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Tasting a Cigar Together | Ein gemeinsames Tasting – Joya de Nicaragua Clásico Churchill

*See the German translation below!

Blind tasting is one of the most popular sections in Cigar Journal. Issue after issue, cigars are tasted blind in order to give you the most unbiased overview of the taste and strength of many cigars on the market. However, with all the unprejudiced tastings, every now and then the big picture comes up short. The cigars are not, for instance, on display without their rings in the specialists’ humidors. So it is simply not possible for the ordinary consumer to approach smoking the cigars entirely without expectations.

For this reason, I would like to invite you to join me in smoking a cigar. From now on, we will taste a cigar in every issue, and we will do so together. I will accompany you – as best I can – through the tasting, serving as a kind of “tour guide,” and will sometimes point out the “sights.” We strive to choose cigars that are easy to get in most countries.

The first cigar I would like to enjoy with you is an absolute classic: the Joya de Nicaragua Clásico Churchill, the first cigar that was both the official cigar of Nicaragua as well as the White House in the United States. It is one of the most successful cigars from the house of Joya de Nicaragua. I won’t bore you here with measurements, prices or the tobacco. Simply grab a Joya Clásico Churchill, your favorite cutting tool, a source of ignition, and you’re good to go.

The Clásico Churchill lights well in all cut variants. As you light the good piece, feel the silky texture of the wrapper, feel the gossamer veins of the tobacco, the barely visible “seams” of the rolling.

Once the cigar is lit, it will open up to you willingly. The first draws are a pleasure each time anew. The country’s typical peppery note resonates only discreetly in the background. Do you notice how a cool creaminess suddenly sets in after the third puff? If you don’t notice this at this point, you are perhaps drawing a bit too hastily. There is no reason for this. Take your time. The lush smoke caresses the palate. If you find it easy to smoke retronasally, you should definitely try this.

In the first third, even a subtle vanilla note is revealed, something that is often discovered in vintage cigars from Cuba. Towards the end of the first third, set the cigar aside and take a breath. Similar to a good whisky, the cigar has a wonderful finish and gives a pleasant mouthfeel. Light wood tones and nuttiness tickle the inside of your cheeks. If you feel the need for a matching drink, I recommend coffee or a neat Speyside single malt. But if you want to experience the cigar entirely, stick to carbonated mineral water.

Pick up the cigar again; it should easily tolerate a small break without going out. The second third now reveals the complex sweetness that is hidden in this cigar. Draw gently so that the long Churchill stays nice and cool in your hand. Smoked like this, you explore the mild-creamy heart that is inherent in the cigar gently pulsating.

We have reached the halfway point of the cigar, and here it gets exciting again. Because the cream and sweetness are now joined by citrus notes and the wonderful bouquet of cedar. Notice how the citrus notes first become apparent in the background at the beginning of the second half and then gradually push to the fore.

This is when the cedar almost suddenly rounds out the flavor profile. At the beginning of the last third is a good time to give the cigar a little break again. I advise you take this short break, because, having enjoyed the Joya Clásico Churchill several times, I have noticed that the final act is especially appealing when you take small break at this point.

Only now for the grand finale, the cigar reveals its Nicaraguan soul and imparts slightly stronger pepper tones that are gently enveloped by creaminess and woody notes. The smoke seems full, almost fat. And no sooner do you realize how complex this classic of the cigar world actually is, a subtle bitterness joins the flavor profile, which is by no means distracting. All at once the citrus note disappears and the final flare releases some mint and a few meadow herbs, which play around at the tip of your nose. But ultimately, the bitterness of dark chocolate wins, and it is just like William Shakespeare once wrote: “Parting is such sweet sorrow.”

Granted, the Joya Clásico Churchill is no heavyweight. It proves itself to be the perfect smoke after a rich Sunday brunch, for example. But it is a relief every time to experience that a comparatively mild cigar can offer such an incredible variety of flavors. We passionados can always consider ourselves lucky to experience moments like these.

See you next time!

Das Blind Tasting ist eine der beliebtesten Rubriken im Cigar Journal. Ausgabe für Ausgabe werden Zigarren blind verkostet, um Ihnen einen vorurteilsfreien Überblick über Geschmack und Stärke vieler Zigarren am Markt zu verschaffen. Bei all den vorurteilsfreien Verkostungen kommt aber hin und wieder das Gesamtbild zu kurz. Die Zigarren liegen nun mal nicht ohne Ring in den Humidoren der Fachhändler, und so ist es dem einfachen Konsumenten schlicht und ergreifend nicht möglich, gänzlich ohne Erwartungshaltung ans Rauchen zu gehen. Ich möchte Sie deshalb einladen, mit mir gemeinsam eine Zigarre zu rauchen. Wir werden ab jetzt in jeder Ausgabe eine Zigarre verkosten, und zwar zusammen. Ich werde Sie – so gut es geht – durch den Rauch begleiten, Ihnen als eine Art „Reiseführer“ dienen und sie mitunter auf die „Sehenswürdigkeiten“ aufmerksam machen. Wir sind bemüht, Zigarren zu wählen, die in den meisten Ländern einfach zu bekommen sind.

Die erste Zigarre, die ich mit Ihnen genießen möchte, ist ein absoluter Klassiker: die Joya de Nicaragua Clásico Churchill, die erste Zigarre, die sowohl offizielle Zigarre Nicaraguas als auch des Weißen Hauses in den USA war. Es handelt sich um eine der erfolgreichsten Zigarren aus dem Hause Joya de Nicaragua. Ich möchte Sie hier nicht langweilen mit Maßen, Preisen oder dem Tabak. Nehmen Sie sich eine Joya Clásico Churchill, ihr bevorzugtes Schneidwerkzeug, eine Zündquelle, und es kann losgehen. Die Clásico Churchill lässt sich in allen Schnittvarianten gut entzünden. Während Sie das gute Stück entflammen, fühlen Sie die seidige Textur des Deckblatts, fühlen Sie die hauchdünnen Adern im Tabak und die kaum sichtbaren „Nähte“ der Rollung.

Hat die Zigarre einmal Feuer genommen, wird sie sich Ihnen bereitwillig öffnen. Die ersten Züge sind jedes Mal aufs Neue ein Genuss. Der landestypische Pfeffer schwingt nur dezent im Hintergrund mit. Spüren Sie, wie etwa ab dem dritten Zug unvermittelt eine kühle Cremigkeit einsetzt? Wer das an dieser Stelle nicht bemerkt, zieht vielleicht etwas zu hastig. Dafür gibt es keinen Grund. Lassen Sie sich Zeit. Der satte Rauch streichelt über den Gaumen. Wem es leicht fällt, retronasal zu rauchen, der sollte dies unbedingt probieren. Im ersten Drittel offenbart sich sogar eine dezente Vanillenote, die man oft bei Vintage-Zigarren aus Kuba entdeckt. Legen Sie gegen Ende des ersten Drittels die Zigarre kurz beiseite und atmen Sie durch. Ähnlich gutem Whisky hat die Zigarre einen herrlichen Abgang und verleiht ein angenehmes Mundgefühl. Leichte Holztöne und Nussigkeit kitzeln die Innenseite der Wangen. Wenn Sie das Bedürfnis nach einem passenden Getränk haben, empfehle ich Kaffee oder einen Speyside Single Malt. Wenn Sie die Zigarre jedoch gänzlich erfahren wollen, greifen Sie zu Mineralwasser mit Kohlensäure. Nehmen Sie die Zigarre wieder auf, sie sollte eine kleine Pause locker vertragen, ohne auszugehen. Das zweite Drittel offenbart nun die komplexe Süße, die sich in dieser Zigarre versteckt. Ziehen Sie sanft, damit die lange Churchill schön kühl in Ihrer Hand bleibt. So geraucht, erkundet man das mild-cremige Herz, das der Zigarre sanft pulsierend innewohnt.

Wir sind bei der Hälfte der Zigarre angelangt, und hier wird es nochmal spannend. Denn zu der Creme und der Süße gesellen sich nun Zitrusaromen und das herrliche Bouquet von Zedernholz. Achten Sie darauf, wie die Zitrusnoten zu Beginn der zweiten Hälfte erst im Hintergrund deutlich werden und dann allmählich in den Vordergrund drängen. Das ist der Zeitpunkt, wo beinahe plötzlich das Zedernholz das Geschmacksbild abrundet. Zu Beginn des letzten Drittels ist ein guter Zeitpunkt, um der Zigarre wieder eine kleine Pause zu gönnen. Ich rate Ihnen zu dieser kurzen Unterbrechung, denn beim mehrfachen Genuss der Joya Clásico Churchill ist mir aufgefallen, dass der Finalakt besonders reizvoll wirkt, wenn man an dieser Stelle eine kleine Pause einlegt.

Erst jetzt zum großen Finale offenbart die Zigarre ihre nicaraguanische Seele und gibt etwas stärkere Pfeffertöne preis, die von der Cremigkeit und den Holznoten sanft umarmt werden. Der Rauch wirkt voll, beinahe fett. Und kaum begreift man, wie vielschichtig dieser Klassiker der Zigarrenwelt eigentlich ist, gesellt sich noch eine dezente Bitterkeit ins Geschmacksbild, die keineswegs störend ist. Mit einem Mal sind die Zitrusnoten verschwunden, das letzte Aufflackern setzt noch etwas Minze und ein paar Wiesenkräuter frei, die unsere Nasenspitze umspielen. Doch letzten Endes gewinnt die Bitterkeit dunkler Schokolade, und es ist genauso, wie William Shakespeare einmal schrieb: „Abschied ist solch bittersüßer Schmerz.“

Zugegeben, die Joya Clásico Churchill ist kein Schwergewicht – sie erweist sich zum Beispiel als der perfekte Smoke nach einem reichhaltigen Sonntagsbrunch –, doch es ist jedes Mal aufs Neue eine Wohltat, zu erleben, dass eine vergleichsweise milde Zigarre so eine unglaubliche Aromenvielfalt bieten kann. Wir Passionados dürfen uns immer glücklich schätzen, Momente wie diese zu erleben. Bis zum nächsten Mal!

 

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Klaus Hruby learned his trade as a journalist at a young age and published articles in various media such as Die Zeit, Der Falter, as well as in renowned literature competitions in German-speaking countries. His love for cigars was ignited during his apprenticeship; his great-grandfather still owned a tobacco field. Klaus Hruby has been writing Austria’s biggest cigar blog, www.derblauedunst.com, since 2014.


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