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Anette Meisl - La Galana Cigars

La Galana: Zehn Jahre Salonkultur

    Mit La Galana hat Annette Meisl nicht nur eine Zigarrenmarke erschaffen, sondern ein Ort mitten in Köln, der als Salon funktioniert. Er ist inspiriert aus den Themen Zigarren, Lebensfreude, Kultur und Sinnlichkeit. 2019 feiert das Unternehmen zehnjähriges Bestehen.

    Annette Meisl liebt spannende Geschichten. Noch mehr aber mag sie die Kombination von aufregenden Geschichten und guten Zigarren. Ihr Beruf als Event- und Künstlermanagerin brachte die umtriebige Wahlkölnerin zur Zigarre. Anfangs rollten während ihrer Großevents Torcedoras passend zur Kubashow die Zigarren im Foyer. Weil Meisl aber immer genau wissen will, wie die Dinge funktionieren, ließ sie sich selbst zur Rollerin ausbilden und krempelte ihr Eventkonzept um. „Am 1. Januar 2009 bin ich mit einer ganz klaren Vision aufgewacht: ich wollte mein Büro zu einem Salon und Laden umgestalten. Ich hatte wohl aus reiner Intuition schon begonnen, Tabakaffine Dinge zu sammeln und die Marke war auch registriert.“ 

    La Galana Zigarrensalon

    Photo

    Vorne im Geschäft verkauft sie seither die La Galana Zigarren (insgesamt sechs Vitolas, hergestellt in Honduras) dazu Zigarren vorwiegend aus Kuba, einige auch aus Honduras und Nicaragua, zudem ausgewählte Accessoires und Rum-Sorten. 

    Im Salon dahinter wird verkostet, geraucht und gelehrt, Annette Meisl und ihr Frauen-Power-Team bieten Rum-Tastings und Zigarrenseminare an. Der Betrieb funktioniert als Degustation und nicht als Bar: Zur speziellen Degustationszigarre (EUR 12,00 bis 19,00) gibt es ein Getränk gratis. 

    Man kann ohne Zweifel sagen, dass in den nur 50 m2 großen Räumlichkeiten der Allroundkünstlerin wieder echte Salonkultur im besten Sinne aufblüht: es wird diskutiert, es ist Platz für jeden, die Frau an sich spielt eine starke Rolle, und neben Zigarren sind Literatur, Musik und Kunst nicht wegzudenken.

    Interview

    Cigar Journal: Annette, Deine Location hier sticht schon optisch unter den meisten Cigar Lounges, die ich kenne, heraus. Hier herrscht eher Wohnzimmer-Flair als coole Bar-Stimmung. Was ist Dein Konzept?

    Annette Meisl: Vorne im Ladengeschäft verkaufe ich vor allem meine Eigenmarke La Galana, dann vorwiegend Zigarren aus Kuba und einige andere Marken aus der New World, zu denen ich einen speziellen Bezug habe. Ansonsten suche ich aus, was mir gefällt – Accessoires, Bücher und Rum. Ich will keinesfalls ein Gesamtspektrum abbilden, sondern das zeigen, was mir persönlich gefällt oder aufgefallen ist.

    CJ: Wie hast Du diese heimelige Wohnzimmer-Atmosphäre kreieren können?

    A.M.: Ein befreundeter Theaterdekorateur hat mir geholfen, alles zu gestalten. Der alte Boden war da, die Backsteinmauer auch. Es hat alles auf mich gewartet und musste nur freigelegt werden. In den Räumen hier gibt es zu jedem einzelnen Möbelstück und jedem Gegenstand eine Geschichte, wieso sie hier sind.

    CJ: Wie bist Du auf Tabak und Zigarren gestoßen?

    A.M.: Ich war 1999 zum Jahrtausendwechsel auf Kuba, um eine Künstlergruppe zu treffen, die ich getourt habe. Ich hörte Son Cubano, war fasziniert von diesen Klängen und bin total darin abgetaucht. Im Club roch es nach Tabak, man trank Rum, und ich habe mich in das Land verliebt. Am Millenniumstag war ich bei Gregorio Fuentes, Kapitän von Ernest Hemingway. Mit ihm habe ich meine erste Zigarre geraucht, und er hat mir viele Geschichten erzählt. Dieses Lebensgefühl wollte ich mitnehmen. Es waren unvergessliche Stunden und meine Initialzündung für die Liebe zur Zigarre. Außerdem habe ich viele kubanische Bands getourt, und ich begann bei diesen Konzerten im Foyer Zigarren rollen zu lassen. Durch die Rollerinnen bin ich immer tiefer in die Thematik eingetaucht und wollte selbst dieses tolle Handwerk lernen. Daraus entstand dann die Idee,  mit einer eigenen Zigarrenmarke zu starten.

    CJ: Warum war eine eigene Marke so wichtig für Dich?

    A.M.: Mir geht es darum, die Kunst des Zigarrenrollens aufrechtzuerhalten – ein kleiner Teil der La Galana-Zigarren wird ja tatsächlich hier in Köln gefertigt – und an eine große Tradition in Deutschland anzuknüpfen. Daher ist mein Team auch eine gute Mischung aus Deutschen und Kubanerinnen. Dieses Handwerk muss unbedingt raus aus dem Keller des Vergessens. 

    CJ: Was fasziniert Dich so an Tabak?

    A.M.: Mich begeistert Tabak in seiner umfassenden Bedeutung. Einerseits als Ritualpflanze und als Heilpflanze, das finde ich spannend. Wenn ich mit Tabak arbeite, hat es eine starke Wirkung auf mich. Außerdem verbindet er und öffnet das Tor zu einer geistigen Welt. Tabakscheunen sind wie Kathedralen.

    CJ: Woher kommt der Name „La Galana“?

    A.M.: Es gibt das spanisches Wort „el galan“ – der Kavalier, der Gentleman, auch der Liebhaber. „La galana“ ist für mich in der Bedeutung weiter gefasst: es heißt alles von der Edelfrau bis hin zur Lebefrau. Das steckt doch alles in einer Frau drinnen und wird im besten Fall auch alles ausgelebt. Ich habe mein ganz eigenes Bild vom Frau-Sein: emanzipiert sein, aber gleichzeitig die Weiblichkeit behalten. So wie es die Latinas machen, die haben kein Problem sexy zu sein, sie sind es auch für sich, nicht unbedingt für die Männer. Und dazu Spaß am Leben haben und Stärke zeigen.

    CJ: Wie laufen Deine Events und Seminare ab?

    A.M.: Bei den Seminaren geht es mir um einen großen Wissenstransfer über Tabak und Zigarren. Dazu kommt, dass ich Autorin bin und mich andauernd und viel über das Thema Tabak informiere. Ich schreibe ein Buch in Romanform und Tabak spielt darin eine wichtige Rolle. Bei den Events möchte ich den Leuten das Gesamtpaket mitgeben. Sie sollen runterkommen, gute Musik hören oder gute Literatur,Toleranz üben und natürlich auch den Geschmack einer guten Zigarre kennenlernen und im Moment leben. Alle diese verschiedenen Facetten sind wichtig.

    CJ: Du beschäftigst dich gerade intensiv mit Musik. Was hat das mit deiner Zigarrenpassion zu tun?

    A.M.: Seit kurzer Zeit komponiere ich Lieder, die bahnen sich ihren Weg aus meinem Herzen hinaus, als seien es Wölkchen aus aromatischem Zigarrenrauch. Ich habe sogar einige Songs über La Galana und das Zigarrenrauchen geschrieben und natürlich ganz viel über die Liebe. Das Singen und Songwriting erfüllt mich zutiefst und ich teile das gerne mit meinen Passionados. Deswegen gibt es im September jeden Donnerstag Livemusik in meinem Salon. Am 1.10 habe ich Premiere meiner neuen Musikkabarettshow Carmen 5.0 und noch diesen Herbst erscheint meine erste CD. Darauf sollten wir uns eine La Galana genehmigen!

    CJ: Du hast viele Projekte gleichzeitig laufen: schreibst ein Buch, organisierst die Events, hältst Seminare, bereitest Shows vor, komponierst Lieder und bist Salon-Dame. Woher nimmst Du die Energie?

    A.M.: Wenn man im Flow ist, ist die Kraft ja da. Und ich bin durch mein Team gut freigespielt, außerdem ist ein großes Verständnis füreinander da. Inzwischen sind wir hier mit mir zu fünft, und ich bin nicht für den Laden eingeteilt, kann kommen, wann ich möchte, und bin frei, im Hintergrund zu planen. Und wenn man von etwas begeistert ist, zieht man daraus ja Kraft.

    CJ: Du kannst nun auf zehn erfolgreiche Jahre La Galana zurückblicken – was wünschst Du Dir für die kommende Zeit?

    A.M.: Ich sehne mir einen Vertriebsprinzen auf dem weißen Pferd herbei. Das ist kein Witz: Ich bin bisher nicht dazu gekommen, meiner Marke La Galana einen breiteren Zugang zu den Passionados zu verschaffen. Das würde ich mir aber wirklich wünschen. 

    Info

    La Galana
    Venloer Straße 213 D-50823 Köln 

    Öffnungszeiten:
    Mo – Sa: 12 bis 20 h

    Seminare unter
    www.lagalana.de
    und auf anfrage.

    Katja Gnann

    Bei einer regionalen Tageszeitung erlernte sie das journalistische Handwerk von der Pieke auf und erstellte dort langjährig redaktionelle Beiträge. Durch die Mitarbeit bei der Zeitschrift „Der Spiegel“ in Rom bekam sie die Chance, ihre Kenntnisse im Medienbereich zu professionalisieren. Katja Gnann studierte Kunstgeschichte und Romanistik in Heidelberg, Palermo und Rom und verbrachte im Zuge des Studiums viele Jahre in Italien. Das Land war ihr Lehrmeister in Sachen Genuss und Lebensstil. Seit 2004 arbeitet sie für das Cigar Journal, seit 2010 als Chefredakteurin.


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