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Grüne Gestalten: Candela-Zigarren

blankIhre Namen klingen wie jene von Monstern. Sie sind zwar nicht gefährlich, haben es aber ziemlich in sich. Bei Ogre, Wasabi, Dirty Hooligan und Swamp Thang handelt es sich um beliebte Zigarren, die nicht nur unheimliche Namen teilen, sondern auch die gleiche grüne „Haut“: Candela, jenes lindgrüne Deckblatt, das bei amerikanischen Zigarrenrauchern von den späten Fünfzigern bis in die frühen Siebziger beliebt war. Bei all den schönen dunklen und öligen Deckblättern, die man heute auf den meisten Premiumzigarren sieht, fällt ein grünes einfach auf. Einige Hersteller von Boutique-Zigarren haben mit Candela große Erfolge erzielt. Ich sprach mit zwei von ihnen, aber lassen Sie uns zunächst einmal sehen, wie der Candela-Wrapper seinen grünen Glanz erhält.

DER CANDELA-PROZESS
Der Trocknungsprozess von Candela unterscheidet sich gänzlich von jenem anderer Deckblätter. Er ist kürzer, aber arbeitsintensiver. Alle Öffnungen in der Trockenscheune werden zuerst mit Karton abgedichtet, woraufhin sie sich quasi in einen riesigen Schongarer verwandelt. Nach dem Aufhängen des Tabaks werden die unteren Lüftungsklappen geöffnet, damit die heiße Luft nach oben steigen und durch das offene Dach entweichen kann. Ein Propangas- oder Holzkohlenfeuer wird entzündet und die Wärme sorgfältig kontrolliert. Bei einer Temperatur von etwa 38 Grad Celsius sind die Blätter innerhalb von zwei Tagen welk. Für die nächsten 24 Stunden werden die Lüftungsklappen geschlossen und die Temperaturen steigen auf bis zu 74 Grad. Es kann weitere 72 Stunden dauern, bis die restliche Feuchtigkeit komplett entwichen ist, die Blätter knackig und mit Chlorophyll, das ihnen die grüne Farbe verleiht, gesättigt sind. Da man solch spröden Tabak nicht rollen kann, werden in Folge alle Lüftungsklappen geöffnet und die Blätter dank der feuchten Abendluft rehydriert. Einer der Vorteile von Candela ist, dass es keiner Fermentation oder Reifung bedarf. Doch ein Detail am Rande: Wenn man die Blätter der Sonne aussetzt, werden sie heller, bei mehr Hitze hingegen dunkler. Kühllagerung ist also notwendig, damit sie ihre coole grüne Farbe behalten.

DIE VERARBEITUNG VON CANDELA
Tom Lazuka von Asylum Cigars produziert Ogre im Rahmen seiner Asylum 13-Linie. Dabei handelt es sich um eine Zigarre im Barber Pole-Stil mit einem nicaraguanischen Habano und einem Candela-Deckblatt. „Candela ist eigentlich der beste Tabak“, meint Lazuka. „Er kann gleich nach dem Sortieren verpackt und verschickt werden. Da es sich um Connecticut-Saatgut handelt, sind die Blätter elastisch und vereinfachen die Arbeit der Roller. Theoretisch funktioniert der Ogre-Blend gar nicht, aber gerade deshalb macht das Blending so viel Spaß. Man kann mit einer ausgefallenen Idee etwas Interessantes schaffen und mit Leuten in aller Welt teilen.“ Lazuka fügt hinzu, dass Ogre Passionados anspricht, die „traditionelle“ Zigarren langweilig finden. „Der Farbkontrast springt einem sofort in Auge und die Präsentation in der Kiste verleitet Leute dazu, sie zu probieren.“ Erik Espinosa lancierte jüngst seine Wasabi in limitierter Auflage. Dafür verwendete er eine Kombination aus ecuadorianischem Habano und Candela. Er platzierte den Candela-Tabak über das Habano-Blatt und ließ nur die Kappe unbedeckt. „Der Habano-Tabak befindet sich am Kopf. So schmeckt man nur ein wenig vom Candela-Blatt, wenn man die Zigarre anzündet. Danach überwiegt der würzige Geschmack des Habano-Wrappers“, erklärt er.

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Natürlich bereue ich die Zigarren nicht mit Wasabi, selbst wenn es Leute gibt, die das glauben. – Erik Espinosa

Wie Lazuka experimentiert auch Espinosa gerne in seiner Fabrik La Zona in Estelí, Nicaragua. „Normalerweise machen Leute Zigarren mit Candela-Wrappern für den St. Paddy’s Day“, meint er. „Ich wollte etwas Neues für danach schaffen – und es kam an! Wir haben alle 500 Kisten verkauft. Jetzt arbeite ich an den Rückständen. Ich mag auch den Namen, weil die Farbe dem echten Wasabi so ähnelt. Natürlich bestreue ich die Zigarren nicht mit Wasabi, selbst wenn es Leute gibt, die das glauben (lacht)“ Hinsichtlich des Geschmacks von Candela sind die beiden unterschiedlicher Meinung. Lazuka bezeichnet ihn als grasig, Espinosa als süß. Aber sie sind sich einig, dass die Kombination mit einem Habano für ein ausgewogeneres Aroma sorgt. Werden Candela-Zigarren je ein großes Comeback feiern? Laut Lazuka „riecht und schmeckt Candela grasig und verliert bei Sonnenlicht sofort seine Farbe“, was für manche Zigarrenraucher ein Problem sein könnte. Espinosa denkt nicht, dass es wieder wahnsinnig populär wird. „Viele glauben irrtümlicherweise, dass Candela etwas ist, was man früher rauchte. Aber Leute wollen verschiedene Zigarren rauchen. Somit kann es sein, dass jemand Wasabi in seine Auswahl aufnimmt, und das finde ich voll in Ordnung.“

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Gary Korb ist leitender Redakteur von CigarAdvisor.com, einer Website, die sich Zigarrenkultur und Lifestyle widmet. Seit über 30 Jahren selbst ein leidenschaftlicher Zigarrenraucher, arbeitet er im Marketingbereich der Premiumzigarren-Branche als Senior Marketing Content Writer und Blogger für den Famous Smoke Shop, einen führenden Premiumzigarren-Händler mit Sitz in den USA. Garys Zigarrenbesprechungen sind zudem auf Facebook unter „Cigar Reviews by Gary Korb“ zu finden.


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