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Oslo

Eine Reise durch Oslo

Begleitet von einer Habano, flaniere ich auf dem Dach des Osloer Opernhauses. Wie ein gestrandeter Eisberg schmiegt sich das spektakuläre postmoderne Bauwerk an den malerischen Fjord von Norwegens Hauptstadt, und der legendäre Deep Purple Song „Smoke On the Water“ geht mir durch den Kopf. Meine Montecristo No. 4 (NOK 137,–, umgerechnet EUR 15,30) ist fast zu Ende geraucht, als die Sonne bereits untergeht und ich über schneeweiße Marmorplatten zum höchsten Punkt des provokanten Musentempels gelange. Piano-Musik von Edvard Grieg, dem großen norwegischen Komponisten, dringt dezent nach außen: ein verblüffender Kontrast zur geradezu rockigen Avantgarde-Architektur dieser Oper direkt am Fjord.

Gerade wenn man ein echter Freigeist ist, sollte man sich in der Stadt des Friedensnobelpreises auf einen relaxten Fine-Smoke-Streifzug begeben und dem friedlichen Miteinander von Rauchern und Nichtrauchern Tribut zollen. So lasse ich mich im trendigen Osloer Viertel Barcode einfach treiben: vor der Skyline surrealistischer Wolkenkratzer und einem stets bewegten Nordmeer. Erst ein kurzer Regenschauer treibt mich weiter zu den exklusiven Promenaden von Aker Brygge und Tjuvholmen. Dort locken feine Restaurants mit beheizten und teils überdachten Außenterrassen.

In dem vorbildlich restaurierten einstigen Werftgelände stoße ich auf großzügig gestaltete Open- Air-Bereiche. Dort entdeckt man garantiert einen angenehmen Platz für seinen Fine Smoke. Direkt an der Oper bietet sich ebenfalls eine Restaurant-Terrasse für den Genuss einer feinen Zigarre an. Diese erscheint mir wie eine Offenbarung, ja ein Gentlemen’s Agreement, in einem reglementierten Terrain das zu etablieren, was man eine Komfortzone nennt. Da schöpfe ich Mut. Die als tolerant geschätzten wohlhabenden Norweger scheinen auch rigide Gesetze zum Schutz von Nichtrauchern diplomatisch umzusetzen. Nicht selten sind diese angepasst auf die Bedürfnisse von Passionados, wie ich bei meinem Trip durch die Hauptstadt des kleinen skandinavischen Staates beruhigt feststelle.

Die Nachfahren der Wikinger, einst ein rastloses Seevolk, frönen heute gerne den genussvollen Seiten des Lebens. In Oslo gibt es zwar nur eine offizielle Cigar Lounge („Augusto Cigars“), aber in ausgedehnten Grünzonen und am Oslo-Fjord zahlreiche exklusive Aussichtsterrassen von Restaurants und Hotelbars. 
Magische Momente am Wasser, ewiges Eis und viel Schnee – das ist das Lebensgefühl im Königreich Norwegen. Hier genießt man auch gern dick eingepackt mit Blick auf die Olympia-Skischanze Holmenkollen hoch über Oslo seine feine Zigarre.

Aber: Alkohol und Tabak werden in Norwegen mit hohen Luxussteuern wie Staatsfeinde abgestraft. In dem reichen Fünf-Millionen-Einwohner-Land kosten Premium Cigars teils doppelt so viel wie in anderen Ländern Europas. Dafür werden Zigarrenfreunde hier mit Top-Reisekomfort und norwegischer Freundlichkeit empfangen. Bestes Beispiel dafür sind die beiden renommierten Tabakfachgeschäfte, die sich in Oslo angesiedelt haben.

Photo: Gabriela Greess

Bjørg Svenøe ist seit über zehn Jahren Besitzerin von Sol Cigar. Ihr wunderschönes Tabakfachgeschäft mit über 100-jähriger Tradition liegt vis-à-vis vom Royal Castle am Rande eines aus- gedehnten Parks. Durch diese privilegierte Lage kommen zu ihr Zigarrengenießer aus aller Welt. Über dem großen Walk-in-Humidor hängt ein edles Davidoff-Schild. „Wir sind exklusiver Depositär in Norwegen“, freut sich die sympathische Bjørg Svenøe, die im Team mit drei Kolleginnen arbeitet. Natürlich sind alle blond und strahlen die Besucher aus blauen Augen an. Die charmante junge Mitarbeiterin Marte Gunnufsen, passionierte Pianistin und Event-Künstlerin, raucht gerne CAO- und Davidoff-Zigarren. „Unser eingespieltes weibliches Team tauscht sich gern aus bei Tastings, so können wir unsere Kunden bestens beraten.“

Bjørg Svenøe ist sehr stolz auf ihre Top-Auswahl von Habanos: „Unser Name Sol Cigar stammt von einer einst begehrten kubanischen Zigarrenmarke“, sagt die fließend Deutsch sprechende Norwegerin und zieht an ihrer Ramón Allones Specially Selected. (NOK 178,– umgerechnet EUR 19,00). Im dem eleganten geräumigen Tabakfachgeschäft fühlt man sich auf Anhieb wohl. Dazu passt auch das nostalgische Schild mit der Aufschrift „Zigarrenrauchen beruhigt.“

Neben dem erklärten Fokus auf feine Habanos mit einer exquisiten Auswahl an limitierten Edi- tionen führt Bjørg Svenøe auch Premiumzigarren wie Camacho, Macanudo und Toraño. „Begehrt ist derzeit die Carlos Toraño Reserva Selecta Churchill (NOK 187,– umgerechnet EUR 20,60); auch die AVO-Cigars laufen sehr gut.“ Das freut Bjørg besonders, da sie mit dem Gran Maestro Avo Uvezian bereits spannende Events veranstaltete: „Seine Tochter besuchte mich überraschend erst kürzlich hier im Laden. Sie ist mit einem norwegischen Arzt im malerischen Städtchen Svolvær verheiratet.“

Dort am Hafen der größten Stadt der touristisch attraktiven Lofoten-Inseln legen die beliebten Hurtigruten-Schiffe an. Sie verkehren auf der historischen Postroute an Norwegens zerklüfteter Westküste bis hoch nach Spitzbergen und weiter in die Antarktis Richtung Kanada. Geheimtipp: eines der Adventurer-Boote hat ein Herz für Passionados und überrascht mit gut gefülltem Humidor.

Bjørg Svenøe hebt die Vorteile der norwegischen Hauptstadt hervor: „Oslo ist weltweit eine der lebenswertesten Metropolen mit seiner privilegierten Lage zwischen Fjorden und stadtnahen Wäldern. Zigarrenraucher finden hier trotz der Rauchverbote viele pittoreske Orte für einen Fine Smoke.“ Die dynamische Besitzerin von Sol Cigar pflegt einen guten Austausch mit dem zweiten bedeutenden Osloer Tabakfachgeschäft. Das spricht einen anderen Kundenstamm an. Es nennt sich Augusto Cigars und beherbergt die einzige Cigar Lounge Norwegens. Frederik Strømme Legernæs, Geschäftsführer von Augusto Cigars, betont: „Wir führen zu 80 Prozent Premiumzigarren, die nicht in Kuba hergestellt werden.“ Der studierte Anwalt ist seit 15 Jahren im Tabakgeschäft und machte in Norwegen Zigarren aus Honduras, der Dominikanischen Republik und Nicaragua populär. Wichtigste Marken sind bei ihm Eiroa und Padrón. Die Top-Brands Nicarao sowie Santa Clara Cigars aus Mexiko und Don Pepin Garcia gehen ebenfalls gut.

„In Norwegen liebt man exzellente Restaurants sowie guten Wein und probiert gern Neues. Somit stieß ich auf offene Türen. Die La Aurora Cameroon-Serie (Robusto: NOK 107,–, umgerechnet EUR 11,80) war eine der ersten nicht-kubanischen Zigarren, die wir erfolgreich etablierten. “ Als weiteren Trumpf bekam der 35-jährige Geschäftsführer die exklusive Dunhill-Repräsentanz für Norwegen. Augusto Cigars liegt im nahen Einzugsbereich der Karl Johans Gate, Oslos Prachtstraße, sowie dem pulsierenden Hafen. Daher kommen viele Kreuzfahrttouristen zu Frederik. Legernæs erzählt weiter: „Bestseller sind Padrón 2000 (NOK 154,–, umgerechnet EUR 16,90) und bei den Habanos verkauft sich als Besonderheit La Gloria Cubana Medaille d’Or No. 4 (NOK 97,–, umgerechnet EUR 10,70).“ Wenn ihn ein Kunde nach einer ausgesuchten Spezialität fragt, biete er gern Alec Bradley Texas Lancero an (NOK 280,–, umgerechnet EUR 30,–).

Wer das altehrwürdige Haus aus dem 16. Jahrhundert betritt, stößt im Untergeschoss auf eine elegante, große Lounge. „Clubmitglieder haben rund um die Uhr Zutritt; alle rauchenden Gäste aus dem Ausland sind während der Ladenzeiten herzlich willkommen“, betont Legernæs.

Stolz zeigt er mir seinen Schatz: den Padrón 50th Anniversary-Humidor der mit 50 Zigarren (Preis für den Humidor NOK 60.000, ca. EUR 6615,–; Preis pro Stück NOK 995,–, umgerechnet EUR 109,–) befüllt ist. „Øystein Kleven, Eigentümer von Augusto Cigars, pflegt gute Kontakte mit der Padrón-Familie“, erzählt Legernæs und freut sich, dass durch diese Freundschaftsbande auch Zigarrengenießer aus Norwegen, ein kleiner unspektakulärer Markt für Premiumlongfiller, in den Genuss einer gesuchten Rarität kommen.

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Winter-Ausgabe 2016 veröffentlicht. Mehr

Gabriela Greess

Since 2005, Gabriela Greess has been traveling the world to report on top cigar destinations for Cigar Journal’s Travel Corner. She also writes our business features, often interviewing top tobacco industry representatives. Her Tobacco & Arts articles highlight cigar-loving artists and artisans.


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