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Die Wiege der Montecristo

Den meisten Kennern ist die Fabrik heute unter dem Namen H. Upmann-Manufaktur bekannt, denn im Jahr 2004 (nach langer Sanierung) verlegte man die Produktion der Marke H. Upmann von der Calle Amistad offiziell hierher. 2011 kam dann das plötzliche Aus; seitdem steht das Gebäude leer. Doch H. Upmann war längst nicht die erste Zigarrenmarke in diesem Haus. Deshalb beschäftigen wir uns mit der Geschichte dieses Gebäudes.

Im Vedado

Im Gegensatz zu vielen älteren Manufakturen befindet sich diese Fabrik in einem neueren Stadtteil von Havanna – im Vedado. Am einfachsten findet man die Manufaktur, wenn man die Suche beim legendären Hotel Nacional startet. Auf dem Malecón stehend, das Meer im Rücken und das Hotel im Blick, befindet sich links davon die Calle Rampa, deren Verlängerung wenig später Calle 23 heißt.

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Photo: Claudia Puszkar

In den neueren Stadtteilen Havannas tragen die Straßen nämlich keine Namen mehr, sondern Nummern. Diese sind als Ecksteine an jeder Straße postiert und meist gut zu finden.

Die Manufaktur befindet sich auf der Calle 23, zwischen der 14. und der 16. Straße. Erbaut wurde das Gebäude wahrscheinlich im Jahr 1927. So jedenfalls lautet die Aufschrift hoch oben am Giebel des Hauses.

Es ist anzunehmen, dass es von Anfang an als Fabrik genutzt wurde und dass hier Zigarren und/oder Zigaretten der Marken Particulares und Byron hergestellt wurden.

Leider ist über diese beiden Marken, deren Geschichte oder deren Besitzer nichts bekannt. Es könnte sogar sein, dass es sich lediglich um Zigarettenmarken handelte.

Die Wiege der Montecristo

Alonso Menendez und José Garcia, die Gründer der Marke Montecristo, erwarben die Marken Byron und Particulares bereits Anfang der 1930er-Jahre. 1935 meldeten sie die Marke Montecristo an. Es ist deshalb sicher, dass die ersten Zigarren der heute weltberühmten Marke Montecristo noch in dieser Manufaktur gefertigt wurden. Es existiert beispielsweise eine Vista der Marke Montecristo aus dem Jahr 1936 mit der Adresse Calle 23 y 16.

Erst 1937 erhielten Menendez und Garcia von der britischen Firma Frankau S. A. die Lizenz für die Produktion der Marke H. Upmann. Ab dieser Zeit fertigte man sowohl die H. Upmann als auch Montecristo zunächst auf der Calle Virtudes 609; ab 1944 dann in der Manufaktur auf der Calle Amistad 407 (direkt hinter der Partagás-Manufaktur). Die Calle Amistad war von 1944 bis 2003 Heimstätte der Marken H. Upmann und Montecristo. Im Jahr 2004, etwas mehr als 60 Jahre später, fand die Marke H. Upmann dann ihren Weg in die Calle 23.

José Martí – Poet und Freiheitskämpfer

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Photo: Claudia Puszkar

Benannt ist die Manufaktur nach dem legendären kubanischen Freiheitskämpfer, Schriftsteller und Poeten José Martí (1853–1895). Kuba bemühte sich Ende des 19. Jahrhunderts als eine der letzten großen Kolonien um die schon seit langem angestrebte Unabhängigkeit von Spanien.

Die insgesamt drei Kriege, die sich daraufhin über dreißig Jahre erstreckten, brachten weitreichende gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Veränderungen mit sich.

José Martí wurde zu einer Leitfigur im Kampf um die Unabhängigkeit Kubas und Lateinamerikas. Ihm gelang es, die seit vielen Jahren gespaltenen Revolutionskräfte wieder zu vereinen. Am 19. Mai des Jahres 1895 fiel er im Kampf bei Dos Rios in der Provinz Oriente. 1902 erlangte Kuba formal die Unabhängigkeit und wurde zur Republik erklärt.

Zigarettenproduktion auf der Calle 23

Doch zurück zur Manufaktur. 1936 oder 1937 kaufte die Firma Cifuentes (Besitzer der Partagás-Manufaktur) die Marken Byron und Particulares. Und damit gelangten sie wohl auch in den Besitz der Manufaktur auf der Calle 23. Mindestens bis 1959, vielleicht auch länger, produzierte man dort Zigaretten der Marke Partagás.

Denn einige Einheimische nennen die Fabrik auf der Calle 23 auch heute noch die Partagás-Zigarettenfabrik. Partagás hatte, was heute weniger bekannt ist, über viele Jahre hinweg eine ausgedehnte Zigarettenproduktion, die zu dieser Zeit sehr rentabel war. Und Partagás war selbstverständlich nicht die einzige Zigarrenmarke, die nebenher auch noch Zigaretten herstellte.

In neuem Gewand

Die Zeit hinterließ, wie an allen Gebäuden Havannas, ihre Spuren, was eine Renovierung unbedingt notwendig machte. Mit dieser begann man um die Jahrtausendwende. Die Arbeiten waren langwierig, denn das Gebäude hat stattliche Ausmaße. Mit der Wiederherstellung der Fassade gab man sich größte Mühe.

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Photo: Claudia Puszkar

Jede noch so kleine Stuckarbeit wurde mit viel Sorgfalt und Liebe ausgeführt. Die Innenräume sind heute sehr modern gestaltet und den Bedürfnissen der mehr als 600 Torcedores, die in der Fabrik arbeiten können, optimal angepasst. Die Renovierung der Manufaktur dauerte bis 2004. Mit externer Unterstützung war es sogar möglich, einen Schulungsraum für die Mitarbeiter einzurichten und mit modernster Technik auszustatten.

Doch dann, im Jahr 2011, hieß es plötzlich, dass die Belegschaft der H. Upmann-Fabrik in das Gebäude auf der Calle Belascoain 852 (in die Romeo y Julieta-Fabrik) umgezogen ist. Die Begründung lautete: das Dach sei undicht, Reparaturen notwendig. Viele waren verwundert, dass das Gebäude, das erst vor wenigen Jahren so aufwändig saniert worden war, schon wieder repariert werden musste. Dann wurde es ruhig in der Fabrik auf der Calle 23. Seit 2011 hat sich nichts geändert.

Die Fabrik steht leer. Es wird nicht darin gearbeitet. Offiziell wird das Dach immer noch repariert. Bauarbeiten sind allerdings nicht ersichtlich. Es ist schwer vorstellbar, dass ein so schönes Gebäude so lange ungenutzt bleibt. Man darf also gespannt sein, was aus diesem historisch so bedeutenden und vor allem sehr gut erhaltenen Gebäude einmal werden wird.

Information:

NAME DER MANUFAKTUR
Empresa de Tabaco Torcido José Martí

ERBAUER
Unbekannt

GRÜNDER
Unbekannt

JAHR DER EINWEIHUNG
1927

ADRESSE
Calle 23, entre 14 y 16

LAGE
10 Min. mit dem Taxi vom Hotel Nacional entfernt, im Stadtteil Vedado;

MARKEN
Byron, Particulares, Montecristo, Partagás (Zigaretten);

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Winter-Ausgabe 2013 veröffentlicht. Mehr

Claudia Puszkar

Claudia Puszkar, von Hause aus Diplom-Soziologin, schreibt schon seit Jahren über kubanische Zigarren und deren Geschichte. In Havanna ist sie regelmäßig auf den Spuren alter und neuer Zigarrenmanufakturen unterwegs, aber auch immer auf der Suche nach neuen Impressionen, die die Stadt und die Menschen vor Ort zu bieten haben.


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