{"id":7997,"date":"2015-12-29T14:00:28","date_gmt":"2015-12-29T13:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/?p=7997"},"modified":"2016-01-21T14:24:28","modified_gmt":"2016-01-21T13:24:28","slug":"koval-whiskey-distillery-chicago","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/koval-whiskey-distillery-chicago\/","title":{"rendered":"Koval Distillery: \u00d6sterreichische Brenntradition in Chicago"},"content":{"rendered":"<p><strong>Robert Birnecker wollte die \u00f6sterreichische Brenntradition in die USA bringen. Mit seiner Marke Koval gelang ihm dies \u2013 allerdings nicht mit Obstbr\u00e4nden, sondern mit Whiskey. Bereits zwei Jahre nach der Firmengru\u0308ndung erhielt sein \u201eWhite Rye\u201c eine Goldmedaille auf der renommierten \u201eDestillata\u201c &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Urspru\u0308nglich wollten Sie ja Obstbr\u00e4nde herstellen, brennen aber jetzt haupts\u00e4chlich Whiskey.<br \/>\nWie kam es dazu?<\/strong><\/p>\n<p>Weil wir seit 1890 wieder die erste Brennerei in Chicago waren, hat das Genehmigungsverfahren l\u00e4nger gedauert als geplant. Als schlie\u00dflich das Okay kam, war es Dezember und damit unm\u00f6glich, Obst zu bekommen. Aber langfristig war es ein gro\u00dfes Glu\u0308ck. Denn wir brannten aus Getreide sehr erfolgreich wei\u00dfe Destillate. Daraus entwickelten sich unsere Whiskeys, die weder ins schottische, noch ins irische oder klassisch-amerikanische Konzept passen, sondern ihren ganz eigenen Stil haben.<\/p>\n<p><strong>Wie kamen Sie auf die Idee, auch Hirse zu verwenden?<\/strong><\/p>\n<p>Anfangs brannten wir nur Weizen und Roggen. Das war uns bald zu langweilig. Und weil man theoretisch aus jedem Getreide, das St\u00e4rke enth\u00e4lt, auch Whiskey machen kann, haben wir Hafer ausprobiert, Dinkel und Hirse. Hirse ist deswegen so interessant, weil es eine unglaublich su\u0308\u00dfe Maische ergibt. Wenn wir Hirse einmaischen, nehmen sich unsere Mitarbeiter immer einen Becher davon, weil es wie Honigmilch schmeckt.<\/p>\n<div id=\"attachment_8014\" style=\"width: 205px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/koval-sonat-birnecker-whiskey-bottle.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8014\" class=\"wp-image-8014\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/koval-sonat-birnecker-whiskey-bottle.jpg\" alt=\"koval sonat birnecker whiskey bottle\" width=\"195\" height=\"260\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-8014\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Jaclyn Simpson\/KOVAL<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Und viel Zucker bedeutet letztlich viel Alkohol &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Richtig. Roggen ist, was die Ausbeute betrifft, sehr mager, Hirse dagegen hervorragend. Ich hatte mich u\u0308brigens lange gegen Bourbon gestr\u00e4ubt, weil ein Destillat aus Mais sehr \u201espirity\u201c und scharf schmecken kann. Aber in der Kombination aus 51 Prozent Mais und 49 Prozent Hirse hat unser Bourbon diesen Vanilleton vom Mais und ein wenig Popcornaroma, w\u00e4hrend die Hirse mit ihrer Su\u0308\u00dfe das Ganze abrundet.<\/p>\n<p><strong>Dann mu\u0308sste er gut zu einer Zigarre passen?<\/strong><\/p>\n<p>Auf jeden Fall. Ich selbst bin Nichtraucher, aber bei Tastings mit Passionados kam die Kombination sehr gut an. Kr\u00e4ftigere Zigarren erg\u00e4nzen sich sehr gut mit dem Bourbon und unserem \u201eFour Grain\u201c \u2013 beide haben 47 Prozent Vol. und ausgepr\u00e4gte Aromen. Fu\u0308r eine leichtere Zigarre wu\u0308rde ich den \u201eMillet\u201c, unseren reinen Hirse-Whiskey, mit 40 Prozent Vol. empfehlen.<\/p>\n<p><strong>Aber einen gereiften Zigarren-Whiskey haben Sie nicht im Programm?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, weil eine l\u00e4ngere Lagerung nicht wirklich zu unserem Stil passt. Wir haben jedoch Whiskey mit 55 Prozent Vol. fu\u0308r verschiedene Kunden abgefu\u0308llt.<\/p>\n<p><strong>Welche F\u00e4sser verwenden Sie?<\/strong><\/p>\n<p>30 Gallonen-F\u00e4sser aus neuer, amerikanischer Eiche, leicht bis mittel ausgebrannt. Wir haben lange nach einem Hersteller gesucht, der gewillt war, F\u00e4sser nach unseren Vorgaben zu fertigen. Denn normalerweise werden sie mit Paraffin abgedichtet, einem Erd\u00f6lprodukt. Fu\u0308r unsere Bio-Zertifizierung wollten wir aber eine Versiegelung mit Bienenwachs. Er war der einzige, der gesagt hat: \u201eOkay, das probieren wir aus.\u201c Mittlerweile baut er alle seine F\u00e4sser so.<\/p>\n<div id=\"attachment_8013\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/koval-distillery-robert-birnecker-barrels.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8013\" class=\"wp-image-8013\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/koval-distillery-robert-birnecker-barrels.jpg\" alt=\"koval distillery robert birnecker barrels\" width=\"260\" height=\"195\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-8013\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Jaclyn Simpson\/KOVAL<\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Ihre Destillate haben auch eine koschere Zertifizierung. Was bedeutet das?<\/strong><\/p>\n<p>Wie bei der Biozertifizierung hei\u00dft das: Wir setzen nichts hinzu \u2013 keine Geschmacksstoffe, keine Farbstoffe. Bei uns kommen nur Wasser, Getreide, Enzyme und Hefe zusammen. Deshalb ist dieser Koscher-Stempel in den USA auch fu\u0308r Nichtjuden ein Qualit\u00e4tssiegel. Wir werden vier Mal im Jahr von der \u201eOrthodox Union\u201c, der h\u00f6chsten Zertifizierungsstelle, kontrolliert.<\/p>\n<p><strong>Wie lagern Sie Ihre F\u00e4sser? Das Klima in Chicago ist ja ein anderes als etwa in Kentucky.<\/strong><\/p>\n<p>Wir schaffen in unseren Lagerhallen eine Temperatur von etwa 20 Grad und lagern nur bis zu vier Lagen hoch. Sonst w\u00e4re es unm\u00f6glich, einen Single Barrel nach unseren Vorstellungen zu machen. Es gibt Leute, die einen 40-Zoll-Container schwarz anmalen und ihn im Sommer rausstellen. Dann hat man eine Fasslagerung wie in der Karibik, mit bis zu zw\u00f6lf Prozent Verdunstung im Alkohol und eine schnellere Reifung. Aber mit unserem Stil ist das nicht vereinbar.<\/p>\n<p><strong>In den USA ist der Begriff \u201eCraft Distilling\u201c entstanden \u2013 wie wu\u0308rden Sie ihn definieren?<\/strong><\/p>\n<p>Ganz unterschiedlich \u2013 es gibt nicht \u201edie\u201c Craft Distillery. Manche kaufen Whiskey von gro\u00dfen Brennereien und verfeinern das Produkt. Andere verwenden Neutralalkohol und Gewu\u0308rze fu\u0308r ihren Gin. Und es gibt Leute wie uns, die von Anfang an alles selbst machen. Uns geht es um Wiederholbarkeit und Qualit\u00e4t. In unserer vollautomatischen 5000-Liter-Brennerei wird jeder Schritt kontrolliert; mit der Firma Kothe haben wir eine komplexe Software entwickelt, mit der ich u\u0308ber das Smartphone den kompletten Zugriff auf die Brennereisteuerung habe.<\/p>\n<p><strong>Ist der Konkurrenzkampf h\u00e4rter geworden?<\/strong><\/p>\n<p>Als wir 2008 anfingen, gab es etwa 35 registrierte Brennereien. Heute sind es u\u0308ber 600, die teilweise sehr au\u00dfergew\u00f6hnliche Produkte machen. Damals gab es keine Fragen wie \u201eWu\u0308rden Sie mir bitte mal die Heaven Hill Distillery zeigen?\u201c Doch jetzt tauchen sie auf. Das ist auch fu\u0308r die Gro\u00dfen nicht immer angenehm. Es h\u00e4ngt sicher mit den M\u00f6glichkeiten des Internets und dem Wissensdurst der Konsumenten zusammen. Aber der Hauptgrund ist, dass die Menschen wieder Interesse am Thema Whiskey haben. Nicht nur in den USA entstehen kleinere Brennereien. Es bleibt spannend \u2013 Whiskey hat noch sehr viel zu bieten.<\/p>\n<h6><em>Interview: Elmar Schalk &amp; Nina Bauer<\/em><\/h6>\n<div id=\"attachment_8128\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/koval-2014-whiskey-range-bottles.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-8128\" class=\"size-full wp-image-8128\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/koval-2014-whiskey-range-bottles.jpg\" alt=\"koval 2014 whiskey range bottles\" width=\"1024\" height=\"473\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-8128\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Jaclyn Simpson\/KOVAL<\/p>\n<\/div>\n<blockquote>\n<h3>Information:<\/h3>\n<p>KOVAL Distillery<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.artofsmoke.de\">www.koval-distillery.com<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Fr\u00fchjahrs-Ausgabe 2015 ver\u00f6ffentlicht. <a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/vergangene-ausgaben\/fruehjahrs-ausgabe-2015-the-rebirth-of-davidoff\/\">Mehr<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robert Birnecker wollte die \u00f6sterreichische Brenntradition in die USA bringen. 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