{"id":7776,"date":"2015-12-10T14:00:47","date_gmt":"2015-12-10T13:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/?p=7776"},"modified":"2015-12-10T15:41:54","modified_gmt":"2015-12-10T14:41:54","slug":"vintage-havannas-was-macht-sie-zu-sammlerstuecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/vintage-havannas-was-macht-sie-zu-sammlerstuecken\/","title":{"rendered":"Vintage-Havannas: Was macht sie zu Sammlerst\u00fccken?"},"content":{"rendered":"<p><strong>In diesem Artikel geht Simon Chase den Aspekten nach, die Havanas zu begehrten Sammlerst\u00fccken machen. Dazu spricht er mit einem fr\u00fcheren Hunters &amp; Frankau-Kollegen und gew\u00e4hrt einen bereichernden Einblick in seine bisherigen Erfahrungen und Erkenntnisse aus diversen Zigarren-Auktionen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den letzten sechs Monaten hatte ich das gro\u00dfe Glu\u0308ck, zwei au\u00dfergew\u00f6hnliche Vintage-Havannas zu verkosten. Die erste war eine kubanische <strong>Davidoff No. 1 aus dem Jahr 1989<\/strong>, die Edward und Eddie Sahakian beim \u201e<strong>Vintage Cigar Evening<\/strong>\u201c in ihrem Zigarrengesch\u00e4ft mit angeschlossener Tasting-Lounge im Londoner Bulgari-Hotel pr\u00e4sentierten.<\/p>\n<p>Obwohl dieser 192 mm langen, schlanken Vitola mit einem Ringma\u00df von 38 im Allgemeinen kein gro\u00dfes Reifungs-Potenzial zugeschrieben wird, war der Geschmack in diesem Fall ein wahrer Genuss \u2013 vielleicht deshalb, weil es sich um ein seltenes, in Cellophan gewickeltes Exemplar handelte. Trotz ihres Alters von 25 Jahren hatte sie all den Duft von kubanischem Tabak bewahrt und wies eine fruchtige Reife auf, die mich wu\u0308nschen lie\u00df, sie noch l\u00e4nger genie\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4>Havannas bei Auktionen zu erwerben ist eine Art Gl\u00fccksspiel.<\/h4>\n<p>Die zweite Verkostung fand im Garten des Hotels Alma in Barcelona statt. Ich traf einen Mann namens <strong>Mark Stu\u0308cklin<\/strong>, mit dem ich in den 1990er-Jahren bei Hunters &amp; Frankau gearbeitet hatte, wo er sich ein beachtliches Wissen aneignete und einen sagenhaften Geschmackssinn fu\u0308r kubanische Tabakbl\u00e4tter entwickelte. Nach dem Mittagessen spendierte mir Mark eine <strong>Bol\u00edvar Corona Gigante<\/strong> im Churchill-Format \u2013 hergestellt, bevor Fidel Castro in Kuba an die Macht kam. Sie befand sich in einer Kiste, die ihm ein Connaisseur in den sp\u00e4ten 1980er-Jahren geschenkt hatte, und wurde Zeit ihres Lebens unter optimalen Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Luftfeuchtigkeit gelagert.<\/p>\n<div id=\"attachment_7973\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/coleccion-2003-habanos-hoyo-de-monterrey-extravaganza-book-case.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7973\" class=\"wp-image-7973\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/coleccion-2003-habanos-hoyo-de-monterrey-extravaganza-book-case.jpg\" alt=\"coleccion 2003 habanos hoyo de monterrey extravaganza book case\" width=\"260\" height=\"195\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-7973\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Habanos S.A.<\/p>\n<\/div>\n<p>Ich erw\u00e4hne das deshalb, weil es beim Anzu\u0308nden einer Zigarre, die vor u\u0308ber 50 Jahren gemacht wurde, wichtig ist, so viel wie m\u00f6glich u\u0308ber sie zu wissen. Eine gut aufbewahrte Zigarre dieses Alters kann sich als exzeptionell erweisen, doch wenn die Luftfeuchtigkeit bei der Lagerung zu weit unter die vorgeschriebenen 65 bis 70 Prozent f\u00e4llt, dann wird sie herb und ungenie\u00dfbar sein, ganz gleich wie perfekt der Geschmack bei ihrer Geburt war. Marks Bol\u00edvars waren eindeutig \u00e4u\u00dferst gut gefertigt \u2013 aus Bl\u00e4ttern von einer Reihe erfolgreicher Ernten. Der Zug war hart aber effektiv und im Rauchverlauf bildete sich ein solider Turm Asche u\u0308ber der bleistiftdu\u0308nnen Brandlinie \u2013 ein Zeichen fu\u0308r eine gereifte Zigarre. Der Geschmack war schlichtweg bemerkenswert.<\/p>\n<p>Wenngleich anfangs ged\u00e4mpft, entfalteten sich recht bald die mit dieser Marke assoziierten reichen, erdigen Aromen. Sie waren zwar \u00e4hnlich wie jene, die man in aktuellen Produktionen findet, doch u\u0308bertrafen sie diese durch eine u\u0308berw\u00e4ltigende, delikate Eleganz. Mark war der Ansicht, dass sein unsch\u00e4tzbarer Vorrat an Zigarren, von denen es nur mehr wenige gibt, seinen H\u00f6hepunkt u\u0308berschritten hatte. Ich teilte seine Meinung nicht, sondern fand, dass die Zigarre noch in jener Phase steckte, die <strong>Min Ron Nee<\/strong> als &#8222;zweite Reifung&#8220; bezeichnet, und die Chancen gut standen, dass sie in weiteren zehn Jahren die hochgesch\u00e4tzte dritte Reifung erreichen wu\u0308rde \u2013 den unbeschreiblichen \u201ehimmlischen\u201c Geschmack.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass der Geschmack von Havannas mit deren Alter besser werden kann \u2013 ich nenne das heutzutage \u201eGeschmacksbelohnung\u201c \u2013, ist nur einer der Aspekte, der sie zu Sammlerstu\u0308cken macht. Ein weiterer ist ihr Seltenheitswert. Diese schlie\u00dfen sich nicht gegenseitig aus, denn es ist ja zweifelsohne das Ziel jedes Sammlers, beide Kriterien zu erfu\u0308llen: eines, das gr\u00f6\u00dftenteils eine Sache pers\u00f6nlicher Befriedigung ist und eines, das einen Investitionsgewinn mit sich bringen kann.<\/p>\n<p>Beide der oben beschriebenen Zigarren hatten eine hohe Geschmacksbelohnung und zugleich gibt es nicht mehr viele kubanische Davidoffs \u2013 insbesondere mit einwandfreier Provenienz \u2013 zu kaufen und noch weniger die <strong>in den 1950er-Jahren hergestellten Bol\u00edvar Corona Gigantes<\/strong>.<\/p>\n<div id=\"attachment_7974\" style=\"width: 100px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/bolivar-corona-gigante-churchill.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7974\" class=\"wp-image-7974\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/bolivar-corona-gigante-churchill.jpg\" alt=\"bolivar corona gigante churchill\" width=\"90\" height=\"509\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-7974\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Habanos S.A.<\/p>\n<\/div>\n<p>Solche Zigarren zu finden, stellt eine Herausforderung dar. Oft werden sie hinter verschlossenen Tu\u0308ren zwischen Sammlern gehandelt, aber dann wiederum gibt es auch einige Zigarrenh\u00e4ndler, wie Edward und Eddie Sahakian, die sich auf Vintage-Havannas spezialisieren. Eine weitere Quelle sind \u00f6ffentliche Auktionen, die den Vorteil haben, dass ihre Resultate publiziert werden und somit eine nu\u0308tzliche Orientierungshilfe hinsichtlich Marktbewegungen bieten.<\/p>\n<p>Der derzeit aktivste Auktionator ist der in London ans\u00e4ssige <strong>Mitchell Orchant<\/strong> von <strong>C.Gars Ltd<\/strong>, der seit 2009 zumindest zwei Versteigerungen pro Jahr organisiert. Anfangs handelte es sich hier um reale Veranstaltungen, doch im Vorjahr richtete er die spezielle Website <a href=\"#C.Gars Vintage Cigars Auctions Info Box\">C.Gars Vintage Cigars Auctions<\/a> ein, die es ihm erm\u00f6glicht hat, die Zahl der Auktionen zu steigern. Er arrangiert aber nach wie vor auch reale Versteigerungen \u2013 zuletzt am 1. Dezember im <strong>Boisdale Jazz &amp; Cigar Club<\/strong> in Canary Wharf.<\/p>\n<p>Havannas bei Auktionen zu erwerben ist \u2013 \u00e4hnlich wie im Fall von feinen Weinen \u2013 eine Art Glu\u0308cksspiel. Einerseits besteht die Frage der Provenienz, besonders hinsichtlich der Art und Weise, wie die Zigarre gelagert wurde, und andererseits wei\u00df man nie, wie sich die Gebote entwickeln werden. Was die Provenienz betrifft, besteht die M\u00f6glichkeit, die Zigarren vor dem Mitbieten zu inspizieren. Selbst wenn Sie tausende Meilen weit entfernt wohnen, wu\u0308rde ich Ihnen dringendst empfehlen, dass Sie die Reise antreten, denn es geht nichts u\u0308ber das Begutachten, Befu\u0308hlen und Riechen an den Zigarren.<\/p>\n<p>Das Bieten ist eine andere Geschichte, denn Auktionen k\u00f6nnen einen besonderen Einfluss auf die Teilnehmer ausu\u0308ben. Ich werde nie jene kalte Nacht im November 2010 vergessen, als bei einer C.Gars-Auktion eine Kiste mit 10 <strong>Romeo y Julieta Dunhill Seleccion No. 779<\/strong> <strong>aus der Zeit vor Castro<\/strong> zur Versteigerung kam. Der Sch\u00e4tzpreis lag bei einer angemessenen H\u00f6he von 2000 bis 2500 Pfund (ca. 2500 bis 3100 Euro) \u2013 es handelte sich ja nur um 10 Zigarren.<\/p>\n<p>Zwei Herren, der eine aus Hongkong, der andere aus Japan, lieferten sich einen gigantischen Kampf. Sie lie\u00dfen den Sch\u00e4tzpreis bald hinter sich. Jubel brach aus, als sie die 7500-Pfund-Marke u\u0308berschritten, und tosender Beifall, als 10.000 Pfund erreicht wurden. Schlie\u00dflich trug der Herr aus Japan mit seinem Gebot von 11.500 Pfund (ca. 14.500 Euro) bzw. 1150 Pfund (ca. 1450 Euro) pro Zigarre den Sieg davon und stellte damit einen neuen Weltrekord fu\u0308r den h\u00f6chsten fu\u0308r eine Zigarre bezahlten Preis bei einer \u00f6ffentlichen Auktion auf. Fu\u0308r manche ist der Nervenkitzel bei Auktionen ein weiterer Grund, Havannas zu sammeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_7790\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/romeo_julieta_dunhill_seleccion_no.779_pre_embargo_box_open.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7790\" class=\"wp-image-7790\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/romeo_julieta_dunhill_seleccion_no.779_pre_embargo_box_open.jpg\" alt=\"romeo y julieta dunhill seleccion no. 779 pre-embargo box \" width=\"260\" height=\"195\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-7790\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ffffff;\">.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/span>Photo: C.Gars Ltd<\/p>\n<\/div>\n<p>Um herauszufinden, welche Zigarren welche Preise erreichen k\u00f6nnen, gibt es ein <strong>nu\u0308tzliches Tool <\/strong>auf der Cigar-Auctions-Website, das Ihnen die M\u00f6glichkeit bietet, die erzielten Preise von jedem Los bei jeder C.Gars-Auktion der vergangenen fu\u0308nf Jahre zu pru\u0308fen.<\/p>\n<p>Beachten Sie jedoch, dass es sich bei den gelisteten Betr\u00e4gen jeweils um den sogenannten Hammerpreis handelt. Dieser beinhaltet weder die Kommission von rund 15 Prozent, die sowohl vom K\u00e4ufer als auch vom Verk\u00e4ufer bezahlt werden muss, noch Umsatzsteuer auf die Kommission, die eventuell zu entrichten ist, je nachdem in welchem Land Sie leben.<\/p>\n<p>Bei n\u00e4herer Betrachtung der Listen auf der Website werden Sie rasch entdecken, dass es gro\u00dfes Interesse an einigen speziellen Produktionen gibt, die <strong>Habanos S.A.<\/strong> seit der Jahrhundertwende hergestellt hat. Dazu z\u00e4hlen Millennium-Jars, Limited Editions, regionale Editionen, Reservas, Gran Reservas, sogenannte \u201eColecci\u00f3n Habanos-Bu\u0308cher\u201c und Replikate von antiken Humidoren. All diese Sonderproduktionen haben mehr oder weniger automatisch Seltenheitswert, da sie in begrenzten Mengen erzeugt wurden. So werden zum Beispiel von Reservas und Gran Reservas in jeder Kategorie nur 5000 Kisten pro Produktionsjahr lanciert.<\/p>\n<p>Reserva-Kisten beinhalten je 20 Zigarren, Gran Reserva-Kisten je 15 Stu\u0308ck, was einer Gesamtproduktion von 100.000 bzw. 75.000 Zigarren entspricht. <strong>Colecci\u00f3n Habanos<\/strong> sind viel seltener, weil nur 2000 Stu\u0308ck dieser Humidore in Buchform mit je 20 Zigarren (also gesamt 40.000 Stu\u0308ck) pro Jahr hergestellt werden, und Replikate von antiken Humidoren haben einen noch gr\u00f6\u00dferen Seltenheitswert, da insgesamt blo\u00df 17.500 Exemplare gefertigt werden, um 350 Humidore mit je 50 Zigarren zu fu\u0308llen. All diese Spezialit\u00e4ten haben gute Resultate bei Auktionen erzielt. Es gab eine Sonderproduktion, die eine neue Dimension in Sachen Seltenheitswert er\u00f6ffnete, wenngleich Sie diese weder bei einer Auktion noch auf einer Website finden werden.<\/p>\n<p>Die Rede ist vom <strong>Cohiba 40 Aniversario-Humidor<\/strong> aus dem Jahr 2006. Von diesen herrlichen <strong>Elie Bleu-Kisten<\/strong> wurden nur 100 Exemplare gefertigt, in denen sich eine einzigartige Vitola (L\u00e4nge: 191 mm, Ringma\u00df 52) mit dem heutzutage etwas verwirrenden Namen Behike befindet. Jeder Humidor wurde mit 40 Zigarren mit einzeln nummerierten Ringen bestu\u0308ckt, was einer Gesamtproduktion von nur 4000 entspricht. Im Jahr 2006 lag der Preis fu\u0308r die Kiste bei 15.000 Euro. Wer heute eine kaufen m\u00f6chte, muss \u2013 meines Wissens nach \u2013 mit 100.000 Pfund (ca. 126.000 Euro) oder vielleicht sogar mehr rechnen. Ob Sie dafu\u0308r auch eine Geschmacksbelohnung erhalten, kann ich Ihnen leider nicht sagen, da ich nie die Gelegenheit hatte, eine dieser Zigarren zu rauchen.<\/p>\n<blockquote>\n<h3><a name=\"C.Gars Vintage Cigars Auctions Info Box\"><\/a>Information:<\/h3>\n<p>C.Gars Vintage Cigars Auctions <a href=\"http:\/\/www.cigarauctions.co.uk\/\" target=\"_blank\"><br \/>\nwww.cigarauctions.co.uk<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Fr\u00fchjahrs-Ausgabe 2015 ver\u00f6ffentlicht. <a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/vergangene-ausgaben\/fruehjahrs-ausgabe-2015-the-rebirth-of-davidoff\/\" target=\"_blank\">Mehr<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simon Chase geht den Aspekten nach, die Havanas zu begehrten Sammlerst\u00fccken machen. 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