{"id":66729,"date":"2024-02-26T15:35:59","date_gmt":"2024-02-26T14:35:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/nur-eine-zigarre\/"},"modified":"2024-02-26T15:35:59","modified_gmt":"2024-02-26T14:35:59","slug":"nur-eine-zigarre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/nur-eine-zigarre\/","title":{"rendered":"Nur eine Zigarre \u2026"},"content":{"rendered":"<p>Eine Zigarre ist niemals nur eine Zigarre. Sie ist viel mehr als das. Sie ist die Umgebung, in der wir sie genie\u00dfen; das Getr\u00e4nk, das wir als Pairing reichen; die Musik, die wir h\u00f6ren; der perfekte Schnitt; die Farbgestaltung der Umgebung. Und nur wenn die Summe ihrer Teile perfekt dirigiert und orchestriert wird, ergibt sich aus den einzelnen T\u00f6nen eine Symphonie.<\/p>\n<p>Wem kommt das bekannt vor? Ja, es stimmt, der Genuss einer Zigarre ist oft mehr als einfach nur die Zigarre. Vielleicht erweist sich diese Herangehensweise allerdings als hinderlich dabei, ein Produkt als das anzuerkennen, was es ist. Herzlich willkommen in unserem literarischen Rauchsalon.<\/p>\n<p>Ja, wir werden auch dieses Mal wieder gemeinsam eine Zigarre genie\u00dfen. Aber es soll auch noch um etwas anderes gehen. Das Zelebrieren des Moments hat seine Berechtigung und ist wundersch\u00f6n, kann jedoch zu etwas ausarten, das dem Genuss im Wege steht.<\/p>\n<p>Wir wollen uns heute einer Zigarre widmen: der Arturo Fuente Rosado Sungrown Magnum R V52. Kein magisch-mystisches Meisterwerk, sondern einfach nur eine nahezu perfekte Zigarre.<\/p>\n<p>Machen Sie es sich gem\u00fctlich, greifen Sie zu Ihrem bevorzugtem Schneidewerkzeug und entflammen Sie Ihre Zigarre, w\u00e4hrend ich Ihnen eine Geschichte erz\u00e4hle, die Ihnen verdeutlichen soll, worum es dieses Mal geht.<\/p>\n<p>Ich besuchte einen langj\u00e4hrigen Freund von mir, der nach einem mehrj\u00e4hrigen Auslandsaufenthalt wieder zur\u00fcck in die Heimat gekommen war. Es war ein langer feucht-fr\u00f6hlicher Abend und ein unglaublich sch\u00f6nes Wiedersehen. Ein Wiedersehen mit einem Pferdefu\u00df, denn es gab an diesem Abend keinen Balkon, keine M\u00f6glichkeit, eine Zigarre zu genie\u00dfen. Irgendwann musste ich den Heimweg antreten, und als ich das Wohnhaus in einem Wiener Randbezirk verlie\u00df, regnete es. Doch es regnete nicht nur einfach, es flossen Gebirgsb\u00e4che aus rauschendem Wasser \u00fcber die Dachkanten, und die Stra\u00dfen wurden langsam, aber sicher zu anschwellenden Str\u00f6men des Niederschlags. Ich konnte mich mit ein paar schnellen Schritten unter das Dach einer kleinen Bushaltestelle retten und war zumindest f\u00fcr den Moment halbwegs im Trockenen. Es galt nun, auf den Bus zu warten. Die Anzeigetafel k\u00fcndigte mir das rettende Transportmittel in 15 Minuten an.<\/p>\n<p>Jedoch wurde am Ende aus diesen 15 Minuten \u00fcber eine Stunde. Warum erz\u00e4hle ich Ihnen das? Ganz einfach, es war eine Zigarre, die mir an diesem Abend das Leben rettete \u2013 im \u00fcbertragenen Sinne. Denn als ich bemerkte, dass der Bus wohl nicht so schnell kommen w\u00fcrde, nahm ich meine Zigarre, die ich f\u00fcr die Feierlichkeiten bereitgestellt hatte, zur Hand und entflammte sie an der Bushaltestelle. W\u00e4hrend die ganze Stadt langsam ertrank, sa\u00df ich einfach nur da und blickte in den Regen hinaus und rauchte, genoss die W\u00e4rme in meiner Hand und den s\u00fc\u00dflichen Duft, der durch meine Nase quoll. Es war diese Zigarre, die mir einen wirklich miesen Moment vergoldete. Ich hatte weder einen bequemen Ohrensessel unter mir noch einen wohltemperierten Scotch auf einem Mahagonitisch neben mir stehen. Es war nicht Ludwig van Beethoven, der mir das Klangbild der Perfektion zu Geh\u00f6r brachte, sondern lediglich der stetige Wasserschlag des Himmels, der auf den Asphalt prasselte. Und die Zigarre war mein Rettungsring, w\u00e4hrend die Welt um mich langsam unterging. Es handelte sich um die gleiche Zigarre, die ich heute gerne mit Ihnen gemeinsam genie\u00dfen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Wenn Sie die ersten Z\u00fcge der Arturo Fuente Rosado Sungrown Magnum R V52 genie\u00dfen, werden Sie bemerken, wie unglaublich weich und dicht der Rauch ist. Er transportiert bereits zu Beginn eine leichte S\u00fc\u00dfe und eine ordentliche Portion W\u00fcrze. Das Aromenspiel ist von Anfang an sehr ausgewogen und komplex. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnten wir jetzt wieder in die Tiefe gehen und den Ankl\u00e4ngen von Leder und Zeder nachsp\u00fcren. Stattdessen m\u00f6chte ich Sie einladen, die Zigarre nur zu genie\u00dfen, sich keine Gedanken zu machen. Lassen Sie Ihren Geist einfach nur dahinfliegen und die Eindr\u00fccke, die der Geschmack bei Ihnen ausl\u00f6st, vor\u00fcberziehen. Lassen Sie sich auf die Zigarre ein. Es geht nicht darum, den Moment zu kontrollieren oder zu planen, sondern darum, ihn als das anzuerkennen, was er ist.<\/p>\n<p>Es ist oft die Zigarre, die einen beinahe banalen Moment zu einem unvergesslichen Augenblick werden l\u00e4sst, und nicht der unvergessliche Augenblick, der eine Zigarre zur h\u00f6chsten Kunstform erhebt.<\/p>\n<p>Es braucht eine Vielzahl an H\u00e4nden, damit eine Zigarre entsteht, aber mehr noch ben\u00f6tigt es Zeit und Geduld. Jede Zigarre, die wir genie\u00dfen d\u00fcrfen, ist hoch potenzierte Zeit. Zeit, die wir zur\u00fcckbekommen in den Momenten, in denen wir sie genie\u00dfen d\u00fcrfen, und das macht einen gro\u00dfen Teil der Freude und der Entspannung aus, die wir so gerne empfinden, w\u00e4hrend wir den Nebelschwaden nachh\u00e4ngen, die zum Himmel emporsteigen. Nicht umsonst verwendet Carlito Fuente gerne den Ausdruck \u201eHands of time\u201c.<\/p>\n<p>Die Zigarre, die wir im Moment genie\u00dfen, ist ein Musterbeispiel an Verarbeitung und Blending. Sie ist ausgewogen und dabei gleichzeitig geradlinig und komplex. Sie hat den Hauch von kubanischem Geschmack in sich, der bei so vielen Passionados beliebt ist; sie hat die W\u00fcrze, die typisch f\u00fcr das Hause Fuente ist \u2013 und doch eigentlich untypisch f\u00fcr die Dominikanische Republik. Sie \u00fcberfordert niemals, belohnt einen mit S\u00fc\u00dfe und einer Buttrigkeit, die ihresgleichen sucht. Es gibt wohl keinen Moment, den diese herrliche Sch\u00f6pfung nicht veredeln w\u00fcrde. Und dabei ist sie jederzeit auch einfach nur eine Zigarre.<\/p>\n<p>Um auf meine Geschichte von vorhin zur\u00fcckzukommen: Als nach weit \u00fcber einer Stunde der Bus endlich kam, waren meine F\u00fc\u00dfe nass und mir war f\u00fcrchterlich kalt. Jedoch konnte ich nicht aufh\u00f6ren zu grinsen, denn der Genuss war so herrlich, dass ich beinahe zu einer weiteren Zigarre gegriffen h\u00e4tte, um noch eine Stunde auszuharren. Es war eine der k\u00f6stlichsten Zigarren, die ich jemals rauchen durfte. Genau dort, im verregneten Wien, an einem nasskalten Abend, w\u00e4hrend ich in der K\u00e4lte auf einen Bus wartete, der wom\u00f6glich niemals kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Heute halte ich meine Augen stets f\u00fcr solche Momente offen. Ich habe schon an den ungew\u00f6hnlichsten Orten Zigarren genossen und dabei in manch unangenehmen Erlebnissen Sch\u00f6nheit und einen Augenblick des Friedens gefunden. Das alles dank einer Zigarre, die ich bei mir hatte. Wer wei\u00df, vielleicht erz\u00e4hle ich Ihnen einmal die Geschichte, als ich am Flughafen D\u00fcsseldorf vor dem Taxistand, auf einer vier Zentimeter breiten Leiste kauernd, fast zwei Stunden gewartet habe. Dieser Moment war legend\u00e4r, und auch dort hatte ich das einer Zigarre zu verdanken.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zu unserer Zigarre. Diese Fuente, die wir derzeit genie\u00dfen, wartet im letzten Drittel mit einer gewaltigen Geschmacksexplosion auf. Leder, Erde, Kaffee, Schokolade und Kandiszucker sind die Hauptakteure eines unglaublichen Finales.<\/p>\n<p>Mir ist bewusst, dass es diesmal nicht die \u00fcbliche gef\u00fchrte Verkostung war, jedoch freut es mich, dass ich ein wenig abschweifen durfte und Ihnen aus meinem Leben als Passionado erz\u00e4hlen konnte. Jede Zigarre hat ihre eigene Geschichte, berichtet von ihrer eigenen Zeit und ihrer Entstehung. Nehmen Sie sich also hin und wieder Zeit und \u201eh\u00f6ren Sie der Zigarre zu\u201c, ohne ihr einen Moment der Perfektion aufzuzwingen. Ich versichere Ihnen, das lohnt sich immer. Zigarren sind meistens einfach nur Zigarren \u2013 und das ist auch gut so!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arturo Fuente Rosado Sungrown Magnum R52<\/p>\n","protected":false},"author":119,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[39],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66729"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/119"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66729"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66729\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66729"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66729"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66729"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}