Die Stadt Kampen in den Niederlanden kann wahrlich auf eine sehr lange Tradition der Zigarrenherstellung zurückblicken. Im Laufe der Jahrhunderte gab es viele Betriebe, welche dieses Handwerk ausübten. Heute ist De Olifant die letzte aktive Zigarrenmanufaktur vor Ort. Seit 1826 werden dort De Olifant-Zigarren und -Zigarillos produziert. Maaike van der Sluis steht für die vierte Generation des Familienunternehmens. Das Cigar Journal konnte im folgenden Interview spannende und persönliche Einblicke erfahren.
Cigar Journal: Wann war Ihr Einstieg in die Welt des braunen Goldes?
Maaike van der Sluis: Ich stamme aus der vierten Generation einer echten Zigarrenfamilie. Das bedeutet nicht, dass ich direkt nach meiner Geburt aktiv in die Zigarrenindustrie eingestiegen bin, aber ich bin von klein auf damit aufgewachsen. Mein Vater war Zigarrenproduzent, hat jedoch später beruflich einen anderen Weg eingeschlagen. Über die Familie Van der Sluis in Kampen blieb die Welt der Zigarren dennoch immer ganz nah. Auch mein Onkel Arend van der Sluis spielte dabei eine wichtige Rolle. Ab meinem zwanzigsten Lebensjahr arbeitete ich selbst im Familienunternehmen, zunächst im Bereich des Handels mit Maschinen für die Tabakverarbeitung.
Nach einer Phase, in der mein Studium im Mittelpunkt stand, bin ich ab 2003 wirklich aktiv in die Zigarrenwelt eingestiegen. Mein späterer Ehemann Thomas Klaphake, verantwortlich für die Betriebsführung, fragte mich damals, ob ich einen Teil des Vertriebs von De Olifant an Tabakfachgeschäfte in den Niederlanden übernehmen könnte. Von dort aus bin ich immer tiefer in das Handwerk und die Branche hineingewachsen. So kamen letztlich Familiengeschichte, Leidenschaft für das Produkt und meine Arbeit zusammen.
Und zu Hause gehörte eine Zigarre einfach dazu: Mein Vater und meine Mutter rauchten Zigarren, später auch ich selbst, und inzwischen raucht eine meiner Töchter ebenfalls Zigarren. Die Entwicklung eines guten Geschmacks muss auch von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Cigar Journal: Anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums der Zigarrenstadt Kampen hat De Olifant eine Limited Edition präsentiert. Sie haben ja von Altmeister Tinus Vinke die Kunst des Rollens einer Zigarre erlernt. Dürfen wir uns auch in Zukunft auf weitere limitierte handgerollte Zigarren von De Olifant freuen?
Maaike van der Sluis: Was uns die Zukunft bringt, wissen wir natürlich alle nicht. Aber eines können wir sicher sagen: Tradition, Handwerk, Wissen und vor allem die Freude an diesem Fach beschäftigen uns jeden Tag. Deshalb widmen wir uns ständig neuen Ideen und Kreationen.
Gleichzeitig werden wir natürlich auch von der Gesetzgebung eingeholt – und genau dort liegt oft der Flaschenhals. Trotzdem gilt: Solange es möglich ist, bleiben wir kreativ und entwickeln weiter besondere Produkte. Ob und wann daraus neue limitierte Zigarren entstehen, hängt letztlich von mehreren Faktoren ab.
Cigar Journal: Wie hat sich in den letzten zehn Jahren der Markt in den Niederlanden und Europa verändert?
Maaike van der Sluis: In den Niederlanden kann man eigentlich von zwei Entwicklungen sprechen. Auf der einen Seite wächst der Zigarillomarkt weiterhin stark. Das hat in den Niederlanden auch mit den hohen Preisen für Zigaretten zu tun, wodurch viele Verbraucher nach Alternativen suchen.
Auf der anderen Seite sehen wir eine Entwicklung hin zu exklusiveren Zigarren. Wenn wir von „Zigarren“ sprechen, meinen wir vor allem Formate über drei Gramm, also nicht die kleinen Zigarillos. In diesem Segment wächst das Interesse an Raritäten, limitierten Serien und besonderen Qualitäten. Diese Entwicklung wird stark von der Longfiller-Welt aus der Karibik beeinflusst.
Das Gesamtvolumen der Raucher nimmt zwar ab, aber die Gruppe der Qualitätsraucher, Menschen mit Interesse an besonderen Produkten und deren Herkunft, hat stark an Bedeutung gewonnen.
Für die Niederlande hatte das eine klare Konsequenz: Zwischen den günstigen Zigarillos und den Premium-Longfillern sind nur noch wenige starke Shortfiller-Marken übrig geblieben. De Olifant und Jacob van Meer gehören dazu. Vor zehn oder 15 Jahren hatten Shortfiller in den Niederlanden und auch in Europa noch eine viel breitere Position auf dem Markt. Heute steht dieses Segment stärker unter Druck.
In Europa sieht man ein ähnliches Bild. Zigarillos bleiben beliebt als Alternative zur Zigarette, während gleichzeitig die Premium-Longfiller-Welt weiter wächst. In Deutschland zum Beispiel sind Longfiller hervorragend im Fachhandel integriert – und dort gibt es noch immer zahlreiche spezialisierte Tabakgeschäfte.
Marken wie De Olifant nehmen dadurch heute eine besondere Position ein: als exklusive traditionelle Shortfiller-Marke mit handwerklichem Charakter.
Cigar Journal: Gibt es länderspezifische Vorlieben für besondere Formate?
Maaike van der Sluis: Ja, absolut. Wenn wir ganz nah bei der Marke bleiben, dann ist für De Olifant in Deutschland eindeutig die Knakje der Bestseller, in den Niederlanden dagegen eher die Corona. Das muss man eigentlich gar nicht groß erklären – das ist einfach historisch so gewachsen.
Wenn man das weiter betrachtet, kann man sagen, dass in Deutschland und Belgien die Knakje die beliebteste Zigarre von De Olifant ist, in Österreich und der Schweiz hingegen die Corona.
Cigar Journal: Wie sehen Sie die Entwicklung der Zigarre im Hinblick auf die immer stärker werdenden Einschränkungen der Konsumenten?
Das schließt eigentlich gut an die Entwicklung des Zigarrenmarktes der letzten zehn Jahre an. Im Volumen sieht man eine Verschiebung von klassischen Zigarettenrauchern hin zu Zigarillorauchern. Das sorgt innerhalb des gesamten Marktes weiterhin für relevante Mengen.
Wenn wir jedoch über das sprechen, was wir wirklich als Zigarren verstehen – also Premiumzigarren beziehungsweise Formate ab drei Gramm –, dann sehen wir eine andere Entwicklung. Das klassische Bild der Zigarre gewinnt wieder an Bedeutung: Qualität, Ruhe, Entspannung und bewusster Genuss.
Nicht die Masse verkauft heute die Zigarre, sondern das Produkt selbst. Genau darin liegt auch die Zukunft. Selbst mit einer kleineren Zielgruppe kann man erfolgreich bleiben, wenn man Authentizität, Qualität und Ausstrahlung bewahrt.
Cigar Journal: Was ist für Sie das wichtigste Anliegen/Kriterium bei der Entwicklung von neuen Blends?
Maaike van der Sluis: Die heutigen Blends könnte man durchaus als eine Art „niederländischen Blend“ bezeichnen. Traditionell arbeiten wir bei De Olifant mit Tabaken aus Sumatra, Java, Brasilien und Kuba. Das bildet bis heute die Grundlage unserer Zigarren.
Allerdings gibt es zwei Entwicklungen, die das künftig verändern könnten. Erstens: Werden diese Tabake langfristig weiterhin in ausreichender Qualität verfügbar sein? Und zweitens: Passt dieses Geschmacksprofil auch in Zukunft zu den sich verändernden Vorlieben der Konsumenten?
Gerade beim zweiten Punkt müssen wir kritisch bleiben. Die Geschmacksentwicklung der Zigarrenraucher wird heute natürlich auch stark von dem beeinflusst, was aus der Karibik und Mittelamerika kommt. Deshalb müssen wir offen bleiben und auch experimentieren dürfen, um zu sehen, ob neue Blends vielleicht noch besser zu modernen Geschmacksprofilen passen oder zusätzliche Qualität bringen können.
Länder wie Nicaragua, die Dominikanische Republik, Honduras, Kamerun, Mexiko oder Ecuador haben über viele Jahre bewiesen, dass sie hervorragende Tabake produzieren können. Dafür sollte man offen bleiben.
Man darf durchaus mit möglichen Formen des Experimentierens mitgehen. Gerade die Geschmacksprofile von Longfillern entwickeln sich weiter, und Veränderungen sind nicht automatisch etwas Negatives. Im Gegenteil: Anpassungen können sehr sinnvoll sein, solange man den Charakter und die Qualität der Marke bewahrt. Tradition ist wichtig, aber sie darf Innovation nicht ausschließen.
Cigar Journal: Aus welchen Ländern kommen die Tabake für Ihre Produkte? Das von Ihrer Manufaktur verwendete Deckblatt, ein Sumatra-Sandblatt, ist eines der teuersten auf dem Markt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Beschaffung dieser besonderen Qualitäten bestimmt nicht immer einfach ist?
Maaike van der Sluis: Die große Herausforderung bei Qualitätsprodukten bleibt immer dieselbe: Können wir auch in Zukunft weiterhin über jene hochwertigen Tabake verfügen, die unseren Zigarren ihren unverwechselbaren Charakter verleihen? Nehmen wir zum Beispiel das Sumatra-Deckblatt aus Indonesien. Dieses ist nicht nur knapp, sondern vor allem selten. Und genau darin liegt ein wichtiger Unterschied. Knappheit ist ein wirtschaftlicher Begriff. Sie wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt.
Seltenheit hingegen ist ein ökologischer Begriff. Es geht darum, wie viel überhaupt aus der Natur, von der Plantage und aus der Ernte verfügbar ist. Wie viel dieser außergewöhnlichen Qualität wird tatsächlich produziert? Beim Sumatra-Deckblatt sprechen wir von einem äußerst begrenzten und besonderen Naturprodukt. Um die schönsten Ballen wird weltweit gekämpft — gerade weil sie so selten sind.
Dieses charakteristische Sumatra-Deckblatt bildet das Herzstück unserer Zigarre. Deshalb investieren wir gemeinsam mit dem VCF-Team [Vandermarliere Cigar Family] kontinuierlich in Beziehungen, Selektion und langfristige Zusammenarbeit, um auch künftig Zugang zu diesen außergewöhnlichen Tabaken zu sichern.
Das gilt nicht nur für das Sumatra-Deckblatt, sondern für die gesamte Komposition unserer Mischungen. Das Java-Besuki-Umblatt sorgt für Struktur und Balance. Java im Einlagetabak bringt eine leichte, neutrale Basis. Sumatra steht für die würzige Charakteristik. Brasilien verleiht eine süßkräftige Rundheit. Und der kubanische Tabak aus dem Gebiet Remedios liefert die feine pfeffrige Note, die unseren Zigarren zusätzliche Tiefe verleiht.
Gerade diese Kombination aus seltenen Herkünften, handwerklichem Können und langfristigen Beziehungen macht ein Qualitätsprodukt nicht nur besonders, sondern auch verletzlich — und genau deshalb umso wertvoller.
Cigar Journal: Zum Abschluss noch eine andere Frage: Was bedeutet für Sie De Olifant und De Eenhoorn?
Maaike van der Sluis: Für mich gehören De Olifant und De Eenhoorn koffie & thee eigentlich ganz selbstverständlich zusammen. Beide Marken erzählen dieselbe Geschichte von Herkunft, Handwerk und bewusstem Genuss.
Natürlich schlägt mein Herz für den Tabak und die traditionelle Zigarrenkultur. Aber gerade das Schöne ist, dass sich beide Welten gegenseitig verstärken. Viele Kaffees von De Eenhoorn stammen aus denselben Regionen der Welt, in denen auch hervorragende Tabake wachsen — aus Mittelamerika, der Karibik oder Indonesien. Diese Länder besitzen oft eine ganz eigene Bodenbeschaffenheit, ein besonderes Klima und eine jahrhundertealte Kultur des Anbaus. Das schmeckt man sowohl im Tabak als auch im Kaffee.
Dadurch können wir Menschen nicht nur die unterschiedlichen Charaktere und Geschmacksnoten der Tabake näherbringen, sondern gleichzeitig auch die Kaffees aus denselben Ursprungsländern erleben lassen. Das schafft eine besondere Verbindung zwischen den beiden Produkten.
Viele Fachhändler von De Olifant entdecken deshalb auch die Welt von De Eenhoorn-Kaffee. So ist im Laufe der Jahre eine sehr wertvolle Kombination entstanden: zwei Marken, die einander ergänzen und gemeinsam für Qualität, Herkunft, Ruhe und bewussten Genuss stehen.

