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Davidoff Zigarrenmanufaktur Cidav

Hendrik Kelner und die Entstehung seiner Zigarrenmanufaktur

Vater und Sohn haben uns herzlich empfangen. Doch nun führt nur der Sohn das Wort, während Kelner Sen. abzuwarten scheint, wie sich das Gespräch entwickelt. Als wir Zwischenfragen stellen, schaltet sich Hendrik „Henke“ Kelner immer öfter ein und übernimmt schließlich zur Gänze den Gesprächspart. Beinahe spitzbubenhaft schildert Hendrik seine Lebensgeschichte und den Werdegang seiner Zigarrenmanufaktur. Schon sein Vater Klaas Kelner beschäftigte sich mit dem Anbau, der Fermentierung und dem Export von Tabak. Er wanderte 1937 von Holland in die Dominikanische Republik aus, wo er heiratete.

In Santiago de los Caballeros gebar ihm seine Frau am 16. Dezember 1945 einen Sohn Hendrik. Vater Klaas sah für Hendrik ursprünglich einen anderen Lebenslauf vor und sandte ihn nach Mexiko an das Institut von Monterrey, wo er zum Industrieingenieur ausgebildet wurde. Doch der Umgang mit Tabak lag Hendrik im Blut, und die Liebe zu diesem erlesenen Produkt war bei weitem stärker als die Vorgabe des Vaters Dementsprechend begann Hendrik 1969 bei der staatseigenen Tabacalera in Santiago zu arbeiten, die Zigaretten und so manche Zigarren herstellte. Bald arbeitete er sich zum Produktionsdirektor für die Marke Carlo und einige andere Zigarrenmarken hoch; 1978 war er Generalmanager.

Nach 14 Jahren wollte Hendrik Kelner die Zigarrenproduktion reformieren, was aber in einer staatlichen Fabrik nur schwer zu bewerkstelligen war. Dementsprechend kündigte er seine sichere Anstellung, um sich in das Abenteuer einer eigenen Zigarrenproduktion zu stürzen. Engagement, Phantasie, Unternehmergeist und Instinkt, gepaart mit Fachwissen über erlesenen Tabak waren jene Merkmale, die es Hendrik Kelner ermöglichten, die ,,Tabacos Dominicanos“(heute „Tabadom Holding“) zu gründen.

Hendrik Kelner in der Cidav Fabrik

Hendrik Kelner vor Ort in der Cidav-Farik | Photo: Christian Schuhböck

Enthusiasmus und Fachwissen

Nun war Hendrik in Fahrt; voller Enthusiasmus schildert er den Beginn seiner Zigarrenproduktion. Das Interview entwickelt sich zu einer lebhaften, herzlichen Diskussion, und man hat den Eindruck, dass sich Hendrik in die damalige Zeit zurückversetzt fühlt und voller Begeisterung den Werdegang seiner ,,Tabacos Dominicanos“ schildert. Seine Worte, aber auch seine lebhafte Körpersprache bringen seine Liebe zum Tabak voll zum Ausdruck. Durch jeden Zug an seiner Zigarre wird das soeben Gesagte noch unterstrichen: „In meinem ganzen Leben habe ich Tabak geliebt, bin mit ihm aufgewachsen und habe mit ihm gearbeitet.“

Mit dem kleinen Startkapital von 15.000 US-Dollar griündete er seine erste Fabrik mit sechs Zigarrenrollern. 1985 stellte Kelner 900.000 Zigarren her, 1997 waren es 22 Millionen Stück. Kelners Zigarrenfabrik stieß an ihre Kapazitätsgrenze; es mussten weitere Produktionsstätten errichtet werden. So entschloss er sich,drei Fabriken zu führen: Cidav Corp. produziert ausschließlich Zigarren namens Davidoff. Die Marken Avo, Griffin’s, Zino sowie andere Longfiller-Zigarren werden in der O.K. Cigars Corp. erzeugt. Und die dritte im Bunde ist die Occidental Cigars Corp. Alle Manufakturen sind nun in der Tabadom Holding“ zusammengefasst; die Gebäude befinden sich in Jicomé, Villa González und in Santiago. Der Tabak für alle Zigarren stammt weitgehend aus den besten Plantagen des Cibao -Tales. Während seiner Ausführungen, die er mit sichtlichem Stolz zum Ausdruck bringt, erläutert Hendrik uns auch, wie es zur Bezeichnung O.K. gekommen ist:

„Der Name sollte einfach und leicht zu merken sein. O.K. ist das meistverwendete Kürzel weltweit und das K steht für Kelner“, fügt schmunzelnd er hinzu. Mit all seinen Gesten bringt Hendrik seine Freude an der Arbeit, sein Feingespür für Tabak und seine Liebe zu Zigarren zum Ausdruck. Es gibt kaum einen Moment, in dem Hendrik keine Zigarre in der Hand hält. Auf die Frage,wie viele Zigarren er pro Tag raucht, zögert er. Denn er rauche die Zigarren nicht vollständig (deshalb auch die halbgerauchten Zigarren auf seinem Schreibtisch). Dafür wechsle er sie öfter und rauche einmal diese und einmal jene Zigarre.

Auf diese Art und Weise kann er die Zigarren am besten beurteilen und zur Qualitätssteigerung führen. Aber könne er sagen, wie viele Zigarren es in Summe wären, würde man die von ihm gerauchten Zigarrenabschnitte zusammenzählen? Nach kurzem Überlegen gibt Hendrik zur Antwort: „Ca. 20 inch pro Tag“ (1 inch 2,5 cm). Raucht er täglich? Ja, außer am Wochenende, der Familie zuliebe und damit sich Haut, Mund und Zunge erholen können“, erläutert Hendrik mit einem Lächeln.

Herzlich und auf höchste Qualität bedacht

Cidav CORP INC

Die Tafel besiegelt die die geniale Davidoff/Kelner-Geshäftsverbindung |  Photo: Christian Schuhböck

Bevor wirzu einem Rundgang durch die Davidoff-Zigarrenmanufaktur aufbrechen, lässt mich Hendrik eine Zigarre auswählen und zündet sie mir fachgerecht an. In riesigen Hallen werden die Tabakblätter, die auf 360 Hektar Plantagen geerntet werden, aufbereitet und fachmännisch zu Zigarren gerollt. 70 Prozent der 530 Roller sind Männer. An 235 Tagen pro Jahr wird gearbeitet. Ein Roller fertigt durchschnittlich 212 Zigarren pro Tag an. Das hat im Jahr 2006 eine Produktion von 26,4 Mio. Zigarren ergeben. 2007 wird er 600 Roller haben, insgesamt 1450 Mitarbeiter. Auch Frauen sind als Rollerinnen im Einsatz, doch der Großteil des weiblichen Personals ist in speziellen Bereichen Bearbeitung der Zigarrenblätter, Auswahl der Zigarren nach Farbe, Sortierung, Verpackung) beschäftigt. Während des Rundgangs positioniert sich Hendrik meinen Wünschen gemäß geduldig zu den Rollern-für die Fotos.

Dabei wechselt er auch gern ein paar Worte mit den Einheimischen, und man erkennt, dass er ein recht herzliches Verhältnis zu den Mitarbeitern hat. Im Gegensatz zu seinem Sohn ist er zwar nicht jeden Tag im Produktionsbereich, legt aber viel Wert darauf, möglichst oft die einzelnen Produktionsschritte in Augenschein zu nehmen. Nur dann kann man noch Qualitätssteigerungen erreichen. Als wir wiederum in der Chefetage angelangt sind, zündet sich Hendrik eine frische Zigarre an, zieht einige Male daran und prüft ihren Brand. Nachdem er seiner Sekretärin einige Anweisungen erteilt hat, bespricht er mit seinem Sohn die Qualität der Zigarren, die er gerade raucht. Nach ein paar weiteren Zügen reicht mir Hendrik die Zigarre und befragt mich nach meiner Meinung. Exzellent – nicht umsonst zählen die Zigarren aus dem Hause Davidoff zu den besten der Welt. Und mit sichtlichem Stolz schmaucht Hendrik seine Zigarre, als er uns als Präsident der dominikanischen Vereinigung, „ProCigar“ noch den Weg zu anderen Tabakfabriken schildert und uns wie alte Freunde verabschiedet.


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