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Cigar Tubos

Zigarren im Tubo – Auspacken, aufschrauben, herausnehmen oder zu lassen?

Empfehlungen zum Umgang mit zellophanierten Zigarren im Humidor wurden bereits im Artikel „Soll man cellophanierte Zigarren auspacken oder im Cellophan belassen?“ gegeben. Bei Zigarren in der Tube sieht die Empfehlung jedoch ein wenig anders aus als bei cellophanierten Zigarren.

Warum gibt es überhaupt Zigarren im Tubo? Wenn man der Literatur Glauben schenken darf, dann liegt der Ursprung der Tuben darin, stabile und dichte Verpackungen für den Transport anzubieten, die vor Beschädigung und zu schnellem Austrocknen schützen sollten (Näheres zur Geschichte des Aluminium-Tubos können Sie hier lesen). Heutzutage hat diese Verpackungsform primär marketingstrategische Hintergründe.

Zigarren im Tubo bieten im Humidor eine hervorragende Markenpräsenz, sie eignen sich als Geschenk, sind praktisch zu transportieren und bieten vor allem in Dutyfree-Shops oder kleineren Geschäften, wo man nicht immer mit perfekten Lagerungsbedingungen rechnen kann, einen weit besseren Schutz vor Beschädigung und Austrocknung als Kleinverpackungen aus Karton.

Zudem führt diese Art der Warenpräsentation auch zur Ausweitung des Angebotes, da kleinere Händler selten die Möglichkeit und die Kundschaft haben, um sich eine 25er-Kiste hochwertiger Zigarren auf Lager zu legen. Was aber soll der Raucher nun tun? Den geschlossenen Tubo in den Humidor legen, den Tubo aufschrauben und geöffnet in den Humidor legen oder aber die Zigarre aus dem Tubo herausnehmen? Die Antwort muss meiner Ansicht nach differenziert ausfallen.

Grundsätzlich reift eine Zigarre im Tubo langsamer, als wenn sie offen im Humidor liegt. Da praktisch keine Frischluft an die Zigarre kommt, verlangsamt sich der Aromenumbauprozess, die Zigarre behält länger ihre Nase, also ihr Duftbouquet. Kauft man nun eine sehr kräftige Zigarre und belässt sie im Tubo, so reift sie langsamer. Will man die Zigarre innerhalb den nächsten zwei bis drei Jahre rauchen, dann möchte man ja den Aromenumbauprozess forcieren. In diesem Fall würde ich die Zigarre aus dem Tubo herausnehmen.

Kauft man eine ganze Kiste zur Einlagerung, so kann tun, wie man will, eventuell auch zum Test in zwei Gruppen teilen. Während die offenen Zigarren zusammen in der Kiste reifen, werden sich die Zigarren in den Tuben isoliert praktisch unter Luftabschluss entwickeln. Im ersten Fall haben wir eine tendenziell oxydative Lagerung, bei der Lagerung im Tubo kommt man der Idee einer reduktiven (Abschluss von Sauerstoff) Lagerung recht nahe. Mit Sicherheit werden sich die Zigarren anders entwickeln. Es wäre ein durchaus interessantes Experiment, diesen Vergleich mit Zigarren aus der selben Produktionscharge über mehrere Jahre durchzuführen, um den Unterschied in der Aromenentwicklung festzustellen.

Wenn sich die Möglichkeit bietet, lang gereifte Zigarren (15 bis 20 Jahre) zu verkosten, dann ist der eine oder andere Raucher bisweilen irritiert. Manche Zigarre hat so gar nichts mehr gemein mit der jungen Zigarre derselben Marke – es bilden sich vollkommen ungewohnte Aromen, die Zigarre wird milder – manchmal sogar schon zu mild. Werden diese Zigarren über einen langen Zeitraum in einem Alutubo gelagert, so kann
das eine sehr positive Überraschung werden. Selbst nach vielen Jahren verfügt die Zigarre über eine deutlich wahrnehmbare Nase, und das über die Jahre extrem verlangsamte Abdampfen des flüchtigen Ammoniaks und der ätherischen Öle wird andere, ungewohnte und mit Sicherheit interessante Aromen hervorbringen.

Als Handlungsempfehlung kann folgende Aufstellung eine Hilfe sein, die meine persönliche Wahrnehmung darstellt und keinesfalls als der Weisheit letzter Schluss gelten darf. Vorausgesetzt ist, dass die Zigarren im Tubo einen perfekten Lagerungszustand hinsichtlich des Wassergehaltes aufweisen.

Allem voran steht folgende Prämisse: Ist eine Zigarre tendenziell kräftig, so sollte sie bei kurzer Lagerungszeit aus dem Tubo entnommen werden, um den Aromenausbau zu beschleunigen. Je milder die Zigarre und je länger sie gelagert wird, desto mehr gilt die Empfehlung, sie im Tubo zu belassen um die Möglichkeit einer Bildung komplexerer Aromen zu ermöglichen.

Zusammengefasst: Tubo-Handlungsempfehlung

Wenn die Zigarre innerhalb der nächsten drei Jahre geraucht werden soll: Bei Einzellagerung im Humidor die Zigarre aus dem Tubo nehmen, oder den Tubo aufschrauben und die Zigarre im Tubo belassen. Bei Kistenlagerung 50% der Zigarren aus dem Tubo nehmen, die andere Hälfte im Tubo belassen und im Vergleich rauchen. Dann individuell entscheiden.

Wenn die Zigarre in drei bis sechs Jahren geraucht werden soll: Bei Einzellagerung im Humidor die Zigarre im Tubo belassen, bei kräftigen Zigarren eventuell aufschrauben, bei milderen Zigarren den Tubo geschlossen lassen. Bei Kistenlagerung 50% der Zigarren aus dem Tubo nehmen, die andere Hälfte im Tubo belassen und im Vergleich rauchen. Dann individuell entscheiden.

Wenn die Zigarre reifegelagert werden soll (über zehn Jahre): Bei Einzellagerung sowie Kistenlagerung im Tubo belassen.

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Herbst-Ausgabe 2011 veröffentlicht. Mehr

Marc André

Marc André ist leidenschaftlicher Zigarrenraucher und Humidorbauer. Er hat verschiedene Befeuchtungselektroniken für Humidore entwickelt, ist beratend und ausführend im Bereich Humidor-Sonderserien und Individualanfertigungen tätig. Neben seiner Vortragstätigkeit zum Thema Zigarrenlagerung und Humidorbau betreibt er die Website www.humidorbau.de und bietet dort mit seinen zu 100% in Deutschland gefertigten Humidoren der Century-Serie vom kleinen Tischhumidor bis zum Agingschrank Lösungen zur professionellen Zigarrenlagerung an.


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