{"id":77153,"date":"2026-08-03T13:19:04","date_gmt":"2026-08-03T11:19:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/?p=77153"},"modified":"2026-08-03T13:19:04","modified_gmt":"2026-08-03T11:19:04","slug":"200-jahre-zigarrenstadt-kampen-de-olifant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/200-jahre-zigarrenstadt-kampen-de-olifant\/","title":{"rendered":"200 JAHRE ZIGARRENSTADT KAMPEN &#038; DE OLIFANT"},"content":{"rendered":"<p>Die Stadt Kampen in den Niederlanden kann wahrlich auf eine sehr lange Tradition der Zigarrenherstellung zur\u00fcckblicken. Im Laufe der Jahrhunderte gab es viele Betriebe, welche dieses Handwerk aus\u00fcbten. Heute ist De Olifant die letzte aktive Zigarrenmanufaktur vor Ort. Seit 1826 werden <em>dort De Olifant-Zigarren und -Zigarillos produziert. Maaike van der Sluis<\/em> steht f\u00fcr die vierte Generation des Familienunternehmens. Das <em>Cigar Journal<\/em> konnte im folgenden Interview spannende und pers\u00f6nliche Einblicke erfahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Cigar Journal: Wann war Ihr Einstieg in die Welt des braunen Goldes?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Maaike van der Sluis<\/em>: Ich stamme aus der vierten Generation einer echten Zigarrenfamilie. Das bedeutet nicht, dass ich direkt nach meiner Geburt aktiv in die Zigarrenindustrie eingestiegen bin, aber ich bin von klein auf damit aufgewachsen. Mein Vater war Zigarrenproduzent, hat jedoch sp\u00e4ter beruflich einen anderen Weg eingeschlagen. \u00dcber die Familie Van der Sluis in Kampen blieb die Welt der Zigarren dennoch immer ganz nah. Auch mein Onkel Arend van der Sluis spielte dabei eine wichtige Rolle. Ab meinem zwanzigsten Lebensjahr arbeitete ich selbst im Familienunternehmen, zun\u00e4chst im Bereich des Handels mit Maschinen f\u00fcr die Tabakverarbeitung.<\/p>\n<p>Nach einer Phase, in der mein Studium im Mittelpunkt stand, bin ich ab 2003 wirklich aktiv in die Zigarrenwelt eingestiegen. Mein sp\u00e4terer Ehemann Thomas Klaphake, verantwortlich f\u00fcr die Betriebsf\u00fchrung, fragte mich damals, ob ich einen Teil des Vertriebs von De Olifant an Tabakfachgesch\u00e4fte in den Niederlanden \u00fcbernehmen k\u00f6nnte. Von dort aus bin ich immer tiefer in das Handwerk und die Branche hineingewachsen. So kamen letztlich Familiengeschichte, Leidenschaft f\u00fcr das Produkt und meine Arbeit zusammen.<\/p>\n<p>Und zu Hause geh\u00f6rte eine Zigarre einfach dazu: Mein Vater und meine Mutter rauchten Zigarren, sp\u00e4ter auch ich selbst, und inzwischen raucht eine meiner T\u00f6chter ebenfalls Zigarren. Die Entwicklung eines guten Geschmacks muss auch von Generation zu Generation weitergegeben werden.<\/p>\n<p><strong><em>Cigar Journal:<\/em><\/strong><strong> <em>Anl\u00e4sslich des 200-Jahr-Jubil\u00e4ums der Zigarrenstadt Kampen hat De Olifant eine Limited Edition pr\u00e4sentiert. Sie haben ja von Altmeister Tinus Vinke die Kunst des Rollens einer Zigarre erlernt. D\u00fcrfen wir uns auch in Zukunft auf weitere limitierte handgerollte Zigarren von De Olifant freuen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Maaike van der Sluis<\/em>: Was uns die Zukunft bringt, wissen wir nat\u00fcrlich alle nicht. Aber eines k\u00f6nnen wir sicher sagen: Tradition, Handwerk, Wissen und vor allem die Freude an diesem Fach besch\u00e4ftigen uns jeden Tag. Deshalb widmen wir uns st\u00e4ndig neuen Ideen und Kreationen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig werden wir nat\u00fcrlich auch von der Gesetzgebung eingeholt \u2013 und genau dort liegt oft der Flaschenhals. Trotzdem gilt: Solange es m\u00f6glich ist, bleiben wir kreativ und entwickeln weiter besondere Produkte. Ob und wann daraus neue limitierte Zigarren entstehen, h\u00e4ngt letztlich von mehreren Faktoren ab.<\/p>\n<p><strong><em>Cigar Journal:<\/em><\/strong> <strong><em>Wie hat sich in den letzten zehn Jahren der Markt in den Niederlanden und Europa ver\u00e4ndert? <\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Maaike van der Sluis<\/em>: In den Niederlanden kann man eigentlich von zwei Entwicklungen sprechen. Auf der einen Seite w\u00e4chst der Zigarillomarkt weiterhin stark. Das hat in den Niederlanden auch mit den hohen Preisen f\u00fcr Zigaretten zu tun, wodurch viele Verbraucher nach Alternativen suchen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite sehen wir eine Entwicklung hin zu exklusiveren Zigarren. Wenn wir von \u201eZigarren\u201c sprechen, meinen wir vor allem Formate \u00fcber drei Gramm, also nicht die kleinen Zigarillos. In diesem Segment w\u00e4chst das Interesse an Rarit\u00e4ten, limitierten Serien und besonderen Qualit\u00e4ten. Diese Entwicklung wird stark von der Longfiller-Welt aus der Karibik beeinflusst.<\/p>\n<p>Das Gesamtvolumen der Raucher nimmt zwar ab, aber die Gruppe der Qualit\u00e4tsraucher, Menschen mit Interesse an besonderen Produkten und deren Herkunft, hat stark an Bedeutung gewonnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Niederlande hatte das eine klare Konsequenz: Zwischen den g\u00fcnstigen Zigarillos und den Premium-Longfillern sind nur noch wenige starke Shortfiller-Marken \u00fcbrig geblieben. De Olifant und Jacob van Meer geh\u00f6ren dazu. Vor zehn oder 15 Jahren hatten Shortfiller in den Niederlanden und auch in Europa noch eine viel breitere Position auf dem Markt. Heute steht dieses Segment st\u00e4rker unter Druck.<\/p>\n<p>In Europa sieht man ein \u00e4hnliches Bild. Zigarillos bleiben beliebt als Alternative zur Zigarette, w\u00e4hrend gleichzeitig die Premium-Longfiller-Welt weiter w\u00e4chst. In Deutschland zum Beispiel sind Longfiller hervorragend im Fachhandel integriert \u2013 und dort gibt es noch immer zahlreiche spezialisierte Tabakgesch\u00e4fte.<\/p>\n<p>Marken wie De Olifant nehmen dadurch heute eine besondere Position ein: als exklusive traditionelle Shortfiller-Marke mit handwerklichem Charakter.<\/p>\n<p><strong><em>Cigar Journal: Gibt es l\u00e4nderspezifische Vorlieben f\u00fcr besondere Formate?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Maaike van der Sluis<\/em>: Ja, absolut. Wenn wir ganz nah bei der Marke bleiben, dann ist f\u00fcr De Olifant in Deutschland eindeutig die Knakje der Bestseller, in den Niederlanden dagegen eher die Corona. Das muss man eigentlich gar nicht gro\u00df erkl\u00e4ren \u2013 das ist einfach historisch so gewachsen.<\/p>\n<p>Wenn man das weiter betrachtet, kann man sagen, dass in Deutschland und Belgien die Knakje die beliebteste Zigarre von De Olifant ist, in \u00d6sterreich und der Schweiz hingegen die Corona.<\/p>\n<p><strong><em>Cigar Journal: Wie sehen Sie die Entwicklung der Zigarre im Hinblick auf die immer st\u00e4rker werdenden Einschr\u00e4nkungen der Konsumenten?<\/em><\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Das schlie\u00dft eigentlich gut an die Entwicklung des Zigarrenmarktes der letzten zehn Jahre an. Im Volumen sieht man eine Verschiebung von klassischen Zigarettenrauchern hin zu Zigarillorauchern. Das sorgt innerhalb des gesamten Marktes weiterhin f\u00fcr relevante Mengen.<\/p>\n<p>Wenn wir jedoch \u00fcber das sprechen, was wir wirklich als Zigarren verstehen \u2013 also Premiumzigarren beziehungsweise Formate ab drei Gramm \u2013, dann sehen wir eine andere Entwicklung. Das klassische Bild der Zigarre gewinnt wieder an Bedeutung: Qualit\u00e4t, Ruhe, Entspannung und bewusster Genuss.<\/p>\n<p>Nicht die Masse verkauft heute die Zigarre, sondern das Produkt selbst. Genau darin liegt auch die Zukunft. Selbst mit einer kleineren Zielgruppe kann man erfolgreich bleiben, wenn man Authentizit\u00e4t, Qualit\u00e4t und Ausstrahlung bewahrt.<\/p>\n<p><strong><em>Cigar Journal: Was ist f\u00fcr Sie das wichtigste Anliegen\/Kriterium bei der Entwicklung von neuen Blends?<\/em><\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><em>Maaike van der Sluis<\/em>: Die heutigen Blends k\u00f6nnte man durchaus als eine Art \u201eniederl\u00e4ndischen Blend\u201c bezeichnen. Traditionell arbeiten wir bei De Olifant mit Tabaken aus Sumatra, Java, Brasilien und Kuba. Das bildet bis heute die Grundlage unserer Zigarren.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es zwei Entwicklungen, die das k\u00fcnftig ver\u00e4ndern k\u00f6nnten. Erstens: Werden diese Tabake langfristig weiterhin in ausreichender Qualit\u00e4t verf\u00fcgbar sein? Und zweitens: Passt dieses Geschmacksprofil auch in Zukunft zu den sich ver\u00e4ndernden Vorlieben der Konsumenten?<\/p>\n<p>Gerade beim zweiten Punkt m\u00fcssen wir kritisch bleiben. Die Geschmacksentwicklung der Zigarrenraucher wird heute nat\u00fcrlich auch stark von dem beeinflusst, was aus der Karibik und Mittelamerika kommt. Deshalb m\u00fcssen wir offen bleiben und auch experimentieren d\u00fcrfen, um zu sehen, ob neue Blends vielleicht noch besser zu modernen Geschmacksprofilen passen oder zus\u00e4tzliche Qualit\u00e4t bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>L\u00e4nder wie Nicaragua, die Dominikanische Republik, Honduras, Kamerun, Mexiko oder Ecuador haben \u00fcber viele Jahre bewiesen, dass sie hervorragende Tabake produzieren k\u00f6nnen. Daf\u00fcr sollte man offen bleiben<strong>.<\/strong><\/p>\n<p>Man darf durchaus mit m\u00f6glichen Formen des Experimentierens mitgehen. Gerade die Geschmacksprofile von Longfillern entwickeln sich weiter, und Ver\u00e4nderungen sind nicht automatisch etwas Negatives. Im Gegenteil: Anpassungen k\u00f6nnen sehr sinnvoll sein, solange man den Charakter und die Qualit\u00e4t der Marke bewahrt. Tradition ist wichtig, aber sie darf Innovation nicht ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong><em>Cigar Journal: Aus welchen L\u00e4ndern kommen die Tabake f\u00fcr Ihre Produkte? Das von Ihrer Manufaktur verwendete Deckblatt, ein Sumatra-Sandblatt, ist eines der teuersten auf dem Markt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Beschaffung dieser besonderen Qualit\u00e4ten bestimmt nicht immer einfach ist?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Maaike van der Sluis<\/em>: Die gro\u00dfe Herausforderung bei Qualit\u00e4tsprodukten bleibt immer dieselbe: K\u00f6nnen wir auch in Zukunft weiterhin \u00fcber jene hochwertigen Tabake verf\u00fcgen, die unseren Zigarren ihren unverwechselbaren Charakter verleihen? Nehmen wir zum Beispiel das Sumatra-Deckblatt aus Indonesien. Dieses ist nicht nur knapp, sondern vor allem selten. Und genau darin liegt ein wichtiger Unterschied. Knappheit ist ein wirtschaftlicher Begriff. Sie wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt.<\/p>\n<p>Seltenheit hingegen ist ein \u00f6kologischer Begriff. Es geht darum, wie viel \u00fcberhaupt aus der Natur, von der Plantage und aus der Ernte verf\u00fcgbar ist. Wie viel dieser au\u00dfergew\u00f6hnlichen Qualit\u00e4t wird tats\u00e4chlich produziert? Beim Sumatra-Deckblatt sprechen wir von einem \u00e4u\u00dferst begrenzten und besonderen Naturprodukt. Um die sch\u00f6nsten Ballen wird weltweit gek\u00e4mpft \u2014 gerade weil sie so selten sind.<\/p>\n<p>Dieses charakteristische Sumatra-Deckblatt bildet das Herzst\u00fcck unserer Zigarre. Deshalb investieren wir gemeinsam mit dem VCF-Team [Vandermarliere Cigar Family] kontinuierlich in Beziehungen, Selektion und langfristige Zusammenarbeit, um auch k\u00fcnftig Zugang zu diesen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Tabaken zu sichern.<\/p>\n<p>Das gilt nicht nur f\u00fcr das Sumatra-Deckblatt, sondern f\u00fcr die gesamte Komposition unserer Mischungen. Das Java-Besuki-Umblatt sorgt f\u00fcr Struktur und Balance. Java im Einlagetabak bringt eine leichte, neutrale Basis. Sumatra steht f\u00fcr die w\u00fcrzige Charakteristik. Brasilien verleiht eine s\u00fc\u00dfkr\u00e4ftige Rundheit. Und der kubanische Tabak aus dem Gebiet Remedios liefert die feine pfeffrige Note, die unseren Zigarren zus\u00e4tzliche Tiefe verleiht.<\/p>\n<p>Gerade diese Kombination aus seltenen Herk\u00fcnften, handwerklichem K\u00f6nnen und langfristigen Beziehungen macht ein Qualit\u00e4tsprodukt nicht nur besonders, sondern auch verletzlich \u2014 und genau deshalb umso wertvoller.<\/p>\n<p><strong><em>Cigar Journal: Zum Abschluss noch eine andere Frage: Was bedeutet f\u00fcr Sie De Olifant und De Eenhoorn?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Maaike van der Sluis<\/em>: F\u00fcr mich geh\u00f6ren De Olifant und De Eenhoorn koffie &amp; thee eigentlich ganz selbstverst\u00e4ndlich zusammen. Beide Marken erz\u00e4hlen dieselbe Geschichte von Herkunft, Handwerk und bewusstem Genuss.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich schl\u00e4gt mein Herz f\u00fcr den Tabak und die traditionelle Zigarrenkultur. Aber gerade das Sch\u00f6ne ist, dass sich beide Welten gegenseitig verst\u00e4rken. Viele Kaffees von De Eenhoorn stammen aus denselben Regionen der Welt, in denen auch hervorragende Tabake wachsen \u2014 aus Mittelamerika, der Karibik oder Indonesien. Diese L\u00e4nder besitzen oft eine ganz eigene Bodenbeschaffenheit, ein besonderes Klima und eine jahrhundertealte Kultur des Anbaus. Das schmeckt man sowohl im Tabak als auch im Kaffee.<\/p>\n<p>Dadurch k\u00f6nnen wir Menschen nicht nur die unterschiedlichen Charaktere und Geschmacksnoten der Tabake n\u00e4herbringen, sondern gleichzeitig auch die Kaffees aus denselben Ursprungsl\u00e4ndern erleben lassen. Das schafft eine besondere Verbindung zwischen den beiden Produkten.<\/p>\n<p>Viele Fachh\u00e4ndler von De Olifant entdecken deshalb auch die Welt von De Eenhoorn-Kaffee. So ist im Laufe der Jahre eine sehr wertvolle Kombination entstanden: zwei Marken, die einander erg\u00e4nzen und gemeinsam f\u00fcr Qualit\u00e4t, Herkunft, Ruhe und bewussten Genuss stehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadt Kampen in den Niederlanden kann wahrlich auf eine sehr lange Tradition der Zigarrenherstellung zur\u00fcckblicken. Im Laufe der Jahrhunderte gab es viele Betriebe, welche dieses Handwerk aus\u00fcbten. Heute ist De Olifant die letzte aktive Zigarrenmanufaktur vor Ort. Seit 1826 werden dort De Olifant-Zigarren und -Zigarillos produziert. 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