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Ein Einblick in die Zigarren-Jar-Fabrik Talavera de la Reina

Talavera de la Reina in Toledo (Spanien) ist in einer mehr und mehr technologisierten Welt einer der wenigen Orte, an dem Romantik noch existiert. Die Technologisierung mag mit einem Schlag den Fehlerfaktor Mensch beseitigt haben, im selben Zug hat sie aber auch die Authentizität des einzigartigen und nicht wiederholbaren Produkts vernichtet. Das ist der Zauber der Havannas. Sie werden zu 100% handgefertigt, alle gleich, alle verschieden und dasselbe gilt auch für die traditionelle Talaverana-Keramik, welche die neue Habanos Vintage Collection enthält.

In Alfar El Carmen, wo seit 1849 die alte Töpferkunst betrieben wird, sitzt Francisco Agudo vor seiner Töpferscheibe, stolz wie ein Zigarrenroller in der Fabrik von El Laguito. Unablässig dreht er den Ton des Flusses Tajo, wissend, dass Talavera de la Reina für die spanische Keramik das ist, was die Havanna für den Tabak ist: eine Herkunftsbezeichnung mit höchstem Prestige, und er, der Kunsthandwerker, ist ihr wichtigster Vertreter.

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Photo: Javier Blanco Urgoiti

Die Töpferscheibe wird nicht mehr mit dem Fuß angetrieben, sie ist elektrisch, aber alles andere ist noch wie früher. Von seiner Profession spricht Francisco wie die Zigarrenroller Kubas: „Als 14-Jähriger fing ich an und ich mache es jetzt seit 22 Jahren.“ Dabei bewegt er unaufhörlich seine Hände über den Ton, mit einem Können, das, obwohl man ihm aufmerksam zuhört, den Blick dem Tanz seiner Finger folgen lässt wie eine Kobra dem Flötenspiel eines Schlangenbeschwörers.

Er spricht ohne von der Arbeit abzulassen, ganz natürlich, als wäre es einfach, einen Jar zu formen. Er verfügt über dieselbe Fähigkeit wie Lazarito aus Partagás, der eine perfekte Salomon rollen kann ohne dir währenddessen die Aufmerksamkeit zu entziehen.

Wie viel Ton hast du auf dem Boden des Jars belassen? frage ich ihn.
 Drei Millimeter antwortet er mit kubanischer Präzision. Er fertigt sie von Hand, einen nach dem anderen, wie die Havannas, die sie später füllen werden. Alles nummerierte Einzelstücke, alle gleich, alle verschieden. „Das ist natürlicher, kein industrieller Ton. Man muss bedenken, dass das Stück später noch um 10% schrumpfen wird … Ungefähr.“

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Photo: Javier Blanco Urgoiti

Nach dem Trocknen und Brennen wird jedes Stück einzeln weiß glasiert und per Hand mit „Schablonentechnik“ bemalt: Auf das Stück wird mikroperforiertes Durchschlagpapier gelegt und dann vorsichtig mit einer Art Schwämmchen mit Kohlenstaub bedeckt. Danach wird noch einmal mit dem Pinsel darüber gegangen und das Stück erhält die blaue Farbe der Talavera-Keramik.

Das sind die Jars, die Habanos für die neue Vintage Collection verwendet: Man vertraut einzig und allein auf die guten Augen und die Expertenhände des Meistertöpfers.

Diesmal waren es 700 Stück der Trinidad Robusto Extra, 15 Zigarren pro Jar; 800 Stück mit je 19 Partagás 8-9-8; 860 Stück mit je 19 Hoyo de Monterrey Epicure No. 1 und 1100 Stück mit je 19 Magnum 46 von H. Upmann. Alle nummeriert und die Zigarren extra gereift. Im Oktober kommen dann die neuen Editionen auf den Markt.

Für die neueste Edition von Jars kollaborierte Habanos mit einer der angesehensten Porzellanmanufakturen Spaniens, La Cartuja de Sevilla, die schon Mitte des letzten Jahrhunderts mit Partagás und Ramón Allones zusammengearbeitet hatte. Die „Serie Sevilla“, exklusiv für den spanischen Markt, besteht aus 2000 nummerierten Jars mit je 27 Montecristo No. 3, die fünf Jahre lang unter besten Bedingungen reifegelagert wurden. La Cartuja de Sevilla entwickelte für diese Serie Jars aus englischem Porzellan, eine Nachahmung derer aus dem letzten Jahrhundert, welche heute echte Museumsstücke sind.

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Sommer-Ausgabe 2016 veröffentlicht. Mehr

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Javier Blanco Urgoiti ist ein spanischer Journalist, der für die Prozesse rund um den Tabak schwärmt, die vor der Fertigung in der Zigarrenfabrik stattfinden, insbesondere für die Geheimnisse des Tabakanbaus. Ein Bereich, in dem er unermüdlich versucht, sich weiterzubilden. Javier raucht und schreibt seit 1998, zunächst für die spanischen Magazine “La boutique del fumador” und “La cava de cigarros”, später als Pressechef bei La Aurora, der ältesten Tabakfabrik der Dominikanischen Republik und nun für Cigar Journal, als Korrespondent in Spanien.


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