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Glas-Jars: Klassisch und klar

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BENSON & HEDGES – 50 Coronas, Länge: 142 mm, Ringmaß: 42, circa 1930

In den letzten Ausgaben von Cigar Journal haben wir uns auf eine spannende Entdeckungsreise auf den Spuren der wunderschönen Keramik-Jars begeben – sowohl von Habanos S. A. als auch von den verschiedensten Distributeuren weltweit. In dieser Ausgabe widmen wir uns der Geschichte der Kristall-Jars, auch besser bekannt als „Glass Jars“ oder „Glas office Jars“. Ihre Produktion war in den 70er- und 80er-Jahren eingestellt worden, wurde aber im Jahr 2009 wieder aufgenommen.
Die Erfindung der Kristall-Jars verdanken wir H. Upmann; sie geht auf die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts zurück. Den ersten Kristall- Jar zierte auf der Vorderseite ein einfaches, ovales, hellgraues Etikett, auf dem in Schwarz das Markenlogo prangte – sonst waren keine weiteren Etiketten der Marke auf dem Jar angebracht. Bis heute ist es mir nicht gelungen, ein echtes Exemplar dieses Jars zu finden. Ich konnte bislang nur Fotos davon in Min Ron Nees An Illustrated Encyclopaedia of Post-Revolution Havana Cigars bewundern. In den 40er- und 50er-Jahren etabliert sich der Gebrauch von Kristall- Jars; viele Brands beginnen, ihre Zigarren in solchen Glas-Jars auf den Markt zu bringen. Bei einer genaueren Untersuchung aller Marken, die ihre Zigarren im Laufe der Zeit in Glass Jars verkauft haben, zeigt sich, dass H. Upmann die meisten Editionen auf den Markt gebracht hat, etwa die folgenden Vitolas, die alle in Glas-Jars erschienen:

• H. Upmann Amatistas, 50 Stück,
• H. Upmann Arcadias Claro, 25 Stück,
• H. Upmann Petit Crystales, 25 Stück oder 50 Stück,
• H. Upmann Coronas, 25 oder 50 Stück,
• H. Upmann Cristales, 25 oder 50 Stück,
• H. Upmann Noellas, 25 Stück,
• H. Upmann Petit Coronas, 25 oder 50 Stück,
• H. Upmann Short Coronas, 25 Stück.

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H. UPMANN – 25 Petit Crystales, Länge & Ringmaß: unbekannt, circa 1940

Eine Vitola von H. Upmann weist eine Besonderheit in Bezug auf ihren Namen auf. Sie kam nämlich – und das war sicherlich kein Versehen – bis in die späten 90er-Jahre sowohl unter dem Namen Cristales als auch unter dem Namen Crystales auf den Markt. Diese Jars waren bereits in den 80er-Jahren schwer erhältlich. Bei genauerer Betrachtung weisen die Gefäße von H. Upmann einige Unterschiede auf: Die Jars aus der Prä-Castro-Ära wurden durch an den Deckel angebrachte Haken verschlossen, die das Behältnis fixierten, wohingegen bei Jars aus den späteren Jahren dieser Verschlussmechanismus auf dem unteren Teil angebracht war. Dieser bestand aus Haken, die den Deckel durch Drehung blockierten. Alle Jars der Marke H. Upmann waren mit einem für den Transport nützlichen Henkel aus Leder ausgestattet, auf dem eine Prägung des Markennamens angebracht war. Die guten Stücke waren in einer Kartonschachtel verpackt. Zudem war an der Unterseite des Jars ein rotes Etikett aufgeklebt, auf dem darauf hingewiesen wurde, dass „die im Jar enthaltenen Zigarren genauso frisch und weich bleiben, als würde man sie in Havana rauchen“.
Diese Methode zur Zigarren-Klimatisierung kann, wie im Buch An Illustrated Encyclopaedia of Post-Revolution Havana Cigars beschrieben, durchaus dem Reifungsverfahren beim Wein gleichgesetzt werden, da Zigarren in einem gut abgeschirmten Ambiente langsam reifen können. Hoyo de Monterrey ist eine weitere Marke, die ihre Zigarren in Glas-Jars auf den Markt gebracht hat, nämlich folgende:

• Hoyo de Monterrey Coronas, 50 Stück,
• Hoyo de Monterrey Cristales Nr. 1, 25 oder 50 Stück,
• Hoyo de Monterrey Diplomats, 50 Stück.

Eine Besonderheit dieser Gefäße ist der für den Transport notwendige Henkel: Er ist nicht wie sonst üblich aus Leder, sondern aus Silikon gefertigt.
Auch die Marke Punch hat bis in die 70er- und 80er-Jahre Zigarren in Glas-Jars mit Silikonhenkel vertrieben:

• Punch Petit Coronas, 25 Stück,
• Punch Presidentes, 25 Stück.

Doch wenn wir in der Geschichte zurückblicken, haben andere Brands bereits vor den 60er-Jahren Zigarren in wunderschönen Glas-Behältnissen in Umlauf gebracht:

• La Corona La Corona Grandes, 50 Stück,
• La Corona Invencibles, 50 Stück,
• La Corona Invencibles No.2, 50 Stück,
• Benson & Hedges Coronas, 50 Stück,
• Benson & Hedges Coronados, 25 Stück.

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LA CORONA 50 INVENCIBLES – Länge: 142 mm, Ringmaß: 42, circa 1940

Die Jars der Marke La Corona hatten den für den Transport gedachten Henkel aus Silikon, während die Glasbehälter von Benson & Hedges einen Lederhenkel aufwiesen.
Eine Besonderheit, die alle Produktionen gemeinsam haben, ist, dass zusätzlich zur Vitola de Salida auch der Vermerk „Claro“ oder „Claro Claro“ angeführt sein konnte; dieser wies die Färbung der im Jar verpackten Zigarren aus. In manchen Katalogen findet man hie und da Abbildungen eines Partagás-Jars, der 50 Classics beinhaltet. Nachdem ich viele Jahre lang nach diesem sagenumworbenen Jar gesucht hatte, begann ich an seiner Existenz zu zweifeln. Bis vor kurzem, denn dank der Hilfe eines Freundes konnte ich sie nun tatsächlich in echt bestaunen. Der Hauptkörper des Jars, der die Zigarren in sich trägt, besteht natürlich aus Glas, der Deckel jedoch ist aus Aluminium und wird durch einen Schraubverschluss an den Glasbehälter geschraubt. Auf der Vorderseite ist ein Aufkleber angebracht, der die alte „Vista“ darstellt, die am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts den Zigarrenboxen beigelegt war.
Mittlerweile sind diese Jars – sowohl mit als auch ohne die dazugehörigen Zigarren – heiß- begehrte Sammlerobjekte.

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Nicola Di Nunzio ist seit den Nullerjahren ein großer Liebhaber sowie leidenschaftlicher Sammler kubanischer Zigarren und Memorabilien. Er schreibt sowohl für das Cigar Journal als auch für das italienische SIGARI!. Nicola ist Mitglied des Puromotivo Torino Cigar Club, für den er auch als Sekretär und Schatzmeister aktiv ist. Seit 2011 ist er zudem Vorstandssekretär der Cigar Club Association in Italien. Er ist der Hauptverantwortliche des Panels der CCA, koordiniert die Redaktion des Magazins SIGARI! und ist zudem Panelist für Cigar Sense. Zurzeit arbeitet er für Cigar Must Lugano und für die Zeitschrift LiveIn.


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