{"id":64607,"date":"2023-08-10T11:47:25","date_gmt":"2023-08-10T09:47:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/gemeinsam-testen-weniger-luxus\/"},"modified":"2023-08-21T12:12:58","modified_gmt":"2023-08-21T10:12:58","slug":"gemeinsam-testen-weniger-luxus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/gemeinsam-testen-weniger-luxus\/","title":{"rendered":"Gemeinsam testen \u2013 weniger Luxus"},"content":{"rendered":"<p><em>In den verwinkelten Gassen der Stadt, in einer kleinen Wohnung, hauste ein Mann mit auff\u00e4lligen Manieren. Er war ein Liebhaber der feinen K\u00fcnste, doch keine Kunstform verk\u00f6rperte seinen Geschmack so sehr wie die Zigarre. Er umgab sich stets mit einem Duftschleier aus exquisiten Rauchwolken, der ihn wie eine Aura der \u00dcberheblichkeit umgab. <\/em><\/p>\n<p><em>Seine Zigarrensammlung war beeindruckend. In einem mit Gold verzierten Humidor bewahrte er die seltensten und teuersten Zigarren der Welt auf. Er hatte sie aus allen Ecken der Erde zusammengetragen, von den Tabakfeldern Kubas bis hin zu den Anbaugebieten der Karibik und der neuen Welt. Keine Zigarre war ihm zu teuer, solange sie seinen vermeintlichen Reichtum zur Schau stellte. Doch sein Reichtum war Hochstapelei. Wer reich ist, raucht bekanntlich Zigarre. Bei gesellschaftlichen Anl\u00e4ssen war er stets im Mittelpunkt. Er pflegte jede Zigarre mit \u00fcberheblichem Stolz. Er w\u00fcrde seine Zigarre in der Hand schwingen wie ein Dirigent. Und wenn er den Rauch ausstie\u00df, lie\u00df er ihn mit einer \u00fcbertriebenen Geste entweichen, als ob er seine eigenen Vorstellungen von Noblesse und Gro\u00dfartigkeit verk\u00f6rpern w\u00fcrde. Trotz seines prahlerischen Gehabes \u00fcbersah niemand, dass er eigentlich nichts von Zigarren verstand. Sein zeremonielles Paffen war nichts als eine Farce. Ein trauriger Narr, der wahre Kunst niemals sch\u00e4tzen konnte und in dessen Wohnung sp\u00e4tabends die Einsamkeit durch jede Ritze des Fu\u00dfbodens kroch. <\/em><\/p>\n<p>Zugegeben, dass ist zynisch \u00fcberspitzt. Herzlich willkommen in unserem literarischen Rauchsalon. Diese Mal werden wir keine Zigarre gemeinsam verkosten. Dieses Mal m\u00f6chte ich mit Ihnen eine Schattenseite beleuchten, die uns Passionados schon lange begleitet, \u00fcber die aber scheinbar niemand so recht sprechen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Die Zigarrenkultur hat in den letzten Jahrzehnten einen bemerkenswerten Aufschwung erlebt. Immer mehr Menschen entdecken die Freuden des Paffens und genie\u00dfen die entspannte Atmosph\u00e4re und die gesellschaftliche Bindung, die diese alte Tradition mit sich bringt. Nat\u00fcrlich gibt es viele Leute, die vom Zigarrengenuss nichts halten, sei es aufgrund des hohen Preises oder des vermeintlichen Luxus-Images, das damit verbunden ist. Dann wiederum zieht aber auch dieses falsche Bild von vermeintlichem Luxus Menschen an, und so ist es nicht verwunderlich, dass das Luxussegment boomt wie noch nie. In den sozialen Netzwerken wird gerne gezeigt, was man sich alles leisten kann. Nach den \u201ePreisanpassungen\u201c kubanischer Zigarren an das Preisniveau von Hongkong konnte man erleben, dass in den darauffolgenden Tagen die Postings in den diversen Facebook-Gruppen und Reddits durch die Decke gingen. \u201eSeht her, mir ist der Preis egal\u201c, war oft das Motto.<\/p>\n<p>Vor allem in Europa wird das zu einem Thema. In den USA ist der durchschnittliche Zigarrenraucher zwischen 25 und 45. In Zigarrenlounges sieht man mehr Jeans und Sweatpants als elit\u00e4re Herren im Dinnerjacket mit Cognacschwenker. Es sind eher Menschen im T-Shirt mit Laptop und Kopfh\u00f6rern, die eine kleine Auszeit vom Alltag suchen.<\/p>\n<p>In Europa wird oft das Bild vom wohlhabenden Menschen gezeichnet, der im Ohrensessel in der Bibliothek seines Ch\u00e2teaus vor einem alten Globus sitzt, der zur Bar umfunktioniert wurde, und eine seiner noblen K\u00f6stlichkeiten genie\u00dft.<\/p>\n<p>Wo ist da das Problem? Ganz einfach: Passionados in aller Welt leiden zunehmend unter staatlichen Restriktionen. Importeure und Gro\u00dfh\u00e4ndler k\u00e4mpfen mit rigorosen b\u00fcrokratischen H\u00fcrden und Auflagen. Das Ziel ist klar: Rauchen soll abgeschafft werden!<\/p>\n<p>In der Europ\u00e4ischen Union ist es schon beschlossene Sache. 2040 soll der Raucheranteil unter f\u00fcnf Prozent der Bev\u00f6lkerung liegen. Das gilt dann de facto als rauchfrei. Track-and-Trace, Plain Packaging, Ekelbilder, Rauchverbot in Gastg\u00e4rten oder an \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen sind nur der Anfang. Der Fahrplan steht seit Jahren fest, n\u00e4mlich seit Beschluss der ersten Tobacco Products Directive (TPD).<\/p>\n<p>Was hat das jetzt alles mit dem Wohlstandsklischees des Zigarrenrauchers zu tun? Es ist ganz einfach. Wir sind zu wenige Menschen, um uns Geh\u00f6r zu verschaffen. Umso wichtiger ist es, mehr Leute zur Zigarre zu f\u00fchren, Aufkl\u00e4rungsarbeit zu betreiben und ihnen den Genuss n\u00e4herzubringen. Kurz, die Welt der Zigarre braucht eine breitere Basis. Und eine breitere Basis braucht in erster Linie Nachwuchs, Offenheit und Diversit\u00e4t. Nur zu oft wird das Bild der verschworenen Gemeinschaft und der \u201egeheimen\u201c Zirkel bewusst oder unbewusst gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>In einem namhaften Londoner Etablissement h\u00e4ngt ein wundersch\u00f6nes Messingschild und darauf steht: \u201eWe don\u2019t care what you wear\u201c (Uns ist egal, welche Kleidung du tr\u00e4gst). Es ist diese Einstellung, die Zigarre als verbindendes Element zu st\u00e4rken, nicht die Kleidung, den sozialen Stand oder gar die politischen Ansichten. Eine Reise des Wissens beginnt, wenn wir uns alle der Aufgabe widmen, Menschen zu inspirieren. Workshops und Veranstaltungen werden dann zu Schaupl\u00e4tzen des Lernens, an denen die Vielfalt und die facettenreiche Welt der Aromen enth\u00fcllt werden. Durch Wissensvermittlung und ein gemeinsames Erleben wird das Zigarrenrauchen zu einer symphonischen Erfahrung, die nicht nur den Augenblick erf\u00fcllt, sondern das Leben bereichert.<\/p>\n<p>Wir alle, die wir den Genuss bereits zelebrieren, sollten alles daf\u00fcr tun, diesen Genuss anderen Menschen n\u00e4herzubringen. Das bedeutet auch, Erfahrungen und M\u00f6glichkeiten zu er\u00f6ffnen und zu teilen. Das bedeutet vor allem Schluss mit dem st\u00e4ndigen \u201eIch hab was, was du nicht hast\u201c.<\/p>\n<p>Es wird Zeit, die Zigarrenkultur zu demokratisieren und die Tore zu \u00f6ffnen, damit jeder wahren Genuss erleben kann. Lassen wir uns nicht l\u00e4nger vom Glanz des Luxus blenden. Leiten wir eine neue \u00c4ra ein! Es ist an der Zeit, dass die Zigarrenwelt erbebt und die Zigarre nicht mehr als Symbol f\u00fcr scheinbaren Reichtum und dekadenten Luxus steht. Wir sind eine Gemeinschaft, eine Familie, wir sind Passionados aus vollem Herzen und aus ganzer Seele!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den verwinkelten Gassen der Stadt, in einer kleinen Wohnung, hauste ein Mann mit auff\u00e4lligen Manieren. Er war ein Liebhaber der feinen K\u00fcnste, doch keine Kunstform verk\u00f6rperte seinen Geschmack so sehr wie die Zigarre. Er umgab sich stets mit einem Duftschleier aus exquisiten Rauchwolken, der ihn wie eine Aura der \u00dcberheblichkeit umgab. Seine Zigarrensammlung war<a href=\"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/gemeinsam-testen-weniger-luxus\/\" title=\"Read more\" >&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":119,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mi_skip_tracking":false},"categories":[39],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64607"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/119"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64607"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64607\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":64715,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64607\/revisions\/64715"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64607"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64607"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.cigarjournal.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64607"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}