{"id":7473,"date":"2015-11-23T09:01:11","date_gmt":"2015-11-23T08:01:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/?p=7473"},"modified":"2015-11-19T16:27:19","modified_gmt":"2015-11-19T15:27:19","slug":"heinrich-villiger-interview-85-geburtstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/heinrich-villiger-interview-85-geburtstag\/","title":{"rendered":"Heinrich Villiger im Gespr\u00e4ch \u00fcber das internationale Familienunternehmen Villiger"},"content":{"rendered":"<p>Im Mai dieses Jahres wurde Heinrich Villiger 85 Jahre alt. Der Zigarrenhersteller aus der Schweiz hat fast 65 Jahre lang nicht nur das Unternehmen Villiger So\u0308hne gepra\u0308gt, sondern ein Tabakwissen erworben, das seinesgleichen sucht. Im Interview anla\u0308sslich seines Geburtstages betont er die Rolle seines Vaters, der mit seinen Ratschla\u0308gen die Basis fu\u0308r dieses Tabakwissen geschaffen habe, wovon er heute noch zehre.<\/p>\n<div id=\"attachment_7476\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/heinrich-villiger-portrait-interview-cigar-journal.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-7476\" class=\"wp-image-7476\" src=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/heinrich-villiger-portrait-interview-cigar-journal.jpg\" alt=\"Photo: Villiger S\u00f6hne\" width=\"300\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-7476\" class=\"wp-caption-text\">Photo: Villiger S\u00f6hne<\/p>\n<\/div>\n<p>Nach seinem Abitur 1950 in Neucha\u0302tel war ein gewu\u0308nschtes Ru\u0308stzeug geschaffen: vor allem die Sprachen Englisch und Franzo\u0308sisch. Im zweiten Schritt schickte ihn sein Vater fu\u0308r eineinhalb Jahre nach Nord-, Mittel- und Su\u0308damerika und in die Karibik, wo er den Rohtabak von der Pike auf kennenlernen sollte. In Maryland, South und North Carolina sowie Virginia nahm er an den Auktionen fu\u0308r Zigarettentabake teil, denn Villiger So\u0308hne hatte damals im schweizerischen Mu\u0308nsingen noch eine Beteiligung an einer Zigarettenfabrik. Connecticut (Connecticut Shade) und Broadleaf in Hartford, Massachusetts, das in Deutschland als Deckblatt verarbeitet wurde, waren die na\u0308chsten Stationen.<\/p>\n<p>Kuba lernte Villiger vor der Revolution kennen, in der Dominikanischen Republik volontierte er beim Vater von Hendrik Kelner, der spa\u0308ter die Davidoff-Produktion aufbaute. In Europa war er eine Saison in Amsterdam an der Tabakbo\u0308rse ta\u0308tig, anschlie\u00dfend mit Austria Tabak in der Tu\u0308rkei zum Einkauf von Orient-Tabaken unterwegs. Seine \u201eFeuertaufe\u201c kam mit der Aufhebung des Maschinenverbots 1958 fu\u0308r Deutschland, wo Villigers Gro\u00dfmutter Louise 1910 eine Niederlassung gegru\u0308ndet hatte. Villiger So\u0308hne verwendete als erstes Unternehmen in Deutschland Strangmaschinen fu\u0308r die Wickelherstellung, das waren umgebau- te Zigarettenmaschinen, um die Produktion zu rationalisieren.<\/p>\n<p>Damit folgte der na\u0308chste Schritt zum rekonstituierten Tabak-Umblatt. Vielfach fa\u0308lschlich als HTL (Homogenized Tobacco Leaf) bezeichnet, jedoch eigentlich ein fu\u0308r Bandtabak eingetragenes Warenzeichen von General Cigar. Heinrich Villiger begleitete all diese Schritte der Mechanisierung, ohne die Villiger So\u0308hne im Weltwettbewerb nicht ha\u0308tte u\u0308berleben ko\u0308nnen. 2014 produzierte das Unternehmen 1,5 Milliarden Zigarillos und Zigarren, ein Anteil davon sind Handelsmarken. Das entspricht in Deutschland einem Marktanteil von 24 Prozent, in Spanien von 21 Prozent und in der Schweiz von 40 Prozent.<\/p>\n<p><strong>Herr Villiger, Sie blicken auf 65 Jahre Beruf(ung) zuru\u0308ck. Gibt es Entscheidungen, die Sie heute anders fa\u0308llen wu\u0308rden?<\/strong><\/p>\n<p>Ich wu\u0308rde nicht mehr in das Fahrradgescha\u0308ft einsteigen. Mein Bruder und ich hatten in der Schweiz ein kleines Unternehmen gekauft und erhebliche Mittel in die Erweiterung investiert. Aber die Fabrik brannte ab, der Wiederaufbau war teuer. Und auch der Kauf der Diamant-Fahrradwerke in der ehemaligen DDR kostete uns viel Geld. Ende der 90er-Jahre haben wir das Fahrradgescha\u0308ft liquidiert. Es war ein finanziell teures Engagement, wir bauten hervorragende Ra\u0308der, natu\u0308rlich auch mit viel Herzblut. Das wa\u0308re besser im Tabakgescha\u0308ft investiert gewesen.<\/p>\n<p><strong>Ihr Unternehmen liegt im Absatzvergleich unter den gro\u0308\u00dften zehn der Weltrangliste. Wie behauptet sich Villiger So\u0308hne gegen die Gro\u00dfkonzerne?<\/strong><\/p>\n<p>Wir machen es anders als die anderen, suchen Marktnischen. 97 Prozent des Tabakwarenmarktes sind Zigaretten und werden beherrscht von vier Weltkonzernen und dem chinesischen Tabak-Monopol. Diese Konzerne produzieren aber auch Zigarren und Zigarillos und geho\u0308ren somit zu unseren Mitbewerbern. Aber Zigarren geho\u0308ren nicht zu ihrem Kerngescha\u0308ft. Durch unsere Vielzahl von Produkten ko\u0308nnen wir viele Kundenwu\u0308nsche befriedigen, auch in kleinen La\u0308ndern.<\/p>\n<p><strong>Die Anfeindungen durch Politik und O\u0308ffentlichkeit erschweren Ihren unternehmerischen Erfolg. Fu\u0308hlen Sie sich perso\u0308nlich angegriffen?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich den Tag abends mit meiner Frau bespreche, muss ich angesichts des Unversta\u0308ndnisses der Politik den Kopf schu\u0308tteln. Fu\u0308r ein so altes Familienunternehmen, das mit so viel Herzblut und Engagement handelt, ist es frustrierend zu sehen, wie die Politik mit massiven Restriktionen unsere Produkte torpediert. Leider werden wir dabei mit den Weltkonzernen, die vorwiegend Zigaretten herstellen, in einen Topf geworfen. Einmal wurde ich nach einer TV-Talkshow, wo ich die Zahl der Passivrauchertoten anzweifelte, sogar vor Gericht gebracht. Glu\u0308cklicherweise hatte der Richter ein Einsehen und be- wertete es als freie Meinungsa\u0308u\u00dferung.<\/p>\n<p><strong>Mit 85 Jahren sind Sie noch voll im operativen Gescha\u0308ft aktiv. Welche Weichen haben Sie fu\u0308r die personelle Zukunft Ihres Unternehmens gestellt?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben eine sehr einfache Fu\u0308hrungsstruktur. Die verschiedenen Unternehmen in der Schweiz, in Deutschland, in Indonesien und USA sind in der Villiger So\u0308hne Holding AG zusammengefasst. Wir haben einen dreiko\u0308pfigen fu\u0308r das operative Gescha\u0308ft verantwortlichen Verwaltungsrat, der die Gruppe mit zwei Gescha\u0308ftsfu\u0308hrern, je fu\u0308r Technik und Marketing, fu\u0308hrt. Ich kann mich auf das konzentrieren, was mir Freude macht, oder dort, wo \u201ees brennt\u201c, was auch hin und wieder vorkommt. Wir haben auch eine tatkra\u0308ftige Frau im Verwaltungsrat, Dr. rer. nat. Hubertine Underberg, Pra\u0308sidentin des Verwaltungsrates der Underberg AG. Zurzeit absolviert eine meiner Enkelinnen, die mich im Februar nach Santo Domingo und Kuba begleitet hat, ein Management-Trainee-Programm durch alle Abteilungen des Unternehmens, und eine zweite Enkelin arbeitet in der Marketing-Abteilung in der Schweiz.<\/p>\n<p><strong>Welche privaten Wu\u0308nsche mo\u0308chten Sie sich noch erfu\u0308llen?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist ein unrealistischer Wunsch, aber mir wu\u0308rde eine karibische Insel vorschweben, wo ich fischen und angeln kann. Mein Motorrad habe ich nach 45 Jahren Tourenfahrten quer durch Europa und auch in Amerika und Afrika mit Tra\u0308nen in den Augen verkauft. Treu bin ich jedoch meinem Mountain Bike geblieben. Und die Jagd bringt mir nach wie vor viel Freude und Abwechslung.<\/p>\n<p><strong>Mit wem und warum wu\u0308rden Sie gern einen Abend bei einer Zigarre verbringen und was wa\u0308ren die Gespra\u0308chsthemen?<\/strong><\/p>\n<p>Wir wu\u0308rden eine gute Zigarre mit einem feinen Whisky genie\u00dfen, und die ganzen Tabakgegner wa\u0308ren ausgeschlossen, denn die sind in der Regel \u201eemotional aufgeladen\u201c. Wenn er noch lebte, wu\u0308rde ich gern Ernest Hemingway treffen. Die Themen wa\u0308ren: Zigarren, Jagen und Fischen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Artikel wurde in der Cigar Journal Sommer-Ausgabe 2015 ver\u00f6ffentlicht. <a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/vergangene-ausgaben\/sommer-ausgabe-2015-gurkha-cigars-keine-kompromisse\/\">Mehr<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Zigarrenhersteller aus der Schweiz hat fast 65 Jahre lang nicht nur das Unternehmen Villiger So\u0308hne gepra\u0308gt, sondern ein Tabakwissen erworben, das seinesgleichen sucht. Wir trafen ihn anl\u00e4sslich seines 85. 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