Art De Fumar – Der Lord der Ringe

    Der Art-de-Fumar-Humidor, bestückt mit Zigarren aller Procigar-Mitglieder, wurde 2023 auf dem Procigar-Festival für USD 18.000 versteigert

    Schuhe, verziert mit Zigarrenringen? Eine beringte Trompete, auf der Carlito Fuente Jr. freudig bläst? Mit Anillas aufgehübschte Zigarrenaccessoires? Nichts ist vor ihm sicher, nichts scheint unmöglich: Robert Glick verwandelt Alltägliches in Außergewöhnliches – mit Zigarrenringen. 

    In den letzten Monaten versetzten spezielle Kunstwerke vor allem in den sozialen Medien die Zigarren-Community in Staunen. Es sind Gegenstände aus dem täglichen Leben, die den Betrachter, besonders aber den Passionado magisch anziehen. Robert Glick ist Urheber der Fotos und Kreateur dieser Stücke. Er ist Herr über zigtausend Zigarrenringe, die dank ihm – statt des Weges in den Mülleimer – ein neues Zuhause auf Objekten des täglichen Lebens finden. 

    Das Cigar Journal hat ihn in seinem Atelier auf Long Island besucht und erfahren, dass überall da, wo Papier haftet, theoretisch ein Kunstwerk von Glick entstehen kann.
    „Seit ich mein Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen habe, rauche ich Zigarren. Das ist 35 Jahre her“, erzählt uns der Anwalt, der nahe bei New York lebt. Er erinnert sich weiter: „Bei einem Straßenfest habe ich meine ersten Zigarren gekauft; seither liebe ich dieses Hobby.“ Wir sitzen in der lichtdurchfluteten Lounge in seinem Zuhause, kosten uns durch Roberts eigene Zigarrenmarke namens Kinship und sind umgeben von seinen Werken: Humidore, Cutter, Feuerzeuge, Figuren, eine Klarinette, eine Uhr und vieles mehr, allesamt getaucht in bunte Farben und harmonische Muster, bestückt mit Zigarrenringen. 

    Immer wieder überrascht Robert Glick mit seinen Werken, aber auch mit seinem Einfallsreichtum seine Umgebung. Hier schenkt er Carlito Fuente Jr. eine Trompete, beringt mit Fuente-Anillas

    Unter anderem befindet sich auch ein etwas höheres Gefäß in Glicks Lounge; es ist der Ursprung seiner Leidenschaft. Der Pott ist Sammelstelle für die Ringe all jener Zigarren, die Robert zu Hause verraucht. Weil ihm die Entsorgung dieser kleinen Kunstwerke irgendwann leidtat, begann er vor etwa sieben Jahren Untersetzer zu bekleben. „Es hat mich sofort gepackt und ich wollte weiterarbeiten“, verrät er uns. 

    THE RAINBOW PRINCIPLE

    Längst verarbeitet Glick nicht mehr nur „seine“ Anillas, sondern bekommt aus verschiedenen Quellen viele kleine Schätze zur Weiterverarbeitung. Matador Cigars etwa sammelt für ihn, einige Hersteller schicken ihre Ringe und diverse, über die ganze USA verstreute Passionados versorgen ihn mit ihren Sammlungen, vor allem seit er ein Instagram-Star der Szene ist. Auch hat die alljährliche Auktion des Procigar-Festivals Glick schlagartig noch bekannter gemacht. Für die Versteigerung 2023 schuf er einen Humidor, der USD 18.000 einbrachte. Seither wird Robert überhäuft mit Anfragen, und mehr denn je entscheidet er sorgfältig, wie er seine knapp bemessene Zeit einsetzt – und zu welchem Preis. 

    DAS REGENBOGENPRINZIP 

    Als Kompagnon einer Anwaltskanzlei beginnt sein Arbeitstag um 8 Uhr, aber da hat Robert bereits vier Stunden im Atelier gearbeitet. Oder er hat – das passiert etwa zwei- bis dreimal pro Jahr – Ringe sortiert. Dann sind viele Flächen seines Hauses belegt, denn dazu benötigt Glick Tageslicht, um die Farben genau zuordnen zu können. Gruppiert werden die Anillas einerseits nach Marke und zusätzlich nach den Regenbogenfarben. Auch dabei – genau wie beim Platzieren der Ringe auf die Objekte – vergisst der Künstler die Zeit: „Ich denke, es waren zehn Minuten, aber es sind vier Stunden vergangen und ich realisiere es nicht. Es ist wie eine Meditation, um mich herum existiert nichts mehr. Ich bin so konzentriert, dass ich an nichts anderes denken kann, außer an den Fluss der Farben und das Design.“ 

    LEARNING BY DOING
    Wie ein Gegenstand am kunstvollsten „beringt“ wird, hat sich Glick selbst beigebracht. Vergleicht man seine Anfangswerke mit jenen von heute, ist von der Nähe betrachtet ein Quantensprung sichtbar: Die Übergänge fließen, es sind niemals Brüche, Ränder oder Disharmonien zu sehen. „Ich muss ganz feine Schnitte setzen, fast wie ein Chirurg, meine Werkzeuge gleichen jenen eines Uhrmachers.“ Robert klebt nie übereinander, sondern präzise aneinander. Das Objekt selbst bestimmt, wie beklebt wird, sprich wo der Ausgangspunkt liegt. Zudem erfindet der Künstler eigene Muster, nämlich dann, wenn nur ein Ringtypus verwendet wird. 

    Jorge Padrón freut sich über ein Glick-Kunst- werk: die US-Flagge, gestaltet aus Padrón-Ringen

    Neben Gegenständen erschafft Glick auch Bilder; innerhalb dieser Reihe entstanden Werke, die die amerikanische Flagge zeigen. Hier zieren ausschließlich Padrón-Ringe die „Stars and Stripes“. „Seit ich Robert vor einigen Jahren kennengelernt habe, beobachte ich, mit was für einer großen Leidenschaft er seine Werke umsetzt. Er versteht – im Gegensatz zu anderen –, was es für eine Kunst ist, Zigarren herzustellen. Aus dieser Erkenntnis kreiert er neue Kunst. Ich habe großen Respekt vor dem, was er erschafft, und es fasziniert mich“, erklärt uns Jorge Padrón, Präsident von Padrón Cigars. Um die Ringe auf den Objekten haften zu lassen – und zwar so, dass ein Gegenstand wie etwa ein Aschenbecher oder ein Feuerzeug tatsächlich benutzt werden kann –, erfand Glick eine eigene Fixierung – die Formel bleibt allerdings sein Geheimnis. Was er uns jedoch verrät, sind die drei Skills, jene drei „Ps“, die es unbedingt braucht, um Kunstwerke wie seine entstehen zu lassen: „Passion (Leidenschaft), Patience (Geduld) und Placement (Platzierungsvermögen).“ Fähigkeiten, die jenen gleichen, die auch ein Zigarrenhersteller mitbringen muss.

    Grenzen gibt es für Glick keine. Nachdem die Verwandlung der Trompete für Carlito Fuente sowohl künstlerisch, aber auch als Überraschung für den bekannten Hersteller ein großer Erfolg war, ist Robert nun in Verhandlung, ein ganzes Klavier zu beringen. Alles ist inzwischen zur Perfektion gereift, doch an einer Sache arbeitet der Künstler noch: am Loslassen. „Die Werke sind wie meine Kinder, verkaufen fällt mir schwer; ich gebe sie nicht an jeden und nicht um jeden Preis. Es muss einfach passen.“ 

    She learned her journalistic skills from scratch at a regional daily newspaper, for which she wrote articles for many years. Through working for the magazine Der Spiegel in Rome she had the opportunity to increase her professional knowledge in the field of media. Katja studied art history and Romance studies in Heidelberg, Palermo and Rome and, during the course of her studies, spent many years in Italy. The country was her teacher in things related to pleasure and lifestyle. She has been working for Cigar Journal since 2004. In 2010 she became editor-in-chief.


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