zu zitieren und umzuformulieren, die Alejandro einfach perfekt beschreibt: „Sing us a song, you’re the tobacco man.“ Genau das ist er und dabei voll in seinem Element.

 

 

Nick Hammond

Nick Hammond ist ein preisgekrönter Autor aus dem Vereinigten Königreich. Er schreibt für renommierte internationale Publikationen über Zigarren, Reisen, Getränke, Essen, Hotels, Luxus und mehr. Nick ist seit 2010 für das Cigar Journal tätig.


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