{"id":855,"date":"2014-09-15T15:05:58","date_gmt":"2014-09-15T13:05:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cigartrophy.com\/?p=855"},"modified":"2015-05-04T21:14:06","modified_gmt":"2015-05-04T19:14:06","slug":"portrait-rafael-nodal-boutique-blends-cuba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/portrait-rafael-nodal-boutique-blends-cuba\/","title":{"rendered":"Vom Fl\u00fcchtling zum Meister der Boutique Blends: Rafael Nodal"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seine Ankunft als kubanischer Bootsflu\u0308chtling in den USA wird Rafael Nodal nie vergessen.<\/strong> <strong>Nach vier Tagen auf offener See hatten die rund 400 Ma\u0308nner, Frauen und Kinder in dem gebrechlichen Schiffskutter endlich Key West in Sichtweite. Sie waren am Ende ihrer Kra\u0308fte. Maximal zwo\u0308lf Stunden ha\u0308tte die U\u0308berfuhr dauern sollen, doch Unwetter, meterhohe Wellen und Orientierungsprobleme mu\u0308ndeten in einen dramatischen U\u0308berlebenskampf.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ku\u0308stenwache rettete mehrere Menschen in kritischem Zustand per Helikopter und lotste das Boot dann in den sicheren Hafen. \u201eWir hatten weder Wasser noch Lebensmittel\u201c, erinnert sich Rafael Nodal an die nervenaufreibende Flucht. \u201eIch sah herrenlose Boote im Meer umher treiben &#8230; es war furchterregend!\u201c Das war 1980, am Ho\u0308hepunkt der so genannten Mariel-Bootskrise, als innerhalb weniger Monate rund 130.000 Kubaner ihre Heimat verlie\u00dfen, um in den Vereinigten Staaten einen Neuanfang zu wagen.<\/p>\n<div id=\"attachment_875\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/rafael-nodal-portrait-window.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-875\" class=\"size-medium wp-image-875\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/rafael-nodal-portrait-window-500x374.jpg\" alt=\"rafael nodal portrait window\" width=\"260\" height=\"194\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/rafael-nodal-portrait-window-500x374.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/rafael-nodal-portrait-window-770x577.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/rafael-nodal-portrait-window.jpg 910w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-875\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Manny Iriarte\/Boutique Blends Cigars<\/p>\n<\/div>\n<p>Fu\u0308r den damals 15-ja\u0308hrigen Rafael Nodal ero\u0308ffnete sich beim Betreten des amerikanischen Bodens eine neue Welt. Als Willkommensgru\u00df reichte man dem Jungen einen Apfel und ein Coke. \u201eUnvorstellbar. Ich hatte weder das eine noch das andere jemals zuvor in Ha\u0308nden. Ja, in Bu\u0308chern hatte ich von A\u0308pfeln gelesen und aus Filmen wusste man, dass Amerikaner Coca-Cola mo\u0308gen. Aber das war\u2019s auch schon\u201c, lacht der heute zwischen Miami und Tamboril (Dom. Rep.) pendelnde Unternehmer. \u201eCoke spielt nach wie vor eine gro\u00dfe Rolle fu\u0308r mich.\u201c<\/p>\n<p>1964 in Ciego de A\u0301vila in der damaligen Provinz Camagu\u0308ey geboren, wusste Rafael Nodal schon mit sechs Jahren genau, welche Tra\u0308ume er verfolgen wu\u0308rde: er wollte Schlagzeuger werden. Dass es schlie\u00dflich doch nicht die Trommel, sondern die Violine wurde, spielte fu\u0308r den musikalischen Jungen eine untergeordnete Rolle \u2013 Hauptsache Musik machen! Was er in der provinziellen kubanischen Musikschule begonnen hatte, verfolgte er in den Jahren nach seiner Flucht in New York City weiter \u2013 sein Musikstudium.<\/p>\n<p>\u201eDie drei Jahre in New York waren wie ein Traum: gro\u00dfartige Theaterha\u0308user, die Metropolitan Oper, das Lincoln Center, die New Yorker Philharmonie &#8230; u\u0308berwa\u0308ltigend fu\u0308r einen kubanischen Jungen vom Land. Ich lernte Klavier zu spielen, komponierte und dirigierte.\u201c Fu\u0308r den jungen Musiker schien der Weg im Musikgescha\u0308ft vorgezeichnet.<\/p>\n<p>Ein Unfall der Mutter war dann aber ausschlaggebend dafu\u0308r, dass die Familie ihren Wohnort nach Miami verlegte, wo sie sich im Kreise kubanischer Auswanderer mehr Halt und bessere Lebensbedingungen erhoffte. Fu\u0308r den aufstrebenden Violinisten bedeutete der Umzug allerdings einen ziemlichen Knick im Leben. \u201eMiami war 1983 noch eine relativ kleine Stadt, wo abertausende Kubaner versuchten, Fu\u00df zu fassen. Kultur gab es wenig, nicht einmal ein symphonisches Orchester.\u201c Also verdiente er sich als Tischmusiker in diversen Restaurants \u2013 ein brotloses Gescha\u0308ft, wie sich rasch herausstellte.<\/p>\n<div id=\"attachment_1019\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/woermann-nodal-strickrock-inter-tabac-2013.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1019\" class=\"size-medium wp-image-1019\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/woermann-nodal-strickrock-inter-tabac-2013-500x375.jpg\" alt=\"woermann nodal strickrock inter-tabac 2013\" width=\"260\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/woermann-nodal-strickrock-inter-tabac-2013-500x375.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/woermann-nodal-strickrock-inter-tabac-2013-770x577.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/woermann-nodal-strickrock-inter-tabac-2013.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-1019\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Christian L\u00fcnig<\/p>\n<\/div>\n<p>\u201eAls Immigrant kannst du nicht wa\u0308hlerisch sein\u201c, wei\u00df Rafael Nodal aus jenen Tagen. \u201eIch war dankbar, eine Anstellung in einem Krankenhaus zu bekommen, und wischte Fu\u00dfbo\u0308den.\u201c Dennoch gab er die Musik nicht auf und studierte neben seinem Job weiter. Im Hospital legte er indessen eine steile Karriere hin, arbeitete sich zum Krankenpfleger hoch, wurde ins Management bestellt und \u2013 nach nur vier Jahren! \u2013 zum stellvertretenden Finanzdirektor des Hauses. Bevor er sich ganz seiner neuen Leidenschaft, den Zigarren, verschrieb, kulminierte seine Karriere in Spitzenpositionen eines gro\u00dfen US-amerikanischen Krankenhaus-Verbandes.<\/p>\n<p>Das Ende seiner professionellen Musikerkarriere war damit besiegelt, nicht jedoch die Liebe zur Musik, die sich heute in der Namensgebung und in den Formatbezeichnungen seiner Zigarren widerspiegelt. Alle Vitolas seiner Markenfamilie Aging Room tragen klingende musikalische Bezeichnungen wie Vibrato, Rondo, Mezzo oder Alto. Seine ju\u0308ngste Zigarrenkreation ist die Marke La Bohe\u0300me als Hommage an eine seiner Lieblingsopern von Giacomo Puccini und als Ausdruck seiner Leidenschaft fu\u0308r die drei wichtigen Stationen in seinem Leben: Kuba, Musik und Zigarren. Gleichzeitig verko\u0308rpert die- ses Werk sehr gut die Freuden und Leiden von Ku\u0308nstlernaturen, zu denen sich Rafael Nodal nach wie vor emotional verbunden fu\u0308hlt. Und die kubanische Vista der Kiste stammt (wie die Oper) aus den 1800er-Jahren. \u201eDie Zigarre ist das, was ich mit dem Goldenen Zeitalter der kubanischen Zigarrenindustrie assoziiere &#8230; Romantizismus pur.\u201c<\/p>\n<h3>Der gro\u00dfe Wurf mit kleinen Mengen<\/h3>\n<p>Boutique Blends Cigars, das ist nicht nur der Firmenname, unter dem Rafael Nodal, seine charmante Frau Alina und Hank Bishop ihre Zigarren herstellen. Der Name ist Konzept: \u201eKleinserien \u2013 das ist unsere Philosophie\u201c, erla\u0308utert Nodal die Idee, die das Trio auch auf den Zigarrenringen und -kisten kommuniziert. \u201eMit kleinen Mengen besonderer Tabake kann man keine Zigarren fu\u0308r die Massen rollen. Diese Erkenntnis liegt zwar auf der Hand, aber es hat ein Weilchen gedauert, bis wir sie verinnerlicht und darauf aufgebaut haben, anstatt zu versuchen, den gro\u00dfen Konzernen nachzueifern\u201c, erkla\u0308rt Rafael Nodal den Durchbruch und schildert anhand der Serie Aging Room Quattro F55, was er damit meint: \u201eWir hatten das Glu\u0308ck, im Lager von Woermann Cigars, unserem Distributeur in Deutschland, ein besonderes Sumatra-Deckblatt aus Indonesien zu entdecken.<\/p>\n<h4>Mit kleinen Mengen besonderer Tabake kann man keine Zigarren f\u00fcr die Massen rollen.<\/h4>\n<p>Nicht nur drei oder vier Jahre gelagert, sondern aus dem Jahr 2003! Wir haben damit erfolgreich experimentiert und rollen daraus die Serie Quattro F55. Sobald dieser wunderbare Wrapper aufgebraucht ist, wird es diese Zigarre nicht mehr geben. Dann ist Schluss.\u201c U\u0308brigens, der Beiname Quattro steht in diesem Fall fu\u0308r viereckig, also box-pressed, und F55 bezieht sich auf den Tag, an dem die spezifische Tabakmischung im Blending-Logbuch der Manufaktur festgehalten wurde: am Freitag, dem 55. Tag des Jahres. Auf die Frage, ob die Quattro-Serie nach dem Aufbrauchen des Deckblatts das Zeitliche segnen wu\u0308rde, hat Rafael Nodal nur gewartet: \u201eDer Blend fu\u0308r die Nachfolgeserie der Quattro ist ebenso wie fu\u0308r andere Linien schon fertig. Vor mehr als einem Jahr haben wir unseren Kunden so genannte Wildpacks vorgelegt \u2013 10er-Kisten mit je zwei Zigarren in fu\u0308nf Tabakmischungen. Die Konsumenten haben abgestimmt und wir wissen heute schon, welchen Blend wir fu\u0308r die na\u0308chste Quattro verwenden werden \u2013 es wird eine dominikanische Puro, die 2015 erscheinen wird.\u201c<\/p>\n<p>A\u0308hnlich war es mit der Aging Room M21 Fortissimo, die im Sommer 2013 pra\u0308sentiert wurde und ein sieben Jahre lang gereiftes Habano-Deckblatt aus der Dominikanischen Republik trug. Die Charge von 30.000 Stu\u0308ck neigt sich dem Ende zu, und das Nachfolgeprodukt dieses Jahres nennt sich M20 (wieder gema\u0308\u00df dem Tag der Kreation). Es ist von einem 14 Jahre lang gereiften mexikanischen Deckblatt aus San Andre\u0301s umhu\u0308llt. Auch diese Zigarre wird es nur unter dem Vorbehalt \u201eso lange der Vorrat reicht\u201c geben.<\/p>\n<div id=\"attachment_907\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Nodal-Blanco-aging-room.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-907\" class=\"size-medium wp-image-907\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Nodal-Blanco-aging-room-500x667.jpg\" alt=\"Nodal Blanco aging room\" width=\"260\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Nodal-Blanco-aging-room-500x667.jpg 500w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Nodal-Blanco-aging-room-770x1028.jpg 770w, https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Nodal-Blanco-aging-room.jpg 1023w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-907\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Boutique Blends Cigars<\/p>\n<\/div>\n<p>Boutique Blends Cigars versteht sich als Labor fu\u0308r spezielle Tabakmischungen, die man nicht alle Tage findet und deren Verfu\u0308gbarkeit ihr natu\u0308rliches Ende hat, a\u0308hnlich gro\u00dfen Wein-Jahrga\u0308ngen. \u201eWas die Natur uns gibt, das geben wir gern weiter\u201c, schwo\u0308rt Nodal auf den Einklang mit natu\u0308rlichen Ressourcen. Ausschlaggebende Sa\u0308ulen eines derartigen Konzepts, das von vornherein klarstellt, dass ein Produkt nur u\u0308ber einen relativ kurzen Zeitraum verfu\u0308gbar sein wird, sind naturgema\u0308\u00df Tabakproduktion und -verarbeitung. Woher kommen die besonderen Tabake, nach denen bekanntlich auch potente Konzerne mit enormen Budgets Ausschau halten? In Jose\u0301 \u201eJochi\u201c Blanco und seiner Tabacalera Palma in Tamboril in der Dominikanischen Republik haben Rafael, Hank und Alina ihren idealen Partner gefunden.<\/p>\n<p>Jochi verfu\u0308gt nicht nur u\u0308ber ausladende Farmen, er experimentiert auch gern und ist recht zuru\u0308ckhaltend, was die Vermarktung seiner Tabake betrifft. Rafael Nodal wei\u00df daru\u0308ber ein Lied zu singen: \u201eSeit ich mit Jochi zusammenarbeite wei\u00df ich, dass er diese mysterio\u0308se Area #1 zu verschweigen versuchte. Die war immer tabu, was mich Jahr fu\u0308r Jahr neugieriger machte. Ich fand schlie\u00dflich heraus, dass er dort seit 1998 Tabake aus einer speziellen Habano-Saat reifte, aber eben nur in kleinen Mengen von jedem Jahrgang.\u201c Daraus wird jetzt die neue Aging Room Bin No. 1 mit enorm viel Ligero und einem Ecuador-Wrapper gerollt. Jochis kra\u0308ftige Einlagetabake sind extrem lange ausgereift: sehr kra\u0308ftig, aber gleichzeitig gut ausbalanciert.<\/p>\n<p>So sehr sich Boutique Blends Cigars auf Kleinserien konzentriert, so einleuchtend ist es, dass das Unternehmen auch Tabake verarbeitet, die Jahr fu\u0308r Jahr in der gleichen Qualita\u0308t verfu\u0308gbar sind. Dafu\u0308r steht (zumindest teilweise) die Marke Swag. Im Sommer 2014 erschien die neue Linie Swag Black, eine dominikanische Puro aus acht bis neun Jahre alten dominikanischen Tabaken. \u201eDas ist zwar keine limitierte Produktion, aber wiederum eine Zigarre, an der sich die Geister scheiden: kra\u0308ftig und ausdrucksstark\u201c, betont Nodal. \u201eWas ich nie mehr machen werde ist eine Zigarre, die einer anderen aus meiner Produktion gleicht.<\/p>\n<blockquote>\n<h3>Information:<\/h3>\n<p>Boutique Blends Cigars<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.oliveroscigars.com\" target=\"_blank\">www.oliveroscigars.com<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Herbst-Ausgabe 2013 ver\u00f6ffentlicht. <a title=\"Herbst-Ausgabe 2013 \u2013 Nestor Plasencia Sr.\" href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/vergangene-ausgaben\/herbst-ausgabe-2013-nestor-plasencia-sr\/\">Mehr<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seine Ankunft als kubanischer Bootsflu\u0308chtling in den USA wird Rafael Nodal nie vergessen. 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