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ANT-Chef Juan Martinez über den Zigarren-Boom in Nicaragua

Die Zigarrenindustrie in Nicaragua wächst kontinuierlich und schafft Arbeitsplätze für die Leute in Estelí. Die Zahlen der Dominikanischen Republik rücken nun langsam in Reichweite. Das Cigar Journal sprach mit Juan Martínez, Chef der Asociación Nicaragüense de Tabacaleros (ANT) und geschäftsführender Präsident von Joya de Nicaragua.

 

Wie hat sich die nicaraguanische Zigarrenindustrie seit der Jahrhundertwende entwickelt?

Nach dem Zigarren-Boom in den späten 1990er-Jahren ging es vorwiegend um die Stärkung größerer Unternehmen. Die Produktion war rückläufig und einige der kleineren Fabriken wurden geschlossen, während die größeren versuchten, sich durch Innovationen, mehr Effizienz, Qualitätsverbesserung und die Entwicklung neuer Produkte als wachstumsstarke Unternehmen zu etablieren.

Seit 2010 hat Nicaraguas Zigarrenexport explosionsartig zugenommen.

Im Jahr 2006 kam es zu einer Steigerung der Anzahl und Produktivität von Fabriken, doch die weltweite Finanzkrise im Jahr 2008 wirkte sich negativ auf die Industrie aus. Seit 2010 hat Nicaraguas Zigarrenexport allerdings explosionsartig zugenommen.

Somit verzeichnen wir nunmehr eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 26,3 Prozent und es gibt mehr Fabriken in der ganzen Stadt. Seit Ende 2014 sind über 50 Zigarrenfabriken und mehr als zehn Kistenfabriken in Estelí in Betrieb, wobei 17 davon zu den größten und wichtigsten zählen sowie Mitglieder der Vereinigung sind.

Wie geht es der Industrie heute?

Wir gehen davon aus, dass es so wie bisher weitergehen wird, obwohl 2014 nicht unser bestes Jahr war. Das kalte Wetter in den USA und Europa in den ersten vier Monaten des Jahres hat uns stark getroffen. Nachdem man dort in Lokalen nicht rauchen darf und bei Temperaturen von minus 30 Grad Celsius niemand hinausgehen möchte, gingen die Verkäufe zurück. Wir rechnen dennoch mit weiterem Exportwachstum, solange das Wetter nicht allzu große Auswirkungen hat und die Vorschriften vernünftig genug bleiben.

Während die US-Importe aus der Dominikanischen Republik und Honduras zwischen 2012 und 2013 ein wenig zurückgingen, stiegen die aus Nicaragua um 15 Prozent. Wir erwarten, dass sich unsere Zahlen im Bereich Premiumzigarren bald jenen der Dominikanischen Republik annähern werden, zumindest in den USA.

field worker tobacco field surrounding esteli

Photo: Simon Lundh

Was ist das Hauptziel der ANT?

Unser Hauptanliegen ist es, die Entwicklung der Industrie und das Wohlergehen der Menschen in den Regionen, wo Tabak produziert wird, zu fördern. In erster Linie repräsentieren wir das Land und das Image hochwertiger handgefertigter Produkte von nicaraguanischen Handwerkern. Wir arbeiten gemeinsam mit der Regierung, um das Geschäft und das Wachstum von Tabak und Zigarrenunternehmen sowie der Marken, die diese produzieren, zu ermöglichen.

Wir haben zwar noch keine geschützte Bezeichnung, wie das beispielweise bei Champagner der Fall ist, der nur in der Champagne in Frankreich produziert werden darf, aber unser Ziel ist, dass auf allen Kisten von Zigarren, die einem gewissen Qualitätsstandard entsprechen, der Aufdruck ,Handgemacht in Nicaragua‘ angebracht werden soll – als Zeichen der Qualität unserer Erzeugnisse. Die Tatsache, dass viele Zigarrenhersteller in anderen Ländern manche ihrer Produkte nach uns benennen, wie etwa Davidoff Nicaragua, bestätigt, dass sie die Qualität unseres Tabaks schätzen.

Wie sind die Beziehungen zur Regierung?

Sehr gut. Die Regierung verfolgt ganz klar das Ziel, sich für die Entwicklung und das Wachstum unserer Industrie einzusetzen, so wie sie das auch bei anderen wichtigen landwirtschaftlichen Produkten tut, beispielweise Zucker, Reis und Rindfleisch. Nachdem es sich um ein Entwicklungsland handelt, können zwar viele Fragen auftauchen, aber wir haben eine gute und effiziente Kommunikation und arbeiten Hand in Hand, um die dringendsten Probleme zu lösen. Die Regierung leistet auch ausgezeichnete Arbeit bei der Unterstützung unseres Kampfes auf internationaler Ebene gegen die schlimmsten Vorschriften für unsere Produkte.

Zahlen & Fakten

EXPORTE IN DIE USA

1996:
Nicaragua: 16.036.000
Dom. Rep.: 123.622.000
Honduras: 69.719.000

2006:
Nicaragua: 48.465.000
Dom. Rep.: 139.789.000
Honduras: 77.653.000

2009:
Nicaragua: 78.670.000
Dom. Rep.: 134.961.000
Honduras: 70.992.000

2013:
Nicaragua: 118.900.000
Dom. Rep.: 129.615.000
Honduras: 63.300.000

2014:
Nicaragua: 117.800.000
Dom. Rep.: 126.521.000
Honduras: 63.700.000

Gesamtexport in Millionen US-Dollar

2009: 91,83
2010: 100,49
2011: 126,41
2012: 152,31
2013: 227,70

Ausländische Investitionen in Millionen US-Dollar:
36,9

Geschaffene Arbeitsplätze in Estelí, 2013:
31.000 direkt, 52.500 indirekt;

Anteil von Frauen, die in der Zigarrenindustrie
tätig sind:

60%

 

ANT-Mitglieder

AJ Fernandez, ASP Nicaragua, Drew Estate, GK Tabacos de Nicaragua, Joya de Nicaragua, My Father Cigars, NACSA, Oliva Cigar Family, Padrón Cigars, Plasencia Cigars, PENSA, Scandinavian Tobacco Group, PROCENICSA, Fabrica de Tabacos San Rafael, Tabacalera Tavicusa;

 

Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Sommer-Ausgabe 2015 veröffentlicht. Mehr

Simon Lundh

Nachdem Simon Lundh 2005 sein Ingenieursdiplom in Vermessungstechnik erwarb, entschied er sich für eine journalistische Laufbahn. Er entdeckte die Welt der Zigarren während er für eine nichtstaatliche Organisation in Estelí, Nicaragua, arbeitete und verdient seinen Lebensunterhalt nun größtenteils mit Artikeln über Zigarren, Metal Music und Tattoos sowie Reiseberichten.


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